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Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 17:05
von Laura
Meine Frage ist folgende:

Ich wuerde gerne ca. 1 Jahr in China Englisch unterrichten. Ich habe weder ein Englisch Studium noch ein Sprachzertifikat auch keinerlei Erfahrung im Unterrichten. Mein Beruf ist Bibliothekarin. Ich bin 28 Jahre alt und habe 2 Jahre in Australien gearbeitet, mein Englisch ist also fliessend.

Welche Chancen kann ich mir ausrechnen. Welche Art von Schulen kommen in Frage? Sollte ich ein Sprachzertifikat erwerben, welches?

Ich habe sehr unterschiedliche Meinungen dazu gehoert ob ich als Nicht-Muttersprachler eine Chance auf eine Stelle habe...

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 17:20
von Philipp
Laura hat geschrieben:Meine Frage ist folgende:

Ich wuerde gerne ca. 1 Jahr in China Englisch unterrichten. Ich habe weder ein Englisch Studium noch ein Sprachzertifikat auch keinerlei Erfahrung im Unterrichten. Mein Beruf ist Bibliothekarin. Ich bin 28 Jahre alt und habe 2 Jahre in Australien gearbeitet, mein Englisch ist also fliessend.

Welche Chancen kann ich mir ausrechnen. Welche Art von Schulen kommen in Frage? Sollte ich ein Sprachzertifikat erwerben, welches?

Ich habe sehr unterschiedliche Meinungen dazu gehoert ob ich als Nicht-Muttersprachler eine Chance auf eine Stelle habe...

Es ist leicht eine Stelle zu finden, wenn du europäisch aussiehst, für die Chinesen sind wir irgendwie eh alle gleich. Allerdings wirst du vermutlich nur ca. 400 Euro oder so im Monat verdienen.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 17:40
von SimonSayz
Naja, 400€ ist sehr pauschalisiert. Es kommt eher darauf an, wo, in welcher Umgebung und welche "Schüler" es sind. Da du weder eine pädagogische Ausbildung noch ein Studium in der englischen Sprache nachweisen kannst, fällt eine staatliche und auch viele privaten Schulen schon mal weg (für die zählt das Papier). Bleibt noch der Weg über Nachhilfe und da sieht es je nach Lage finanziell schlecht bis ganz mies aus.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 17:55
von Philipp
SimonSayz hat geschrieben:Da du weder eine pädagogische Ausbildung noch ein Studium in der englischen Sprache nachweisen kannst, fällt eine staatliche und auch viele privaten Schulen schon mal weg (für die zählt das Papier). Bleibt noch der Weg über Nachhilfe und da sieht es je nach Lage finanziell schlecht bis ganz mies aus.

Würd ich nicht sagen. Mir sind in China schon zig Stellen als Englischlehrer angeboten worden, ohne dass ich mich je darum beworben hätte, oder irgendeine Qualifikation dafür besäße, einfach während ich die Straße lang spaziert bin. Waren alles Schulen von der Grundschule zur "Business School" und keine private Nachhilfe. In Deutschland hat mir noch niemand auf der Straße einen Arbeitsplatz angeboten.

Wie die Arbeitsbedingungen gewesen wären kann ich nicht sagen, weil ich keine der Stellen angenommen hab.

Wahrscheinlich ist es leichter eine Stelle in einer rückständigeren Gegend zu finden, weil da nicht so viele Ausländer leben möchten. Diesen Schulen ist es auch ziemlich schnurz welches Zertifikat du hast, solange du westlich aussiehst und sie damit werben können, dass echte Ausländer dort als Lehrer tätig sind. Den meisten Schulen geht es ja nicht darum möglichst guten Unterricht zu vermitteln, sondern möglichst viele Kinder einzuschreiben, deren Eltern der Schule Schulgeld zahlen.

Schreib auf der Bewerbung einfach Englisch sei deine Muttersprache. Kannst ja praktischerweise als Wohnort Australien angeben, wenn du lange dort gelebt hast. So macht man das in China.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 18:29
von SimonSayz
Philipp hat geschrieben:Mir sind in China schon zig Stellen als Englischlehrer angeboten worden, ohne dass ich mich je darum beworben hätte, oder irgendeine Qualifikation dafür besäße, einfach während ich die Straße lang spaziert bin. Waren alles Schulen von der Grundschule zur "Business School" und keine private Nachhilfe.
So ein Glück hätte ich auch gerne . . .

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 19:06
von otternase
abseits der Zentren kann auch eine "Ungelernte Lehrkraft" durchaus als Lehrer(in) anfangen, solche Angebote sind keine extreme Seltenheit. Die Randbedingungen dürften dann aber in der Regel für ausreichend Abschreckung sorgen.
Die 4000 RMB sind in der Tat häufig, weil bis zu diesem Betrag Ausländer steuerfrei arbeiten dürfen (war zumindest 2004/5 so, mag sich inzwischen geändert haben, habe was von 4800 RMB gehört?), vereinfacht auch dem AG das Leben...

