Demopraphischer Wandel

Alle Themen rund um Politik in der Volksrepublik China
Pinyin
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Demopraphischer Wandel

Beitrag von Pinyin »

Nicht nur in Europa wird intensiv über die demographische Entwicklung nachgedacht. Auch in China wird das Thema immer wieder diskutiert und Maßnahmen beschlossen. Ich möchte gerne hier die Chance eröffnen über das Thema zu diskutieren und vielleicht auch verschiedene Politikansätze in unterschiedlichen Regionen Chinas zu erörtern.

Wie in den Medien zu lesen ist, wurde nun in Shanghai die Ein-Kind-Politik gelockert. Ehepaare die Einzelkinder sind, sollen ermutigt werden Kinder zu bekommen. Auch in der Region rund um Shanghai sind viele Menschen älteren Semesters beheimatet und das chinesische Wachstum ist auch in Zukunft auf junge und motivierte AbreitnehmerInnen angewiesen, um das ökonomische Wachstum stabiel zu halten. Aus diesen Grund wird die vor 30 Jahren beschlossene Ein-Kind-Politik nicht nur in Shanghai aufgeweicht. In vielen Regionen wird mittlerweise die Geburt eines zweiten Kindes (vor allem, wenn das erste Kind ein Mädchen war) geduldet.

Auch ich glaube, dass das langfristige Wachstum einer Volkswirtschaft mit dem Wachstum der Bevölkerung positiv zusammenhängt. Die Gestalltung der demographischen Entwicklung wird ein entscheidener Faktor sein, ob China auch weiterhin langfristig an die positive wirtschaftliche Entwicklung anknüpfen kann.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Topas »

Um eine Bevölkerung einigermassen stabil zu halten ( also "null" wachstum ) ist eine Quote von 2,1 Kindern erforderlich. Dies sollte das Ziel vieler Länder sein, da sich somit die infolge der Überbevölkerung auftretenden Probleme nicht noch weiter verschärfen. Was mich allerdings etwas wundert, ist , wie doch die Bevölkerung Chinas bie der Ein-Kind-Politik weiter wachsen konnte, vor allem in dem Masse der letzten 30 Jahre. Alleine an der gestiegenen lebenserwartung kann es nicht liegen, weil 70, 80 und 90 Jährige wohl kaum ihr erstes Kind in die Welt setzen.
Ein Wachstum mit der Begründung der positiven Wirtschaftsentwicklung und damit des Wohlstands zu fördern ist nicht in Ordnung, aus dem Grund, da je mehr Menschen existieren, desto mehr externe Effekte und Solidaritätsleistungen seitens des Staates auftreten. Somit gleicht sich das Plus mit dem Minus mehr oder weniger wieder aus. Auch die Erde hat ihre Grenzen wie mensch ja jetzt schon in einigen Ländern sehen kann....
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Pinyin
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Pinyin »

Das ein hohes Bevölkerungswachstum einhergeht mit negativen externen Effekten ist auch in China offensichtlich. Hingegen besteht gerade aus der Sicht einer Volkswirtschaft die Notwenigkeit weiter zu Wachsen, da die geborenen Menschen auch weiter versorgt werden möchte. Beispielsweise ist die Chinesische Bevölkerung auf eine Vielzahl von jungen Menschen angewiesen, wenn man einmal an die "sozialen Sicherungssysteme" denkt. Alleine das Rentensystem basiert auf der Produktivität der zukünftigen Gerneration. Dies gilt sowohl für ein Umlagesystem (wie es in Deutschland gibt) als auch für die interfamiliäre Versorgung. Also wenn sich die jungen Familienmitglieder um die älteren kümmern. Die einzige Alternative zu diesem System wäre eine Versorgung durch eine Kapitaldeckung und die ist im chinesischen System nun wirklich nicht erkennbar (zum mindest bis jetzt noch nicht signifikant). Also wird der Politik nichts anderes übrig bleiben als die demographische Entwicklung zu gestallten und negative Effekte in Kauf zu nehmen. Sicher werden die externen Effekte der Volkswirtschaft Chinas nicht im vollen Umfang von dem chinesischen Volk externallisiert und die Weltgemeinschaft wird sich Strategien überlgen müssen, wie man mit den Auswirklungen des Bevölkerungswachstums in den Entwicklingsstaaten (also nicht nur in China) umgeht.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Topas »

recht hast du.

