Kommunismus, Kapitalismus und Mao
Verfasst: 31.07.2009, 14:00
Das Thema wird ganz verbissen in dem Thread Mit Chinesen über Politik reden diskutiert.
Ich finde, es passt dort aber nicht rein. Aber wenn das Thema alle so brennend interessiert, können wir doch auch hier einen eigenen Thread dafür spendieren, oder?
Eine Bitte im Voraus:
Mein Verständnis von einer Diskussion ist einen bilateralen Dialog ohne persönliche Beleidigung.
Wenn man hier über die chinesische Politik reden will und uns Chinesen ein gutes Beispiel liefern möchte, dann sollte man vielleicht die demokratischen Prinzipien nicht vergessen: Die Toleranz gegenüber andersdenkende und die Meinung der anderen mit Respekt zu behandeln.
Und bevor ich hier anfangen, was darüber zu schreiben...
Ja, Mao war ein Massenmörder! Und ja, KPC ist scheiße!
Ob die kommunistische Utopie, unter derem Vorwand auch Kriege und Terror ausging, auch total scheiße ist, kann ich so nicht beurteilen. Für mich steht zumindest fest, dass dieses Ideal fehlerhaft ist. Das größte Problem daran ist, dass die Theorie davon ausging, der Mensch sei gut. Aber die Realität ist anders, der Mensch ist igoistisch und zum Teil skrupellos. Und ganz schlimm: Er handelt nicht besonders vorausschauend. Dadurch scheitert jeder Versuch, eine kommunistische Staatsform zu formen, bereits bei den Führungspersonen selbst. Es bleibt also nur eine Utopie und ist gar nicht realisierbar. Ob Kapitalismus besser ist, kann ich auch nicht beurteilen. Aber es geht schonmal davon aus, dass der Mensch egoistisch ist und seine Beweggründe immer auf eigenen Vorteilen aufbaut. Interessante Weise entstand auch in dem Kapitalismus so eine Art kollektiver Wohlstand, weil die Reichen erkannt haben, dass man eine möglichst große Mittelschicht in der Gesellschaft braucht, die dann ihre Produkte kaufen können, damit die Warenwirtschaft überhaupt funktionieren kann. Leider schwindet diese kollektive Denkweise immer stärker bei den Wirtschaftseliten in der letzten Zeit und die Gefahr einer wachsenden Reich-und-Arm-Schere könnte auch das demokratische System in der Politik bedrohen.
Für mich ist das politische System in China weder sozialistisch noch kommunistisch.
Es ist eine Abbildung des feudalen Herrschersystems, das inzwischen nicht von einem Kaiser, sondern von einer Personengruppe in der Partei gesteuert wird. Daher existiert auch keine Rechtsstaatlichkeit in China, da das Gesetz nur auf dem Papier existiert. In der Realität stehen überall Feudalherren (sowohl die Machthaber in der Zentrale als auch die lokalen Landesfürsten) über dem Gesetz. Das System selbst ist also korrupt und solange keine Rechtssicherheit gibt, wird es auch keine freie politische Entfaltung und freie Informationsverbreitung geben können. Der Schlüssel liegt meiner Meinung nach tatsächlich in der Bildung. Aber das allein reicht jedoch nicht aus. Wir Chinesen sollen endlich mal lernen mit eigenem Kopf zu denken und nicht nur das wiedergeben, was der lehrer einem vorgekaut hat.
Zum Thema Mao, kann ich sagen, dass er nicht viel anders war, als die anderen Kaisern vor ihm. Ein Bauernsohn aus reicherem Familienverhältnis mit passabler Bildung (ein typischer Revolutionär) konnte die Massen für sich gewinnen und China größtenteils von den ausländischen Einflüssen und inländischen Warloards "befreien". Danach erlegte er sich in seinem eigenen Macht (auch ganz typisch) und lebte wie ein roter Kaiser ohne jeglichen Kontakt zu seinem Volk. Von dem Volk wird er zunächst wie ein Gott verehrt, genau wie die Himmelssöhne vor ihm. Ein Wort von ihm genügt, um in China Berge und Flüsse zu verlegen, aber völlig ohne Sinn und Verstand. Nicht das Wissen der Intellektuellen und Ingenieure zählt, sondern nur die Wörter von dem großen Vorsitzenden. Der große Steuermann hasste die Intellektuellen, da niemand sonst mehr Wissen haben können als er selbst. Die wirklichen Probleme und Nöte der Bevölkerung interessierte ihm wenig, sondern nur sein Machterhalt. So scheute er sich auch nicht davor zurück eine unkontollierbare Massenbewegung ins Leben zu rufen und das Land an den Rand des Ruins zu treiben, nur damit er seinen politischen Gegenspieler Liú Shàoqí (ein durchaus gemässigter Kommunist) beseitigen konnte. Aber trotzdem gehört die Zeit nach 1949 zu einer relativ ruigen Zeit in China im Vergleich zu dem Jahrhundet davor. Es setzte sich so eine Art Industrialisierung im Gang, obwohl das Land technisch chancenlos weit hinter den Industrieländern hing. Den Menschen gingen trotz 3 Jahre Hungerkatastrophe und 10 Jahre politischem Chaos vergleichsweise besser als vor Mao. So wurde das Land während dieser Zeit zu dem Bevölkerungsreichsten Land der Welt. Rationale Entscheidungen über das Land konnten aber erst nach Mao's Tot getroffen werden.
