Felix hat geschrieben:
In einem Artikel -Rendevous in China- las ich, dass Chinesen sehr heimatlich, familiär bezogen sind. Distinguierte Frauen werden kaum ihre Familie für einen Mann im Ausland verlassen.
Familie hat in China einen deutlich höheren Stellenwert als beispielsweise in Deutschland. Suchen in Deutschland die Kinder mit 18 schon die Unabhängigkeit und lockern den Kontakt zum Elternhaus, ist es in China keine Seltenheit wenn die Kinder bis zur Hochzeit - und manchmal sogar darüber hinaus - bei den Eltern leben. Zumindest im selben Haus. Aber auch das ändert sich mehr und mehr. Berufsbedingt gehen immer mehr Chinesen aus ihrem Elternhaus in eine andere Stadt.
Hinzu kommt, dass allein schon aufgrund der finanziellen Möglichkeiten und politischen Restriktionen, viele Chinesen ihr Land nicht verlassen können - selbst wenn sie es wollten.
Viele Chinesen haben wahrscheinlich noch nicht einmal die heimatliche Provinz verlassen - ist aber auch nicht notwendig, wenn man ein glückliches Leben führt.
Felix hat geschrieben:
Was ist das für ein Bevölkerungsteil Chinas, der in Europa sein Glück sucht? Sind es die, die in China persönlich keine Zukunft sehen, quasi loser der chinesischen Gesellschaft sind?
Es soll keine Wertung der einzelnen Persönlichkeit sein, sondern ist eine Frage. Oder werden nur die erfolgreichen aus dem Land gelassen, damit sie das Ansehen und den Erfolg Chinas mehren können?
Viele Chinesen kommen ins Ausland um zu studieren, nicht um Tellerwäscher o.ä. zu werden. Auch heute noch haben ausländische Universitäten einen guten Ruf und auslandserfahrene Chinesen haben in der Regel bessere Einkommen als daheim ausgebildete.
Dazu kommt auch, und natürlich ist es nicht bei allen so, die Möglichkeit in ausländischen Unternehmen zu lernen und Wissen/Technologie nach China zu transferieren.
Was aber alle Chinesen gemeinsam haben, die ins Ausland gehen ist - Geld (zumindest genug um sich diesen "Luxus" leisten zu können) und/oder Beziehungen (im Ausland oder daheim in China). Sie sind also eher die Gewinner der chinesischen Gesellschaft. Die "loser" verdingen sich weiter als Wanderarbeiter oder schuften für ein paar RMB auf den Feldern.
Felix hat geschrieben:
Zuerst kamen Sizilianer und Kurden nach Deutschland zum Arbeiten. Heute verlassen deutsche Familien Deutschland, weil sie hier keinen gewünschten Erfolg haben.
Oder weil sie im Ausland mehr Geld verdienen können, weniger Steuern zahlen müssen oder mit dem derzeitigen Einkommen deutlich besser leben können als daheim.