Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.

Wo ist dein Lebensmittelpunkt?

In China
6
26%
außerhalb Chinas, habe jedoch längere Zeit dort gelebt
3
13%
außerhalb Chinas, möchte jedoch in Zukunft dort leben
11
48%
außerhalb Chinas und das soll auch so bleiben
3
13%
 
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happyfuture
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Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von happyfuture »

beowulf hat geschrieben:Glaub mir in China gibt es eine große Gruppe von "Glücksrittern" die jahrelang in China bleiben. Das sind meistens Englisch "Lehrer", Techniker (nicht akademisch) oder Leute die Lokale/Restaurants/Discos mit Zielpublikum andere Ausländer aufmachen. Herkunft ist meistens Australien, GB und im zunehmenden Masse auch aus den USA und Deutschland. Das sind keine gebildeten Expats in höherer Position.
Ich kenne leider keine offiziellen Statistiken - gibt es da überhaupt welche - aber ich habe den Eindruck, dass diese Gruppe am dominantesten ist. Naja vielleicht fällt sie nur am unangenehmsten auf und wirkt deswegen so prägnant.
Hallo,
nicht zuletzt dieser Beitrag hat mich inspiriert, ein eigenes Thread zu diesem Thema aufzumachen.

Mein "Lebensmittelpunkt" ist in den letzten 2 Jahren von D nach CN "verrückt", eine Entwicklung die mit meinem Business in 2007 begann und mit dem Höhepunkt "Heirat meiner Chinesischen Frau" dieses Jahr weitergeht. Bisher habe ich in 2 Großstädten Chinas gelebt, selber Apartments angemietet mitten unter den Einheimischen, wo ich mich zu jeder Zeit sicher gefühlt habe. Es hat ein Jahr lang gedauert, bis ich mich "aklimatisiert" habe, sprich mich wohlgefühlt habe. Bei mir hatte dies mit Veränderung der Lebensumstände zu tun (anderes Essen, anderes Klima, andere "Luft", anderer Umgang mit Sauberkeit, andere Menschen, anderes soziales Verhalten). Ich bin der Alien in einem fremden Land und ich gebe mir Mühe, mich in diesem Land zurecht zu finden. Größte Herausforderung für mich ist die Sprache, wobei sich seit ein paar Monaten so eine Art "Selbstlerneffekt" eingestellt hat. Kannte ich bis dato nicht.

Hier im Forum wird viel diskutiert über Sinn und Unsinn, über persönliche Erfahrungen und Vermutungen, sinnvolle Tipps bis hin zu "In Deutschland ist alles schlecht" (davon distanziere ich mich!)

Was sind eure Beweggründe, warum seid Ihr in China? (sehr schön zu erkennen an den Wohnorten im Profil oder zu welcher Zeit jemand postet) - vielleicht ist der ein oder andere in China lebende gar nicht freiwillig hier ("weggelobt nach China durch Arbeitgeber)
oder
warum würdet Ihr niemals in China leben wollen?
Bernhard
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von Bernhard »

happyfuture hat geschrieben:...
oder
warum würdet Ihr niemals in China leben wollen?
Ich möchte hier niemandem zu nahe treten (nicht, dass diverse chinesische Nationalisten jetzt über mich herfallen), aber ich tu mich im Moment schwer damit, nach China zu ziehen.
Neben der Lebensweise dort, mit der ich (bei aller Faszination für dieses Land) Schwierigkeiten hätte, hat das auch "politische" Gründe. Ich kann daneben liegen, aber das ist meine Einschätzung:
In China gibt es (noch) keine vollständige Rechtssicherheit, und bei aller vielfach beschworener "Herrschaft des Gesetzes" passieren noch zu viele staatliche Maßnahmen außerhalb des Gesetzes. Solange man dort nie mit dem Gesetz oder irgendwelchen staatlichen Maßnahmen in Konflikt gerät, läuft alles super. Am besten hat man auch nie einen zivilrechtlichen Prozess am Hals. Aber wenn es dazu kommt, kann niemand garantieren, dass man auch fair behandelt wird. Und, soweit ich weiß, muss man auch als Selbständiger eine gute Beziehung zur kommunistischen Partei unterhalten (muss in jeder größeren Firma ein Parteibüro existieren? Ich weiß es nicht genau).
Abgesehen davon hat die chin. Regierung bzw. die kommunistische Partei immer noch den Anspruch, jeden Bereich des Lebens zu lenken und zu kontrollieren, bis hinein in das Denken der Leute. Das zeigt sich u.a. in der Kontrolle sämtlicher Religion.