Aber gerade die Steuersysteme sind ein schönes Beispiel dafür, dass es ein Problem des Systems ist und nicht der Machbarkeit. Und ein politisches System, welches ganz offensichtlich einer Reform bedarf, weiter zu konservieren, mit in Kaufnahme wietere sozialer verschiebungen und Zwickmühlen , halte ich eher für nicht sinnvoll. Lieber ein kurzer Knall, als später ein nicht mehr abwendbarer Auswuchs auf andere Teile der sozialen Sicherung.

Und : Wirtschaftlicher fortschritt ist mit einem anderen Modell auch durchaus unabhängig von der demographischen Entwicklung realisierbar. Die Frage ist, inwieweit denn die Menschen bereit sind, einen strukturellen Wandel, der auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, durch kurzfristige Einschnitte mit zu tragen ? Ego lässt grüssen....
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von aquadraht »

Pinyin hat geschrieben:Das ein hohes Bevölkerungswachstum einhergeht mit negativen externen Effekten ist auch in China offensichtlich. Hingegen besteht gerade aus der Sicht einer Volkswirtschaft die Notwenigkeit weiter zu Wachsen, da die geborenen Menschen auch weiter versorgt werden möchte.
Daraus folgt nur, dass die Volkswirtschaft bezüglich des Ausstosses von Produkten und Leistungen zum Erhalt desselben Versorgungsniveaus mindestens so schnell wachsen muss wie die Bevölkerung. Oder anders gesagt, das Produktivitätswachstum muss mindestens so gross sein wie das Bevölkerungswachstum.
Beispielsweise ist die Chinesische Bevölkerung auf eine Vielzahl von jungen Menschen angewiesen, wenn man einmal an die "sozialen Sicherungssysteme" denkt. Alleine das Rentensystem basiert auf der Produktivität der zukünftigen Gerneration. Dies gilt sowohl für ein Umlagesystem (wie es in Deutschland gibt) als auch für die interfamiliäre Versorgung. Also wenn sich die jungen Familienmitglieder um die älteren kümmern. Die einzige Alternative zu diesem System wäre eine Versorgung durch eine Kapitaldeckung und die ist im chinesischen System nun wirklich nicht erkennbar (zum mindest bis jetzt noch nicht signifikant). Also wird der Politik nichts anderes übrig bleiben als die demographische Entwicklung zu gestallten und negative Effekte in Kauf zu nehmen.
Hier wird es falsch. Du verwechselst Produktion (in materiellen Gütern und Leistungen), Produktionswert (Preissumme der Produktion je Periode) und Produktivität (Produktion in Mengen- oder Preiseinheiten je Beschäftigtenstunde).

Zutreffend ist, dass das Wirtschaftsergebnis der arbeitenden Gesellschaftsmitglieder für alle, auch die nicht arbeitenden, reichen muss, also für Kinder, Schüler, Studenten und Auszubildende, für Arbeitslose und Arbeitsunfähige und für die wegen Alters aus dem Arbeitsprozess Ausgeschiedenen.

Falsch ist, dass man immer mehr Junge braucht. Wichtig ist nicht, wie alt die Menschen sind, die mit ihrer Arbeit die für die Gesellschaft nötigen Dinge und Leistungen erzeugen, sondern dass sie arbeiten. China hat heute schon eine geschätzte un- oder unterbeschäftigte Reserve von 40-80 Millionen Arbeitsfähigen (es gibt sogar noch höhere Schätzungen bis zu 140 Millionen). Nur wenn alle Arbeitsfähigen in Arbeit sind _und_ die Produktivität nicht steigt, braucht man Neuzugänge aus Bevölkerungswachstum (durch Geburtenüberschuss oder Zuwanderung).

In China sehe ich eher ein Problem darin, alle Arbeitswilligen in Arbeit zu bringen, auch angesichts eines schnellen Produktivitätswachstums. Selbst wenn die Geburtenrate unter die Reproduktionsrate sinken würde, wäre die Versorgung der Alten dadurch nicht gefährdet.

Ob umlage- oder kapitalgedeckt, hat damit ohnehin nichts zu tun. Nach dem Mackenroth-Theorem kann in jeder Periode nur verbraucht werden, was erzeugt wird. Da ist egal, ob ein Versorgungsanspruch auf umlage- oder kapitalgedeckter Rente beruht. Beide Rentenfinanzierungssysteme haben Vor- und Nachteile, aber das ist eine ganz andere Debatte.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Topas »

Ich kenne zwar so einige Theorems, aber das Mackenroth nicht.

