Jacquilein hat geschrieben:
@no1gizmo: wow, du lernst chinesisch und japanisch so nebenher? das muss doch auch ziemlich schwer zu vereinbaren sein, so neben beruf und studium oder nicht? was studierst du denn, wenn man fragen darf?
Ja ich lerne Chinesisch und Japanisch gemeinsam. Klingt schwer, ist es aber nicht. Kommt allerdings auch immer drauf an, welche Ansprüche man stellt. Jemand, der anstrebt in zwei Jahren fließend beide Sprachen zu beherrschen oder Übersetzer zu sein, wird mit meinem Lerntempo auch nicht zufrieden sein.
Wenn ich chinesische Zeichen lerne, kann ich mti Fug und Recht behaupten sogar beides zugleich zu lernen. Kommen nur Lesungen und Grammatik hinzu (bei Chinesisch sehr überschaubar, bei Japanisch bin ich bei 2/3, sagt zumindest meine Lehrerin) Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen, hat mit China und Japan erstmal gar nichts zu tun. Nebenbei gehe ich als Programmierer arbeiten (allerdings in einer Übersetzungsfirma).
Wo/wann/wie lerne ich nun die Sprachen? Ich motiviere mich dadurch, dass ich regelmäßig neue Bücher bestelle (teuer), ich habe da immer den Drang, die bald durchzuarbeiten (und danach würdige ich diesen Büchern keines Blickes mehr). Ich habe eine chinesische Freundin, mit der ich Chinesisch üben kann, jeden Tag. Abends habe ich mir antrainiert, im Bett noch irgendwas sinnvolles zu lesen (u.a. Chinesisch oder Japanisch). Und dann sind da noch die Sprachkurse. Ja, denn auch als Fachfremder kann man an der Hochschule Sprachkurse machen, die sind besser als VHS-Kurse. Letztere besuche ich aber auch hin und wieder.
Den größten Schritt habe ich aber mit dem Verkauf meines Autos gemacht (ja, das Auto in meiner Signatur gibt es nicht mehr

). Jetzt fahre ich Bus und Bahn, höre Podcast und/oder lerne Vokabeln.... das nenne ich effizient.
Jacquilein hat geschrieben:
wie gesagt, wirtschaft ist eben auch nicht so wirklich mein traum... was wahrsch. schlecht ist, denn für so viele berufe ist wirtschaft sehr sehr wichtig aber irgendwie weiß ich auch nicht... kann ich mich dazu überwinden, was zu studieren für was ich mich nicht so sehr interessiere?!
Das schaffen viele. Klar musst du dich durch Rechnungswesen und Statistik durchkämpfen, aber das ist alles machbar.
Und das "ich will nicht darin arbeiten nach dem Studium" zieht nicht. Selbst reine BWLer arbeiten nicht unbedingt z.B. in der Buchhaltung oder so.
Frag doch mal Sinologen/Japanologen was sie im Beruf noch aus ihrem Studium brauchen (gleich vorweg: Mehr als Sprachkenntnisse interessiert Unternehmen selten)
Jacquilein hat geschrieben:
japanologie fände ich z.b. auch echt super. also mich reizt sowohl chinesisch als auch japanisch, aber ich dachte erstmal an sinologie weil ich denke dass man mit chinesisch evtl. mehr chancen hat (immer mehr europäisch-chinesische beziehungen usw.).
Dann wäre die Kombi Sinologie und Japanologie mindestens interessant.
Übrigens: China ist die Wirtschaftsmacht der Zukunft no.1 (daran glaube ich auch). Aber Japan ist immer noch gewaltig größer in seiner Wirtschaftskraft als China, das wird ein paar Jahre auch noch so bleiben. Auch die Medianwelt Asiens bleibt erstmal von Japan dominiert.
Jacquilein hat geschrieben:
also ich persönlich war noch nie in asien. würde aber unglaublich gerne mal dort hin, mich reizt es einfach was komplett neues zu lernen, sowohl die schrift, die sprache, die kultur... ich denke einfach, dass es ne herausforderung wäre und die könnte ich richtig gut gebrauchen...
Da liegt der Hund begraben. Ich verweise da mal an Dennis (CDS). Lern erstmal etwas Chinesisch, beobachte Chinesen, besuche mal China.
Jetzt wo ich mich schon seit ein paar Jahren mit China/Chinesisch beschäftigt hatte, sehe ich sowohl das Land als auch die Sprache (naja, zumindest Hochchinesisch) mit anderen Augen. Ob nun gut oder schlecht ist dermaßen subjektiv, dass ich mir weitere Ausführungen sparen kann.
Jacquilein hat geschrieben:
allerdings ist es bei mir so, dass ich auf jeeeeden fall bereit wäre, ein auslandssemester in china zu verbringen (klar, ist ja bei vielen unis auch pflicht, aber selbst wenn nicht, würde ich das schon machen wollen).
Du kannst auch Jura, Maschinenbau oder Volkswirtschaft studieren, oder ganz was anderes, und trotzdem ein Auslandssemester und/oder ein Auslandspraktikum machen!!!! Natürlich auch in China/Japan!
