kennt einer von euch

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
Marco73
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kennt einer von euch

Beitrag von Marco73 »

das buch " carl weter´s educational law " ?? ich weiss nicht warum aber meine frau ist da total drauf abgeflogen, das macht mir etwas angst :?

dieses buch scheint mir ne art pflicht lektüre in china japan usw für werdende mütter zu sein,
nun hab ich etwas im netz rumgesucht und rausgefunden das es sich im original um ein buch von karl witte handelt aus dem jahr 1819. hab sogar fanclubs im netz gefunden die das buch für den heiligen gral der kindererziehung halten.

wenn einer das buch kennt und damit erfahrung gemacht hat,bitte mal melden


danke

lg Marco
Mathias
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Mathias »

Andy_yi
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Andy_yi »

In China wurde das Buch jedoch Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem Bestseller. Dort hoffen seitdem Millionen Chinesen, dass ihre Kinder mithilfe von Wittes Buch zu einem Genie werden.
Selten sowas dämliches gehört. :lol:
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corneta
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von corneta »

Den zweiten Band kann man online lesen, allerdings in altdeutscher Schrift. Insgesamt sieht es mehr nach einer Biographie mit Lehrquakakter aus, als nach einem Sachbuch.
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RoyalTramp
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von RoyalTramp »

Chinesen sind halt extrem "begeisterungsfähig"! Selbst in Bezug auf abstruseste Theorien. Man will hier halt nichts unversucht lassen, das der Nachwuchs ein kleiner Einstein oder Mozart wird. Dieses auf Elite trimmen bei den Chinesen ist z.B. etwas, was mich an China mächtig anätzt. Ich kapiere das nicht: Sollen die doch froh sein, dass das Kind völlig gesund auf die Welt gekommen ist und gönnen sie ihm eine schöne Kindheit, denn als Erwachsener wird das Leben in China schon "scheiße" genug werden mit dem ganzen Druck über und überall. Aber nein...das Kind muss schon mit 1 zur frühkindlichen Spracherziehung, am besten gleich mit Englisch und wenn man schon dabei ist auch gerne Mathematik. Auf keinen Fall mit anderen gemeinsam im Park irgendwo seinem Naturell entsprechend spielen lassen. Das Kind könnte ja ein Idiot werden, weil es mal nicht für 5 Minunten mit "Wissen" vollgestopft worden ist. Dann immer schön Milch reinschaufeln, damit es auf Wunschmaße 1,90 m, 80 kg wächst und so weiter und so weiter...

Sorry, aber das musste ich einfach mal los werden. Was ich hier teilweise an Kindererziehung erlebe in China...völlig versubjektiviert mein Meinung natürlich...wäre ich das Jugendamt, wären hier so einige Eltern ihre Kinder los. Schrecklich...einfach nur schrecklich. Einfach mal Kind sein...Kind...das scheint hier in China einfach nicht möglich zu sein. Die ziehen hier eine Generation heran, die schon mit 14 völlig kaputt und ausgebrannt sein wird...Katastrophe...!
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Sean »

Eine Nebenwirkung der Ein-Kind-Politik... Wenn man nur einen Schuss hat, muss der eben mitten ins Ziel treffen.
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Babs
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Babs »

Einerseits ist es bestimmt eine Nebenwirkung der Ein-Kind-Politik, andererseits aber auch eine Reaktion auf den gigantischen Konkurrenzkampf um Uni-Plätze, der in den letzten Jahren ausgebrochen ist. Ein Abschluss an einer Nullachtfufzehn Uni ist heutzutage nichts mehr wert. Einzig der Abschluss an einer der renommierten Universitäten bietet noch die Sicherheit, angemessen bezahlte Arbeit zu bekommen. Da Eltern im Alter in der Regel immer noch von ihren Kindern finanziell abhängig sind, ist es deshalb kein Wunder, dass sie mit allen Mitteln versuchen, aus ihrem Kind ein "Genie" zu machen.
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RoyalTramp
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von RoyalTramp »

Ich weiß nicht, ob ich das so auf die Ein-Kind-Politik schieben würde. Es fehlt mir hier (völlig subjektiv) häufig einfach grundsätzlich an jedwedem elterlichen Instinkt gegenüber den Kindern. Wenn ich ein Kind hätte, dann würde ich alles dran setzen, dass es eine möglichst glückliche und unbeschwerte Kindheit verbringen kann. Mir wäre wichtig zu sehen, dass mein Kind glücklich ist. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, was an einem Kind "glücklich" oder schön sein soll, dass sich bereits mit 8 Jahren mit Aufputschmitteln vollstopfen muss. Aber das ist wahrscheinlich meine völlig "versaute" westliche Einstellung zum Aspekt der Erziehung, die dahinter steckt, dass ich ein Kind in erster Linie ein Kind sein lassen würde.