Wenn man von seiner Firma für ein paar Jahre nach China geschickt wird, kriegt man von all dem natürlich nicht viel mit. Wenn man aber ohne den Rückhalt einer Firma als Einzelner dorthin zieht, sieht die Sache wohl schon wieder anders aus. Wobei die Regierung bei Ausländern (zumindest westlichen) noch deutlich mehr Milde walten lässt als bei den einzelnen Landsleuten (kann ich auch nicht nachprüfen, aber hat man mir glaubhaft versichert).


Zum Titel des Threads: Natürlich ist das Leben in China nicht nur etwas für "Glücksritter". Und man müsste da auch erst das Wort "Glücksritter" definieren. Für mich ist ein Glücksritter einer, der versucht, das schnelle Geld zu machen und das Leben bestmöglich zu genießen, ohne größere moralische Skrupel und ohne viele Gedanken auf die Auswirkungen des eigenen Handelns zu verschwenden. Länder, in denen eine fieberhafte Aufbruchsstimmung herrscht, ziehen solche Leute natürlich an. Aber natürlich ich bin mir sicher, dass man auch ohne Wildwest-Mentalität sich in China eine Existenz aufbauen kann.
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von happyfuture »

Bernhard hat geschrieben:Ich möchte hier niemandem zu nahe treten (nicht, dass diverse chinesische Nationalisten jetzt über mich herfallen), aber ich tu mich im Moment schwer damit, nach China zu ziehen.
Ich finde es toll, wenn Du so klar Stellung beziehen kannst, wird schon nieman über Dich herfallen ...
Bernhard hat geschrieben:In China gibt es (noch) keine vollständige Rechtssicherheit, und bei aller vielfach beschworener "Herrschaft des Gesetzes" passieren noch zu viele staatliche Maßnahmen außerhalb des Gesetzes. Solange man dort nie mit dem Gesetz oder irgendwelchen staatlichen Maßnahmen in Konflikt gerät, läuft alles super. Am besten hat man auch nie einen zivilrechtlichen Prozess am Hals. Aber wenn es dazu kommt, kann niemand garantieren, dass man auch fair behandelt wird.
Verstehe ich Dich richtig, dass Du Dich in D sicherer und fairer behandelt siehst?
Bernhard hat geschrieben:Wenn man von seiner Firma für ein paar Jahre nach China geschickt wird, kriegt man von all dem natürlich nicht viel mit.
Wie meinst Du das? Werden die Leute kaserniert???
Bernhard hat geschrieben:Wenn man aber ohne den Rückhalt einer Firma als Einzelner dorthin zieht, sieht die Sache wohl schon wieder anders aus.
Hast Du eigene Erfahrungen gesammelt? Die interessieren mich ...
Bernhard hat geschrieben:Wobei die Regierung bei Ausländern (zumindest westlichen) noch deutlich mehr Milde walten lässt als bei den einzelnen Landsleuten (kann ich auch nicht nachprüfen, aber hat man mir glaubhaft versichert).
habe ich so erlebt ...
Bernhard hat geschrieben: Zum Titel des Threads: Natürlich ist das Leben in China nicht nur etwas für "Glücksritter".
Ich fand diesen Begriff gut und leicht provozierend, wobei es ein positiver Ausdruck ist - und es hat in der Weltgeschichte auch einige sehr erfolgreiche Glücksritter gegeben. Ich selber fühle mich manchmal als "Glückritter" hier :wink:
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von Guangzhou »