Jacquilein hat geschrieben:
würde mich sehr über weitere antworten freuen, vielleicht gibt es ja sogar welche hier, die sinologie (evtl. in kombination mit medien o.ä.) studieren und noch weiterhelfen könnten

Man merkt echt, dass du weiblich bist. Nicht persönlich nehmen bitte.
Der Medien- und Marketingbereich (eigentlich zwei verschieden Bereiche, aber das nachfolgende Problem gilt für beide Bereich) ist derbe überlaufen. Bekommen tut man da vielleicht was, aber nur schlecht bezahlt.
In den Median-/Marketingbereich strömen viele Absolventen, vornehmlich folgender Studienschwerpunkte: Germanistik (und ähnliche, wie Sinologie, Japanologie, Romanistik usw.), Pädagogen, Psychologen, BWL (Marketing), Vertriebsingenieure, Kommunikationsdesign, Medianinformatik, Mediendesign, Soziologen usw usw. Alle wollen sie in den kommunikativen Bereich und kreativ sein.
Jacquilein hat geschrieben:
aber wie wang schon fragte: WAS kann ich später mit sinologie & japanologie machen? wo kann ich arbeiten? was gibt es für möglichkeiten? das sind eben die fragen, die ich mir auch stelle?! :/
Wang hat geschrieben:
Deswegen, Gizmo, könntest du noch mal versuchen, genauer zu erklären, was man dann mit Sinologie/Japanologie alles anfangen könnte? Denn Firmen werden wohl kaum jemanden hoch bezahlen, der "nur" Chinesisch und Japanisch kann und sich in diesen Kulturen auskennt, aber sonst nichts drauf hat. Wenn es geht, mehr als nur "in einer Firma, die Kontakte nach Ostasien hat, arbeiten" bitte
[/quote]
Hier wurden schon Fragen beantwortet, außerdem studiere/arbeite ich selbst ja nicht im Bereich, aber ich versuchs dennoch mal:
Sinologen/Japanologen arbeiten meist im Sprachbereich (Übersetzen oder Dolmetschen, letzeres ist aber oft noch mit zusätzlichen Ausbildungen verbunden). Ich surfe ja auch in Japan-Foren rum, auch dort heißt es, dass der Sprachkurs (integriet im Sino-/Japanologiestudium) Gold wert ist.
Nun arbeiten aber auch viele andere als Übersetzer/Dolmetscher. Z.B. die ganzen Chinesen, die hier in Deutschland *wasauchimmer* studieren. Oder Dennis (CDS) hier im Forum. Der übersetzt offiziell Dokumente, ohne Sinologiestudium!
Sinologen/Japanologen argumentieren dann gerne, dass sie ja mehr können, als nur zu übersetzen. Im Studium geht es dann um Mao Zedong, Kulturrevolution, Dynastien, Tempel, Kriege & Konflikte, das kann sogar bis hin zur Archäologie gehen! In Japanologie geht es dann um die chinesischen Beziehungen, zweiter Weltkrieg, Dynastien, Toyotamodell, Samurai-Ära usw. Manches davon ist sicherlich interessant, aber alles ist sehr trocken. Das ist nicht wie nen Film oder eine Doku über etwas zu sehen, das ist wirklich trocken.
Aber in der Wirtschaft braucht das niemand. Welches Unternehmen hat Interesse an solch einem Wissen? Nahezu kein einziges. Auch ein Ingenieur, der 2 Jahre in China/Japan gearbeitet hat, hat bereits genug Einblicke in die fremde Kultur, dass er alles in die Hand nehmen kann.
Wer sich auf diese kulturellen/geschichtlichen Dinge spezialisieren will, muss eine Uni-Karriere anstreben. Aber auch das ist gar nicht einfach. Zumal man herumforschenden Ausländern in China aber auch in Japan eher skeptisch gegenübersteht.
Im Moment besuche ich einen Hochschul-Kurs "Internationale Kommunikation China/Japan", gehalten und vorgetragen von einer studierten Japanologin. Diese Japanologin kann kein übersetzungstaugliches Japanisch (für Insider: sie hat den JLPT2). Was macht sie also? Nichts besonderes, sie fährt ein kleines Auto (ok, was will das heißen) und versucht sich scheinbar mit Kursen zur internationalen Kommunikation über Wasser zu halten.
Eine Menge Sinologen/Japanologen enden so. Immer wieder arbeitslos und auf der Suche nach Jobs mit Asienbezug, hinzu kommt der immer wiederkehrende Frust, dass diese Jobs schlecht bezahlt sind, weil sie eher in den Bereich Softskills fallen.
Manche werden dann noch Reiseleiter, Kulturberater, viele gehen sicherlich in den Marketingbereich.
Dann kommt ein gewisser Druck hinzu. Wenn ich in ein paar Jahren taugliches Chinesisch und Japanisch sprechen kann (ich habe übrigens kein Anspruch Übersetzer/Dolmetscher zu werden), kommt das sicherlich sehr gut an. Aber von einem studierten Sinologen/Japanologen werden sehr gute, wenn nicht übersetzungstaugliche Sprachkenntnisse vorausgesetzt! Sonst könnte das später echt peinlich werden, wenn einem ein Fachfremder vor einem steht, der besseres Chinesisch/Japanisch spricht.
Und dann sind da noch die bösen Menschen wie Dennis (CDS), die den studierten Sinologen dann noch die Stellen in Taiwan wegschnappen