Ich finde, es passt dort aber nicht rein. Aber wenn das Thema alle so brennend interessiert, können wir doch auch hier einen eigenen Thread dafür spendieren, oder?
Eine Bitte im Voraus:
Mein Verständnis von einer Diskussion ist einen bilateralen Dialog ohne persönliche Beleidigung.
Wenn man hier über die chinesische Politik reden will und uns Chinesen ein gutes Beispiel liefern möchte, dann sollte man vielleicht die demokratischen Prinzipien nicht vergessen: Die Toleranz gegenüber andersdenkende und die Meinung der anderen mit Respekt zu behandeln.
Und bevor ich hier anfangen, was darüber zu schreiben...
Ja, Mao war ein Massenmörder! Und ja, KPC ist scheiße!
Ob die kommunistische Utopie, unter derem Vorwand auch Kriege und Terror ausging, auch total scheiße ist, kann ich so nicht beurteilen. Für mich steht zumindest fest, dass dieses Ideal fehlerhaft ist. Das größte Problem daran ist, dass die Theorie davon ausging, der Mensch sei gut. Aber die Realität ist anders, der Mensch ist igoistisch und zum Teil skrupellos. Und ganz schlimm: Er handelt nicht besonders vorausschauend. Dadurch scheitert jeder Versuch, eine kommunistische Staatsform zu formen, bereits bei den Führungspersonen selbst. Es bleibt also nur eine Utopie und ist gar nicht realisierbar. Ob Kapitalismus besser ist, kann ich auch nicht beurteilen. Aber es geht schonmal davon aus, dass der Mensch egoistisch ist und seine Beweggründe immer auf eigenen Vorteilen aufbaut. Interessante Weise entstand auch in dem Kapitalismus so eine Art kollektiver Wohlstand, weil die Reichen erkannt haben, dass man eine möglichst große Mittelschicht in der Gesellschaft braucht, die dann ihre Produkte kaufen können, damit die Warenwirtschaft überhaupt funktionieren kann. Leider schwindet diese kollektive Denkweise immer stärker bei den Wirtschaftseliten in der letzten Zeit und die Gefahr einer wachsenden Reich-und-Arm-Schere könnte auch das demokratische System in der Politik bedrohen.
Für mich ist das politische System in China weder sozialistisch noch kommunistisch.
Es ist eine Abbildung des feudalen Herrschersystems, das inzwischen nicht von einem Kaiser, sondern von einer Personengruppe in der Partei gesteuert wird. Daher existiert auch keine Rechtsstaatlichkeit in China, da das Gesetz nur auf dem Papier existiert. In der Realität stehen überall Feudalherren (sowohl die Machthaber in der Zentrale als auch die lokalen Landesfürsten) über dem Gesetz. Das System selbst ist also korrupt und solange keine Rechtssicherheit gibt, wird es auch keine freie politische Entfaltung und freie Informationsverbreitung geben können. Der Schlüssel liegt meiner Meinung nach tatsächlich in der Bildung. Aber das allein reicht jedoch nicht aus. Wir Chinesen sollen endlich mal lernen mit eigenem Kopf zu denken und nicht nur das wiedergeben, was der lehrer einem vorgekaut hat.
Zum Thema Mao, kann ich sagen, dass er nicht viel anders war, als die anderen Kaisern vor ihm. Ein Bauernsohn aus reicherem Familienverhältnis mit passabler Bildung (ein typischer Revolutionär) konnte die Massen für sich gewinnen und China größtenteils von den ausländischen Einflüssen und inländischen Warloards "befreien". Danach erlegte er sich in seinem eigenen Macht (auch ganz typisch) und lebte wie ein roter Kaiser ohne jeglichen Kontakt zu seinem Volk. Von dem Volk wird er zunächst wie ein Gott verehrt, genau wie die Himmelssöhne vor ihm. Ein Wort von ihm genügt, um in China Berge und Flüsse zu verlegen, aber völlig ohne Sinn und Verstand. Nicht das Wissen der Intellektuellen und Ingenieure zählt, sondern nur die Wörter von dem großen Vorsitzenden. Der große Steuermann hasste die Intellektuellen, da niemand sonst mehr Wissen haben können als er selbst. Die wirklichen Probleme und Nöte der Bevölkerung interessierte ihm wenig, sondern nur sein Machterhalt. So scheute er sich auch nicht davor zurück eine unkontollierbare Massenbewegung ins Leben zu rufen und das Land an den Rand des Ruins zu treiben, nur damit er seinen politischen Gegenspieler Liú Shàoqí (ein durchaus gemässigter Kommunist) beseitigen konnte. Aber trotzdem gehört die Zeit nach 1949 zu einer relativ ruigen Zeit in China im Vergleich zu dem Jahrhundet davor. Es setzte sich so eine Art Industrialisierung im Gang, obwohl das Land technisch chancenlos weit hinter den Industrieländern hing. Den Menschen gingen trotz 3 Jahre Hungerkatastrophe und 10 Jahre politischem Chaos vergleichsweise besser als vor Mao. So wurde das Land während dieser Zeit zu dem Bevölkerungsreichsten Land der Welt. Rationale Entscheidungen über das Land konnten aber erst nach Mao's Tot getroffen werden.