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Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 01:11
von ingo_001
Vorwort:

Dieser Thread ist aquadraht und andy gewidmet :mrgreen:

Ich teile laogais Sichtweise, dass sich nicht das System gewandelt hat, sondern vielmehr die Gewichtung von Notwendigkeiten, die widerum von den Entscheidungsträgern in der Wirtschaft nach dem Zusammenbruch des Ost-Blocks eingeleitet und immer schneller nach deren Bedürfnissen angepasst wird.
Der Grund: Es existiert derzeit kein anderes konkurenzfähiges Wirtschaftssystem.

Na ja, China evtl, das ich mal - obwohl auf dem Papier kummunistisch - doch eher mit dem Begriff "gelenkte/r Kapitalismus/Marktwirtschaft" bezeichne.
Das haben sich unsere Politiker und Wirtschaftslenker nicht träumen lassen, dass ein Land, welches nicht nach unseren westlichen Domokratie-Regeln spielt, doch tatsächlich nicht nur wirtschaftlich mithalten kann, sondern in einigen Bereichen mittlerweile sogar zum "Angst-Gegner" mutiert ist.

Die Veränderungen werden von der Wirtschaft vollzogen - die Politik ist (soweit nicht schon korrumpiert - unfähig, weil mit sich selbst beschäftigt, dem wirksam sprich: gestaltend zu begegnen.
Die Wirtschaftskrise (und deren Ursachen) zeigen dies ja überdeutlich.

So ... und jetzt: Lets get ready to rumble :mrgreen:

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 01:29
von aquadraht
ingo_001 hat geschrieben:Vorwort:

Dieser Thread ist aquadraht und andy gewidmet :mrgreen:
..

Hi Ingo, Danke für die Vorlage.

Ich stimme Dir natürlich zu, dass China nicht "kommunistisch" ist. Es ist derzeit
extrem marktwirtschaftlich-kommerziell orientiert, insofern sehr "kapitalistisch".

Die Frage ist aber, ob die Bekundungen der politischen Führung bezüglich eines
"Sozialismus mit chinesischem Antlitz", einer "harmonischen Gesellschaft" und
eines Weges zum Kommunismus pures Lippenbekenntnis oder Heuchelei sind.
Ich denke, dass sie das nicht sind, dass vielmehr sozialistische Zielvorstellungen
ausgesprochen prägend für die chinesische Wirtschafts- und Sozialpolitik sind.

Ob China die Zielvorstellungen eines chinesichen Sozialismus erreicht oder nicht,
möchte ich dahingestellt sehen. Ich weiss es nicht. Aber sicher ist, dass die
chinesische Wirtschaftspolitik Ziele verfolgt, die jenseits klassisch-kapitalistischer
Prinzipien liegen.

Die chinesische Wirtschaftspolitik lässt dem Markt und dem Kapitalismus viel
Leine. Solange er den Wohlstand und das Bruttoinlandsprodukt hebt, ist er
willkommen. Sobald das zu scheitern droht, greift ein starker Staat ein, mit
ausgeprägten Interventionsmechanismen.

Das hat sich schon dreimal bewährt: nach liusi, in der Asienkrise, und gerade
jetzt in der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die chinesische
Doktrin ist, dass Marktwirtschaft nett ist, solange sie funktioniert, aber
ein starker Staat über die Situationen wacht, in denen sie versagt.

Das ist, Kommunismus oder nicht, eine vernünftige Politik. Unsere
oberste FDJlerin und die sie treibenden Lobbys werden so weit nie
kommen.

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 01:39
von Laogai
ingo_001 hat geschrieben:Ich teile laogais Sichtweise, dass sich nicht das System gewandelt hat, sondern vielmehr die Gewichtung von Notwendigkeiten, die widerum von den Entscheidungsträgern in der Wirtschaft nach dem Zusammenbruch des Ost-Blocks eingeleitet und immer schneller nach deren Bedürfnissen angepasst wird.
Wow, diese Sichtweise von mir kannte ich noch gar nicht!
Aber ich lerne gerne dazu. Manchmal lerne ich auch mich dazu :wink:

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 01:43
von ingo_001
:oops:
Hab ich so daneben interpretiert?

