Seite 1 von 3
Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 10:21
von darjeeling
Hallo,
Jetzt lebe ich schon seit über 2.5 Jahren in China, aber es ist mir jetzt erst so richtig aufgefallen wieviele Geschäfte regelmässig nach einer sehr kurzen Zeit zu machen, oder Ihre Besitzer wechseln. Natürlich sind mir die typischen Management-probleme schon früher aufgefallen. Besonders bei neuen Restaurants, diese haben anfänglich ein sehr schönes Design, guten Service und gutes Essen. Dies nimmt dann aber meisst schon nach 2-4 Monaten rapide ab. Service ist nicht mehr so gut, Essen ekelhaft und das Design/Mobiliar verkommen und dreckig.
Kleinere Läden, Restaurants, Sprachschulen machen plötzlich auf und nach 3 Monaten wieder zu. Da gibt es eigentlich überhaupt keine Zeit zum Pleite gehen, oder ist das einfach nur Geldwäsche?
Mittlerweile habe ich auch grössere Franchise-Ketten beobachtet die plötzlich Ihren Retail wieder nach kurzer Zeit zu machen, nur nach wenigen Monaten. Vor meinem Unternehmen hat vor 3 Monaten ein Costa Coffee eröffnet, jetzt plötzlich zu und der Besitzer wurde auch nicht gewechselt !?
Da kann es doch nich nur Probleme mit dem Management oder einen so schlechten Finanzplan geben? Ist dies erst ein neues Problem in China, oder gibt es dies schon immer? Ich würde mich wirklich freuen, eure Meinungen zu hören?!
Schöne Grüsse aus Hangzhou,
Darjeeling

Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 10:26
von annalena
Ein Grund koennten auch die unsicheren Mietverhaeltnisse sein.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 10:28
von Shenzhen
Gibt es schon lange in China, da die Investition fuer eine Ladeneinrichtung meist ueberschaubar ist haelt sich der Schaden auch in Grenzen - wenn es hier nicht klappt dann halt woanders - zu machen und weiter ziehen, ganz einfach. Flexibilitaet ist im Gegensatz zu Deutschland kein Fremdwort in China, alles nicht so verkalkt wie in D.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 10:30
von Sarilas
Gabs schon immer, wirds immer geben.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 10:36
von darjeeling
...aber doch nicht dieser Trend, nach wenigen Monaten !?!?!?
In 6-12 Monaten kann man doch nicht einen voll operationsfähigen Laden haben, oder erwarten ROI schon rausgeholt zu haben. Sowas weiss doch auch jeder Chinese, oder nicht?
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 10:47
von Sarilas
Warum? Immer mehr unwissende kommen zu viel Geld und denken die könnten einen Laden schmeißen, später merken die was für ein Aufwand das ist und geben auf weil die wirklich zu viel zu tun hätten, oder zu faul sind.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 10:58
von Aremonus
Da kann es doch nich nur Probleme mit dem Management oder einen so schlechten Finanzplan geben? Ist dies erst ein neues Problem in China, oder gibt es dies schon immer? Ich würde mich wirklich freuen, eure Meinungen zu hören?!
Das Management ist oft tatsächlich nicht so gut - insbesondere, da viele Kleinladenbesitzer "Enterpreneurs of last resort" sind und nicht wirklich wissen, was sie tun. Businessplan gibt's nicht, die Buchhaltung wird, wenn sie überhaupt existiert, sehr liederlich geführt - Buchhaltungsstandards sind ein Fremdwort. Die Unternehmer finanzieren ihr Himmelfahrtskommando über Kredithaie die 30 oder mehr Prozent Zins verlangen. Im Geschäftsalltag merkt man dann schnell, dass die Konkurrenz sehr ausgeprägt ist und man muss überall sparen und jede Geldquelle anzapfen, die man irgendwie finden kann.
Das Problem existiert aber schon Jahre. Die Situation hat sich in den Jahren nach der Finanzkrise jedoch verschärft.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 11:04
von Yingxiong
Häufig hören Leute, dass man in einer Branche viel Geld verdienen kann. Obwohl sie keine Ahnung von der Materie haben und auch keine Ahnung von einem Businessplan, eröffnen sie ihr Geschäft. Daher funktionieren viele auch nicht.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 11:23
von Shenzhen
darjeeling hat geschrieben:...aber doch nicht dieser Trend, nach wenigen Monaten !?!?!?
