Aremonus hat geschrieben:China hat sich zum Kauf europäischer Staatsanleihen entschlossen, da es eine Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar erwartet und sein Portfolio diversifizieren will. Der Zeitpunkt war natürlich gerade sehr günstig. Die sehen ihre Fremdwährungsreserven aber nicht primär als Investment, sondern als notwendiges Übel, um den Yuan billig zu halten. Falls es die Währungsreserven wieder verwenden will, muss sich das Land verschulden - also einen Importüberschuss aufweisen.
1. China nimmt nicht erst seit der Finanzkrise Euro-Anleihen auf.
http://www.eurasischesmagazin.de/artike ... elID=41203
Bereits 2002 stellte der Euro die zweitgroesste Fremddevise im Portfolio der chinesischen Staatsfinanzen nach dem US-Dollar dar und hatte den japanischen Yen damit abgeloest. Das die Chinesen demnach ein grosses Interesse daran haben, diesen Haufen nicht verfallen zu lassen, versteht sich von selbst.
2. Das eine schliesst das andere nicht aus. Die taktischen Aufkaeufe fremdlaendischer Devisen nutzt natuerlich vor allem auch dazu, den RMB billig zu halten.
China wird aber eher von der ganzen Welt finanziert. Die aggregierten Auslandinvestitionen der gesamten chinesischen Volkswirtschaft werden einfach durch die PBOC verwaltet, während sie im Westen durch private Investoren verwaltet werden. Insgesamt besitzt das Ausland mehr Kapital in China als China Kapital im Ausland (was sich auch am Verhältnis von BIP zu BSP direkt ablesen lässt).
Vielleicht habe ich es falsch ausgedrueckt: China finanziert weltweit die Regierungen.
... machen dann eben einen auf "China kauft Europa auf und wird uns alle Kontrollieren", weil die Journalisten selber nicht den Durchblick haben. Eigentlich hätte China eher das Recht zu jammern und zu sagen "der Westen hat China aufgekauft, unsere Arbeiter arbeiten billig für westliche Konzerne, die dann den ganzen Gewinn einsacken!"
Ich bin nur ein Wirtschaftslaie, aber ich habe eher das Gefuehl, dass die chinesische Regierung selbst ein progressives Steigen der Gehaelter in China durch seine Fiskalpolitik verhindert, aus Angst, dass dann chinesische Arbeiter den auslaendischen Investoren zu teuer und ihr Kapital aus China zurueckziehen wuerden. Vielmehr muesste man dann wohl sagen: "China hat sein Humankapital an den Westen verkauft!"
Das wäre leider eine sehr kurzfristige Lösung, die am Ende wieder in einer Krise münden wird.
Es gibt genau zwei nachhaltige Lösungen:
1. die EU wird wieder aufgeteilt, der Euro abgeschafft und die Zeit quasi ins Jahr 1995 zurückgedreht.
Vorteil: bewährt und einfach umseztbar.
Nachteil: Effizienzgewinne durch den Euro wären dahin, Skaleneffekte durch die grösser der Eurozone futsch.
Ich weiss nicht, wie du dann gedenkst, die Inflation in einigen Laendern unter Kontrolle zu bringen. Nein, der Euro ist und war eine Einbahnstrasse! Ein "Zurueck" kann es nicht mehr geben.
Aber ein "weiter so", wie bisher geht eben auch nicht. Die Euro-Zone als solche, wie sie heute besteht, hat sich selbst ins Ungemach katapultiert, indem sie einfach den zweiten Schritt VOR dem ersten getan hat. Statt das der Waerungseinheit eine politische Einheit voranging, hat man dies schlicht verpennt. Von daher teile ich deine 2. Auffassung:
2. Europa integriert sich weiter. Alle Regierungen erhalten eine Schuldenbremse, an die sie sich verbindlich halten müssen. Halten sie sich nicht daran, werden sie bestraft.