Hilf mir mal auf die Sprünge: "Nicht das System, sondern die Menschen haben sich verändert", impliziert jetzt ... was?

I need more input :mrgreen:

Bis zum ersten und zweiten "," war aber alles noch ok ... oder? :mrgreen:

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 02:21
von Hendrik
Es ist doch ganz einfach, heute übernehmen immer mehr Maschinen die Arbeit, insbesondere die einfache Arbeit. Wir werden einfach immer produktiver. Früher oder später wird der Fall eintreten, dass wir 50% Arbeitslosigkeit haben werden. Natürlich gibt es immer wieder neue Erfindungen, die es früher gar nicht gab und die müssen auch produziert werden, aber der Zuwachs an Produktivität ist höher als der Zuwachs an neuartigen Produkten.

Als mein Großvater Anfang des letzten Jahrhunderts in einem kleinen Holzboot Fisch gefangen hatte, hatte er damit vielleicht 50 Menschen versorgen können. Heute schwimmen Fischkutter aus Stahl rum mit 10 Mann Besatzung, die versorgen 10000 Menschen.

Im Mai 2009 gabe is in D-Land etwa 3,5 Mio Arbeitslose
Im zweiten Quartal 2009 gab es in Deutschland etwa 897.000 offene Stellen

Dh. Es gibt etwa 2,6 Millionen Berufsarbeitslose. Hinweise darauf, dass man sich nur richtig bewerben muss ist für diese Menschen eine Lachnummer. Der Hinweisgeber kann offenbar nicht addieren und subtrahieren. Und Jetzt soll mir mal jemand sagen, ob sich die alle das gewünscht haben in der Situation zu sein. Ich finde den Begriff Berufsarbeitslose ziemlich misst, denn er pauschalisiert.
Und bezüglich der Aussage, wer eine Stelle will findet eine. Das mag für Studenten und gut ausgebildete Menschen zutreffen, nur leider gibt es auch Familien, die sind arm, das Kind musste früh mit anpacken anstatt sich den Hausaufgaben zu widmen und das Problem wird Generation für Generation weitergegeben.
Und ich denke man muss noch nicht mal schlecht ausgebildet sein, um keinen Job zu bekommen. Aufgrund der Diskrepanz zwischen Arbeitslosenzahl und offene Stellen Anzahl wird es auch mittelgut Ausgebildete treffen.

Die Steigende Produktivität erkennt man auch an den Löhnen. Ich würd ja gerne Manager als Beispiel nehmen, aber da ein paar Forumsteilnehmer diese nicht mögen greife ich ein anderes Beispiel heraus. Der Vater eines Bekannten verdient mehr als 15000 Euro monatlich als Top-Softwareentwickler bei BASF. Der bekommt dieses Geld, weil er so viel Gegenwert auch produziert in Form von Software. Wenn ich mir jetzt irgendwelche Reinigungskräfte ansehe, die 400 Euro pro Monat verdienen, dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, einige Menschen sind verdammt produktiv geworden und Produzieren so viel Ergebnis wie 50 einfache Menschen. Und da kann irgendwann nicht mehr genug Arbeit übrig bleiben. Und die Tendenz zu mehr Produktivität wird sich in den nächsten 10 Jahren sicher nicht umkehren.

