laogai hat geschrieben:beowulf hat geschrieben:Die Erfahrung ist natürlich noch heute präsent. Wie soll sie nicht präsent sein?
Weil es heute (05.08.2009. Mist, schon wieder nach 0:00 Uhr

) kaum noch Menschen gibt, welche die Zeit vor 1949 aktiv in China erlebt haben.
Alle anderen haben keine Erfahrungen, sondern müssen sich mit dem begnügen, was ihnen durch Hörensagen und/oder Propaganda vermittelt wird.
Wie sind deine Erfahrungen aus dem Jahr 1949 und davor? Oder hast du keine,
Bürschchen 
1. Gibt es noch genug Leute die die Zeit vor 1949 erlebt haben. Das ist aber sekundär.
2. Gibt es soetwas wie ein kollektives Bewußtsein. Man kann genauso daraufhinweisen, dass die Nazi Zeit bis heute in Deutschland präsent ist. Auch wenn die meisten Menschen, die damals gelebt haben tot sind. Das ist auch klar, es gibt in der Geschichte dermassen einschneidende Erlebnisse die sich sogar noch nach Jahrhunderten bemerkbar machen. Besonders dann, wenn ein aktueller Bezug da ist, der auf diese historische Erfahrung erinnert. (z.B. reagierte Deutschland sehr empfindlich gegen den US-Hurra Patriotismus* von Bush und verwies dabei auf die Nazi Zeit).
Und bei China hat man den aktuellen Bezug. Rußland u. Jugoslawien zerbrachen bei ihrer Demokratisierung und die westliche Wertegemeinschaft half aktiv nach und versuchte sich zu holen was geht. Die Nato steht jetzt schon vor China.
Jetzt kommen noch die lautesten (und eigentlich auch die einzigen) Rufe bezüglich Demokratisierung und Förderungen verschiedener Separisten Gruppen aus dem Westen und das ruft einfach gewisse Erinnerungen wach. Schon damals förderte der Westen die Spannungen in China und wußte schon, was gut für China ist (nämlich sich der "Marktwirtschaft" zu öffnen, dafür fuhren sie auch mit Kriegsschiffen vor)
Natürlich kann man die Schuld auf die Propaganda schieben (in Deutschland wird die Erinnerung an die Nazi Zeiten auch durch die Massenmedien gepflegt und gehegt)
Und es stimmt, dass der Kolonialismus in China auch in Filmen, Dokus oder Artikeln abgehandelt wird. (Interessanterweise in Hongkong sogar mehr als in der Volksrepublik meiner Meinung nach.)
Aber dies als einfache Propaganda und gezielte Beeinflussung der Bevölkerung abzutun und als Ursache für die extremen Meinungsunterschiede zwischen West und Ost anzubieten, ist nicht nur überheblich, sondern auch extrem gefährlich. Den Kolonialismus als überzogene Propaganda Aktion der Kommunisten abzutun, ist genauso falsch wie den Holocaust als überzogene Propaganda Aktion der Zionisten abzutun. Da kann man genauso gut sagen, wieviele Juden haben den eigentlich noch aktiv miterlebt.
Vielleicht sollten wir uns hier im Westen weniger mit der Frage beschäftigen ob der Kolonialismus jetzt eh nicht so schlimm war oder ob er nicht schon verjährt ist etc., sondern mehr mit der Frage welche Verhaltensweisen und Phrasen die Erinnerung in China wecken. Dann gebe es vielleicht auch weniger Spannungen und weniger aufgebrachte chinesische "Nationalisten" über die man sich aufregen muss.
(*Patriotismus ist in Deutschland etwas furchtbar schlimmes. Alle anderen Länder sind so primitiv und huldigen noch den Patriotismus, nur Deutschland - das großartige Deutschland - ist so reif und hat erkannt, dass dies falsch ist. Ich finde das einfach exrem ironisch und muss mich da immer schütteln vor lachen.

)