Das war ja ursprünglich die Idee - die idiotischerweise von einem deutschen Finanzminister im Jahr 2003 (name vergessen) untergraben wurde. Dabei war DE das einzige grosse Euro-Land, welches ein starkes Interesse an der Schuldenbremse gehabt hätte.
Nur, ist das Kind nun einmal in den Brunnen gefallen und es wird auch da unten bleiben, denn einmal in die Schuldenfalle geraten, gibt es daraus kein Entkommen. Eine bittere Wahrheit, der man sich lieber frueher als spaeter stellen sollte. Die ganzen Sparprogramme, die da z.B. in den EU-Laendern aufgebracht werden, bringen doch alle nichts, so sehr loeblich auch die Sparbemuehungen sein moegen, aber sie sind definitiv zu spaet. Es braucht einen Reset und einen Neustart. Vertrauen ist verloren und muss erst muehsam wieder neu errungen werden. Am besten mit einer neuen Waehrung bzw. mit einer Ko-Union bestehend aus einem schwachen und einem starken "Neuro". Die einzige Hoffnung die uns sonst in Europa naemlich bliebe, dass die USA noch vor allen anderen ploetzlich zahlungsunfaehig und der Dollar enorm an Wert verlieren wuerde. Das ist in meinen Augen derzeit das einzige Szenario, welches uns unter den gegebenen Bedingungen, will man an der EU, wie sie derzeit besteht, festhalten, noch irgendwie hilft. Aber ich bin lieber jemand, der sich sagt: Man ist Schmied seines eigenen Schicksals. Jetzt darauf zu hoffen und zu warten, dass die USA "pleite" gehen ist nicht wirklich eine langfristig ausgelegte Strategie.
Natürlich muss die EU sich näher zum Volk hin bewegen, föderalistischer werden und Verantwortungen an nicht-EU-organisationen abgeben sowie mehr demokratische Elemente implementieren. Ein mächtiger europäischer Präsident, welcher durch die Verfassung beschränkt wird, wäre hier eine brauchbare Lösung. Die USA machen es eigentlich vor - Europa ist nur zu stolz, sich dort etwas abzukupfern und vergisst, dass die USA ihrer Zeit auch die besten Ideen aus Europa mitnahmen und die weniger guten dort zurückliessen.
Ich bin eigentlich in der Sache entschiedener "Europaer". Gerade die immer noch foederalistisch strukturierte EU hat uns doch gerade eben diesen Brocken eingebracht, weil jeder macht was er will, als wenn es keine EU-weite Regelungen gaebe, denen man verpflichtet sei. Du hast es ja oben selbst gesagt, auch Deutschland bekleckert sich diesbezueglich nicht mit sehr viel Ruhm. Ich vertrete im Gegenteil die Auffassung, dass der Foederalismus endlich ein Ende finden muss. Europa braucht die politische Einheit, die Nationalstaaten sind ein Konzept aus dem letzten Jahrhundert. Diesen Schritt zu gehen setzt natuerlich sehr viel Mut voraus, der den Menschen in Europa leider haeufig fehlt (Stichwort "Euroskepsis"). Man muss nur einmal an die vielen historischen Beispiele denken: Die Situation des heiligen roemischen Reiches oder China zur Zeit der streitenden Reiche gibt eigentlich am treffendsten die derzeitige Situation in Europa wieder (minus der immerwaehrenden Kriege). Deutschland hat das Konzept des heiligen roemischen Reiches ueberworfen und an dessen Stelle ist im Laufe der Zeit ein "Einheitsstaat" getreten, genauso wie dies auch in China geschah. Dem historischen Beispiel folgend, halte ich einen europaeischen Einheitsstaat ebenfalls fuer geboten, ABER natuerlich nicht von heute auf morgen und nicht zig aufeinmal sondern poe-a-poe. Doch muessen wir allmaehlich in diesen Prozess eintreten und dabei nicht schon wieder das Pferd von hinten aufzaeumen wollen (d.h., zuerst politische, dann wirtschaftliche Einheit und nicht umgekehrt, wie es bisher betrieben wurde)
Meine rein subjektiven Gedanken aus Sicht eines "Historikers"...