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 02:30
von aquadraht
Hendrik hat geschrieben:Es ist doch ganz einfach, heute übernehmen immer mehr Maschinen die Arbeit, insbesondere die einfache Arbeit. ..
Ja, Danke dass Du mal die ganze Augenwischrei weggeschoben hast. Problem für mich: schon in Wangfujing, wo die Beschäftigungslage eher ok ist (viele sogar English können für die blöden Laowai) sind die Kaufhäuser extrem overstaffed (wenn ich Ruhe haben wollte, sagte ich woshi eguoren, denn russisch konnten die jungen hühner nicht :mrgreen: ). Auch in China übernehmen Maschinen Jobs von Menschen, nicht weniger als bei uns-

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 03:56
von Liberator
Hendrik hat geschrieben: Es ist doch ganz einfach, heute übernehmen immer mehr Maschinen die Arbeit, insbesondere die einfache Arbeit. Wir werden einfach immer produktiver. Früher oder später wird der Fall eintreten, dass wir 50% Arbeitslosigkeit haben werden. Natürlich gibt es immer wieder neue Erfindungen, die es früher gar nicht gab und die müssen auch produziert werden, aber der Zuwachs an Produktivität ist höher als der Zuwachs an neuartigen Produkten.

Als mein Großvater Anfang des letzten Jahrhunderts in einem kleinen Holzboot Fisch gefangen hatte, hatte er damit vielleicht 50 Menschen versorgen können. Heute schwimmen Fischkutter aus Stahl rum mit 10 Mann Besatzung, die versorgen 10000 Menschen.

Im Mai 2009 gabe is in D-Land etwa 3,5 Mio Arbeitslose
Im zweiten Quartal 2009 gab es in Deutschland etwa 897.000 offene Stellen

Dh. Es gibt etwa 2,6 Millionen Berufsarbeitslose. Hinweise darauf, dass man sich nur richtig bewerben muss ist für diese Menschen eine Lachnummer. Der Hinweisgeber kann offenbar nicht addieren und subtrahieren. Und Jetzt soll mir mal jemand sagen, ob sich die alle das gewünscht haben in der Situation zu sein. Ich finde den Begriff Berufsarbeitslose ziemlich misst, denn er pauschalisiert.
Dänemark hatte im Oktober 2006 eine Arbeitslosenquote von 3,3%. Mittlerweile wird sie etwas höher liegen, dennoch zeigt es deutlich, das ein flexibeler Arbeitsmarkt auch bei hoher Produktivität Vollbeschäftigung erreichen kann.

Ansonsten: Es ist ja nicht so, als das es nichts zu tun gäbe in Deutschland.
Man denke nur an die Versorgung von Senioren oder Kitas. Das war vor 100 Jahren so noch kein Thema.
Hendrik hat geschrieben: Und bezüglich der Aussage, wer eine Stelle will findet eine. Das mag für Studenten und gut ausgebildete Menschen zutreffen, nur leider gibt es auch Familien, die sind arm, das Kind musste früh mit anpacken anstatt sich den Hausaufgaben zu widmen und das Problem wird Generation für Generation weitergegeben.
Das Kinder mit anpacken müssen, ist doch höchstens bei Selbstständigen so, z.B. familienbetreib Restaurant. Bei Langzeitarbeitslosen sitzen sie eher vor dem Fernseher, davon das sie keine Zeit für Hausaufgaben hätten, kann objektiv nicht die Rede sein.

