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Arbeitswelt China

Verfasst: 21.10.2010, 03:41
von arrow
Hab schon im Forum nach Beitraegen gesucht die in diese Richtung gehen, aber leider nichts gefunden.
Ich wollte mal hoeren, wie Ihr in der Arbeitswelt in China zurechtkommt. Erfahrungen mit Kollegen, Kunden usw. Was darf man auf keinem Fall tun in China, was ist erwuenscht etc.

Mir ist zum Beispiel im Meeting aufgefallen, dass wenn man eine simple Anmerkung macht, z.B. "Der Lagerplatz der mir zur Verfuegung stehen sollte wird von anderen Firmen als Vormontageplatz genutzt. Ich bitte diese Flaeche umgehend zu beraeumen.", dann wird erstmal eine halbe Stunde quer ueber den Tisch geplappert. Wahrscheinlich versucht sich jeder zu rechtfertigen. Etwas konstruktives kommt selten raus.

Wie sind Eure Erfahrungen?

Re: Arbeitswelt China

Verfasst: 21.10.2010, 08:50
von Aremonus
Also beim chinesischen Staat ist es so, dass man sich unbeliebt macht, wenn man zu schnell oder zu gut arbeitet - die andern sehen sich dann im Zugzwang. (Aber das ist auch in der Schweiz so - hier dürfen werdende Diplomaten keinen zu guten Notenschnitt von der Schule mitbringen, da man ja keine Karrieristen will :lol: )

Natürlich ist es so, dass man schon schauen sollte, dass die Leute ihr Gesicht nicht verlieren - und das geht am besten, wenn man Kompetenzen und Verantwortungen klar definiert - was ohnehin überall auf der Welt von Vorteil ist. Das einzige, was mich stört, ist die Tatsache, dass viele Chinesen "verstanden" und "ja" sagen, obwohl sie's eigentlich nicht gecheckt haben und nicht einverstanden sind - da muss man wie bei einem Schuljungen ständig Prüffragen stellen - möglichst ohne dass sie bemerkt werden. Aber oft legt sich das Problem, wenn man sich nicht allzu tough verhält und eher auf den guten Kollegen macht. Die chinesische Kultur ist eben etwas "weicher", man sollte mit einem Chinesen eben nicht wie mit einem Ami umspringne - und umgekehrt.

Dennoch habe ich persönlich das Gefühl, dass viele Europäer die kulturellen Differenzen als viel zu schwerwiegend erachten und denken, sie seien in der alleinigen Verantwortung, um sie zu lösen - irgendwie wird immer unterstellt, die Gegenseite könne dies ohnehin nicht. Eine Brücke sollte aber von beiden Seiten gebaut werden.
Aber in der Post-80er Generation relativiert sich das alles ohnehin - wir sind ja alle in einer Zeit des Internets aufgewachsen, in China kam die Reform- und Öffnungspolitik, alle lernten in der Schule zumindest ein bisschen Englisch, der Westen ist Teil des Lebens (man sieht überall Starbucks) und nicht mehr einfach etwas ungreifbares. In unserer Generation existiert der kulturelle Unterschied faktisch nur noch auf dem Papier, in der Praxis spielt er nur noch bei den älteren eine Rolle.

Re: Arbeitswelt China

Verfasst: 21.10.2010, 16:17
von arrow
Das kein Chinese das Gesicht verliert, darauf achte ich genau. Aber ich habe die Ansicht, dass ein normaler Arbeiter weit mehr Wissen besitzt als sein Chef. Ich verstehe mich blind mit den Monteuren, aber wenn man einem Chef etwas erklaert.... Katastrophe.
Arbeiter bleibt man in China mit gutem Wissen, Chef wird man ohne Wissen mit Beziehungen....

