Deine Meinung über die Regierungen in Europa kann ich nicht teilen. In der deutschen Politik hat die Regierung kaum noch Einfluss auf die Wirtschaft. Die Finanzmärkte machen doch was sie wollen. Wir haben hier in Deutschland eine sogenannte Lobbydemokratie. Und das ganze Heil in der Privatisierung zu sehen ist nach meiner Meinung nicht richtig. Und dass wir die Eurokrise haben, hängt damit zusammen, das wir in der Eurozone zu unterschiedliche Volswirtschaften haben. Ich glaube die Chinesen kriegen das schon in Griff. Sie haben ja noch Ihren riesigen Binnenmarkt, den Sie noch ausreichend bedienen können.

Der Einfluss auf die Wirtschaft ist auch in Deutschland noch immens - der Deutsche Staat erhält fast die Hälfte (46,6 Prozent) der erzeugten Wirtschaftsleistung in Form von Steuern; damit hat er schon ganz schön viel Macht in der Hand. Zudem macht er die ganzen Regulationen und kontrolliert somit so ziemlich alles. Wir müssen natürlich den Begriff "die Wirtschaft" unterscheiden - wenn man damit einfach die internationalen Grosskonzerne meint, hat der Staat natürlich schon nur wenig Einfluss. Wenn man damit aber, wie in der VWL üblich, die Ressourcenallokation innerhalb eines Landes meint, so ist die Politik die bei weitem prädominante Einflussgrösse.
Da ist es natürlich verlockend zu versuchen, den Staat zu beeinflussen und sich ein Stück des Kuchens zu sichern - daher eben die Lobbydemokratie. Die Privatisierung wirkt dem entgegen - aber es gibt auch andere Möglichkeiten.
Ich befürworte die Privatisierung aus einem anderen Grund: es vereinfacht das System, erschwert Korruption und führt zu mehr Übersicht. Man sollte Staat und Wirtschaft sauber trennen, um effiziente Entscheide treffen zu können. Kontrolliert der Staat einen bestimmten Wirtschaftssektor (z.B. die Telekommunikation), so wird dieser Sektor zu 100% besteuert - alle Gewinne fliessen zum Staat. Somit bezahlt das Volk zu viel für die Produkte dieses Sektors - eine versteckte Steuer. Diese wieder zu kompensieren ist extrem schwierig - oft bezahlen am Ende alle einfach mehr für die Produkte, was besonders die ärmeren Schichten trifft. Da ist es effizienter, überall den Wettbewerb spielen zu lassen und die entstehenden Unternehmensgewinne überall gleich zu versteuern - und dann, über die Fiskalpolitik, etwaige Verteilungsziele zu verfolgen. Sonst wird plötzlich ein Wirtschaftssektor über- oder unterbesteuert, was zu einem Wohlfahrtsverlust führt.
In China ist die Situation relativ klar: die Staatsbetriebe werden von einigen wenigen geleitet - und diese kassieren auch massiv ab. Hier würde Privatisierung hauptsächlich die Korruption bekämpfe - und nicht etwa dem Staat Kapital entziehen, das dieser sonst für soziale Zwecken einsetzen würde. Man muss aber verhindern, dass die Chefs der Staatsbetriebe gleich die ganze Firma zum Nulltarif erhalten und dann zu Oligarchen werden (siehe Russland)
Warum sollten die Unterschiede innerhalb eines Währungsraumes zu einer Krise führen? In den USA und in China sind die regionalen Unterschiede mindestens gleich gross - nicht zu vergessen, dass der Yuan noch an den Dollar gekoppelt ist und China somit quasi eine Währungsunion mit den USA hat.
Das Problem der EU besteht darin, dass ihr niemand vertraut - da sie kaum Entscheidungsgewalt hat. Also schauen alle auf die einzelnen Gliedstaaten - und was diese tun können. Wenn, sagen wir, die Provinz Sichuan in China konkurs geht, verliert vielleicht der Gouverneur seinen Job und landet im Gefängnis, aber Sichuan wird auf keinen Fall aus China ausgeschlossen. Die Gläubiger erhalten ihr Geld, solange nicht ganz China bankrott geht. Im Falle Griechenlands sieht die Sache aber anders aus - eventuell wird das Land einfach ausgeschlossen und die Gläubiger geprellt. Daher betrachtet niemand die Kreditwürdigkeit der EU, der grössten Volkswirtschaft der Welt, sondern stehts nur jene der Gliedstaaten - die naturgemäss ja viel schlechter ist. Und die Gliedstaaten wiederum sind, in ihrer Budgetpolitik, extrem unterreguliert...