Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

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ingo_001
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Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von ingo_001 »

Weil wir grad die Karnevals-/Faschingszeit hinter uns haben, fällt mir ein, dass ich obige Frage schon früher mal stellen wollte.

In Deutschland ist ja der "Trend" "Koma-Saufen" (ich sage bewusst nicht "trinken") schon seit einiger Zeit etabliert.
Gestartet wurde dieser "Trend" ja in GB.

Nun habe ich während meiner China-Aufenthalte zwar auch den einen oder anderen Angetrunkenen gesehen - aber im Vergleich zu unseren hiesigen Verhältnissen habe ich den Eindruck, dass das Thema Alkoholismus in China nicht öffentlich diskutiert, sondern eher im Verborgenen abgehandelt wird.

Auch haben wir keine Alkoholiker im Stadbild gesehen.
Wird die Alkoholsucht eher in den eigenen vier Wänden praktiziert (Stichwort: Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit) - oder werden sie gezielt von der Polizei von den (Haupt)-Straßen und aus den Innenstädten verbannt?
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von bttr »

Also "Koma Saufen" hat nicht unbedingt was mit Alkohol Sucht zutun.
Es gibt viele Jugendliche und junge Erwachsene die auch nur am WE was trinken und sich auf 1 Euro Partys dann den Abschuss geben.
Sowas gibts in China generell nicht, den Jugendliche / Studenten haben die Ansicht das des "Nightlife" nur was für "Bad Boys/Girls" ist.
Aber das Jugendliche, die Universitäten besuchen, sich nicht im "Nightlife" aufhalten wissen wir ja.

Die Leute die wirklich Alkohlkrank und nicht Obdachlos sind, versuchen ihre Sucht übrigens zu verbergen, das ist in China und auch in Deutschland so.
Da hat man auch in Deutschland Angst vor Gesichtsverlust, denn wenn man Alkohlkrank ist möchte man das sich meistens selbst nicht, geschweige denn der Öffentlichkeit eingestehen.

Wenn jemand betrunken auf der Straße ist, so das er pöbelt oder nur am brechen ist wird er nach Hause gebracht, sowohl in Deutschland als auch in China.
ingo_001 hat geschrieben: Auch haben wir keine Alkoholiker im Stadbild gesehen.
Alkoholiker erkennt man nicht unbedingt nur beim "vorbeigehen".
Wenn jemand mitten in der Stadt rumliegt und sich mit Schnaps ( whatever )betrinkt, wird er nach Hause gebracht, sowohl in Deutschland als auch in China.
werden sie gezielt von der Polizei von den (Haupt)-Straßen und aus den Innenstädten verbannt
Leute die durch die Straßen ziehen mit Schnaps und Bier unterm Arm habe ich auch schon in China gesehen.
Wo du allerdings recht hast, diese Leute werden aus Parks und Freizeitanlagen rausgeschmissen.
Obdachlose wie in Deutschland die in Parks rumhängen gibt es in China nicht , eine Belästigung die notfalls auch mit Gewalt entfernt wird.

Ich glaube nicht das die Chinesen das aus dem Grund machen um ein sauberes Bild abzugeben, sondern viel mehr weil diese Parks als Ruhe Ort nach der Arbeit gelten und man sich da entspannen kann/möchte.
Diese Parks werden sonst gemieden, wie auch oft in Deutschland.
Pöbel, Obdachlose etc. dort fernzuhalten finde ich absolut in Ordnung.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Aremonus »

Sowas gibts in China generell nicht, den Jugendliche / Studenten haben die Ansicht das des "Nightlife" nur was für "Bad Boys/Girls" ist.
Also die Boys sind dann dochnicht ganz so Bad, wenn dies tun. Für Mädchen gehört es sich aber schon nicht... wie übrigens auch Rauchen. Getan wird es trotzdem, einfach im versteckten, so im kleinen Kreis mit Freundinnen :lol:
Die Bad Boys / Girls sind nur die, die in die Nightclubs gehn und dort 'rum Saufen und so...