Also ich habe beschlossen dauerhaft in China zu leben. Ich bin auch kein verwoehnter Expat der viel Geld in den Ar.. gesteckt bekommt und hier einen auf Sause macht, ich musste mir alles mit eigenen Haenden erarbeiten.
Was die Rechtssicherheit in China betrifft kann ich Dir genausoviele Gegenbeispiele geben. Meine letzten Prozesse in Deutschland waren von Stasikluengeleien nur so durchzogen und ich denke das ist in anderen Teilen Deutschlands mit anderen Kluengeleien nicht viel anders.
Mal ganz zu schweigen von so gut wie aussichtslosen Prozessen in D um seine offenen Posten einzufordern. Oder gar Schadensersatz- oder Schmerzensgeldforderungen, ohne Jahrelange und kostspielige Prozesse bei denen sich alle die Taschen vollstecken geht es nicht.
Hingegen geht es in China auch auf dem kleinen Dienstweg - die Polizei ist dort oft noch Freund und Helfer - habe ich gerade miterlebt wie dort innerhalb von 2 Studen ein Schmerzensgeld von der Polizei wegen einer Pruegelei festgelegt wurde und dieses dann noch am gleichen Tag von den Beamten beim Beschuldigten eingetrieben und an den Geschaedigten ausgezahlt wurde.
Soetwas ist in D unvorstellbar und ehrlichgesagt fuehle ich ich mich hier sicherer und gerechter behandelt als ich es je in Deutschland war.

Das sind natuerlich nur meine ganz eigenen Erfahrungen aber sie bestaerken mein Empfinden, dass es ich China gerechter zugeht als in D.
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Ron
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von Ron »

Guangzhou hat geschrieben:Hingegen geht es in China auch auf dem kleinen Dienstweg - die Polizei ist dort oft noch Freund und Helfer - habe ich gerade miterlebt wie dort innerhalb von 2 Studen ein Schmerzensgeld von der Polizei wegen einer Pruegelei festgelegt wurde und dieses dann noch am gleichen Tag von den Beamten beim Beschuldigten eingetrieben und an den Geschaedigten ausgezahlt wurde.
Soetwas ist in D unvorstellbar und ehrlichgesagt fuehle ich ich mich hier sicherer und gerechter behandelt als ich es je in Deutschland war.
Sorry für den Einwand, aber gerade der kleine Dienstweg, den Du beschreibst, ist
auch was mich an China stören würde wenn ich dort leben würde.
Wenn die Polizei sowas selber festlegt und eintreibt,
naja, wenn das deine Meinung von einem Rechtsstaat ist, meine ist das nicht.
Da fühle ich mich hier besser und fairer behandelt.

Mich würde es auf der einen Seite aber trotzdem reizen mal in China leben zu wollen,
evt. kommt das ja mal später, aber jetzt ist und bleibt unser Lebensmittelpunkt Deutschland,
auch meiner Frau gefällts hier ganz gut.

Ron
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sanctus
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von sanctus »

Guangzhou hat geschrieben: - die Polizei ist dort oft noch Freund und Helfer -
Oft ist sie aber auch genau das Gegenteil. Bestes Beispiel sind die Autounfaelle in Hangzhou. Reiche Yuppies, die von ihren Eltern zur Kompensierung, schnelle Autos geschenkt bekommen, rasen damit durch die Stadt und wenn sie dann doch mal ein paar Menschen mitnehmen und diese das nicht ueberleben, werden mit Bestechungsgeldern an die Polizei eine Art Gedaechtnisschwund angeregt und durchgezogen. Das ganze hat mittlerweile recht krasse Ausmasse angenommen. Es soll nun auch Faelle gegeben haben, da wurde der Rueckwaertsgang eingelegt um nochmal drueber zu fahren. Wenn er/sie nur verletzt waere, muesste man ja eine lebenslange Rente an das Opfer zahlen. So, mit einem Toten, kann man ja die Pauschale zahlen und es ist als waere nix gewesen.

Leider gibt es keine Quellen dazu im Internet (hab jedenfalls keine gefunden), allerdings gibt es einen Fall in dem naeheren Bekanntenkreis meiner Frau.
谁想要大成绩,就要有更大的目标!

„Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben“ Farin Urlaub
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von Guangzhou »

Mag ja jeder fuer sich selber empfinden aber ich empfinde es gerechter Schmerzensgeld sofort und in angemessener Hoehe zu bekommen als darum Jahrelang zu prozessieren und dann mit 80 Euro fuer einen gebrochenen Arm abgefunden zu werden. Von denen man dann aber nichts sieht weil der Beschuldigte eh schon den OE abgelegt hat und ein armer mittelloser Kleinkrimineller mit einer Akte hoch wie ein Haus ist.
Das hier nicht alles um das beste bestellt is ist klar - was sanctus beschrieben hat ist schlimm aber kein reines Chinesisches Problem - Aehnliches findest du in D genauso - guck dich doch z.B. mal im Araber und Tuerkenmillieu in Berlin um, was dort abgeht hat schon lange nichts mehr mit Rechtsstaat zu tun.

