Seite 1 von 1

WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 15.05.2009, 07:16
von admin
WFOE in China - was kriegt man, was braucht man
Wenn man mich fragt, wie kompliziert es ist, in China eine Firma zu registrierten, sage ich scherzhaft immer: In Deutschland hat es 30 Minuten gedauert, in China 3 Monate. Der Vergleich hinkt natürlich, weil ich in Deutschland mit der GbR eine sehr unkomplizierte Rechtsform gewählt habe. Die Registrierung einer GmBH ist in Deutschland auch aufwändiger. Egal.

Ich habe mir heute noch einmal den aktuellen Stand angesehen, was man benötigt, wenn man eine Wholly Foreign Owned Enterprise in Peking registriert. Dann habe ich mir die Liste angeschaut. Was bekommt man eigentlich an Dokumenten von den Bürokraten zurück?

Wenn man das vergleicht, was die Anzahl der Dokumente bzw. Stempel angeht, nicht mal unbedingt ein Verlustgeschäft.

Also, die folgenden Dokumente muss man vorbereiten:

Name Reservation Form
Application Letter
Articles of Assoctiation
List of Directors /Shareholders
Office Lease Agreement (ok, da braucht man auch einige Dokumente, die der Vermieter vorbereiten muss, ich zähls mal als eines)
Notarized Certificate of Incorporation bzw. Handelsregisterauszug
Passport of WFOE Direcor(s)
Bank Reference Letter
Application Form
Power of Attorney (d.h. Vollmacht für den Rechtsanwalt)
Resume of Legal Representative / Chairman of the Board
Letter of Appointment for legal help für den Anwalt
Inventarliste (manchmal)
Kontaktdaten des Supervisors der WFOE (Name, Vorname, ID, Adresse)

Das habe ich zurückbekommen bzw. diese Dokumente und Stempel musste ich dann in meinem Safe aufbewaren oder an die Wand hängen.

1 Orginal:  企业法人营业执照       Corporate Business License der PRCh
2 Kopien:  企业法人营业执照       Corporate Business License der PRCh
1 Original: 批准证书                        Certificate of approval
2 Kopien: 批准证书                         Certificate of approval
1 Original: 组织机构代码证书       Organization Code Certificate
1 Kopie:组织机构代码证书            Organization Code Certificate
1 Original: 税务登记证                   Tax Registration Certificate
1  Kopie 税务登记证                        Tax Registration Certificate
1 Original 外汇登记证                    Approval documents for foreign exchange
1 Original: 统计登记证                   Statistics Registration Certificate
1 Original: 统计登记证                   Statistics Registration Certificate
1 Original: 三资企业备案登记薄  Zertificate of registration of the foreign-invested enterprise
公章                                                     1 Stempel
财务章                                                 noch ein Stempel
人名章                                                 noch ein Stempel
报关章                                                 noch ein Stempel

knappes Ergebnis: 16 : 14 für die Bürokraten. Der Aufwand lohnt sich also.

Auf www.chinaseite.de gibt es in den nächsten Tagen nach mehreren Anfragen auch mal einen praxisnahen Bericht aus eigener Erfahrung. Was muss man beachten, was bedeuten die vielen Stempel und Zertifikate eigentlich, was kann schiefgehen?

Wenn mich also jemand noch einmal bittet, einen Business Plan für China zu zu prüfen oder zu schreiben, werde ich dieses Ergebnis auch mit einfließen lassen.
http://blogger.chinaseite.de/2009/05/15 ... china.html

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 15.05.2009, 20:07
von bossel
admin hat geschrieben:WFOE in China - was kriegt man, was braucht man
Das Problem scheint zu sein, daß es von Ort zu Ort unterschiedlich ist. Habe schonmal versucht, mich im Internet kundig zu machen, aber man wird wohl kaum drumherum kommen, vor Ort bei der zuständigen Behörde nachzufragen.

Trotzdem erwarte ich den angekündigten praxisnahen Bericht mit Spannung.

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 15.05.2009, 21:20
von admin
Hallo Bossel,

Ich fand es vor allem lustig, einfach mal die Dokumente zu zählen :)
input - output...

Kim

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 15.05.2009, 22:15
von ingo_001
admin hat geschrieben:Hallo Bossel,

Ich fand es vor allem lustig, einfach mal die Dokumente zu zählen :)
input - output...