Das ist kein Trend das war schon "immer" so. Was es auch oefter in Neubaugebieten gibt ist, dass die Ladenflaechen den voherigen Bewohnern eines Neubaugebietes gehoeren (Abfindung fuer ein abgerissenes Haus oder Wohnung) die probieren dann ihr Glueck in der Einzelhandelsbrange mit dem Erfolg, dass sie in dem Laden wie vorher in ihrer Huette hausen und den genau so ohne einen Plan fuehren, was natuerlich keinen Erfolg hat. Also verlassen sie Ihren Laden und denken sie koennen dann mit der Vermietung den grossen Reibach machen oder sie hoffen daruf, dass in ein paar Jahren der grosse Boom kommt....
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 11:46
von blackrice
hier, in diesem Neubaugebiet wo ich wohne, befinden sich auf geschätzem halben Quadratkilometer 7 (!) shops welche Gardinen, Vorhänge und Zubehör hierfür anbieten.
Ähnlich ist´s mit baby-shops, fruit-shops, etc. ....
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 12:10
von cayman
blackrice hat geschrieben:hier, in diesem Neubaugebiet wo ich wohne, befinden sich auf geschätzem halben Quadratkilometer 7 (!) shops welche Gardinen, Vorhänge und Zubehör hierfür anbieten.
Ähnlich ist´s mit baby-shops, fruit-shops, etc. ....
gibt es auch Shop's in denen du dein Tofu eintauschen kannst?
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 13:16
von Phytagoras
Ist mir auch aufgefallen.
Aber meine Freundin hat mir auch von ihren reicheren Bekannten erzählt, dass die das einfach mal so machen, weil sie Lust draufhaben.
Eine hatte nen Nike-Shop aufgemacht und nach 1 Jahr geschlossen, weil es dann laut ihr "langweilig" wurde.
Was ich aber teilweise schade finde ist, dass selbst in Einkaufszentren die Geschäfte teils stetig wechseln. In der Mall in Xizhimen in BJ wurden im Food Court unten in den 6 Monaten, wo ich da war, etwa über 10 neue Fressbuden eröffnet und auch wieder geschlossen.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 16:12
von Suedchina
Ich kann Euch sagen demnaechst wird es mit Hotels auch so sein.
Jeder der zu viel Kohle gekommen ist macht ein scheiss Hotel auf und hat eigentlich keine Ahnung vom Business.
Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 08.01.2013, 17:58
von Luntan
Das ist tatsächlich nichts Neues.
Es fällt nur auf, wenn man da speziell darauf schaut oder eine Foto von vor 3 Monaten vergleicht. Das wieso ist in jedem Fall anders, aber Chinesen wechseln gerne einmal "einfach so" den Beruf oder das Geschäft. Aus dem Spengler wird ein Koch und aus dem Maurer ein Buchhalter

Re: Pleitewellen chinesischer Kleinhändler
Verfasst: 09.01.2013, 01:31
von Laogai
Etwas OT, aber...
blackrice hat geschrieben:hier, in diesem Neubaugebiet wo ich wohne, befinden sich auf geschätzem halben Quadratkilometer 7 (!) shops welche Gardinen, Vorhänge und Zubehör hierfür anbieten.
... willkommen in der Vergangenheit! Die in Deutschland schon länger zurück liegt, in China aber teilweise noch sehr präsent ist.
Auch in Deutschland/Europa haben sich bis kurz nach dem 2. Weltkrieg bestimmte Brachen in bestimmten Straßen konzentriert. War ja auch praktisch. Die Menschen waren damals noch nicht so mobil wie heute, und Supermärkte/Einkaufszentren/Kaufhäuser gab es auch nicht. Wenn jemand also einen neuen Vorhang brauchte ist er einfach in die Gardinengasse gegangen und hat sich dort die besten Angebote angesehen.
Laogai, denkt jünger je älter er wird.