Gruss
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no1gizmo
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von no1gizmo »

Ich chill grad in Hangzhou bei den Eltern meiner Freundin. Es gibt vieles hier, was für Deutsche einfach schwer verkraftbar ist. Sogar meine chin. Freundin die ihren Lebensmittelpunkt seit 6 Jahren in Deutschland hat, fällt es in China nicht mehr ganz so leicht.

Ein paar Stichwörter:

- Klima: Wir waren gerade ein paar Tage in Beijing. Das Wetter (die Hitze) dort war noch gut erträglich, wie Deutschlands Sommertage. Leider ist dort der Smog sehr hoch (aber weit besser als z. B. noch im Jahr 2006!)..
Hier in Hangzhou ist es echt pervers heiß und feucht. Smog eher nicht so, aber die Hitze bringt mich innerhalb von 10 Minuten zum krassen Schwitzen.

Vielen Chinesen macht die Hitze aber scheinbar kaum zu schaffen, die schwitzen auch kaum. Wo liegt da bitte der Trick?

Was noch krass ist: Im heißen Sommer wird warmer Tee getrunken, da lehne ich meißtens ab. Ich mag Tee sehr gerne, aber doch nicht in der Hitze, wenn ich froh bin, dass ich eine Klimaanlage habe. Da lieber ein kaltes Wasser.

- Soziales Netzwerk: Gilt in Deutschland eher als recht neue Errungenschaft. Ich fange jetzt erst so richtig an, mir selbst so ein Netzwerk aufzubauen. Vorher habe ich immer nach dem Motto "Lass mich in Ruhe und nerve mich nicht, ich nerve dich doch auch nicht" gelebt. Ich war da selbst für Deutsche Verhältnisse etwas extrem, ein Einzelgänger eben.

Ich habe da ein bisschen von den Chinesen gelernt. Die Chinesen übertreiben es aber ein bisschen, so dass es mich schon sehr nervt und es nervt die Chinesen auch selber (es wird so viel getan, weil es unhöflich wäre, es nicht zu tun). Ständig müssen Geschenke besorgt und transportiert werden. Als wir nach China geflogen sind letzten Freitag, hatten wir zwei große Koffer mit. Ein Koffer für unsere Sachen, ein anderer Koffer nur für "Freunde"!!!

Ich glaube meine Freundin und ich, wir müssen da noch die goldende Mitte finden, ich sollte mehr für unser soziales Netzwerk tun, sie sollte nicht aber jedem Scheiß hinterher rennen und Grenzen finden.

- Chinesisches Gemüt: Chinesen sind doch manchmal aufbrausend wie Latinos und noch eine ganze Stuffe empfindlicher. Das ist schon recht anstrengend. Man wird in der chinesischen Gesellschaft nahezu zum Lügen gezwungen. In Deutschland kam es schon vor, dass ich am Essenstisch (mit Familie/Freunden aber auch mit Fremden) gesagt habe: "Das mag ich nicht", "Das schmeckt aber scheiße", "hör mal auf zu schmatzen", "Fass mit deinen dreckigen Händen bitte nicht mein Essen an". In China undenkbar... bzw. wenn doch, führt dies zu großen Beleidigungen.

Muss man halt mit leben und sich anpassen, sonst wird man kaum glücklich werden hier.

Womit man auch leben muss, aber ein Vorbild bleiben sollte: Chinesen sind sehr undiszipliniert. Regeln und Abmachungen werden nicht eingehalten, muss man hinnehmen, aber bitte sich hier nicht anpassen.

- Sprechweise: Chinesen sprechen sehr laut, es artet manchmal in Schreien aus. Für Deutsche klingt ein normaler Dialog (auch am Telefon) oft wie ein starker Streit, dabei handelt es sich wirklich nur um ein friedliches Gespräch.

Irgendwann hört man es wohl nicht mehr.