Alkoholismus ist SEHR weit verbreitet, hüben wie drüben. Ich kenne hier wenige 40-Jährige Chinesen, die nicht min. einmal pro Woche einen über den durst trinken. In der Schweiz gibt es laut offiziellen Angaben 300'000 Alkoholiker, also etwa 4% der Bevölkerung. Hier in China dürften es gut und gerne 7% sein, eine empirische Studie kann ich aber nicht liefern....
Ich glaube aber, dass hier in China eigentlich mehr in der Gruppe gesoffen wird, in Europa man als Alkoholiker aber oft alleine ist. Ob es auch in China Privatalkoholiker gibt, kann ich aber nicht sagen.. kennen für meinen Teil keinen^^
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von bttr »

Aremonus hat geschrieben: Ich glaube aber, dass hier in China eigentlich mehr in der Gruppe gesoffen wird, in Europa man als Alkoholiker aber oft alleine ist. Ob es auch in China Privatalkoholiker gibt, kann ich aber nicht sagen.. kennen für meinen Teil keinen^^
Das ist aber normal, ich würde daher ein einmaliges Besäufniss pro Woche unter Kollegen / Freunden / Familie nicht als Alkoholkrank bezeichnen.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von ingo_001 »

bttr hat geschrieben:Also "Koma Saufen" hat nicht unbedingt was mit Alkohol Sucht zutun.
Das ist ne ziemlich gewagte Aussage, denn zumindest steigt das Suchtrisiko.
bttr hat geschrieben:Alkoholiker erkennt man nicht unbedingt nur beim "vorbeigehen".
Wenn jemand mitten in der Stadt rumliegt und sich mit Schnaps ( whatever )betrinkt, wird er nach Hause gebracht, sowohl in Deutschland als auch in China.?
Dann sind die chinesischen Polizisten aber zahlenmässig ihren dt. Kollegen überlegen - oder täuscht der Eindruck?
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Philipp
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Philipp »

In China gibts keinen Sozialstaat, insofern ist es schon mal schwieriger Alki zu sein, weil man meistens arbeiten muss, um zu leben. Außerdem vertragen viele Asiaten Alkohol nicht so gut, weil sie das Enzym Alkoholdehydrogenase nicht haben, was ebenfalls Alkoholismus vorbeugt.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von bttr »

ingo_001 hat geschrieben:
bttr hat geschrieben:Also "Koma Saufen" hat nicht unbedingt was mit Alkohol Sucht zutun.
Das ist ne ziemlich gewagte Aussage, denn zumindest steigt das Suchtrisiko.
Klar steigt das Risiko.
Ich kenne aber auch viele Leute die einmal Erfahrung mit dem Koma Saufen auf 1 Euro Partys gemacht haben, allerdings keine Alkohol sucht haben.
Daher finde ich die Aussage nicht wirklich gewagt.
ingo_001 hat geschrieben: Dann sind die chinesischen Polizisten aber zahlenmässig ihren dt. Kollegen überlegen - oder täuscht der Eindruck?
Rein Logisch betrachtet sowieso.
Gibt ja mehr Einwohner, demnach auch mehr Polizisten.
Allerdings kann ich mir vorstellen das bei uns Mehr Polizisten diesbezüglich zutun haben als in China.
Grund > Siehe Philips post
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Aremonus »

bttr hat geschrieben:
Also "Koma Saufen" hat nicht unbedingt was mit Alkohol Sucht zutun.
Das ist ne ziemlich gewagte Aussage
Ne, das würd' ich nicht sagen. Alkoholsucht hat ziemlich klare Physiologische Symptome. Wenn ich (als nicht alkoholsüchtiger) mich ins Koma sauffen würde, hätte ich am nächsten Tag vielleicht n schrecklichen Kopf und Nachbrand, aber ich muss nicht weitertrinken. Trinkt ein Süchtiger keinen Alkohol, zittert er, kann sich nimmer konzentrieren, hat eine verminderte koordinationsfähigkeit und kann noch weitaus schlimmere symptome bis herzstillstand entwickeln.
Vondemher kann ich bttr eigentlich schon zustimmen, dass man "saufen" und "sucht" nicht in eine Ecke stellen kann.
Das ist aber normal, ich würde daher ein einmaliges Besäufniss pro Woche unter Kollegen / Freunden / Familie nicht als Alkoholkrank bezeichnen.
Nun gut, ob das normal ist würd' ich mal hinterfragen, aber eine Sucht im klassischen sinne ist es schon nicht. Kann aber unter bestimmten Voraussetzungen gut dazu führen (bleibt nicht umbedingt bei einmal pro woche...).
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Linnea »

Komasaufen ist eine Art von Alkoholmissbrauch, die nahezu auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe beschränkt ist - nämlich auf Jugendliche und junge Erwachsene. Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass dieses Konsumverhalten der Einstieg in die Alkoholsucht sein kann.
Der weitaus größere Teil alkoholkranker Menschen trinkt eher zu hause und auch nicht (unbedingt) stets bis an die Grenze zur Bewusstlosigkeit, weswegen die Alkoholsucht dem Umfeld auch so lange verschwiegen werden kann.

Wikipedia spricht von 4,3 Millionen alkoholkranken Menschen in Deutschland, hier werden ca. 2 Millionen behandlungsbedürftige Alkoholiker genannt. Für China habe ich keine Zahlen.