Kim
Und da heisst es immer, die Bürokratie sei eine deutsche Erfindung :mrgreen:
Falls dem so sein sollte, wird sie in Chine wohl perfektioniert :mrgreen:

War nur ein blödes und noch dazu falsches Klieschee - natürlich weiss ich, dass die Bürokratie in China erfunden wurde :mrgreen:

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 15.05.2009, 22:19
von mistervac
ich würde in China keinen Zweigbetrieb eröffnen, schlicht und ergreifend wegen der Rechtsunsicherheit.

In D ist wenigstens jede Rechtsvorschrift einklagbar.

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 16.05.2009, 01:29
von ingo_001
Einklagbare Rechtsvorschriften?
In China?

Utopischer Gedanke :mrgreen:

In China zählen seit jeher die "Netzwerke".
Man braucht halt jemanden, der jemanden kennt, der an entsprechender Position die richtigen "Hebel" in Bewegung setzt.
Das ist ein wechselseitiges Geben und Nehmen, das sich - wenns denn erstmal läuft und etabliert ist - i.d.R. für Alle Beteiligten auszahlt.
Das mit Bestechung gleichzusetzen, wäre zu kurz gegriffen.
Das Problem ist halt: Wie kommt man, wenn man keinerlei Kontakte/Bezugspersonen in China hat, in diese Netzwerke hinein?
Man sollte sich unsere westliche Sichtweise in dieser Beziehung abgewöhnen, wenn man denn in China mit Chinesen erfolgreich Geschäfte tätigen will.
Die Realität ist einfach die: Entweder in China nach chinesischen Regeln zu spielen - oder es (das Geschaft) eben zu lassen.

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 16.05.2009, 01:39
von ingo_001
mistervac hat geschrieben:In D ist wenigstens jede Rechtsvorschrift einklagbar.
Was aber noch lange nicht heisst, dass dann auch ein gerechtes Urteil erfolgt ...
Ganz abgesehen davon, dass mitunter JAHRE ins Land gehen, bevor überhaupt ein Urteil gefällt wird ...
Und wenn das dann entl. durch mehrere Instanzen weiter geht, braucht man Geduld und Beharlichkeit - von dem nötigen Kleingeld ganz zu schweigen. Denn die RS-Versicherung - so man sie denn hat - steht nicht für Alles ein - auch wenns durch die Werbung suggeriert wird.

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 16.05.2009, 12:47
von happyfuture
ingo_001 hat geschrieben:Man sollte sich unsere westliche Sichtweise in dieser Beziehung abgewöhnen, wenn man denn in China mit Chinesen erfolgreich Geschäfte tätigen will.
Die Realität ist einfach die: Entweder in China nach chinesischen Regeln zu spielen - oder es (das Geschaft) eben zu lassen.
Dem schließe ich mich zu 100% an!
Es hat mich mehr als ein Jahr "Erfahrung" (Nerven, Geld und Verstand) gekostet, bis ich das endlich begriffen habe. Seitdem laufen meine Geschäfte besser und ich komme mehr und mehr an die "richtigen" Geschäftspartner (sprich Netzwerke!).

Spiele auch mit dem Gedanken, in China eine Firma zu gründen.
Werner (Firma in HK)

Re: WFOE in China - was kriegt man, was braucht man

Verfasst: 16.05.2009, 14:15
von mistervac
ingo_001 hat geschrieben:
mistervac hat geschrieben:In D ist wenigstens jede Rechtsvorschrift einklagbar.
Was aber noch lange nicht heisst, dass dann auch ein gerechtes Urteil erfolgt ...
Ganz abgesehen davon, dass mitunter JAHRE ins Land gehen, bevor überhaupt ein Urteil gefällt wird ...
Und wenn das dann entl. durch mehrere Instanzen weiter geht, braucht man Geduld und Beharlichkeit - von dem nötigen Kleingeld ganz zu schweigen. Denn die RS-Versicherung - so man sie denn hat - steht nicht für Alles ein - auch wenns durch die Werbung suggeriert wird.
Ich habe dies aus der Sicht des Gewerbetreibenden darstellen wollen.



mistervac, der in China die (für ihn) richtigen Leute kennt und ganz bewusst hier bleibt