- Verkehr: Die Chinesen fahren wie die bekloppten und können einfach nicht autofahren. Ich bin dabei aber eine harte Socke, wer bei mir mitfährt, dem wird schnell mal schlecht. Aber bei Chinesen im Auto sitze ich oft panikerfüllend mit Angstschweiß Auto. Ich kanns gar nicht ausdrücken..... darüber könnte ich eine ganze Seite schreiben.
An den Chinesischen Verkehr kann ich mich aber gewöhnen, wenn die krass fahren, fahre ich noch krasser. Aber ich darf nur nicht nach Verkehrsregeln fahren, schon gar nicht nach Deutschen Regeln. Sondern nach Gefühl.

- Chinesisches Essen: Das Essen ist eben auch für viele kaum erträglich. ich kenne viele Deutsche, die essen schon in Deutschland keine Rosinen, Tofu, Fisch, Pilze, dieses und jenes nicht. In China würden diese Leute kein halbes Jahr ertragen.
Zum Glück bin ich aber ein absoluter Allesfresser (nur Ingwer macht mich fertig, ich hasse Ingwer)

- Chinesische Manieren: Die Manieren in China sind unter aller Sau. Man wird angerämpelt, Frauen haben auch keine "Vorfahrt" und in der Schlange anstehen ist auch nicht. Auch das auf die Straße Spucken ist ... naja.
Was mich persönlich aber fertig macht, sind die Essgewohheiten. Wie gesagt, dass chinesische Essen mag ich, vieles schmeckt sehr gut, nur weniges mag ich überhaupt nicht. Aber chinesische Tischmanieren sind einfach nur pervers, da kommt mir der Brechreiz hoch (das ist ganz wörtlich zu nehmen). Hier darf man nicht die in Deutschland studierenden jungen Chinesen als Maßstab nehmen, denn diese sind mehrfach kulturell gefiltert. Aber ältere Leute in China, z. B. die Eltern meiner Freundin, essen wie die Bauern in Deutschland vor 50 Jahren oder so. Lautes Schmatzen, über das Essen husten, mit dem angeleckten Stäbchen ins Essen anderer Leute, schlürfen.... es ist ekelig und macht mir das Essen hier am Tisch mit anderen Chinesen wirklich sehr schwer.


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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von Guangzhou »

- Klima:


Klar ist keine tolle Sache aber selbst ich als uebergewichtiger halte es in Guangzhou ganz gut aus - die meiste Zeit sitzt man eh im Buero oder ist mit dem Taxi/U-Bahn unterwegs. Ansonsten halt auch wenn es merkwuerdig aussieht mit Faecher rumlaufen...
- Soziales Netzwerk: Gilt in Deutschland eher als recht neue Errungenschaft. Ich fange jetzt erst so richtig an, mir selbst so ein Netzwerk aufzubauen. Vorher habe ich immer nach dem Motto "Lass mich in Ruhe und nerve mich nicht, ich nerve dich doch auch nicht" gelebt. Ich war da selbst für Deutsche Verhältnisse etwas extrem, ein Einzelgänger eben.
Keine Ahnung warum du so auf diesen Tripp aufspringen musst - ich habe mir hier ein paar gute Freunde gesucht alle relativ jung und da gibt es sochen Schnulli mit Geschenken nicht.
- Chinesisches Gemüt: Chinesen sind doch manchmal aufbrausend wie Latinos und noch eine ganze Stuffe empfindlicher. Das ist schon recht anstrengend. Man wird in der chinesischen Gesellschaft nahezu zum Lügen gezwungen. In Deutschland kam es schon vor, dass ich am Essenstisch (mit Familie/Freunden aber auch mit Fremden) gesagt habe: "Das mag ich nicht", "Das schmeckt aber scheiße", "hör mal auf zu schmatzen", "Fass mit deinen dreckigen Händen bitte nicht mein Essen an". In China undenkbar... bzw. wenn doch, führt dies zu großen Beleidigungen.
Ich weiss nicht woher Du Deine Erfahrungen hast aber ich hatte mit solchen Sachen noch ueberhaupt keine Probleme - wenn es mir nicht schmeckt oder mir der Anblick nicht gefaellt lasse ich den Teller weitergehen und basta. Bisher war da auch noch niemand beleidigt oder gar gekraenkt deswegen.

