Ich hab immer gedacht, Kühe sind heilig
Ich halt mich da mit meiner Kritik zurück, wenn ich daran denke was auf deutschen Strassen (Tiertransporte) täglich passiert, trau ich mir keinen moralischen Zeigefinger zu erheben.
Ausserdem hat auch in China ein Tierleben nicht unbedingt den gleichen Stellenwert als in Deutschland.
Ich sehe aber hier durchaus Parallelen mit den Bedingungen für Demokratie. Der moderne Tierschutz hat seine Wurzeln in der aufkommenden Bürgerschicht des 20. ja, sogar 19. Jahrhunderts*. Ist auch logisch, in einer Agrargesellschaft in der regelmäßig Hühner und Schweine geschlachtet werden, herrscht ein ganz anderer - pragmatischer - Bezug zu einem Tierleben, als in der städtischen Bürgerschicht die das Fleisch schon filletiert vorgelegt bekommt. In Südkorea - ein Land, dass den Anschluss an die "reiche" westliche Welt schon mehr oder weniger geschafft hat, kann man inzwischen das Aufkommen von Tierschutzbewegungen und ein gewissen Umdenken wahr nehmen. Natürlich sind Südkoreaner da noch nicht auf dem gleichen Niveau wie Deutsche, es kommt aber langsam. Ein weiterer Punkt ist der, dass Tiere in bürgerlichen Gesellschaften ihren Platz als Nutztiere verlassen und zu "Familienmitgliedern" werden. In China kann man das gerade bei Hunden und Katzen beobachten. Inzwischen haben angeblich schon mehr Chinesen Hunde als Deutsche (pro Kopf gesehen!). Dies hinterlässt auch Spuren. Gerade im Internet (das ja hauptsächlich von jungen, städtischen Chinesen bevölkert wird) kann man inzwischen immer öfters "Empörung" sehen, wenn irgendein Tierquälerei Video (aktuelles Beispiel auf Chinasmack - eine Hundekampf) auftaucht. Vor ein paar Jahren noch wäre dies ignoriert worden oder hätte sogar "Belustigung" hervorgerufen.
Die Geschichte oben ist aber auch aus einer anderen Perspektive interessant, sie zeigt ziemlich klar, dass Tierschutz aus "religiösen" Gründen nicht mit westlichen Tierschutz gleichzusetzen ist. Dort bezieht sich der Tierschutz auf religiöse Gesetze und oft nur auf einzelne Tiere. Eine wirklich ethnische Grundlage gibt es dafür nicht bzw. wird diese nicht in der Realität gehandhabt (Buddhismus).
Der Tierschutz der "Naturvölker" wird von mitteleuropäischen Wohlstandsbürgern verklärt und romantisierend gesehen. Vor allem bei "Tibetern" fällt mir das auf. Wenn ich da solche prägenden - aber idiotischen - Geschichten sehe, wie im Film 7 Jahre in Tibet, wo die Regenwürmer einzeln aus der Erde gegraben werden um sie nicht zu verletzen, wird mir ganz schlecht. Interessant ist da schon die Geschichte von Colin Goldner (ja genau, der Dalai Lama Gegner) wie er zu seiner Kritik an den tibetischen Buddhismus gekommen ist. Eines Tages beobachtet Goldner nämlich wie tibetische Mönche in einem Kloster einen Affen unter großen Gelächter zu Tode quälten und da "fiel" es ihm dann wie Schuppen von den Augen.

Der arme Goldner kommt da mit den Propaganda Esoterik Bildern in den Himalaya und muss dann darauf kommen, dass dies gar nicht so stimmt. Seine Reaktion ist aber auch typisch. Der Tierschützer Goldner springt gleich in das andere Extrem und nimmt den tibetischen Buddhismus nicht mehr als Flower Power Religion sondern
als satanistischen Blut und Gedärme Kult war und bleibt in gutbürgerlichen westlichen Projektionen und Interpretationen gefangen.
*Schoppenhauer: "daß es gegen Tiere keine Pflichten gäbe, ist geradezu eine empörende Roheit und Barbarei des Occidents, deren Quelle im Judenthum liegt". Die Argumentation gegen die Juden waren unter anderen auch ein Grund für die Propagierung des Tierschutzes unter den Nationalsozialisten. Tierschutz wird und wurde also auch im politischen Diskurs als rethorische Waffe benützt um die moralische Überlegenheit der eigenen Gruppe zu unterstreichen. Gerade bei China finden sich viele solcher Tierquälerei Geschichten in unseren Medien, über Indien (eigentlich hier Nepal) - bis auf die Ausnahme da oben, wobei man sagen muss, dass ein ähnliches Fest in China in deutschen Medien sicher x mal durchgekaut werden würde - findet man da nur sehr wenig.
Das ist das wo ich die politische Propaganda sehe. China ist noch in vielen Belangen ein 2-3 Welt Land, in dem natürlich noch viele Misstände herrschen. Diese Misstände findet man aber quer über den ganzen Globus und in den meisten Ländern sogar noch schlimmer. China wird aber in unseren Medien immer als extrem schlimm Sonderbeispiel dargestellt. Die restliche Welt (die ja kein wirtschaftlicher oder politischer Konkurrent ist) wird in ein rosa Licht getaucht.
Deswegen gibt es auch diese extrem unterschiedliche Wahrnehmung von Indien und China, die mit der Realität nichts zu tun haben.