Phytagoras hat geschrieben:Danke schonmal für die vielen Antworten.
Eine Frage hab ich aber noch. Wie werden in China die Zeichen gelernt? Unser Lehrer meint immer "Kindergartenkinder schreiben sie 30mal, dann haben sie es drin". Wenn ich sie nur 30mal schreiben würde, hätte ich sie immer noch nicht drin.
Aus Didaktikbüchern habe ich entnommen, dass die chinesischen Kinder im ersten Schuljahr höchstens 100 Zeichen lernen, begonnen wird mit Pinyin (das scheinen die meisten nach der Schule wieder zu vergessen

, jedenfalls wurde ich - etwa in der Bank - mehrfach schon gebeten, das Pinyin aufzuschreiben - das waren z.T. Leute, die einigermassen Englisch konnten). Natürlich wird schon im Kindergarten und bei ehrgeizigen Eltern auch zu Hause vorgelernt.
Die Beherrschung von ca. 3000 Zeichen, die grob gleichbedeutend damit ist, "alles" (also >95% aller im Alltag auftretenden Zeichen) lesen und schreiben zu können, wird erst mit dem Abschluss der Elementarschule, also nach ca. 6 Jahren erreicht.
Ich denke sowieso, dass es einfacher ist in einer Welt, in der man überall Zeichen sieht, man sie auch besser behalten kann und irgendwann ohne nachzudenken weiß, was es heißt.
Ja, unbedingt. Vor allem muss ein chinesisches Kind nicht Sprache und Aussprache lernen, das tut es während der normalen Entwicklung der Sprachfähigkeit (ok, mit Putonghua ist es dann wieder eine andere Sache). Die Zeichen sind eben Teil des Alltags. Da haben wir es schwerer. Taiyang schrieb schon zu Recht, man solle sich so oft es geht, mit Chinesisch zudröhnen. Also wenn man in CN ist, einen Haufen (natürlich nur legal kopierter

) DVDs erwerben oder so ..
Wir haben jetzt in ca. 2 Monaten schon 100 Zeichen gelernt. Lernen die Chinesen auch so (imo) schnell?
Die Kleinen eher nicht. Andererseits solltest Du sehen, dass das Erlernen der Zeichen durch Höhen und Tiefen und ausgeprägte Durststrecken geht. Man braucht da einen sehr langen Atem. Anfangs lernt man recht schnell 100 oder 200 Zeichen, aber später trifft man leicht auf ähnliche Zeichen, auf Widersprüche im eigenen Merkvermögen, auf Überflutung mit Informationen, was zu Verlerneffekten führen kann. Mann sollte sich da mit ausgeprägter Frustrationstoleranz wappnen.
Die Methode von Heisig versucht, dem entgegenzusteuern, indem sie ein mnemonisches Lernen der Zeichen und Zeichenelemente (Grapheme, "Radikale") mit muttersprachlichen Bedeutungen unter Verzicht auf das gleichzeitige Erlernen von Aussprache und Pinyin anstrebt. Das System ist in sich didaktisch nach dem Erlernen der Zeichenelemente und typischer Zeichen in Lektionsgruppen gegliedert, jedem Zeichen wird eine Merkerzählung zugeordnet.
Diese Methode ist - auch bei Leuten, denen sie liegt (das ist nicht jeder) - uneingeschränkt nur völligen Beginnern zu empfehlen. Wer bereits ein Jahr oder mehr Chinesisch gelernt und auf andere Methoden sich bereits mehrere hundert oder mehr Zeichen angeeignet hat (natürlich quer zu jenem didaktischen Konzept), müsste aufwändig um- und sogar verlernen, um die Methode uneingeschränkt zu nutzen. Da bislang erst der erste Band von "Learning and Remembering the Hanzi" mit ca. 1500 Zeichen vorliegt (der 2. Band soll in Englisch allerdings dieses Jahr erscheinen), muss man sich überlegen, ob die Methode die richtige für einen ist. Von Tuttle gibt es einen ähnlichen Ansatz, der das Pinyin einschliesst. Hier werden aber bislang weniger als 1000 Zeichen gelernt.
Ich weiss nicht, wie viele nach dem McNaughton gelernt haben. Da wurden erst die "grundlegenden" 1060 Zeichen mit Strichfolgen vorgestellt, etwas trocken, aber prägnant kommentiert, mit Verwechslungswarnungen. Die weiteren 2000 werden dann etwas bündiger vorgestellt (ohne Strichfolgen und Kommentare). Ein Buch als Grundlage für "jedes Zeichen 30mal - oder öfter - schreiben".
Um die "Flashcards" wird man auch nicht ganz rumkommen, egal nach welcher Methode. Und es bleibt ein Haufen Arbeit. Aber wenn man irgendwann merkt, dass man richtig Texte lesen kann, ist das schon ein tolles Erlebnis.
Viel Erfolg und nicht schlappmachen, a^2