Hallo. Ich habe deinen Eintrag gelesen und mich gleich hier angemeldet, weil meine Frau und ich dieses Jahr das Prozedere der Heirat DE/CN durchlaufen haben (bzw. die Anerkennung in DE kommt 2016). Ich denke, unsere Erfahrung kann euch helfen.
Nach allen Informationen, sowohl im Internet als auch Rücksprache mit dem Standesamt in unserem kleinen Dorf nähe Köln, also NRW, ist eine
Heirat in DE aufwändiger als in CN. Wurde ja schon hier gesagt, dass man in DE eine Befreiung vom OLG wegen des fehlenden Ehefähigkeitszeugnisses in CN benötigt.
Die Empfehlung des Standesamtes war, in China zu heiraten und dann die Ehe in Deutschland eintragen lassen.
Hier eine Zusammenfassung, wie wir geheiratet haben. Info: Für uns ist Chongqing, Chengdu und die Bezirksregierung Köln zuständig gewesen. Ob der Ablauf bei anderen Instanzen abweicht, kann ich nicht wissen. Zeitbedarf: Zwei Tage in DE, 4 Tage in CN inklusive Zugfahrt und Übernachtung in Chengdu.
1.: In CN Single-Certifcate ausstellen, übersetzen lassen und beglaubigen lassen, in dem deutschen Konsulat oder der deutschen Botschaft in CN für DE legalisieren lassen. Somit kann das Dokument samt Übersetzung in DE Behörden, also dem Standesamt, verwendet werden.
2.: Legalisiertes Single-Certificate, CN Reisepass und DE Geburtsurkunde im Standesamt in DE vorzeigen. Man bekommt dann ein Ehefähigkeitszeugnis ausgestellt (beide Namen sind darauf vermerkt). Dieses gilt aber nur in DE und muss für die Verwendung in CN mehrfach beglaubigt werden (nächster Schritt).
3.: Das Ehefähigkeitszeugnis muss je nach Bundesland/Bezirksregierung zu den Ämtern bringen und überbeglaubigen lassen (ist die Voraussetzung für die Legalisierung). Dazu haben wir das Dokument zu zwei unterschiedlichen Behörden in Köln bringen müssen. Das hat alles an einem Tag geklappt. Ich würde empfehlen, du rufst mal bei deinem zuständigen Bundesverwaltungsamt an. Für Köln findest du die Telefonnummer auf
http://www.bva.bund.de/. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich die deutsche Geburtsurkunde vorzeigen musste.
Eine chinesische Übersetzung des Ehefähigkeitszeugnisses ist nicht erforderlich und wird auch von dem Standesamt in CN nicht gefordert. Aber: Lt. Google-Suche ist das in jedem Standesamt in CN anders. Also auf jeden Fall vorher nachfragen!
4.: Das DE Ehefähigkeitszeugnis muss bei der chinesischer Botschaft oder Konsulat zum legalisieren vorgelegt werden. Das hat auch innerhalb eines Tages funktioniert. Dazu mussten wir nach Frankfurt fahren (
http://frankfurt.china-consulate.org/det/). Im Nachhinein glaube ich, dass man diesen Schritt gar nicht braucht. Denn in CN wollte das Standesamt, entgegen einer vorherigen mündlichen Aussage, keiner das DE Fähigkeitszeugnis akzeptieren (nächster Schritt). Also braucht es vermutlich auch nicht für CN legalisiert zu werden.
5.: Mit dem legaisierten Ehefähigkeitszeugnis und einem gültigen Reisepass in CN auf dem Standesamt eine Abfuhr erhalten, weil auf den deutschen Formular weder das Wort „ledig“, noch „single“ steht. Stattdessen ist das Feld für „Vorherige Ehe mit“ durch Striche ausgefüllt. Ob man wohl im Standesamt DE hätte um den Eintrag „ledig“ bitten können? Als nächstes bekamen wir ein Muster eines formfreien Briefs, wie eine Bestätigung auszusehen hat. Damit muss man jetzt zum deutschen Konsulat oder Botschaft in CN. Ob man sich für die Botschaft in Beijing oder einem Konsulat entscheidet, war dem Standesamt egal. Wir waren in dem Konsulat in Chengdu. Anreise mit dem Zug, Übernachtung in Chengdu, Abreise mit dem Zug.
6.: DE Ehefähigkeitszeugnis im DE-Konsulat in CN vorzeigen und dort um eine Bestätigung
bitten, dass man unverheiratet ist. Bestätigung bekommt man innerhalb von Minuten, ist aber anders formuliert als der Musterbrief. Man bekommt den Brief in einer deutschen und einer chinesischen Ausführung mit Unterschrift und Stempel. Kostete RMB 400. Bisher hat das Prozedere in CN schon drei Werktage gedauert.
7.: Mit der Bestätigung in das Standesamt in CN fahren, dort vorzeigen. Jetzt kommt ein Bürokratie-Prozedere, dass dem „A38-Spiel“ in Asterix und Obelix ähnlich ist. Man muss mehrfach die Stühle wechseln, um zwischen den drei nebeneinander sitzenden Beamten zu wechseln. Man muss mehrfach Unterschriften abgeben. Dabei bekommt man immer wieder neue Quittungen, die einzeln zu bezahlen sind. Insgesamt waren es gut RMB 2000, die gezahlt werden mussten. Es gibt aber auch einen sehr schönen Teil. Es gibt Geschenke, bzw. vermutlich hat man sie mit einem der tausend Rechnungen bezahlt. Wir bekamen Schokolade, Bücher (auf chinesisch), ein schönes Paar Stäbchen für zwei Personen mit Porzellan-Enten. Alles schön verpackt und in rot – außer der Schokolade. Außerdem gab es eine Zeremonie auf chinesisch und englisch mit Traufrage, Abgabe der Fingerabdrücke, Fotos, Überreichung der kleinen roten Bücher (das ist in China der Beleg für die Ehe) und eine kleine Mappe mit Fotos von der Zeremonie. Leider hatten meine Frau und ich durch den Stress der dreitägigen Strapazen und Bangen, ob wir alles nötige bekommen, nicht so gute Laune. Entsprechend sind die Bilder auch leider nicht besonders schön geworden. Eigentlich schade, denn die Idee mit der Zeremonie und den Fotos finde ich toll.
Im Preis inbegriffen ist eine Bestätigung für das Deutsche Konsulat, auf die wir aber immer noch warten.
Bis hierher sind wir gekommen. Wenn die Bestätigung da ist, muss meine Frau diese vermutlich in CN für DE legalisieren lassen. Dann versuche ich mein Glück mit dem Dokument in Deutschland. Laut dem Standesamt in DE ist die Anerkennung einer in CN gültigen Ehe gar kein Problem.
Sorry für den etwas chaotischen Text. Ich wollte gar nicht so viel schreiben und habe gleich einen Termin. Darum habe ich jetzt keine Zeit Fehler zu suchen. Ich hoffe, der Bericht hilft dir oder anderen Verlobten. Schöne Grüße und viel Erfolg.