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 19:08
von NHR
Also ich weiß nicht, wie es in mainland China ist, aber in Taiwan kann man als Englischlehrer sehr gut verdienen. Dabei gehen viele Schulen scheinbar ziemlich lächerlich vor und nehmen lieber weiße non-native speaker als schwarze oder asiatisch aussehende natives.
Ansonsten kann man problemlos bis 700 NT$ pro Stunde verdienen (glaube, das ist ne Doppelstunde), was ca 16 Euro entsprechen dürfte. Davon kann man hier sehr gut leben.
Ich habe angebote bis 70.000NT$ im Monat gesehen.

Du kannst ja mal auf http://www.tealit.com gucken.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 19:36
von Torte
NHR hat geschrieben:Also ich weiß nicht, wie es in mainland China ist, aber in Taiwan kann man als Englischlehrer sehr gut verdienen. Dabei gehen viele Schulen scheinbar ziemlich lächerlich vor und nehmen lieber weiße non-native speaker als schwarze oder asiatisch aussehende natives.
das ist auf dem mainland auch so.....jedenfalls habe ich so geschichten gehört. Im pinzip ist es egal ob du native speaker bist oder einen abschluss in englisch hast. Solange du "weiß" bist nimmt dich jede Schule (ausser bei Uni's wäre ich vorsichtig), sprich also Grund- und Mittelschulen. Auch von privatschulen habe ich schon angebote bekommen (und dabei habe ich noch nie englisch unterrichtet und will es auch nicht). Für die war es nur wichtig, dass man die Sprache fliessend spricht (und halt "weiß" ist oO). Bezahlt wirst du meistens nach Stunden.....das kann bei bis zu 150 RMB/h liegen. Wenn du viel verdienen willst, hast du allerdings oft nur die Wahl an möglichst vielen Schulen einen entsprechenden Job zu suchen und überall ein paar Stunden pro Woche zu arbeiten. Kannte ein paar Ausländer, die sich so über Wasser gehalten haben bzw. auch ganz ordentlich verdient haben.
Also an sich rechne ich dir gute Chancen aus.
Die Erfahrungen/Geschichten sind speziell auf Beijing bezogen, das aber nur am Rande. Die suchen alle wie wild, dass es gar nicht von native speaker/studierten abgedeckt werden könnte.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 19:46
von Dennis (CDS)
NHR hat geschrieben:Also ich weiß nicht, wie es in mainland China ist, aber in Taiwan kann man als Englischlehrer sehr gut verdienen. Dabei gehen viele Schulen scheinbar ziemlich lächerlich vor und nehmen lieber weiße non-native speaker als schwarze oder asiatisch aussehende natives.
Ansonsten kann man problemlos bis 700 NT$ pro Stunde verdienen (glaube, das ist ne Doppelstunde), was ca 16 Euro entsprechen dürfte. Davon kann man hier sehr gut leben.
Ich habe angebote bis 70.000NT$ im Monat gesehen.

Du kannst ja mal auf http://www.tealit.com gucken.
500 - 800 NT$ ist ne Einzelstunde. :wink:

Für 70.000NT$ im Monat gehörst du dann aber auch der Schule. Sie halten dann dein Arbeitsvisum, deine Krankenversicherung und unter Umständen auch deinen Pass. Ach ja, und 20% Steuern bei denen dir häufig nicht gesagt wird, dass du übers Jahr gesehen eigentlich weniger zahlen müsstest.

Summer Camps und Christmas Partys sind die reinste Hölle und wenn die Kids oder deren Eltern nicht mit dir nicht zufrieden sind, bist du auch ganz schnell wieder draußen. Und mittlerweile stellt sich das Bureau of Labor Affairs ziemlich an, wenn man sein Work Visa auf einen anderen Arbeitgeber ziehen will.

Kurz gesagt: Man kann mit viel Arbeit damit (...du wirst nicht fürs Unterrichten, sondern fürs Unterhalten der Kids bezahlt) eine Menge Kohle verdienen, setzt sich aber auch einem gewissen Risiko aus. Und die "guten" Lehrer werden die gutbezahlten Jobs mit Sicherheit nicht freiwillig hergeben.

Private Teaching ist auch ganz nett, wenn man denn mit den Unzuverlässigkeiten seiner Studenten umgehen kann, d.h. nicht unbedingt auf ihr Geld angewiesen ist.