So sehr ich den allgemeinen Familiensinn hier in China bewundere, aber so sehr muss ich konstatieren, dass vielen Chinesen das Konzept der elterlichen Liebe, so wie ich es verstehe (<- Betonung, ohne Anspruch, dass meine Ansicht die richtige ist), völlig fremd ist.
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Mathias »

Marco73 hat geschrieben:... ich weiss nicht warum aber meine frau ist da total drauf abgeflogen, das macht mir etwas angst :? ...
Schenk Deiner Frau doch einen Gedichtband von Kahlil Gibran :wink:
Bernhard
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Bernhard »

Ich weiß auch nicht.... in Japan ist es ja schon länger Gang und Gäbe, den Nachwuchs auf diese Art zu gängeln. Es ist großenteils wohl asiatische Mentalität ("meritocracy", wie manche "Patrioten" es überzeugt nennen). Im Fall Chinas wird es vielleicht durch die ein-Kind-Politik noch verschärft. Wenn man nur ein Kind hat, soll dieses wenigstens etwas "gescheites" werden. Abgesehen davon, liegt oft auf einem Uni-Studenten die Hoffnung einer ganzen (ländlichen) Verwandtschaft.


Ok, das ist jetzt ein bisschen OT, aber ich möchte es trotzdem einmal loswerden:

Was mich sehr wundert ist, dass es in Asien allgemein keine Gegenbewegungen gibt. Eine Situation wird als gegeben akzeptiert, auch wenn es eigentlich unmenschliche Bedingungen sind. Und jeder macht mit, oft über Generationen.

In Europa ist es im Allgemeinen so, dass übertriebene Haltungen der einen Generation heftige Gegenbewegungen der nächsten hervorrufen. In Asien kommt es meiner Wahrnehmung nach meistens nicht dazu.

Hat jemand eine Ahnung, warum?
Mathias
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Mathias »

Bernhard hat geschrieben:... Was mich sehr wundert ist, dass es in Asien allgemein keine Gegenbewegungen gibt. Eine Situation wird als gegeben akzeptiert, auch wenn es eigentlich unmenschliche Bedingungen sind. Und jeder macht mit, oft über Generationen.

In Europa ist es im Allgemeinen so, dass übertriebene Haltungen der einen Generation heftige Gegenbewegungen der nächsten hervorrufen. In Asien kommt es meiner Wahrnehmung nach meistens nicht dazu ...
Ich habe mich auch schon oft darüber gewundert, daß z.B. chinesische Jugendliche relativ "zahm" sind, verglichen mit den "lieben Kleinen" im Westen. Obwohl ich mir hier jetzt auch kein allgemeingültiges Urteil zutraue.

Vielleicht hat es was mit dem, doch noch recht stark verwurzelten, Konfuzianismus zu tun. Allerdings würde ich den Generationenkonflikt des Westens auch nicht überbewerten. Viele der 68er Hausbesetzer und Revoluzer werden heute als Immobilienhaie, Anwälte oder Politiker fett.

Wie war das gleich mit dem Establishment ... ? :mrgreen:
Bernhard
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Bernhard »

Mathias hat geschrieben: Ich habe mich auch schon oft darüber gewundert, daß z.B. chinesische Jugendliche relativ "zahm" sind, verglichen mit den "lieben Kleinen" im Westen. Obwohl ich mir hier jetzt auch kein allgemeingültiges Urteil zutraue.
Die vorigen Generationen waren sehr zahm, soweit ich das wahrnehmen kann. Und nicht nur zahm, sondern auch irgendwie sehr unschuldig. Wobei bei Chinesen manchmal der Schein trügt.
Allerdings scheint mir, dass die jüngste Generation jetzt auch irgendwie anders ist. Nicht dass sie Revoluzzer wären und alles anders machen wollten. Aber die jetzigen Kinder und jungen Jugendlichen scheinen mir auch oft vorlaut und frech zu sein.
Mathias hat geschrieben: Allerdings würde ich den Generationenkonflikt des Westens auch nicht überbewerten. Viele der 68er Hausbesetzer und Revoluzer werden heute als Immobilienhaie, Anwälte oder Politiker fett.
Manches wiederholt sich, aber anderes hat sich auch dauerhaft geändert. Ob immer zum Besseren, weiß ich nicht.
Irgendwie bleibt das aber in Asien aus. Vor allem beim Beispiel Japan wundert es mich, dass dieser extreme Druck und teilweise auch Drill seit Generationen klaglos mitgemacht wird. China ist demgegenüber wohl noch eher gemäßigt...
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von beowulf »

