Naja, ich sag mal, China-Crash-and-Doom-Prophezeihung die 495. Normalerweise schätze ich Münchau, aber hier hat er schlicht schlampig recherchiert und argumentiert obendrein ökonomisch inkompetent.
Wenn ich schon Michael Pettis lese, krieg ich nen Kackreiz. Das ist ein "Professor" (also Hochschullehrer, wenn ich in China nen Lehrauftrag annehme, bin ich noch mehr Professor, immerhin hab ich promoviert

) für Management, also ein Betriebswirt oder Betriebssoziologe. Mit der Beijinger Hardrockszene kennt er sich wirklich gut aus, aber seine "ökonomischen Analysen" sind seit Jahren blühender Stuss. Den grossen Crash predigt er auch schon ewig.
Und dann kommen die Dönekens von den Schulden der vorherigen Krisen. Herrgott, Anfang des Jahrtausends hatte China aus der Konsolidierung der SOEs nicht bloss 40 Millionen Entlassene (ohne die von westlichen "Experten" sabbernd herbei"befürchteten" sozialen Unruhen), sondern auch vier Bad Banks mit insgesamt 140 Mrd.$ dort konsolidierter fauler Kredite. Das war angesichts zu der Zeit ca. 1700-1900 Mrd.$ BIP eine schwindelerregende Summe, bis heute werden die Kredite bedient, ein Teil ist sogar gesundet, ein weiterer abgeschrieben, und 140Mrd.$ sind weniger als Deutschland mit weniger Erfolg allein in der HRE verheizt hat.
Naja, und dann die Geschichte mit dem Immobilienmarkt. Natürlich wird, vor allem in SH und BJ, in Zhejiang, im Perlflussgebiet und ähnlichen Ecken, spekuliert, dass die Heide wackelt, und gibt es alle möglichen negativen Begleiterscheinungen, zumal die kommunalen und regionalen Budgets an den Einkünften der Developer hängen. Das heisst, dass nicht nur der Tanguan, sondern auch der kostenbewusste Stadt-, Kreis- oder Bezirkskämmerer mitmischt oder zumindest stark zum Augenzudrücken motiviert ist.
Bloss ist eine Spekulation nicht gleich eine Blase. Blasen entstehen, wenn zur Spekulation noch die Kreditausweitung auf der Basis spekulativ erhöhter Preise kommt, dann kann die Spekulation sich als Ponzischema selbst nähren, bis sie zusammenkracht. Eine Blase ist dadurch gekennzeichnet, dass zum Schluss den Spekulationsgeschäften kaum noch Realgeschäfte gegenüberstehen, also nur noch für die Spekulation und nicht mehr für den Bedarf gekauft wird.
Und das ist im chinesischen Bausektor gewiss nicht der Fall. Jedes Jahr kommen nach unterschiedlichen Schätzungen 12-25 Millionen Chinesen vom Land neu in die Städte und benötigen Wohnraum. Immer noch werden jedes Jahr ca. 17,5 Millionen Kinder geboren, die derzeit erwachsen werdenden und Haushalte gründenden Jahrgänge sind sogar bis 30 Millionen Personen breit. Es wird also Wohnraum benötigt ohne Ende, zumal die Ansprüche an den Wohnraum steigen. In den Ballungen leben mindestens 40-60% der Menschen in mangelhaftem Wohnraum (wer lästert, wird jetzt sagen, mindestens 90%

). Allein bedarfsgetrieben kann der Bauboom noch 20-30 Jahre weitergehen, und dann muss das meiste in den letzten Jahrzehnten Gebaute grundlegend renoviert, wenn nicht abgerissen und neu gebaut werden.
Gut möglich ist allerdings, dass die Bremsen, die Regierung und Zentralbank schon seit letztem Jahr treten, endlich greifen, und dann wird es schon ein paar Schleifspuren geben. Developer werden pleite gehen, einige Leute, ähnlich wie bei den Achterbahnfahrten der Börsen (die in China extrem sind) ihr Geld verzockt haben. Bei Bareinschusspflichten von 30-50% müssten sich die Hauspreise allerdings dritteln oder halbieren, ehe Immobilienkredite bei den Banken notleidend werden.
Münchau argumentiert hier, dass ein Teil des Bareinschusses nicht aus dem Barvermögen der Käufer stammt. Das stimmt. Häufig geben die Eltern dazu, auch weitere Verwandte und Guanxi, und es gibt schon die illegalen Kreditvermittler. Und die wären alle einen Teil des Geldes los, wenn ein Schuldner nicht mehr zahlen kann, und fröhliche Spekulation wäre erstmal nicht drin.
Andererseits würden gerade die jungen Leute entlastet, die derzeit den Wohnungstraum vor sich herschieben, winzige Butzen kaufen oder als "Sklaven der Wohnung" konsumptiv auf dem Zahnfleisch gehen. Ein allgemeiner Einbruch der Kaufkraft wäre gerade nicht zu erwarten, und auch keine Liquiditätsklemme der Banken, da es ja mit aller Gewalt die illegale Konkurrenz träfe. Spekulationen sind, solange sie keine Blasen sind, Nullsummenspiele, mit Gewinnern und Verlierern.
Also wohl doch nicht die neue Finanzkrise aus China. Sagt meine Kristallkugel.
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