Folgende Frage : Was ist denn mit Produzierten Gütern der Vorperiode, die in der Vorperiode nicht verbraucht wurden, und somit in der aktuellen Periode ebenfalls zusätzlich verbraucht werden könnte. ( Lagerinvestitionen ). Dann wäre der Verbrauch gesamt grösser als die Produktion....
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Pinyin »

@ aquadraht

Ich gebe dir durchaus Recht, dass es an der Steigerung der Produktivität der AN liegt und nicht an der Anzahl der nachwachsenden Bevölkerung. Hingegen gehe ich aber davon aus, dass mit steigenden Wirtschaftswachstum die Grenzerträge abnehmend verlaufen. Dies bedeutet, dass die Wachstumsraten langfristig niedriger ausfallen werden. Um dies zu kompensieren steht das Bevölkerungswachtum schon in einer positiven Korellation mit dem Produktivitätswachstum.
Minimieren kann man diesen Effekt, wenn China verstärkt in Human-Kapital und F&E investiert. Damit würde der Bedarf an jungen Menschen geringer ausfallen aber auch hier sind klare Grenzen gesetzt die ab einem bestimmten Punkt eine wachsende Zahl der Bevölkerung notwendig machen.

Hingegen möchte ich dir bei deiner These zur Kapitalsdeckung vs. Umlagesystem klar wiedersprechen. Wenn wir in diesem Zusammenhang das Solow-Swan-Modell einbeziehen kann k* nur in Verbindung mit der Anzahl der wachsenden Bevölkerung erreicht werden. Wenn also die Kapitalbildung links vom Steady-State-Gleichgewicht liegt, ist die Ersparnis höher als der Bedarf nachwachsender Generationen und ein Umlagesystem wäre empfehlenswert. Liegt k hingegen rechts von Steady-State-Gleichgewicht ist eine kapitalgedecktes System empfehlenswert.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von aquadraht »

Topas hat geschrieben:Ich kenne zwar so einige Theorems, aber das Mackenroth nicht.
Lies mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Mackenroth-Theorem
Folgende Frage : Was ist denn mit Produzierten Gütern der Vorperiode, die in der Vorperiode nicht verbraucht wurden, und somit in der aktuellen Periode ebenfalls zusätzlich verbraucht werden könnte. ( Lagerinvestitionen ). Dann wäre der Verbrauch gesamt grösser als die Produktion....
Und wie lange kann er das sein? Mal abgesehen davon, dass die Lagerung auch eine Art der Verwendung, und damit gesamtwirtschaftlich eines Verbrauchs darstellt. Denn Lagerhaltung ist auch eine Wirtschaftstätigkeit.

Generell haben natürlich alle volkswirtschaftlichen Betrachtungen etwas Spekulatives. Dennoch ist die Sicht von Mackenroth an sich recht vernünftig. Egal welche Finanzierungsart, in jeder Periode müssen die Bedürfnisse der Gesellschaft gedeckt werden.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Pinyin »

Topas hat geschrieben:Ich kenne zwar so einige Theorems, aber das Mackenroth nicht.

Folgende Frage : Was ist denn mit Produzierten Gütern der Vorperiode, die in der Vorperiode nicht verbraucht wurden, und somit in der aktuellen Periode ebenfalls zusätzlich verbraucht werden könnte. ( Lagerinvestitionen ). Dann wäre der Verbrauch gesamt grösser als die Produktion....

Wenn in der Vorperiode mehr produziert wurde als verbraucht wurde, wird sich das langfristig aufs Gleichgewicht auswirken und die Produktion wird in den Folgeperioden gedrosselt bis sich die Lagerhaltung wieder stabilisiert. Dies konnten wir auch in vielen Fällen in China beobachten. Durch die starke Exportabhängigkeit und dem Nachfrageeinbruch aus dem Ausland, mussten einige Produktionsbetriebe sogar geschlossen werden. In den Medien war dies primär bei den Protesten der AN zu sehen. Im Zuge das Konjunkturprogramme besteht die Hoffnung auf eine Nachfragesteigerung des Auslandes. U.a. deswegen kann man auch den Anstieg der chinesischen Aktienkurse erkennen.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von aquadraht »