Re: Arbeitswelt China

Verfasst: 21.10.2010, 17:10
von zimmer28
arrow hat geschrieben:Das kein Chinese das Gesicht verliert, darauf achte ich genau. Aber ich habe die Ansicht, dass ein normaler Arbeiter weit mehr Wissen besitzt als sein Chef. Ich verstehe mich blind mit den Monteuren, aber wenn man einem Chef etwas erklaert.... Katastrophe.
Arbeiter bleibt man in China mit gutem Wissen, Chef wird man ohne Wissen mit Beziehungen....
Bescheidene sein ist sehr wichtig, zeig bitte nicht dass du alles kannst. Mianzi für Chinese ist auch sehr wichtig, deswegen sagst du besser nicht derekt , obwohl deine Kollegen etwas falsch gesagt oder gemacht,besonders mit deine Chefs .

Re: Arbeitswelt China

Verfasst: 03.01.2011, 07:48
von arrow
Ich wuensche mir fuer das neue Jahr, dass meine chin. Kollegen:
- beim niesen die Hand vor den Mund halten
- nur noch alle halbe Stunde den Rotz hochziehen
- im Restaurant den Aschenbecher benutzen
- von alleine Arbeiten sehen die erledigt werden muessen

Re: Arbeitswelt China

Verfasst: 03.01.2011, 08:58
von Aremonus
lol, wünsch' Dir lieber, dass Du in der Lotterie gewinnst und niemehr arbeiten musst, das ist wahrscheinlicher.
Chef wird man in China über Beziehungen, aber auch in Europa spielen sie eine gewichtige Rolle. Darüber kann man sich jetzt beklagen und jammern, wie ungerecht die Welt doch sei - Fakt ist aber, dass nicht nur Wissen allein den Erfolg bestimmt, sondern vielmehr auch die Fähigkeit, Wissen zu vernetzen und dadurch neues Wissen zu generieren. Wenn man einem Joe Ackermann beobachtet, sieht man, dass der wohl bei weitem nicht alles weiss und es manche VWL-Masterstudenten geben dürfte, die locker mehr Fachwissen besitzen als er. Der Mann schafft es aber, sehr viel jederzeit im Griff und im Blickfeld zu haben, die wichtigsten Informationen den richtigen Leuten weiterzuleiten und sich selbst und andere richtig einzuschätzen.

Auch bei uns in Europa ist es so: Wenn wir unsere zehn besten Ingenieure rufen und an einen Tisch setzen, um ein Problem zu lösen, ist das einzige, was rauskommt, Kaffeeflecken. Erst wenn man die Aufgabe in Teilaufgaben aufteilt und die Gespräche moderiert (und die Inputs auch wertschätzt), kommt am Ende eine umsetzbare, von allen Seiten getragene Idee 'raus.

Re: Arbeitswelt China

Verfasst: 03.01.2011, 09:13
von HK_Yan
Aremonus hat geschrieben:Chef wird man in China über Beziehungen
Es gibt in China aber sehr viele Einzelunternehmer und Kleinbetriebe die von Leuten mit einer Idee gestartet wurden, und das ganz ohne Beziehungen. Jeder der sich selbstständig macht ist ja "Chef".

Re: Arbeitswelt China

Verfasst: 03.01.2011, 09:52
von Aremonus
Es gibt in China aber sehr viele Einzelunternehmer und Kleinbetriebe die von Leuten mit einer Idee gestartet wurden, und das ganz ohne Beziehungen. Jeder der sich selbstständig macht ist ja "Chef".
Jap - aber auch die haben Beziehungen - zumindest zu ihren Kunden.
Mit Beziehungen mein ich nicht, dass man den Generalsekretär des Entwicklungsbüros des Industrieministeriums persönlich kennt, sondern einfach, dass man ein paar Leute, ihre Bedürfnisse und die Gesellschaft ein bisschen kennt. Deswegen sage ich auch, dass es dasselbe wie in Europa ist, mit dem Chefwerden. Unsere Wirtschaft basiert nunmal einfach auf Menschen.