Was das Gemueht im allgemeinen angeht stimme ich natuerlich zu - das wird hier schnell laut und haeftig - ich sehe das gelassen - wenn die nicht das machen wofuer sie bezahlt wurden koennen sie halt auch das 10. mal antanzen und es nochmal machen. Auch wenn er vor Wut ueberkocht - einfach ruhig bleiben die ihren Stress abbauen lassen und ihn nachdem er sich beruhigt hat nochmal losschicken. Die lassen so ihren Frust raus - ist gesuender als alles in sich reinzufressen.
- Chinesisches Essen: Das Essen ist eben auch für viele kaum erträglich. ich kenne viele Deutsche, die essen schon in Deutschland keine Rosinen, Tofu, Fisch, Pilze, dieses und jenes nicht. In China würden diese Leute kein halbes Jahr ertragen.
Zum Glück bin ich aber ein absoluter Allesfresser (nur Ingwer macht mich fertig, ich hasse Ingwer)
Geht mir auch so - ich habe mit chinesischem Essen nicht die geringsten Probleme - was mir nicht zusagt esse ich nicht und es bleibt trotzdem genuegenden was ich mag.
- Chinesische Manieren: Die Manieren in China sind unter aller Sau. Man wird angerämpelt, Frauen haben auch keine "Vorfahrt" und in der Schlange anstehen ist auch nicht. Auch das auf die Straße Spucken ist ... naja.
Ganz einfach anpassen und genauso verhalten - ich habe da keine Probleme mit.
Insgesamt ein Land voller Widersprüche. Einerseits wird sehr auf Höflichkeit und Respekt geachtet, andererseits sich gegenseitig wie der letzte Dreck behandelt.
Naja so hart wuerde ich das nicht ausdruecken - sind halt etwas andere Prioritaeten hier.

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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von yampal »

also ein zwei jährchen würde ich schon gerne mal in china leben. für "immer" -mal abgesehen davon, dass ich nirgends "für immer" leben möchte- möchte ich auch deshalb nicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, die sprache so gut zu beherrschen, dass ich mich nicht als depp fühle.
in spanien ging das. dort habe ich sechs jahre gelebt und sprach hinterher fast so gut spanisch wie deutsch; aber chinesisch ist schon ne andere nummer. na, schaunmermal, ich lerne jeden tag dazu.
übrigens no1gizmo : ich finde, die chinesen fahren sehr gut auto, ich möchte nur nicht aktiv am verkehr teilnehmen. :lol:
ich habe immer das gefühl, die fahren exakt so auto, wie früher mit dem fahrrad, nur halt mit dem auto.
und das essen finde ich super. an dieses, im essen der anderen rumstochern hat sich sogar ein bakterienphobiker wie ich gewöhnt; bzw. nach einiger zeit habe ich das als ganz normal empfunden, quasi nicht mehr registriert.
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von otternase »

happyfuture hat geschrieben: Verstehe ich Dich richtig, dass Du Dich in D sicherer und fairer behandelt siehst?
soweit Du hier den Komperativ verwendest, würde ich für mich sagen "Ja".

"Fairer und sicherer" bedeutet ja nicht unbedingt "fair und sicher", nur weniger schlimm als in China. Quasi nach dem Motto: Unter den Blinden (im fairen Umgang mit den Bürgern) (China) ist der Einäugige (Deutschland) König

Nimm doch einfach das Beispiel aus dem Nachbarthread "Sklavenhandel, Ekel-Wok; Deutsche Medien kotzen mich an!". Was jayapolis Eltern dort erlebt haben, ist nicht schön und das Vorgehen der Polizei war wohl auch nicht gerade angemessen und astrein (auch wenn man bedenken muss, dass wir nicht wissen, welche Informationslage dort vorlag), aber es braucht nicht viel Phantasie sich vorzustellen, wie eine derartige Aktion von chinesischen Chengguan durchgeführt hätte ausgesehen. Dafür kann man sich ja mal das hier durchlesen: http://www.chinasmack.com/more/controve ... -netizens/ “In dealing with the subject, take care to leave no blood on the face, no wounds on the body, and no people in the vicinity.”
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von Grufti »

