Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

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Philipp
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Philipp »

Aremonus hat geschrieben:
Schnapsflasche in der Hand habe ich hier jedenfalls noch keinen Penner gesehen
Hast du denn in Europa schonmal einen Solchen gesehn? Sojemanden hab' ich weder hier in China noch in der Schweiz entdeckt bis jetzt...

Ja, in Deutschland scheinen die meisten Obdachlosen die man herumschlürfen sieht Alkoholprobleme zu haben. Neben Besoffenen hab ich auch schon in der Nachbarschaft von einem gehört der zu Tode gefroren ist, weil er im Winter besoffen im Stadtpark eingepennt ist. Häufig sieht man bei denen sogar schon eine deutliche Gangataxie (Folge von langjährigem Alkoholismus).
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bossel
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von bossel »

Babs hat geschrieben:@bossel: bin enttäuscht :D
Sorry. Hatte das als eine Antwort auf meine Frage nach Belegen für seine These verstanden.


Aremonus hat geschrieben:Hast du denn in Europa schonmal einen Solchen gesehn?
Sonst hätte ich es wohl kaum erwähnt. Auch recht häufig (vielleicht sogar häufiger als Schnaps) ist Wein, seltener Bier (was ich so gesehen habe, kann natürlich sein, daß abends in geselliger Runde dann doch mehr Bier verzehrt wird).
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Topas
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Topas »

@ phillip :

Warum Pop-Psychologie. Du kannst doch den Wahrheits - bzw. den Plausibilitätsgehalt nicht daran fest machen, ob bestimmte Forschungen und deren Ergebnisse oft in Medien u.ä. auftauchen oder nicht.

Du meinst wohl eher, das unsereiner nicht einfach "fremde" Ergebnisse Gedankenlos wiedergeben sollen, ohne sich selbst damit auseinandergesetzt zu haben ? Dem stimme ich voll und ganz zu. +
Bzgl. der Psychologie - gerade was Kindheit und Sucht angeht -kannst du mir ruhig vertrauen, das ich mich damit teilweise schon seit jahren ausseinandersetze und dementsprechend Literatur habe.

Ok ?
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von bossel »

Topas hat geschrieben:Bzgl. der Psychologie - gerade was Kindheit und Sucht angeht -kannst du mir ruhig vertrauen, das ich mich damit teilweise schon seit jahren ausseinandersetze und dementsprechend Literatur habe.
Na, dann sollte es doch ein Leichtes sein, Deine Aussage durch Quellen zu belegen.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Topas »

Doch gerne :

Ursula Lambrou : Helfen oder Aufgeben ?
(rororo 1996 ) ISBN 3-499-19955-6

Seite 20 ff (Warum wird jemand Alkoholiker, Der Beginn der Sucht )

Apropo ist in dem Zusammenhang auch co-Abhängigkeit interessant,

Melody Beattie : Die Sucht gebraucht zu werden
(Heyne 1993) ISBN 3-453-03760-X

Ich hab jetzt grad noch ein weiteres Buch von Ursula Lambrou in der Handm aber das obere sollte erst mal reichen.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von bossel »

Tja, sowas hatte ich schon befürchtet. Ratgeber. Das hat aber leider wenig mit einem wissenschaftlichen Nachweis zu tun, der Alkoholismus auf kindliche Prägung zurückführt.
Topas hat geschrieben:Ursula Lambrou
Habe ja leider keine deutschen Bibliotheken zur Verfügung, daher muß ich mich mit Onlinefunden zufriedengeben. Aber die sagen ja auch schon einiges.

Immerhin hat die Dame eine Feldstudie durchgeführt. Unglücklicherweise in einem derart beschränkten Ausmaß, daß sie nicht sonderlich aussagekräftig (für die Frage der Prägung zumindest) ist.
Aus einer Rezension von Lambrous Familienkrankheit Alkoholismus bei socialnet:
Allerdings liegt die Hauptzielgruppe bei den selber Betroffenen, so dass im Buch auf eine genauere Darlegung, wie die Autorin mit Hilfe der Grounded Theory zu ihren Kategorien kommt, und auf eine kritische Beleuchtung der Grenzen der Verallgemeinerbarkeit verzichtet wird. Leider fehlen auch Ausführungen über fetale Alkoholeffekte,