Pinyin hat geschrieben:@ aquadraht

Ich gebe dir durchaus Recht, dass es an der Steigerung der Produktivität der AN liegt und nicht an der Anzahl der nachwachsenden Bevölkerung. Hingegen gehe ich aber davon aus, dass mit steigenden Wirtschaftswachstum die Grenzerträge abnehmend verlaufen.
Irgendwann werden Sättigungsprozesse eintreten, was auch gut so ist. Immerhin sind die Ressourcen auch nicht unendlich.
Dies bedeutet, dass die Wachstumsraten langfristig niedriger ausfallen werden. Um dies zu kompensieren steht das Bevölkerungswachtum schon in einer positiven Korellation mit dem Produktivitätswachstum.
Warum muss man das mit Gewalt kompensieren? Ich sehe den Zweck einer Volkswirtschaft in der Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Mitglieder, nicht in maximalen Erträgen für Unternehmen. Ein wesentlicher Grund der gegenwärtigen Krise ist ja, dass man mit ausweichen in immer irrationalere "Finanzprodukte" die Erträge künstlich hochgehalten und aufgebläht hat. Dafür zahlen wir derzeit und in Zukunft einen hohen Preis.
Minimieren kann man diesen Effekt, wenn China verstärkt in Human-Kapital und F&E investiert. Damit würde der Bedarf an jungen Menschen geringer ausfallen aber auch hier sind klare Grenzen gesetzt die ab einem bestimmten Punkt eine wachsende Zahl der Bevölkerung notwendig machen.
Also um ganz ehrlich zu sein, viele Bereiche der chinesischen Wirtschaft sind heute schon overstaffed. Selbst in Wangfujing oder Sanlitun hat man trotz Konsumboom oft mehr Verkäufer/innen als Kunden, was es oft nervig macht, einfach mal zu schauen. Ein starkes Wachstum der Produktivität muss erstmal kompensiert werden, ohne dass es zu starker Arbeitslosigkeit kommt.
Hingegen möchte ich dir bei deiner These zur Kapitalsdeckung vs. Umlagesystem klar wiedersprechen. Wenn wir in diesem Zusammenhang das Solow-Swan-Modell einbeziehen kann k* nur in Verbindung mit der Anzahl der wachsenden Bevölkerung erreicht werden.


Mal abgesehen davon, dass ich das nicht ganz sehe (bei Samuelson wird ein dem Mackenroths ähnlicher Ansatz formalisiert, in einem Modell, das Solows Modell mindestens teilweise integriert), halte ich Solows Wachstumsmodell auch nur für teilweise brauchbar. Ein-Gut-Modelle sind eine Vereinfachung mit dem Holzhammer.

P.S.: Entschuldige die etwas schludrige Abhandlung Deiner Einwände, aber ich bin auf Arbeit und habe die Bücher nicht da zum Nachschauen.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Liberator »

Topas hat geschrieben:Um eine Bevölkerung einigermassen stabil zu halten ( also "null" wachstum ) ist eine Quote von 2,1 Kindern erforderlich. Dies sollte das Ziel vieler Länder sein, da sich somit die infolge der Überbevölkerung auftretenden Probleme nicht noch weiter verschärfen. Was mich allerdings etwas wundert, ist , wie doch die Bevölkerung Chinas bie der Ein-Kind-Politik weiter wachsen konnte, vor allem in dem Masse der letzten 30 Jahre. Alleine an der gestiegenen lebenserwartung kann es nicht liegen, weil 70, 80 und 90 Jährige wohl kaum ihr erstes Kind in die Welt setzen.
Das mit der höheren Lebenserwartung gilt ja für alle, beginnend mit den Neugeborenen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein vor 30 Jahren in China geborenes Kind heute noch lebt, ist ja sehr viel höher, als die wahrscheinlichkeit, das ein um 1900 in China geborenes Kind um 1930 noch gelebt hat.

Sprich: Bei gleichbleibender Zahl der Geburten steigt die Zahl derjenigen, die das reproduktive Alter erreichen und selbst wieder Kinder kriegen
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Pinyin »

[quote="aquadraht"]

Lies mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Mackenroth-Theoremquote]

Ich möchte hier auch nicht für eine Kapitaldeckung werben, da ich das Umlagesystem für wesentlich stabiler halte als eine reine Kapitaldeckung. Ich denke in diesem Punkt kommen wir überein. Auch die Krisenanfälligkeit des Umlagesystems ist wesentlich geringer in Bezug auf die Kapitalmarktrisiken.

Hingegen besteht schon das Problem der demographischen Entwicklung und das in Zukunft wenige Arbeitnehmer für mehr Rentner sogen müssen. Bei den Wachstumsraten in Deutschland führt dies zu einen Problem, da die Produktivität der AN nicht im Umfang steigt, der ausreicht um die finanziellen Anforderungen der Sozialversicherungen zu befriedigen. Deshalb wäre für die Situation in Deutschland eine Ergänzung durch eine teilweise kapitaldeckungsbasierendes System ratenswert. Dies wird ja auch im Zuge der Riester Rente, die von der rot-grünen Bundesregierung eingeführt wurde, umgesetzt.