Mit keinem der angesprochenen Items hätte ich so große Probleme, daß ich nicht in China leben könnte...
.. nur mit über 55 meinen (relativ) sicheren Job hinzuschmeißen ( bin jetzt 25 Jahre in der gleichen Company ...), um noch einmal von vorne und ganz von unten anzufangen, ist nicht so mein Teil, denn gerade eben weil ich kein "Glücksritter " bin..und noch nie war, hatte ich mich 30 Jahre in der Diaspora fern meiner gefühlten "Heimat" aushalten und mich hier durchbeißen müssen.
Außerdem müßte ich schon EUR-Millionär sein, um die chinesischen Einfuhrabgaben für meine DVDs, Video-MC-Kassetten, Bücher und später den entsprechenden Raum ( mein Traum ist ein HAKKA-Rundbau für meine Mediensammlung) dafür bezahlen zu können. 8)

@no1gizmo :
Mit einem warmen Tee ist es nicht getan, es muß schon eine große Schüssel heißer chinesischer Dünnsuppe( heißes Wasser tut es auch!) sein, um den gewünschten Effekt zu erzielen....
Bei mir funktioniert das immer
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von beowulf »

Nunja, da dies jetzt ein eigener Thread geworden ist und ein Teil eines Postings von mir als Aufhänger verwendet wurde (wogegen ich prinzpiell nichts habe - kann halt nur etwas "problematisch" sein, weil dadurch der Kontext fehlt), möchte ich noch kurz etwas vorsorglich klarstellen.

Es gibt auch "Glücksritter" die in China integriert sind, chinesische Freunde haben, die Kultur verstehen bzw. sich darin mühelos bewegen können usw. Ich will hier nicht ALLE über einen Kamm scheren. Kenne selber 2 Personen näher die man wirklich als "Glücksritter" beschreiben kann (quasi über Nacht entschieden ihr Glück in China zu versuchen), die sich aber in China sehr gut intergriert haben.

Ich habe nur den Eindruck, dass es bei dieser Gruppe, im Gegensatz zu den "klassischen" Expats, die von ihrer Firma temporär in eine hohe Positon (Bereich Wirtschaft oder Technik) entsandt werden (Klischeebild Manager mitte 40 mit Aktenkoffer am Pekinger Flughafen), das größte Konfliktpotential mit der einheimischen Bevölkerung gibt.

Zur Definition und Abgrenzung Glücksritter:
Glücksritter stellen für mich "Aussteiger" dar, die gehört haben das man in China leicht an Geld und/oder Frauen kommen kann und dies ihr einziges oder primäres Interesse ist.
Kann natürlich sein, dass diese mit der Zeit ihre Liebe für das Land entdecken - siehe die zwei schon beschriebenen Personen - aber mein Eindruck war, dass diese eher ein sehr schlechtes Bild über China hatten und ihr Verhalten sehr stark dem was man sich an koloniales Verhalten aus dem 19. Jahrhundert so vorstellt, entsprach.


Hab sogar einmal einen Artikel in einem englischsprachigen Magazin gelesen, der von der Möglichkeit als Englischlehrer in China tätig zu sein schwärmte und in der Aufmachung mittels Versprechungen auf ein aufregendes Nachtleben, exotischen Frauen (im Artikel war ein kleines Feld das sich mit dem Nachtleben in Beijing beschäftigte und auf dem dazugehörigen Foto sah man hübsche leichtbekleidete Mädchen) und "leichter" Arbeit lockte. Das erinnerte mich auch in der Aufmachung irgendwie an die Brochüren die im 19. Jahrhundert in Europa verteilt wurden. :lol:

Wo ich mir beim Einteilen etwas schwer tue, also die zur Gruppe der "Glücksritter" gezählt werden müssen, sich aber vor allem in einem wichtigen Punkt sich von den oben genannten unterscheiden, ist bei Personen die schon vorher ein Interesse an China hatten, vielleicht sogar chinesisch studiert haben oder schon einmal eine chinesische Freundin oder Freunde in ihrer Heimat hatten und nach China primär wegen ihres Interesses für das Land gekommen sind und dann ihr Glück versuchen.