Möglich ist alles und jeder bekommt wohl seinen Teil vom Kuchen ab, nur sollte man sich nicht allzu große Hoffnungen machen, dass man mit "Unterrichten" hier auch groß was bewirken kann. Wenn man schnell viel Kohle verdienen will, dann nur zu. Wenn man darüberhinaus noch eine gewisse Zufriedenheit ob seiner geleisteten Arbeit empfinden will, dann sollte man es besser sein lassen.

Ach ja, Quelle: Alles schon selbst gemacht, selbst erlebt und bei vielen selbst mit angesehen, 11 von 13 Lehrern coming & going innerhalb von 2,5 Jahren....und nicht alle gingen freiwillig.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 20:02
von Philipp
Dennis (CDS) hat geschrieben: Summer Camps und Christmas Partys sind die reinste Hölle und wenn die Kids oder deren Eltern nicht mit dir nicht zufrieden sind, bist du auch ganz schnell wieder draußen.


Das ist der Vorteil dabei irgendwelche Bauernkinder in Gansu für 400 Euro im Monat zu unterrichten. Die Eltern werden sich nicht beschweren, die sind froh dass überhaupt jemand da unterrichtet. Die Lebenshaltungskosten sind auch nicht hoch.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 20:42
von otternase
Philipp hat geschrieben: Das ist der Vorteil dabei irgendwelche Bauernkinder in Gansu für 400 Euro im Monat zu unterrichten. Die Eltern werden sich nicht beschweren, die sind froh dass überhaupt jemand da unterrichtet. Die Lebenshaltungskosten sind auch nicht hoch.
Einspruch: für die Eltern dieser Bauernkinder ist es noch viel schwerer, das notwendige Schulgeld aufzubringen, damit Du Deine 4kRMB bekommen kannst, als für durchschnittlichen taiwanesischen Eltern das Schulgeld für ein 70kNT$ Gehalt. Folglich werden die bei Unzufriedenheit mit Deinen Leistungen noch schneller dabei sein, Dich rauszuschmeissen. Was noch schlimmer ist, die dürften meist noch weniger in der Lage sein, Deine Leistung objektiv zu beurteilen...

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 08.10.2008, 23:21
von Sepp
Du musst dich ja auch nicht nur auf "Englisch" versteifen. Könntest "Deutsch" ja auch mit in dein Programm aufnehmen. In den Metropolen gibts bestimmt ne Menge Interessenten, die du vielleicht auch privat oder so unterrichten könntest. Wäre bestimmt gar nicht so ein übler Stundenlohn.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 09.10.2008, 00:30
von Wang
in beijing hab ich gemerkt, dass wohl grundsätzlich jeder, der europäisch/amerikanisch aussieht, englisch unterrichten könnte, egal wie qualifiziert.
hab ein paar kennen gelernt, die kindern englisch beibrachten und dabei gut verdienten.

und ich selber wurde irgendwie sehr oft auf der straße angesprochen, ob ich nicht auch englisch unterrichten wollte... wozu ich aber nicht lange genug dort war :D

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 09.10.2008, 01:21
von HK_Yan
Philipp hat geschrieben:Würd ich nicht sagen. Mir sind in China schon zig Stellen als Englischlehrer angeboten worden,
Um das "Anbieten" herum gibt es in China eine ganze Reihe Betrüger. Vermutlich kamen alle Angebote von der gleichen Person mit immer neuen Namen. Google einfach mal nach den Namen der Recruiter.

Re: Englisch unterrichten

Verfasst: 09.10.2008, 05:19
von Philipp
otternase hat geschrieben: Einspruch: für die Eltern dieser Bauernkinder ist es noch viel schwerer, das notwendige Schulgeld aufzubringen, damit Du Deine 4kRMB bekommen kannst, als für durchschnittlichen taiwanesischen Eltern das Schulgeld für ein 70kNT$ Gehalt. Folglich werden die bei Unzufriedenheit mit Deinen Leistungen noch schneller dabei sein, Dich rauszuschmeissen.

Die Bauern und Kleinstädter in der Provinz erwarten aber nicht, dass der Ausländer für die Kinder Clown oder Hampelmann spielt. Außerdem gibts da reichlich wenig Ersatzkräfte die für einen einspringen könnten.


HK_Yan hat geschrieben: Um das "Anbieten" herum gibt es in China eine ganze Reihe Betrüger. Vermutlich kamen alle Angebote von der gleichen Person mit immer neuen Namen. Google einfach mal nach den Namen der Recruiter.

Schwachsinn, die haben mir jeweils eine Namenskarte mit Name des Recruiters, Addresse der Schule, Handy- und Festnetznummer gegeben und es waren jeweils unterschiedliche Schulen.

Stundenlohn an der Business School war übrigens 90 RMB und das in einer Gegend von China wo man schon ein Motelzimmer für 40 RMB bekommt.