Hingegen glaube ich, dass man dieses Systen nicht einfach auf die Situation in China übertragen kann. Hier haben wir teilweise sehr hohe Wachstumsraten aber auch eine Überallterung in manchen Regionen. Reicht das Wachstum und die Steigerung der Produktivität aus, um den Bedarf der kommenden Generation zu befriedigen, kann man mit Mackenroth-Theorem arbeiten. Aber ich kritisiere, dass hier nicht die Sparquote berücksichtigt wird. Gerade diese ist u.a. auch in China bei dieser Diskussion zu berücksichtigen. U.a. besitzt der Staat hohe Vermögenswerte (denkt man nur mal an die Dollarreserven). Somit ist dieser Faktor in der Diskussion nicht zu vernachlässigen und alleine mit dem Mackenroth Theorem können wir nicht die Situation in China darstellen. Das wäre 1. zu vereifacht und 2. würden wir wichtige Faktoren einfach ausblenden.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Liberator »

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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Topas »

@ Liberator :

Auch mit der Lebenserwartung wird - sofern nicht der Jungbrunnen gefunden wird - eine natürliche Grenze erreicht werden. Klar, es gibt viele Faktoren, die miteinbbezogen werden, und letztendliche arbeiten alle mehr oder weniger mit vereinfachten Modellen, da oftmals zu komplexe Situationen vorherschen um sie in ihrer Gesamtheit zu verstehen.
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Re: Demopraphischer Wandel

Beitrag von Topas »

aquadraht hat geschrieben:
Topas hat geschrieben:Ich kenne zwar so einige Theorems, aber das Mackenroth nicht.
Lies mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Mackenroth-Theorem
Folgende Frage : Was ist denn mit Produzierten Gütern der Vorperiode, die in der Vorperiode nicht verbraucht wurden, und somit in der aktuellen Periode ebenfalls zusätzlich verbraucht werden könnte. ( Lagerinvestitionen ). Dann wäre der Verbrauch gesamt grösser als die Produktion....
Und wie lange kann er das sein? Mal abgesehen davon, dass die Lagerung auch eine Art der Verwendung, und damit gesamtwirtschaftlich eines Verbrauchs darstellt. Denn Lagerhaltung ist auch eine Wirtschaftstätigkeit.

Generell haben natürlich alle volkswirtschaftlichen Betrachtungen etwas Spekulatives. Dennoch ist die Sicht von Mackenroth an sich recht vernünftig. Egal welche Finanzierungsart, in jeder Periode müssen die Bedürfnisse der Gesellschaft gedeckt werden.

Siehe im Wikiartikel mal den Kritikpunkt.

Wenn tatsächlich nur soviel produziert würde wie der Bedarf ( Nachfrage, Konsum ) da ist, dann gäbe es mehr oder weiniger keine Konjunkturellen Schwankungen. Basierend auf der Rechnung Y= Ca + c(Y-T) + I + G ( Import und export mal aussen vor gelassen ) gibt es eine variable Konsumquote die je nach Erwartungshaltung ( bzgl der wirtschaftlichen Lage in der Folgeperiode ) schwankt. Vergleiche den ROBERTSON-LAG.
Lagerinvestitionen sind je nach der Erwartungshaltung der Konsumenten ( deren Ausgaben bestimmen ja die Produktion mit ) als positiv oder negativ zu betrachten. Jedoch verwendet ( = konsumiert ) werden diese nicht, wenn sie positiv sind ( Überproduktion ).Sie liegen wortwörtlich auf Lager, und versursachen ausser Lagerkosten, längere Kapitalbindung, und geringere Risikobereitschaft nichts. Es kommt noch dicker : wenn nun weniger produziert wird als nachgefragt ( negative lagerinvestition, Unterproduktion ) werden die positiven Lagerinvestitionen der Vorperiode mitkonsumiert. Ein Gleichgewicht ist somit erst dann gegeben, wenn die Erwartungshaltung der Konsumenten und damit deren Ausgaben samt Sparquote gleich dem Produktionsniveau ist und es keine neg/pos Lagerinvestitionen gibt. Und auf eben diese Erwartungshaltung ( beeinflusst durch Medien, private wirtschaftliche Situation usw. --> variable Sparquote ( c(Y-T) ) ) kommt es an, inwieweit Produziert wird. Mackenroth hat Recht wenn er sagt, dass produktion und Bedarf voneinander abhängig sind, aber er lässt Schwankungen aussen vor, die nun mal da sind. Ein JAhr, indem Fisselsgenau dass Produziert wird, was wir nachfragen wird es nie geben. Es werden immer konjunkturelle Schwankungen da sein. Es gibt Trends - langfristig gesehen.
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