Vielleicht vergleichbar mit den "Austeigern" in Thailand, die sich nach 1-2 Urlauben entscheiden, einfach dort zu bleiben. Sind zwar auch Glücksritter aber an Land und Leute interessiert. Ok - hier kann man sich auch fragen ob nicht auch ein Teil davon, eher an Landschaft und Leutinnen interessiert ist :lol:
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von ingo_001 »

Grufti hat geschrieben:@no1gizmo :
Mit einem warmen Tee ist es nicht getan, es muß schon eine große Schüssel heißer chinesischer Dünnsuppe( heißes Wasser tut es auch!) sein, um den gewünschten Effekt zu erzielen....
Bei mir funktioniert das immer
Bei mir funktionierts (trotz grüßter Bemühungen meiner Frau) nicht :mrgreen:
War schon "COOL" in China zu sehen, dass sich Alle den HEISSEN Tee reingezogen haben ... und nur ich meinen kalten Saft :mrgreen:
Hatte übrigens Nichts geholfen ... so hoch konnte die Saft-Dosis gar nicht geschraubt werden :mrgreen:
Das tropische Klima (38 C im Schatten, gefühlte 150 % Luftfeuchtigkeit) machte seinem Ruf alle Ehre :mrgreen:
Aber auch hier in Deutschland tendiere ich da eher zu kalten Getränken: Weisse (ohne Schuss) z.B.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.
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Re: Als Ausländer in China Leben - nur was für "Glücksritter"?

Beitrag von Bernhard »

happyfuture hat geschrieben: Verstehe ich Dich richtig, dass Du Dich in D sicherer und fairer behandelt siehst?
Ich schließe mich hier manchen Vorpostern an: Ja, ich glaube, dass in Deutschland immer noch eine größere Rechtssicherheit besteht. Das heißt nicht, dass man in China nicht auch fair behandelt werden kann. Das heißt nicht, dass es in Deutschland manchmal abstruse Einzelfälle und in manchen Bereichen auch richtiggehende MIsstände gibt. Das heißt auch nicht, dass die Verwaltung in China nicht effizient arbeiten könnte. Das durch die Polizei ausgezahlte Schmerzensgeld innerhalb von 24 Stunden ist ein Beispiel dafür. Aber gerade das ist etwas, was mir persönlich eben Bauchschmerzen macht. Wo ist die rechtliche Grundlage für diesen Alleingang der Polizei? Und ist die Trennung von Exekutive und Judikative da nicht ausgehebelt? Und diese nicht-Einhaltung von manchen Verfahren und die nicht existente Gewaltenteilung ("not a single trace", forderte Deng Xiaoping; sorry, ich kann's nicht auf chinesisch sagen) ist etwas, was mich persönlich abschreckt, ungeachtet aller Misstände in Deutschland.
Wie gesagt, als Westler wird man wohl oft mit Samthandschuhen angefasst, und ich habe auch noch nie in China gelebt. Was ich hier von mir gebe, stammt aus Büchern oder Artikeln (die natürlich "anti-chinesisch" gefärbt sein können) und meinen 2 Hongkonger Freunden. Mit manchen Leuten vom Festland habe ich auch über solche Dinge gesprochen.
happyfuture hat geschrieben:
Bernhard hat geschrieben:Wenn man von seiner Firma für ein paar Jahre nach China geschickt wird, kriegt man von all dem natürlich nicht viel mit.
Wie meinst Du das? Werden die Leute kaserniert???
Das weiß ich nicht genau. Es ist wohl unterschiedlich. Manche mögen wirklich ihre abgetrennte Wohnung in einem Ausländer-Ghetto oder auf dem Firmengelände haben, inclusive Dienstwagen mit Chauffeur, andere mischen sich vielleicht mehr "unters Volk". Aber auf jeden Fall passt die Firma natürlich tunlichst auf, dass ihren deutschen Mitarbeitern nichts passiert. Das dürfte klar sein.
(Ich weiß von Fällen in anderen Ländern (in Afrika, Indonesien...), wo deutsche Mitarbeiter tatsächlich kaserniert wurden oder zumindest ihre zur Verfügung gestellte Villa den Charakter einer Festung hatte)
happyfuture hat geschrieben:
Bernhard hat geschrieben:Wenn man aber ohne den Rückhalt einer Firma als Einzelner dorthin zieht, sieht die Sache wohl schon wieder anders aus.
Hast Du eigene Erfahrungen gesammelt? Die interessieren mich ...
Nein, habe ich nicht. Aber Leute hier im Forum haben ja schon geschrieben, dass sie "ganz normal" in einer Mietwohnung wohnen/gewohnt haben, chinesisch sprechen, etc.
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