Es gibt tatsächlich so etwas wie vererbte Armut; das hat aber mehr mit erlernter Hilflosigkeit zu tun
Hendrik hat geschrieben: Und ich denke man muss noch nicht mal schlecht ausgebildet sein, um keinen Job zu bekommen. Aufgrund der Diskrepanz zwischen Arbeitslosenzahl und offene Stellen Anzahl wird es auch mittelgut Ausgebildete treffen.
Sicher. Aber letztlich liegt es doch an jedem selbst, z.B. der Bereitschaft, für eine Stelle umzuziehen.
Hendrik hat geschrieben: Die Steigende Produktivität erkennt man auch an den Löhnen. Ich würd ja gerne Manager als Beispiel nehmen, aber da ein paar Forumsteilnehmer diese nicht mögen greife ich ein anderes Beispiel heraus. Der Vater eines Bekannten verdient mehr als 15000 Euro monatlich als Top-Softwareentwickler bei BASF. Der bekommt dieses Geld, weil er so viel Gegenwert auch produziert in Form von Software. Wenn ich mir jetzt irgendwelche Reinigungskräfte ansehe, die 400 Euro pro Monat verdienen, dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, einige Menschen sind verdammt produktiv geworden und Produzieren so viel Ergebnis wie 50 einfache Menschen. Und da kann irgendwann nicht mehr genug Arbeit übrig bleiben. Und die Tendenz zu mehr Produktivität wird sich in den nächsten 10 Jahren sicher nicht umkehren.
Man denke an ein Krankenhaus: Ein Chirurg muss bei seiner Arbeit selbst nicht unbedingt produktiver sein als eine Krankenschwester - Aber wenn es in einem Krankenhaus keinen Chirurgen gibt, gibt es auch kein Krankenhaus.

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 06:19
von happyfuture
Hendrik hat geschrieben: Die Steigende Produktivität erkennt man auch an den Löhnen. Ich würd ja gerne Manager als Beispiel nehmen, aber da ein paar Forumsteilnehmer diese nicht mögen greife ich ein anderes Beispiel heraus. Der Vater eines Bekannten verdient mehr als 15000 Euro monatlich als Top-Softwareentwickler bei BASF. Der bekommt dieses Geld, weil er so viel Gegenwert auch produziert in Form von Software. Wenn ich mir jetzt irgendwelche Reinigungskräfte ansehe, die 400 Euro pro Monat verdienen, dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, einige Menschen sind verdammt produktiv geworden und Produzieren so viel Ergebnis wie 50 einfache Menschen. Und da kann irgendwann nicht mehr genug Arbeit übrig bleiben. Und die Tendenz zu mehr Produktivität wird sich in den nächsten 10 Jahren sicher nicht umkehren.
Bin kein BWL'er, jedoch sehe ich es noch krasser:
Wenn ein Angestellter 15000 Teuronen Brutto monatlich verdient hat die Firma min. das doppelte an Kosten! Somit hat diese "Arbeitsmaschiene" einen monatlichen Wert von über 30000 Euro - Respekt! Bei der Reinigungskraft entspricht dies 800 Euro Kosten! :wink:
Liberator hat geschrieben:Man denke an ein Krankenhaus: Ein Chirurg muss bei seiner Arbeit selbst nicht unbedingt produktiver sein als eine Krankenschwester - Aber wenn es in einem Krankenhaus keinen Chirurgen gibt, gibt es auch kein Krankenhaus.
ich möchte mich jedenfalls nicht von einer Krankenschwester operieren lassen, sei sie noch so hübsch ... :lol: :lol:

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 06:39
von happyfuture
@ Ingo (diese Frage ist nur Dir gewidmet... :D )
Was meinst Du genau mit "Soziale Marktwirtschaft à la Deutschland" :?:

Meine kleine Erfahrung in China ist die, das generell gerne die USA als "Vorbild" für vieles genommen wird.
Wie würdest Du in einem Satz die derzeitige "Marktwirtschaft" Chinas bezeichnen :?:

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 10:15
von ingo_001
happyfuture hat geschrieben:Was meinst Du genau mit "Soziale Marktwirtschaft à la Deutschland" :?:
Das hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Marktwirtschaft" target="_blank
Ludwig Erhard hatte die (erstmals?) praktisch umgesetzt - und das auch noch sehr erfolgreich.
happyfuture hat geschrieben:Meine kleine Erfahrung in China ist die, das generell gerne die USA als "Vorbild" für vieles genommen wird.
Ist auch meine Erfahrung. Nicht zuletzt deshalb klafft die Schere zwischen arm und reich ja auch immer weiter auseinander und es kommt mitunter zu sozial motivierten Unruhen (die zunehmen werden, wenn die chin. Regierung nicht wirksam entgegen wirkt.*)
happyfuture hat geschrieben: würdest Du in einem Satz die derzeitige "Marktwirtschaft" Chinas bezeichnen :?:
Dazu brauch ich nicht mal einen Satz: Staatlich gelenkter - wenn nötig -*kontrollierter Kapitalismus,

