krebsandreas hat geschrieben:Hallo zusammen, ich habe ja lange überlegt ob ich mich überhaupt an der Diskussion beteiligen soll, aaaber ich werde trotzdem auch etwas schreiben.
Es ist sicherlich so, dass es bei Betrachtung des TV Programms schon auffällig ist wie sehr auch auf die Probleme Chinas hingewiesen wird. Manchmal kommt es einem sogar vor es würde gerade zu nur nach Negativem gesucht. Man nehme nur die Kommentatorin Frau Mayschberger bei der Eröffnungsfeier (Zitat: "militärischer Drill, überperfekt....). Dazu sollte man vielleicht schon kritisch anmerken, dass es bisher sicherlich noch kein Land gegeben hat, welches bei einer olympischen Veranstaltung nicht besonders gut wegkommen und einen perfekten Eindruck machen wollte. Das ist ja auch nur mehr als normal. Bei allen Problemen die es sicherlich gibt, sollte man zwischen gerade bei einer solchen Veranstaltung zwischen dem Staat an sich und den Leuten unterscheiden denen es einfach eine Freude ist die Welt zu Gast zu haben und einfach etwas darzubieten was es bisher nicht gegeben hat. Ich muss zugeben, dass mich gerade diese Kommentierung auch sehr geärgert hat. Ich habe mich einfach an dieser perfekten Inszenierung erfreut.
Dagegen kann man natürlich argumentieren, dass China durch die perfekten Inszenzierungen versucht hat die offensichtlichen Probleme in der Vorbereitung (Fackellauf, Tibet etc. ) zu kaschieren. Dies führt meiner Meinung zu der Frage inwieweit man sich bei diesen Problemen überhaupt auf schwarz-oder weiss festlegen kann bzw. sollte.
1. Menschenrechte- Sicherlich ist es so, dass in China die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Ich selbst habe in China die Willkür des Staates zu spüren bekommen. Andererseits muss man auch darauf hinweisen, dass sich bzgl. der Menschenrechte in den letzten Jahren schon einiges getan hat. Man muss die Entwicklung China und den heutigen Stand immer vor Hintergrund der letzten historischen Ereignisse sehen. Bis vor einigen Jahren konnte in China von "Recht" an sich noch garkeine Rede sein. Die Entwicklung des Rechts bedarf eines längeren Prozesses. Unser Rechtssystem kann insoweit auf eine ganz andere Tradition zurückblicken. Nach Ende des zweiten Weltkrieges haben schließlich die Allierten unser Rechtssystem mit aufgebaut; immer mit dem Gedaken die "perfekte" Demokratie zu schaffen.
Dies führt weiterhin zu der Frage wie es um die Menschenrechte in unserem Lande bzw. im Westen allgemein gestellt ist. Beispiel: Ein George Bush sagt aus, dass er China NUR wegen des Sports besuchen wird. Er möchte damit ein Zeichen setzen und auf die Probleme Chinas aufmerksam machen. Dabei sollte man bedenken, dass sich das Staatsoberhaupt eines Landes, nämlich des demokratischen Staates an schlechthin für die Menschenrechte einsetzt. Nur wie kann es sein, dass sich ein Land ein Urteil anmaßt obwohl in selbigen die Menschenrechte mit Füßten getreten werden (Guantanamo, Abu Graib, NSA Skandal). Bevor jmd. meint das wäre ja nicht die USA, die Handlungen in Abu Graib und Guantanamo sind mindestens durch "overall" control (festgestellt im Tadic Case) zurechenbar. Weiteres Beispiel. In Guantanamo sitzt Murat Kurnaz (Deutscher Staatsbürger) 2 Jahre und die Bundesregierung verhört Ihn, hält ihn für unschuldig und setzt sich nicht für seine Belange ein.
Fraglich ist bei oben genannten geschilderten Vorkommnissen in den demokratischen!!! Weststaaten inwieweit sich deren Handeln von dem Handeln Chinas unterscheidet. Nun wird sicherlich eingwendet China ginge brutaler vor... es sterben mehr Menschen. Dem kann ich auch nur zustimmen, trotzdem ist es erschreckend festzustellen, dass die Länder die eigentlich als die Staaten mit den gefestigsten demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen der Welt gelten offensichtlich immer noch Menschenrechte verletzen, ja offensichtlich mit Füßen treten und sich ein Urteil über China anmaßen.
Fazit: Ich finde man darf auf keinen Fall über die Probleme Chinas hinwegsehen. Diese gibt es auf jeden Fall. Trotzdem sollte man auch immer bedenken, dass sich China in einem Entwicklungsprozess befindet der gerade überhaupt erst angefangen hat. Auch wir haben die Entwicklung hin zum Rechtsstaat und zur Demokratie durchmachen müssen. Auch wir haben in der Vergangenheit Menschenrechte mit Füßen getreten und machen dies immer noch. Daher sollte man sich immer einen kritischen Blick bewahren und versuchen positiven und negatives im Einklang zu sehen.
Abschließend würde ich gerne noch auf die Ein Kind Problematik eingehen. Sicherlich ist es so, dass es sich bei dieser Politik um ein Zweischneidiges Schwert handelt. Vorteilhaft ist sicherlich, dass man die Bevölkerungsentwicklung verlangsamt. Negativ wirkt sich aber aus, dass die demographische Entwicklung in den nächsten 50 Jahren stark der der europäischen Union ähnelt. China hat also zusätzlich mit dem Problem zu kämpfen, dass die Bevölkerung altert und keine Jungen Leute nachkommen. Dazu muss man auch bedenken, dass China über kein soziales System für alte Menschen verfügt. Alte werden durch die Jüngeren versorgt. Dieser Kreislauf ist damit unterbrochen.
Erwähnt werden muss aber auch, dass die 1-Kind Politik schon seit Jahren nicht mehr bis in letzter Konsequenz durchgehalten wird. Auf dem Land kaufen sich viele Familien von dieser Beschränkung frei; in Peking habe ich beispielsweise von vielen Familien gehört, dass in den großen Städten garkeine Beschränkung mehr vorherrscht.
So jetzt habe ich mir aber ganz schön die Finger wund getippt. Ich habe einfach mal versucht, Argumente einzubringen und so objektiv wie möglich zu betrachten.
Beste Grüße
Andreas
Sehr interesanter Beitrag, der auch meine eigenen Überzeugungen gut widerspiegelt. Ich habe in den letzten Monaten mit meiner Freundin z.T. sehr heftige Auseinandersetzungen über die Chinaberichte dt. Medien gehabt. Ich muß aber auch sagen, daß ich die Olympiaberichterstattung mit dem permanenenten Herumreiten auf politischen Problemen auf Dauer ziemlich peinlich fand. Allerdings habe ich auch feststellen müssen, daß alle mir bekannten Chinesen auf wirkliche oder eingebildete Kritik überaus emotional und nicht immer besonders logisch reagieren. Da werden dann verschiedenste Probleme miteinander vermischt, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Die Art und Weise der Debatte von ludwigcheng erinnert mich sehr stark an die Aufgeregtheit meiner Holden, die dann kaum noch von der Palme herunterzubekommen ist.
Anmerkung zum Schluß: die Flohtüte Kurnaz ist zum Zeitpunkt seines Gitmoaufenthaltes türkischer Staatsbürger gewesen. Lt. Aussagen eines hohen Bremer SPD-Aufenthaltes soll der verhinderte Terrorist aber mit der dt. Staatsbürgerschaft belohnt werden/oder bereits worden sein.