rundherum hat geschrieben: 03.07.2020, 09:33
Doch, weil man hier keinen adäquaten Gegenansatz hat.
Hier wird viel moralisiert, schwadroniert, meinetwegen auch diskutiert ... nur plan- und sinnvoll gehandelt wird bis jetzt nicht.
Es gibt einen Gegensatz zur Doktrin der Staatsräson: Rechtsstaatlichkeit. Und mit Kant's kategorischem Imperativ gibt's auch einen ethischen Gegensatz zum Staatsutilitarismus.
Hmmm ... um mit dem Spiegel von Schneewittchens Schwiegermutter (adaptiert) zu sprechen:
Besagter Imperativ gilt hier - aber hinter den sieben Bergen ist u.a. China, und dort wird das Wohl des Staates an erste Stelle gesetzt.
Frei nach Konfuzius: Geht es dem Staat gut, geht es auch der Bevölkerung gut. Der einzelne hat primär zum Wohle des Staates zu agieren.
Diese Maxime (Denkweise) haben m.E. alle ost-asiatischen Staaten (egal welches politische System dort herrscht) tief verinnerlicht.
rundherum hat geschrieben: 03.07.2020, 09:33Chinas wirtschaftlicher Erfolg beruht darauf, dass man bitterarme Bauern vom Land in die Stadt holt und ihnen dort einen Job gibt. Jeder ist produktiver wenn er etwas tut als wenn er quasi nichts tut. Das ging bisher auch ganz gut und wird noch ca. 10 - 15 Jahre weiterfunktionieren. Dann gehen China die Bauern aus. Gleichzeitig kommen auch die chinesischen Babyboomer ins Pensionsalter. Das wird ein ziemlicher Double-Whammy.
Das Problem sehe ich allerdings auch.
Habe das auch schon irgendwo im Forum verewigt, bin jetzt aber zu faul das raus zu suchen.
Kurz auf den Punkt gebracht, durfte das Überaltern der Gesellschaft in China sehr viel gravierendere Konsequenzen haben als unsere hier.
Da die chin. Regierung aber noch diese 10 - 15 Jahre "Puffer" hat, bevor das Problem zum Tragen kommt,
hoffe ich inständig, dass man dort (anders als hier) nicht sehenden Auges ins gesellschaftliche Verderben rast.
Dies bzgl. bin ich aber Zweckoptimist, dass man da in China schneller reagiert als hier.
Schon deshalb, weil einem sonst das Ganze um die Ohren fliegt, und der Ast auf dem man sitzt sonst im worst Case weg bricht.
Das chin. Gesellschaftssystem funktioniert so lange, wie eine Mehrheit davon profitiert,
oder man das zumindest für die eigenen Kinder hoffen kann.
Ist das nicht mehr gegeben, dann wirds krachen.
rundherum hat geschrieben: 03.07.2020, 09:33In den nächsten Jahren wird China also eine massive Kehrtwende machen und sich öffnen müssen, um ein effizientes Wirtschaftssystem zu schaffen. Sonst gibt's Stagnation. Sowjet Union 2.0. Auch China kann sich nicht grundlegenden mathematischen Realitäten entziehen.
Die chin. Regierung wird m.E. nie die Kontrolle über die Schlüsselsektoren aufgeben.
Dazu ist die Finanzkrise von 2008 einfach ein zu klares Beispiel gegen das Kopieren dieses offensichtlich gescheiterten angelsächsischen Finanz-Systems.
Und auch, was die USA und GB in Bezug auf dem Umgang mit der Covid-19 Pandemie bieten ist (nicht nur aus chin. Sicht) keine Reklame für die dortigen Regierungen und deren Standpunkte.
Auch der Vergleich mit der UdSSR hinkt da gewaltig.
Die ging ja gerade deshalb kaputt, weil sich die Oligarchen einfach Alles unter den Nagel gerissen hatten, mangels staatl. Kontrolle.
Auch war die dortige Wirtschaft völlig am Ende, weil das Meiste einfach in die Rüstung gepumpt wurde.
Das einzige, was den wirtschaftl. Kollaps hinaus zögerte waren die Einnahmen aus den Erdgaslieferungen in die damalige EG.
Und auch nicht ganz unwichtig: Die Produkte der UdSSR waren zu keinem Zeitpunkt weltmarktfähig.
Man "handelte" ja de facto nur mit den soz. "Bruder-Ländern".
Und last but not least: Konsum und Reisefreiheit gab es ja auch nicht.
Man hatte das Nötigste zum Leben - das wars dann aber auch.