Muss bei soetwas immer an Cesar Millan, den Hundetrainer der sogar Eric Cartman gezähmt hat, denken. :wink: Hunde brauchen nach seiner Meinung, Disziplin, Übung/Sport und Zuneigung und zwar in der Reihenfolge. In den USA bekommen nach ihm Hunde viel Zuneigung, aber zuwenig Disziplin und Auslauf. Häufig werden die beiden Punkte sogar vollkommen vergessen.

So jetzt sind sicher viele ganz schockiert, da ich hier eine Paralle zur Kindererziehung sehe. Wie bei Hunden, gelten aber auch bei Kindern mehrere Faktoren. Kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich Chinesen kenne, die trotz extrem strenger Erziehung (manchmal sogar mit körperlicher Gewalt verbunden) einen besseren Draht zu ihren Eltern haben, als Österreicher welche quasi antiautoritär in einer Patchworkfamilie in der Mama und Papa #1 u. #2 eher die Rolle von älteren Freunden eingenommen haben, aufgewachsen sind.

Die schlechtesten Beziehungen sind häufig in Familien zu finden, in denen den Kindern gaaanz viel Freiraum gegeben wird. Oft bedeutet dieses Freiraum geben, nur das die Eltern selbst Freiräume haben wollen.

@warum in Asien es da keine gigantischen Veränderungen gibt....

Vielleicht weil die Asiaten ihre jeweils eigene Kultur haben und dementsprechend anders sozialisiert sind, als wir? Nur so eine Idee ;-)

Übrigens habe ich nicht das Gefühl, dass Asiaten generell alles hinnehmen. Kommt auf den Kontext darauf an. Deutsche sind z.B. was schriftliche Regeln* betrifft x mal gefügsamer als Chinesen. War das nicht Lenin der gesagt hat, in Deutschland wird es keine Revolution geben, da Rasen betreten verboten ist? :wink: Bei Chinesen hingegen gibt es eine klarer ausgeprägte Rollenverteilung und hierarchisches Denken. Vor allem in Bezug auf die Familie.

Direkte Vergleiche greifen also daher zu kurz und ein "Chinesen sind gehorsamer als Deutsche" etc. ist eine fehlerhafte Aussage, Chinesen sind höchstens in Bezug zu einem Punkt/Kontext (z.B. Schule) gehorsamer. Hier muss man sehr vorsichtig sein, da man sonst in falsche und zu kurz greifende Stereotype abrutscht und die Gefahr groß ist fehlerhafte Schlüsse zu ziehen.

* bezüglich Regelorientierung von Deutschen:
http://www.auwi-bayern.de/awp/inhalte/A ... meiden.pdf" target="_blank
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DaWei
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von DaWei »

Vielleicht spielt aber eher das in China immer gegenwärtige Mianzi eine Rolle, als der Wunsch nach Erfolg für das Kind selbst. Wie steht man den da, wenn alle Freunde Kinder an Top-Unis haben, nur man selbst nicht?
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Re: kennt einer von euch

Beitrag von Laogai »

DaWei hat geschrieben:Vielleicht spielt aber eher das in China immer gegenwärtige Mianzi eine Rolle, als der Wunsch nach Erfolg für das Kind selbst. Wie steht man denn da, wenn alle Freunde Kinder an Top-Unis haben, nur man selbst nicht?
Mianzi (面子 = das Gesicht im Sinne von "Das Gesicht wahren" oder halt "verlieren") ist zwar ein wichtiger Aspekt in der chinesischen Zivilisation, hat jedoch kaum etwas mit Sozialneid zu tun!

Nein, hier geht es schon in erster Linie um den Erfolg des Kindes. Denn wenn das Kind (finanziell) erfolgreich ist, dann ist auch die eigene Zukunft abgesichert. Das ist zwar eher eine Denkweise aus dem 18. Jahrhundert und davor, aber man darf nicht vergessen, dass China innerhalb weniger Jahre vom 18. Jahrhundert ins 21. Jahrhundert katapultiert wurde. Das meine ich keinesfalls abwertend den Chinesen gegenüber, das wäre bei uns in Europa unter den gleichen Voraussetzungen nämlich nicht anders ergangen.
Laogai <=> 老盖, Ex-Blogwart
Konfuzius sagt: "Just smile and wave, boys. Smile and wave."
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