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 10:38
von aquadraht
happyfuture hat geschrieben: Bin kein BWL'er, jedoch sehe ich es noch krasser:
Wenn ein Angestellter 15000 Teuronen Brutto monatlich verdient hat die Firma min. das doppelte an Kosten! Somit hat diese "Arbeitsmaschiene" einen monatlichen Wert von über 30000 Euro - Respekt! Bei der Reinigungskraft entspricht dies 800 Euro Kosten! :wink:
Du bist nicht nur "kein BWLer", sondern hast von Wirtschaft keine Ahnung. Die das Bruttogehalt übersteigenden Arbeitskosten bei tariflichen Arbeitern und Angestellten liegen an den "Arbeitgeberanteilen". Sie sind aber im Normalfalle keinesfalls das doppelte der Bruttolöhne, sondern höchstens ein Aufschlag von 10-20% bei Tarifbeschäftigten. Wer selbst einmal Angestellte gehabt hat oder hat, weiss das. Natürlich kann man auch die Kosten des Arbeitsplatzes auf die "Arbeitskosten" schlagen, das ist aber unredlich, da es sich dabei um Anlageinvestitionen handelt. Und bei 15.000 Euro Gehalt haben längst die Beitragsbemessungsgrenzen der Renten- (5.400€) und Krankenversicherung (3.650€) zugeschlagen, da gibt es weder Arbeitnehmer- noch Arbeitgeberanteile.

Eure Vorstellung, die Putzfrau sei "weniger produktiv" als der Ingenieur, und das um den Betrag ihres niedrigeren Einkommens, ist lächerlich und naiv. Als ich noch angestellt gearbeitet habe, hatten wir eine sehr tüchtige Abteilungssekretärin. Wenn die krank war oder im Urlaub, ging alles mögliche drunter und drüber, da die nicht eingearbeiteten Vertretungen die Arbeit nicht halb so gut machten. Unser Chef war ein Arschloch, wenn er weg war, war die Stimmung besser und die Arbeit ging leichter von der Hand. Der CEO der Firma (ein internationales Unternehmen) war ein Idiot, wie viele Leute an der Spitze von AGs. Wenn er gestorben wäre, hätte es halt eine andere Pappnase an der Spitze gegeben. Dennoch "verdienten" diese Leute ein vielfaches dessen, was die tüchtige Sekretärin bekam.

