und auch von mir ein Ni hao...
Mario und Wuxi haben das Wesentliche schon gesagt. Ich möchte noch hinzufügen, es kommt immer auf die Grösse des Geschäftes, sprich in diesem Fall auf die Wichtigkeit der jeweiligen Gesprächspartner auf beiden Seiten an.
Im kleineren und mittleren Bereich geht es sehr jovial zu. Ein bisschen färbt hier das amerikanische Hullygully ab, wobei ich sagen muss, die Amis vergessen dies nach ein paar stunden wieder, während in China das doch ehrlich ist. Im oberen Bereich handelt es sich sehr oft um Regierungsfirmen oder solche mit deren Beteiligung, da geht es eher steif zu. Zumindest am Anfang. Man spürt eine kleine Zurückhaltung. Dabei ist es ganz wichtig, dass die Gesprächspartner aus dem Ausland eine tragende Position in ihrer Firma haben. Boss zu Boss sozusagen oder Manager zu Manager. Der Handschlag. Ich habe gelernt, egal wo auf der Welt ich war, abzuwarten ob mir der Einladende die Hand entgegenstreckt oder nicht! Umgekehrt ist das in GER auch so.
Wenn man sich besser kennt ist das kein Problem mehr und selbst Umarmungen sind normal. Wie gesagt ich rede von 90 % der Bosse

nicht von den 10 % Staatsdienern in den Firmen.
Im Gegensatz zu Mario habe ich hier gelernt, während des gemeinsamen Essens wird grundsätzlich nicht über das Geschäft geredet. Beim Essen wird geplaudert, geraucht, je nachdem und je nach Bildung haha... gesoffen.
Es ist in China eigentlich nicht viel anders als es bei uns in den goldenen Sechzigern war. Die Bosse sind meist aus unteren Verhältnissen aufgestiegen und daher nicht auf einem hohen Ross. Natürlich gibt es auch hier das Neureichensyndrom wie damals bei uns. Der Geschäftspartner soll beeindruckt werden. Alles kein Problem. Einfach normal sein, Vertrauen ausstrahlen und möglichst ehrlich und offen reden.
Leute, die von Tricks und Strategien bei solchen Verhandlungen reden, kennen nur die Oberschicht. Mittlere und kleinere Unternehmen brauchen so etwas nicht. Übrigens, jeder Geschäftsmann verfolgt in Verhandlungen eine Strategie, also, wo soll hier eine chinesische Variante anders sein?
Was auffällt ist eben, dass hier die Ausbildung gerade im kaufmännischen Bereich noch sehr grossen Nachholbedarf hat. Wenn das eine oder andere nicht klappt, ist dies nicht mutwillig, sondern fast immer nur durch Unerfahrenheit zustande gekommen. Das Wort gewissenhaft ist ein Wort, dass sich in China noch nicht als Teil einer Geschäftsbeziehung eingebürgert hat. Zu oft wird argumentiert - ist ja billig was willst Du denn? Ein kleines Loch im Schuh... wo ist das Problem`?
Das muss man alles wissen, dann sind Verhandlungen mit chinesischen Firmen meist sehr persönlich und gut.
Tischmanieren... wer unsere Freunde aus Amerika betrachtet, für den sind diese Manieren in China schon sehr gut. Wie gesagt, normalerweise wird beim Essen Smalltalk betrieben. Geschäft sollte nicht erwähnt werden!! Der Chinesische Partner lädt in der Regel ein! Das ist wichtig für seinen Stolz! Man sollte da auch nicht rumfeilschen. Wird man zum Lunch eingeladen, kann man sich beim Dinner revanchieren. Das Essen selbst läuft in einem entspannten Rahmen ab. In China gleicht das ja immer einem Büffett bei dem jeder von allem kosten kann. Wichtig für mich war immer, der einladende Boss hat den ersten Biss bzw. wenn es einen Apperitif gibt, den ersten Schluck. Aber auch das kommt auf die Leute an. Man wird natürlich gefragt, was man gerne isst, aber in der Regel sollte man dem chinesischen Gastgeber die Wahl der Speisen überlassen. Auch da spielt der Stolz mit, dem ausländischen Gast die chinesische Küche nahe zu bringen.
Zur Pünktlichkeit ist alles gesagt. Wer schon mal in Australien war, der wird die Pünktlichkeit in china zu schätzen wissen

. Es kommt schon mal vor, dass man im Hotel "vergessen" wird und eine oder gar zwei Stunden später abgeholt wird. Es wäre in GER undenkbar. Aber wie gesagt, das sind Ausnahmen. In der Regel passt alles und die Behandlung ist sehr freundlich und zuvorkommend.
Noch ein wichtiger Punkt für Dich Daniela. Übersetzer sind ein Problem in China. Wenn sie nicht die Fachrichtung kennen, in der man verhandelt, kann ein ziemlicher Mist bei der Übersetzung rauskommen.
Die chinesische Sprache ist eine Gleichnissprache, ähnlich wie die von Jesus. Ein deutsches Wort kann unter Umständen mehrere Sätze benötigen. Deshalb sind vor allem technische und kaufmännische Dinge oft ein Problem für reine Übersetzer. Hier sollte man sehr grossen Wert auf die Auswahl legen. Studenten für ein paar RMB sind meist nicht geeignet. Für das Smalltalk beim Essen ist das ok, aber bei Vertragsverhandlungen kann das schiefgehen. Ich habe das erlebt mit einer Frau, die 15 Jahre in GER gelebt hat und fast so deutsch sprach wie ich. Aber hinterher herrschte grosse Verwirrung, weil sie einfach keine Ahnung von der Materie hatte.
Ja was gibts noch?`Auf jeden Fall geht Kontrolle vor Vertrauen. Das ist nicht böswillig sondern hat eben mit der Gewissenhaftigkeit zu tun, die man in China meist nicht vorfindet.
Fazit: wenn ein deutscher Geschäftsmann länger seinem Job nachgeht kann er hier gar nichts falsch machen. Denn es ist wirklich nicht sehr viel anders als bei uns früher, bevor man alles nur noch mit Deckungsbeitrag und Forecast gesehen hat und den Menschen vergessen hat. Hier menschelt es noch. Hart aber fair. Nach dem ersten gelungenen Auftrag löst sich die Spannung und man spricht von Freunden....
OK? Ich weiss nicht was ich noch vergessen habe? Musst halt fragen wenn Dir noch was einfällt. die ganzen Berater in GER für Chinageschäfte sind meist jung und haben keine Ahnung von unserer Entwicklung. Zu leicht wird ein früher in GER normaler Vorgang heute in China in das Fabelreich der "anderen Kultur" gesteckt. Dem ist nicht so. Kultur ist mit Stäbchen essen. Alles andere sind Gewohnheiten. Die wir hatten und haben und die auch unsere chinesischen Partner haben.
gut hab fertig!