Ok, Du bringst vieles freundlicher und verbindlicher herüber, was ich ausgesprochen achte. Es hilft Dir letztlich nicht so viel, denn die Wadenbeisser hast Du annähernd genauso am Bein.beowulf hat geschrieben:@Aquadraht - ein wenig langsamer mit den PferdenIch kann dir inhaltlich sogar beipflichten, aber du kommst etwas aggressiv rüber und ich möchte ungern, dass die Diskussion wieder entgleist.
Sehr richtig, von Nepal noch gar nicht gesprochen. Ich sehe das mit dem Kommunismus auch nicht anders als mit anderen Modernisierungsbestrebungen und -bewegungen, darunter auch dem Kemalismus, der KMT, und den verschiedenen Bewegungen in Indien. Bei aller Gandhiverehrung wird gern übersehen, dass der Kongress auch kein Mädchenpensionat war und der Unabhängigkeitsprozess weder unblutig noch ohne Repression ablief.Den Kommunismus als gescheiteter "Feldversuch" abzutun ist meiner Meinung nach auch falsch. Er ist als Folge der geschichtlichen und sozialen Umstände zu betrachten. Das beste aktuelle Beispiel ist Indien. Obwohl man von den negativen Folgen des Kommunismus unter anderem in China oder Rußland bescheid weiß, gibt es jetzt eine - auch gewaltbereite - maoistische Strömung im Land.
Das wäre eine neue und andere Debatte. Ich stimme Dir zu, dass das modische Chinabashing neben banalem schlechtem Gewissen und allgemeiner Zukunftsangst auch damit zu tun haben mag, dass man den neuen Konkurrenten gern zurechtgestutzt sähe, wo er schon das "Ende der Geschichte" vermasselt hat. Ich finde allerdings, dass das nicht in diesen Thread gehört.Das wird übrigens bei uns sehr stark ignoriert, was meinen Verdacht das die kritische Berichterstattung über China auf Angst vor dem neuen Konkurrenten und fehlgeleiteten Idealismus beruht, verstärkt.
Naja, Kritik an Indien oder gar eine Analyse der Bedingungen im Land könnte ja das antikommunistische Glaubensbekenntnis in Frage stellen, nach dem alle Probleme Chinas an der KP und ihrer Misswirtschaft liegen. Dass es Minderheiten in Indien so dreckig geht, wie es sich Minderheiten in China gar nicht vorstellen können, gerade in Sachen Repression und Diskriminierung, passt da nicht ins Thema.Ich hab nur den Eindruck, dass Indien weil es
a. eine Demokratie ist
b. kein politischer oder wirtschaftlicher Konkurrent
c. die Gruppen als Maoisten oder Islamisten unsere "natürlichen" Feinde sind
in unserer Presse nicht großartig kritisiert wird.
Naja, ich finde öffentliche Berichterstattung über Missstände in Probleme weder in China noch in Indien falsch. Ich lese sehr gern die Berichte von Georg Blume aus China, und der nimmt in Bezug auf Probleme wirklich kein Blatt vor dem Mund (er war auch ein paarmal inhaftiert) und recherchiert selber, statt wie die meisten ein paar wochenalte Artikel aus chinesischen oder gar englischsprachig-chinesischen Zeitschriften abzuschreiben und als letzte Neuigkeit aus dem Land der Mitte grosssprecherisch ("sogar die KP-Presse musste zugeben") zu verbreiten. Ich finde auch - und diese Einsicht scheint sich auch in China Bahn zu brechen -, dass Vertuschen und Deckeln Probleme nicht aus der Welt schafft, sondern eher verschlimmert.PS 1: Das soll kein Aufruf an einer Kritik an Indien sein. Ich persönlich glaube, dass öffentliche Kritik vom Ausland nichts bringen und die Beziehungen höchstens verschlechtern.
P.S.: Was die Leichenzählerei angeht, finde ich, man sollte das bleiben lassen. Nicht, dass der Kapitalismus da gross zu schlagen wäre, aber es ist blöd.