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 11:14
von happyfuture
aquadraht hat geschrieben:Du bist nicht nur "kein BWLer", sondern hast von Wirtschaft keine Ahnung.
Habe nie was anderes behauptet.
Du wirkst auf mich sehr gestresst ...
aquadraht hat geschrieben: Die das Bruttogehalt übersteigenden Arbeitskosten bei tariflichen Arbeitern und Angestellten liegen an den "Arbeitgeberanteilen". Sie sind aber im Normalfalle keinesfalls das doppelte der Bruttolöhne, sondern höchstens ein Aufschlag von 10-20% bei Tarifbeschäftigten. Wer selbst einmal Angestellte gehabt hat oder hat, weiss das. Natürlich kann man auch die Kosten des Arbeitsplatzes auf die "Arbeitskosten" schlagen, das ist aber unredlich, da es sich dabei um Anlageinvestitionen handelt. Und bei 15.000 Euro Gehalt haben längst die Beitragsbemessungsgrenzen der Renten- (5.400€) und Krankenversicherung (3.650€) zugeschlagen, da gibt es weder Arbeitnehmer- noch Arbeitgeberanteile.
Demnach arbeiten DEINE "Angestellten" auf der grünen Wiese und haben statt Betriebstelefon Ihre eigene Trommel dabei :lol: :lol: :lol:
Betriebswirtschaftlich sehr gute Umsetzung von Kostenreduzierung :?: :!:
aquadraht hat geschrieben:Eure Vorstellung, die Putzfrau sei "weniger produktiv" als der Ingenieur, und das um den Betrag ihres niedrigeren Einkommens, ist lächerlich und naiv. Als ich noch angestellt gearbeitet habe, hatten wir eine sehr tüchtige Abteilungssekretärin. Wenn die krank war oder im Urlaub, ging alles mögliche drunter und drüber, da die nicht eingearbeiteten Vertretungen die Arbeit nicht halb so gut machten. Unser Chef war ein Arschloch, wenn er weg war, war die Stimmung besser und die Arbeit ging leichter von der Hand. Der CEO der Firma (ein internationales Unternehmen) war ein Idiot, wie viele Leute an der Spitze von AGs. Wenn er gestorben wäre, hätte es halt eine andere Pappnase an der Spitze gegeben. Dennoch "verdienten" diese Leute ein vielfaches dessen, was die tüchtige Sekretärin bekam.
Deine Vorstellung ist UNS nun bekannt ...

Und die Menschen dort waren freiwillig "angestellt" so wie Du, oder?
Geht es Dir heute besser? War die Firma traurig, als Du gekündigt hast? :wink:
Dann habe ich lieber Erfolg - ohne Ahnung von Wirtschaft!!!
:lol: :lol:

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 11:15
von happyfuture
ingo_001 hat geschrieben:
happyfuture hat geschrieben: würdest Du in einem Satz die derzeitige "Marktwirtschaft" Chinas bezeichnen :?:
Dazu brauch ich nicht mal einen Satz: Staatlich gelenkter - wenn nötig -*kontrollierter Kapitalismus,
PASST!

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 11:29
von Hendrik
Liberator hat geschrieben: Sicher. Aber letztlich liegt es doch an jedem selbst, z.B. der Bereitschaft, für eine Stelle umzuziehen.
Ich kenne kein Land in dem es mehr Offene Stellen als Arbeitslose gibt. Durch eine idealere Umverteilung könnte man weiltweit die Arbeitslosigkeit nochmals etwas senken, aber da ist dann auch recht bald das Ende der Fahnenstange erreicht.

Ich persöhnlich ziehe für einen Job sofort um, denn ich bin jung und ungebunden. Aber für eine Familie wird das schon schwerer. Außerdem hat eine weltweite Grenzen. Das funktioniert im Einzelfall. Diejenigen die aus D-Land auswandern auf der Suche nach einem Job sind im Moment eine absolute Minderheit, auch wenn man es dank Fernsehsendungen wie "Goodbye Deutschland" etc. anders vermuten könnte.
Nebenbei gefragt, wohin willst Du umziehen, wenn Du Maler (Hauswände bemalen, nicht Künstler) gelernt hast? Ich kann mir keinen Ort weltweit vorstellen in dem ein akuter Mangel an Malern herscht.

Ja, umlernen, neues Lernen. Das führt nur dazu das diese Person individuell besser dasteht.... und dafür jemand anderes aus dem Arbeitsmarkt drängt. Für mich persöhnlich ist es klar, ich will viel lernen, um immer in einer guten Position zu stehen, aber global gesehen bringt das nichts, wenn jeder einfach viel mehr lernt. Das führt höchstens dazu, dass diese neu Hochausgebildeten nur noch gewitztere Methoden der Automatisierung finden.

