Eltern-Kind-Beziehung

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Babs
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Eltern-Kind-Beziehung

Beitrag von Babs »

Das Ereignis von 1935 im heutigen Geschichtsthread hat mich an ein Phänomen erinnert, das mich schon lange beschäftigt. Warum geben so viele chinesische Paare ihre Kinder kurz nach der Geburt der Großmutter und lassen sie da erstmal für zwei oder drei Jahre?
Im Fall von Mao Zedong und He Zizhen handelte es sich natürlich um etwas anderes. Es war mitten während des langen Marsches und kleine Babies wären da nur ein Hindernis gewesen. Trotzdem beschäftigte mich diese Geschichte sehr, bis ich mich wieder daran erinnerte, dass es bei vielen meiner chinesischen Freunde (hauptsächlich diejenigen, die im Ausland lebten) durchaus üblich war, ihr Kind kurz nach der Geburt der Großmutter in China zu geben und es erstmal bei ihr zu lassen.

Während bei uns im Westen die „frühe Bindung“ großgeschrieben wird, sehen Chinesen das offenbar anders. Eine Freundin erklärte es damit, dasss die Kinder doch noch so klein seien und eh noch nichts davon mitkriegten und für die jungen Paare sei diese Regelung optimal, da sie sich nicht ums Kind kümmern müssten und sich ganz der Arbeit oder dem Studium widmen könnten.

Diese Kinder kommen im Alter von zwei oder drei Jahren also zu Eltern, die sie höchstens von kurzen Besuchen kennen und die Eltern nehmen ein Kind zu sich, das sie ebenfalls nur von kurzen Besuchen kennen. Im Westen schrillen in solchen Fällen die Alarmglocken der Entwicklungspsychologen. Dazu kommt, dass von den heute über 40-jährigen Chinesen viele in ihrer Kindheit zwischen Eltern, Großeltern und Kinderheimen hin und hergeschubst wurden, je nachdem, wer grade Zeit hatte, sich um sie zu kümmen. Nach unserem westlichen Verständnis müssten diese Kinder alle geschädigt sein. Sie sind es aber nicht, im Gegenteil. Sie wachsen zu gesunden und fähigen Mitgliedern der Gesellschaft auf und zeigen keinerlei psychische Störungen.

Sehen Chinesen die Eltern-Kind-Beziehung vielleicht grundsätzlich anders als wir? Ist ihnen emotionale Bindung weniger wichtig, dafür vielmehr Respekt und Gehorsam der Kinder ihren Eltern gegenüber? Ist es für Chinesen allgemein wichtiger, von ihren Kindern im Alter finanziell unterstützt zu werden, als eine gute Beziehung zu ihnen zu haben?

(Kann ich davon ausgehen, dass es für He Zizhen weit weniger grausam war, ihre Kinder wegzugeben, als ich es mir vorstelle – zumal es ja „nur“ Töchter waren? Dass sie mir auch sonst leid tut, ist eine andere Geschichte 8) ).

Was meint Ihr zu dem Thema? Vielleicht wäre das Thema ja auch was fürs Buchprojekt, dazu müssten aber ein paar Antworten auf meine vielen Fragezeichen kommen :D

Babs
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incues
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Re: Eltern-Kind-Beziehung

Beitrag von incues »

Wow, das ist interessant.
Bei meiner Freundin war es nämlich auch so. Ihre Eltern leben in HK, aber die ersten 4 Jahre ist sie in Shanghai bei den Großeltern aufgewachsen. Mit dem Effekt, dass sie die Muttersprache der Eltern nicht beherrschte, bzw. das erlernte vergaß und Shanghai'nesisch lernen musste und mit 4 Jahren dann Rotz und Wasser geheult hat, als ihre Eltern sie mit nach HK genommen haben. Ihr persönliches empfinden war natürlich, dass die Großmutter die leibliche Mutter ist. Sie sagt immer, dass ihre Eltern kein Geld für ein weiteres Kind gehabt hätten und deshalb hätten ihre Eltern sie zu den Großeltern gegeben. Mag das wirklich der einzige Grund sein? Durchaus vorstellbar, aber ich hatte vorher noch nie davon gehört, dass es auch ein anderen Familien so abläuft (dass es vllt sogar eine Art "Brauch" sein könnte).
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happyfuture
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Re: Eltern-Kind-Beziehung

Beitrag von happyfuture »

Ein wirklich interessantes Thema!

Ich sage vorab, dass ich in Geschichte oder Heimatkunde nicht so firm bin jedoch kommt mir dies alles bekannt vor. Denke ich etwas in den Generationen meiner oder mir bekannter Familien aus Deutschland zurück, so war es auch hier bis zu den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich, teils von Geburt an die Kinder an Großeltern oder Onkel/Tanten "abzugeben". Meist ging es in diesen Fällen um "Überlebensstrategien", was ein ebenso vielfältiges Thema ist.

Persönlich vergleiche ich hier in China so einiges mit der Entwicklungsgeschichte Deutschlands - für mich alles zeitversetzt und China hat eine wesentlich höhere "Taktung" - kann sein, dass diese Vergleiche nicht wirklich Sinn machen ... :roll:

Mein älteste Tochter ist in den ersten Jahren auch bei den Großeltern aufgewachsen ... :)
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Re: Eltern-Kind-Beziehung

Beitrag von ingo_001 »

happyfuture hat geschrieben:Persönlich vergleiche ich hier in China so einiges mit der Entwicklungsgeschichte Deutschlands - für mich alles zeitversetzt und China hat eine wesentlich höhere "Taktung" - kann sein, dass diese Vergleiche nicht wirklich Sinn machen ... :roll:
Sehe ich ähnlich.
Es gab sogar bei meiner Frau (während der Schwangerschaft) mal die Überlegung, unsere Kleine für ein Jahr nach China "abzugeben" :roll:
War aber spätestens nach der Geburt unserer Kleinen auch für meine Frau kein Thema mehr :wink:
happyfuture hat geschrieben:Mein älteste Tochter ist in den ersten Jahren auch bei den Großeltern aufgewachsen ... :)
Wir wurden während der Wochenenden des Öfteren bei unseren Großeltern "geparkt" :mrgreen:
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.
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Rala
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Re: Eltern-Kind-Beziehung

Beitrag von Rala »

Sehe ich ähnlich.
Es gab sogar bei meiner Frau (während der Schwangerschaft) mal die Überlegung, unsere Kleine für ein Jahr nach China "abzugeben"
War aber spätestens nach der Geburt unserer Kleinen auch für meine Frau kein Thema mehr
Das war bei uns auch mal kurz ein Thema. Anfangs dachte ich, das waere gar nicht so ernst gemeint. Ich konnte mich damit aber ueberhaupt nicht anfreunden.
Gruß
Rala
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