Damit Du auch mal eine etwas aktuellere Aussage zum Thema hast:
"Anhand dieser Darstellung wäre nachzuvollziehen, warum mitbetroffene Kinder, trotz schlechter Erfahrungen mit der Alkoholabhängigkeit ihrer Eltern bzw. eines Elternteils, sich ebenso zu Alkoholikern oder anderen Suchtkranken entwickeln können. Aber auch hier ist darauf hinzuweisen, dass es sich lediglich um Vermutungen handelt, da entsprechende Studien fehlen." [Hervorhebung meinerseits]
aus
Kinder aus alkoholbelasteten Familien - Diskussion theoretischer Ansätze und empirischer Ergebnisse unter dem Gesichtspunkt der Folgen für das Erwachsenenalter
Britta Böhnki, 2007

Wenn also 2007 noch keine aussagekräftigen Studien vorlagen, wie kann da irgendwas Definitives in den 90ern bekannt gewesen sein? Falls sie das wirklich so o.ä. in ihrem Buch gebracht hat: "Alkohohlsucht ( und auch die anderen Süchte ) entstehen in der Regel durch die kindliche Prägung", dann hat sie wahrscheinlich geflunkert. Sozialisation (sofern Du nicht doch auf Verhaltensbiologie bezugnimmst) ist ein extrem komplexer Prozess. Vor einfachen Antworten wird gewarnt.
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Zu der sach ich jetzt lieber nix, die spricht für sich selbst.
By M. Beattie:
Journey to the Heart: Daily Meditations on the Path to Freeing Your Soul
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Gratitude Inspirations by Melody Beattie
Stop Being Mean to Yourself: A Story about Finding the True Meaning of Self Love
:mrgreen:
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Philipp »

Das Problem bei den ganzen Theorien zur vermeintlichen kindlichen Prägung durch die Eltern ist auch, dass sie mögliche genetische Zusammenhänge meistens nicht berücksichtigen. Z.B. könnte man vermutlich nachweisen, dass Genies überdurchschnittlich in Haushalten aufgewachsen sind in denen die Eltern auch hochbegabt waren und Analphabeten überdurchschnittlich in sehr bildungsfernen Familien aufgewachsen sind. Dass diese Leute dann später selber Genies oder Analphabeten geworden sind muss aber nicht unbedingt an irgendeiner frühkindlichen Prägung durch die Eltern liegen, sondern kann auch einfach genetisch von den Eltern geerbt sein.

Ich vermute mal beim Alkoholismus ist es eine multifaktorielle Entwicklung mit einer genetischen Komponente und einer bestimmten Lebensgeschichte die die Leute zum Alkohol geführt hat.

Generell ist die Freudianische Idee der Bedeutung frühkindlicher Prägung durch die Eltern für den späteren Charakter in den letzten Jahren ganz stark unter Beschuss geraten, z.B. ist Steven Pinkers "The Blank Slate" ein ganz gutes Buch zu dem Thema.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Babs »

im Jahr 2004 wurde das "Alkoholismus-Gen" entdeckt :D

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Topas
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Topas »

Mal im Ernst :

letztendlich gibt es für alles pro und Kontra ...und gerade in der Psychologie beruhen irgendwelche Definitionen und die daraus hergeleiteten Wissenschaftlichen Erkenntnisse letztendlich wiederum auf der Psyche des Definierers.

@ Bossel : Klar, auch Darwin samt der Evolution steht derzeit stark unter Beschuss. Nur deshalb werde ich noch lange nocht Kreationist. Wo ich zustimme ist, das jede Sucht einen individuellen Ablauf hat. Auch lassen sich nicht pauschal Gründe definieren. Was aber drin ist, sind Empirien mit Hilfe statistischer Daten. Und Fakt ist nun mal - auch wenns wohl einigen nicht gefallen mag - dass wenn die Eltern süchtig sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch die Kinder süchtig werden, als bei Suchtfreien Eltern. Und wie gelangt unsereiner an empirischen Daten ? Eben durch die Erforschung der Lebensläufe und Erfahrungen von Süchtigen und ehemals Süchtigen. Weil Süchtige wissen am besten, wie die Sucht abläuft ( ich meine nicht wie sie entsteht ).

Es gibt folgende Aussage die ziemlich genau die Problematik der ganzen Sache beschreibt : "Die Sucht entsteht vor der Sucht"

Das bedeutet, dass das Suchtpotenziel schon in einem drin steckt, bevor diese überhaupt ausbrechen kann. Und es ein Suchtpotenzial entsteht oft durch Probleme im psychologischen und emotionalen Bereich ( Familie, Kindheit, Erlebnisse ). Nun weiss unsereiner auch, das gerade Erlebnisse in der Kindheit von weitaus grössere Bedeutung sind , als Probleme im Erwachsenenalter. Weil diese Erlebnisse die Entwicklungen in der Psyche beeinflussen bzw stören können. Abgeschlossen ist diese Entwicklung erst nach der Pubertät - also etwa mit 20.

Bis dahin ist der Mensch und die charakterliche wie psychologische Entwicklung noch lenkbar/ beeinflussbar. Somit liegt es wohl auf der Hand - wenn Kinder von den Folgen Der Sucht bei den Eltern ( als negative Erlebnisse ) geprägt werden. Weil : Alkoholisierte Eltern sind selten in der Lage dem Kind Geborgenheit, Sicherheit, echte Liebe zu geben. Und das sind ganz elementare Erlebnisse, welche ein Kind benötigt um später als Erwachsener nicht danach suchen zu müssen ( in Form etwa von Alkohol )
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von ingo_001 »

Topas hat geschrieben:Mal im Ernst :

letztendlich gibt es für alles pro und Kontra ...
... und genau deshalb diskutieren wir hier ja :mrgreen:
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Aremonus »

Naja meine Beobachtungen zeigen eigentlich eher das Gegenteil. In Familien, in denen der Vater Alkoholiker war, neigen die Kinder meist dazu, praktisch überhaupt nichts zu trinken und sind entsprechend sensibilisiert...
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Topas »

ouh.....da hat aber dann wohl ein statistischer Zufall mit dir gespielt.....da hab ich aber doch ganz andere Beobachtungen.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Aremonus »

ouh.....da hat aber dann wohl ein statistischer Zufall mit dir gespielt.....da hab ich aber doch ganz andere Beobachtungen.
Das ist auch möglich. Vielleicht kommt es auch noch auf die gesellschaftliche Schicht an; die obengenannten Familien waren eigentlich alle aus gutbürgerlichen Verhältnissen, also nicht gerade am rande der Armut; jedoch trotzdem am Rande der Verzweiflung, wenn man ein Familienmitglied dermassen leiden sieht.
Wie mir auffällt, ist übrigens gerade bei Bankern alkoholismus sehr verbreitet. Ist das auch statistischer Zufall oder gibt es da untersuchungen? Wie sieht das hier in China aus?
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von ingo_001 »

Topas hat geschrieben:ouh.....da hat aber dann wohl ein statistischer Zufall mit dir gespielt.....da hab ich aber doch ganz andere Beobachtungen.
Würde ich nicht so sehen.
Kurzes OT:
Meine Eltern sind beide typische Kettenraucher - meine Schwester und ich rauchen überhaubt nicht. Von den Beispielen kenne ich viele - leider auch solche, die in die Fussstapfen Ihrer rauchenden Eltern getreten sind.
In Bezug auf Alkohol dürfte das nicht wesentlich anders sein.
Den Faktor Zufall schliesse ich deshalb aus - dafür tritt der mir zu häufig auf.
Ich werd versuchen dafür auch Quellen zu finden.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von ingo_001 »

Aremonus hat geschrieben:Wie mir auffällt, ist übrigens gerade bei Bankern alkoholismus sehr verbreitet. Ist das auch statistischer Zufall oder gibt es da untersuchungen? Wie sieht das hier in China aus?
Den statistischen Zufall würde ich auch hier ausschliesen.
Hab schon vor einiger Zeit Studien gelesen, die nahelegen, das -gerade in Berufen mit hoher Verantwortung - (z.B. Arzt, Banker/Broker, Piloten etc.) Alkoholismus und andere Süchte überproportional häufig vorkommen. Kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass China Teil dieser Studien war. Mal sehen, ob ich die passenden Quellen noch auffinden kann.
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