Letztes Jahr wurde hier bei uns ein neuer Müllwagen mit Greifarm eingeführt. Jetzt sind nur noch 2 Leute anstatt 3 Besatzung auf dem Wagen und die sind trotzdem schneller. Wie weit es das Teil in D-Land schon gibt weis ich nicht, aber damit sind mal kurz 1/3 aller Müllmänner arbeitslos. Ja was sollen die jetzt lernen? Busfahrer? Maler? Quantenphysiker? Ich kann den aktuen Mangel in den Bereichen nicht sehen. Du vielleicht? Vielleicht braucht man ja jetzt noch ein paar Müllmänner in Paraguay. Dahin sollten die wohl umziehen :roll:

Re: Soziale Marktwirtschaft a la Deutschl. / Vorbild für China?

Verfasst: 23.08.2009, 11:36
von Topas
Höret, höret :

Ein waschechter BWLer spricht :mrgreen:

Das Staatssystem Chinas ist weder rein kommunistisch, noch rein kapitalistisch, noch sonst irgendwas. Es ist vielmehr ein durch Anpassungsvorgänge der letzten 30 Jahre entstandenes Mischmaschsystem von kommunistisch, kapitalisitsch und diktatorisch. Somit ist es auch kaum vergleichbar mit der im Zuge des DDR-beitritts entstandenen sozialen Marktwirtschaft zu vergleichen. Zuvor gabs den Ordoliberalismus.....

:arrow: Bei der sozialen Marktwirtschaft handelt es sich um eine ordnugspolitische Idee mit dem Ziel auf Basis eines freien Wettbewerbs die Eigeinitiative mit dem sozialen Fortschritt zu verbinden, der durch marktwirtschaftliche leistung gesichert wird.

Dafür ist China leider nicht liberal genug,weil Freiheit bedeutet nun mal auch in gewisser Weise Nichteinmischung des Staates und freie Meinungsäusserung, -vertretung und -verfolgung. Das es aber trotzdem so erfolgreich wirtschaftet.....leigt wohl eher daran, dass es a) der grösste Markt mit den billigsten Löhnen überhaupt ist, b) china das nachhohlt, was japan schon hinter sich hat und c) Wirtschaft Staatspriorität ( im gegensatz zu vielen anderen Diktaturen ) hat.

Zum Thema Produktivität :
Der Preis einer Leistung ( in diesem Falle der Preis der löhne = Lohnkosten ) ergibt sich vom prinzip aus dem Wettbewerb. Bleiben wir bei Putzfrauen ! Nehmen wir mal folgendes an : Die Anzahl an zu putzenden Büros verdoppelt sich, bei gleichbleibender Anzalh an "ausgebildeten" Putzfrauen. Es herrscht also ein Nachfrageüberschuss. Die Folge : Die Löhne steigen. Die Bewertugn des putzoutputs somit auch. Wurde einer Stunde Putzen vielleicht vorher ein Wert von 6 Euro beigemssen, so sind es jetzt, sagen wir mal 10 Euro.

Im Klartext : Der Wert der Produktivität ist abhängig von der Nachfrage nach dieser. Da es aber nun nicht allzuschwer ist, sich putzen beizubringen....und es immer genügend Putzer geben wird......oder auf die schnelle nachrücken.....und dadurch die nachfrage gesäattigt ist.....wird die produktivität im Gegensatz zu unseren Buchführern, Steuerfachanwälten, marktforschern und co niedriger bewertet. Weil diese leutchen malochen vielleicht nicht körperlich, dafür aber geistig. Und auch geistig ackern soll gelernt sein. Inweiweit dann Missbrauch damit betreiben wird, ist für die erklärung von produktivität eher irrelevant. Weil - auch bei dem negativen BWLer-Image : Wer von den AntiBWLern ist in der Lage zum beispiel die Kapitalertragsteuer zu berechnen und ordnungsgemäss abzuführen. Oder weiss, was es bedeutet, wenn in der nächsten Post etwas von 280 Absatz 2 BGB steht....um sich dagegen zu wehren. Oder der schöne Vorteil von Nachfrageelastizitäten :mrgreen: