DaLongRen hat geschrieben:
Es wird wohl letztendlich irgendwie gehen, aber *einfach* wird das auf keinen Fall, wenn ein Verwaltungsfachangestellter versucht Dir die Feinheiten einer deutsche Verwaltungsvorschrift auf Englisch zu erklären.
Boracay hat geschrieben:Das benötige weder ich selbst, noch irgendein Expat in D. Mit der deutschen Verwaltung hat man auch als Deutscher nicht viel am Hut. Führerscheinstelle, KFZ Zulassung, An- und Ummelden,.... geht alles auch auf Englisch.
In aller Regel wird die Firma das alles aber ohnehin übernehmen.
Die *einfachen* Sachen sind sicher kein Problem. Aber spätestens, wenn Du möchtest, dass die Verwaltung etwas macht, worauf diese *keine* Lust hat (Stichwort "Ermessensspielraum"), dann musst Du Dich mit den Vorschriften und beteiligten Personen intensiver auseinandersetzen und dann hilft auch die Firma nur begrenzt weiter.
Wenn Dein Firmen-Übersetzer nämlich so fit im Kopf ist, dass er solche Problem lösen kann, dann will er nämlich nicht unbedingt einen günstigen Übersetzer-Job haben, sondern selbst Manager werden.
Als ich hier unlängst mein Visum für eine äääähhh... "nicht ganz regelkonforme" Verwendung verlängern musste, hat mir das Guān xì enorm weitergeholfen. Und *nein* , ich habe dafür keinen Umschlag über den Tisch geschoben. Der Betreffende hat das ganz einfach deshalb gemacht, weil wir uns gut leiden können.
DaLongRen hat geschrieben:Daneben bist Du außerdem auch regelmäßig von dem extrem-wichtigen "Flurfunk" ausgeschlossen... und der ist ab einer gewissen Ebene IMHO sogar noch wichtiger als die Gespräche im Lenkungskreis.
Boracay hat geschrieben:
Weiß nicht ob der Flurfunk nicht sogar eher negativ ist.
Für mich ist es oftmals die wesentliche Quelle, um herauszubekommen, was möglicherweise *wirklich* im Unternehmen passiert. Leider bin ich da in China (immer noch) nicht richtig drin, aber ich habe noch keinen Abteilungsleiter erlebt, der in einem Lenkungskreis ankündigt: "Übrigens, wir werden das Projektziel A,B,C möglicherweise nicht erreichen. Wir sind uns aktuelle noch nicht ganz sicher, aber es sieht leider sehr danach aus."
Meistens kommt diese Info nämlich erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
Boracay hat geschrieben:
Das empfinde ich noch nicht mal als das schlimmste. Das Benehmen (bei uns Knigge) empfinde ich als noch viel heftiger.
Meinst Du z.B. die Essmanieren, das Rauchen im Fahrstuhl und z.B. die Art wie man Auto fährt?
Ja, da gebe ich Dir recht, das mag ich auch nicht. Andererseits kotzt es mich in Spanien auch extrem an, wie die Leute Ihren Müll überall hin werfen.
China ist glaube ich ein Land, in dem die Menschen über sehr lange Zeit hinweg sehr arm gewesen sind. Außerdem steckt IMHO die "Kulturrevolution" der Gesellschaft immer noch in den Knochen. Und weil sich seit dieser Zeit viele Dinge so *extrem* schnell und manchmal auch willkürlich ändern, ist man als Gesellschaft einfach dazu übergegangen, dass *hier* und *jetzt* zu optimieren. Daher das extrem kurzfristige Denken und die "Eigenoptimierung".
Boracay hat geschrieben:
DalongRen hat geschrieben:
Wenn Du (auch wegen der Sprachkenntnisse) natürlich immer nur *draußen* bist, dann erlebst Du niemals dieses warmherzige und beinah schon kindlich-freundliche Verhalten, was den Leuten im "inneren" Kreis vorbehalten ist.
Und da kommt man rein weil man chinesisch spricht? Ich versuche ja gerade einiges zu lernen, schlichtweg weil es ohne Chinesisch nicht geht im Alltag. Die freuen sich immer wie kleine Kinder über meine Bemühungen.
[...]
Mich stört vielmehr das Verhalten der lieben Chinesen im Restaurant, im Flugzeug, in den Verkehrsmitteln, im Einkaufszentrum,..... kein Tag ohne schockierende Erlebnisse.
Klasse! Meine Kollegen sind auch jedesmal geschockt, wenn ich eine neue Formulierung verwende.
Aber Du hast recht, dass ich manches (assoziale) Verhalten auch nicht leiden kann und ich kann es mir momentan nur mit der Zeit der Kulturrevolution erklären (vielleicht können die Sinologen hier einen genaueren kausalen Zusammenhang herleiten???):
Zu Mao's Zeit war es extrem "schick" sich wie ein "Bauerntrampel" aufzuführen und zu dieser Zeit wurden sehr viele chinesische Sitten, Gebräuche und Verhaltensnormen zerschlagen und auf "proletarisch" getrimmt.
Meine Chinesisch Lehrerin sagte mir unlängst, dass man die richtige Chinesische Kultur eigentlich besser in Taiwan oder in Korea erleben kann (auch wenn letztere felsenfest behaupten werden, dass es ihre eigene Kultur ist

).
So, aber um mal wieder den Bogen zu Toby zu schlagen (und eine neue "Flurfunk"-Meinung zu dem Thema zu bekommen, das mich auch interessiert):
Glaubst Du, dass BWL Kenntnisse auf westlichem Niveau und fließende Chinesischkenntnise in 3-4 Jahren ausreichend für einen guten Job in China sein werden?
Oder greift man auch dann lieber auf die (weniger teuren) Muttersprachler zurück?