Ich bezweifle aber vehement, dass man auf diese Art und Weise sein Kind zur deutschen Hochschulreife upgraden kann. Da sind die Unterschiede in didaktischer und inhaltlicher Hinsicht zu gewaltig. Und was dann? Entweder für 1 oder 2 Jahre nach Deutschland (extremer Zeitverlust, Nachteil bei etwaigen Bewerbungen, wenn man dann mit Jüngeren konkurrieren muss), um dort die deutsche Hochschulreife zu erwerben, oder nach der Gaokao an einer chinesischen Universität studieren, wo das Elend dann aber prompt weitergeht? Denn auch chinesische Universitäten sind keine Schulen für Freidenker. Die Seminare werden genauso durchgeführt, wie es in der Mittelschule methodisch der Fall war. Vorbeten, nachbeten...doch dieses Mal, ohne es auch verbal wiederholen zu müssen, sondern stillschweigend zuhören. Kolloquien, Seminare? Habe ich während meiner Zeit an einer chinesischen Universität nicht gesehen. Selbst Sprachkurse fallen in der Regel so aus, dass der Lehrer 1 1/2 Stunden lang ununterbrochen redet und die Studis alles nur mitschreiben oder mitlesen. Überhaupt null Interaktivität.Linnea hat geschrieben:Es geht ein Weg herum, der nennt sich Hausunterricht - ob man das will (und/oder kann) ist eine andere Frage. Ob eine chinesische Schule immer schlecht sein muss ebenfalls. Was oft ausgeblendet wird ist, dass es durchaus möglich ist das chinesische Schulsystem locker zu nehmen, aber nur dann, wenn eben kein chinesischer Abschluss angestrebt wird - und genau das trifft auf chinesische Schüler auch nicht zu. Ich kenne solch "kaltschnäuzige" Familien persönlich, und die Kinder versanken weder im Leistungsdruck noch in nächtelangen Hausaufgaben, sondern hatten durchaus Freizeit, Freiheiten und Raum für Freundschaften.
Es ist kein Zufall, warum so viele Studenten im Ausland studieren wollen, warum so viele Eltern ihr letztes Hemd verkaufen, um ihr Kind ins Ausland zu schicken. Ein vernichtendes Gesamtbild des chinesischen Bildungswesens, wirklich. Und das einem Kind antun zu wollen, wäre wirklich eine Bestrafung meiner Meinung nach...