Betrunkene Personen habe ich in China sehr oft gesehen, nicht nur in Diskotheken, sondern auch in Restaurants und auch des öfteren bereits mittags um zwölf.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Philipp »

Linnea hat geschrieben: Betrunkene Personen habe ich in China sehr oft gesehen, nicht nur in Diskotheken, sondern auch in Restaurants und auch des öfteren bereits mittags um zwölf.

Generell ist mein Eindruck, dass es in China und anderen ostasiatischen Ländern stärker sozial akzeptiert ist, wenn Männer sich in der Öffentlichkeit in Gruppen deutlich betrinken. Trotzdem vermute ich mal, dass es prozentual deutlich weniger krankhaften Alkoholismus als bei uns gibt, ganz einfach weil es sich weniger Leute leisten können täglich besoffen zu sein, wobei man in Deutschland als Alk sich eher alleine betrinkt und versucht es vor anderen zu verheimlichen.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Philipp »

Übrigens gibt es in China nach meiner Einschätzung auch prozentual viel mehr Menschen die praktisch überhaupt keinen Alkohol trinken, z.B. ein ziemlich großer Prozentsatz der Frauen scheint fast nie zu trinken (natürlich gibts auch da Ausnahmen).
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von ingo_001 »

Linnea hat geschrieben:Betrunkene Personen habe ich in China sehr oft gesehen, nicht nur in Diskotheken, sondern auch in Restaurants und auch des öfteren bereits mittags um zwölf.
Gut.

Detailiertere Frage:
Wo sind die obdachlosen Chinesen, die ja in weiten Teilen einen ähnlichen "Werdegang" haben - wie ihre deutschen Leidensgenossen.
Nimmt man dann noch das fehlen des "sozialen Netzes" müssten ja portional mehr Betroffene zu sehen sein.
Deshalb meine Mutmaaßung, dass die chinesischen Behörden um Einiges riguroser mit den obdachlosen Alkoholikern verfahren als man das hierzulande tut.
Preisfrage: Was passiert mit den Betroffenen - wo werden die hingebracht?
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Philipp »

ingo_001 hat geschrieben: Wo sind die obdachlosen Chinesen, die ja in weiten Teilen einen ähnlichen "Werdegang" haben - wie ihre deutschen Leidensgenossen.

Bin mir nicht so sicher, ob der Werdegang identisch ist, die Obdachlosen die ich gesehen habe waren in China meistens alte Menschen die vermutlich nicht gut arbeiten können und auch keine Rente kriegen, oder Behinderte, während es bei uns häufig Alkis sind, die wenn sie sich ausnüchtern würden vermutlich auch arbeiten könnten.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von ingo_001 »

Philipp hat geschrieben:Bin mir nicht so sicher, ob der Werdegang identisch ist, die Obdachlosen die ich gesehen habe waren in China meistens alte Menschen die vermutlich nicht gut arbeiten können und auch keine Rente kriegen, oder Behinderte, während es bei uns häufig Alkis sind, die wenn sie sich ausnüchtern würden vermutlich auch arbeiten könnten.
Das würde jetzt zweierlei bedeuten:
1. Chinesische Alkoholiker sind wegen Fehlen eines sozialen Netzes im Wortsinn dazu GEZWUNGEN zu arbeiten UND TUN DAS DANN AUCH - Sucht hin oder her.
2. Es scheinen - im Gegensatz zu Deutschland - genügend Firmen da zu sein, die auch Alkoholiker bei sich arbeiten lassen; so dass diese ebend nicht aus ihren Wohnungen (wg. ausstehender Mietzahlungen) geschmissen werden.
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Re: Alkoholismus in China: Gesellschafts- od.Randgruppenproblem?

Beitrag von Philipp »

ingo_001 hat geschrieben: 1. Chinesische Alkoholiker sind wegen Fehlen eines sozialen Netzes im Wortsinn dazu GEZWUNGEN zu arbeiten UND TUN DAS DANN AUCH - Sucht hin oder her.
2. Es scheinen - im Gegensatz zu Deutschland - genügend Firmen da zu sein, die auch Alkoholiker bei sich arbeiten lassen; so dass diese ebend nicht aus ihren Wohnungen (wg. ausstehender Mietzahlungen) geschmissen werden.

Oder es gibt ganz einfach weniger Leute die Alkoholiker sind, weil sie nie die Gelegenheit hatten jahrelang von Sozialhilfe zu leben und ihre Langeweile/Frust mit Alkohol zu vertreiben, bzw. Alkohol körperlich auch nicht so gut vertragen.

Man wird ja nicht von einem Tag auf den anderen Alkoholiker. Das ist ein längerer Prozess der sich allmählich entwickelt und an dem man lange arbeiten muss.
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