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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 17.07.2010, 22:09
von ingo_001
bossel hat geschrieben:In China grassiert ein „Paul“-Fieber
Der Westen. Umpf!
"...hat Paul den Shanghaier Changfeng Park „inspiriert“, ebenfalls einen Kraken als Wahrsager zu erwerben, „zur Unterhaltung der Zuschauer“. Das Tier soll bis Ende September erworben werden, in der Hoffnung, dass die Kopie genauso fehlerfrei wie Paul bei der WM den Ausgang der Wettkämpfe bei den Asien-Spielen voraussagt, "
Es geisterte ja auch schon das Gerücht durch die Medien, dass Paulchen (ob seines Talents) von findigen Chinesen ins Reich der Mitte entführt werden soll, damit er dort noch fleissig Nachkommen produzieren kann (die Papas Talent geerbt haben), bevor er denn das Zeitliche segnet
ingo_001 hat geschrieben:Tja, es gibt eben noch Ecken auf dieser Welt, wo die Banken nicht das Sagen haben bzw. jeden Betrag ohne entspr. Gegenleistung verlangen können

bossel hat geschrieben:Na, auch der Antibankenpropaganda aufgesessen?
Nö, nur der Meinung, dass mal endlich klare Grenzen gesetzt werden, was geht - und was nicht.
bossel hat geschrieben:Die Banken machen auch in D (fast) nur das, was man ihnen zugesteht. Das Problem ist, daß die genau wissen, daß die Politik sie nicht so ohne weiteres Pleite gehen lassen wird. Also gehen sie bis an die Grenzen & darüber hinaus (solange der Staat nicht eingreift). Kann ja nix passieren (zumindest den Banken).
Ne, die Banken (am Beispiel der IKB) haben sich verzockt und das Zocken ist wörtlich gemeint - in dem sicheren Wissen, dass der Staat sie nicht über die Klippe springen lässt, egal, wie windig die jeweiligen Geschäftsmodelle sind.
Und das nenne ich Vorsatz, der in dem Fall schon grob fahrlässig, wenn nicht gar kriminell ist.
Mit Aktien spekulieren ist eine Sache - aber auf Aktien, die man nicht hat zu wetten (Leerverkäufe bzw. Leerkäufe) hat nun aber gar nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun ...
Und mit dem eigentlichen Bankgeschäft schon überhaupt nicht.
Übrigens mit ein Grund, weshalb die Genossenschaftsbanken relativ glimpflich davon gekommen sind. Die haben sich nämlich aufs eigentliche Kerngeschäft konzentriert und nicht gezockt.
Zocken sollte man in Vegas oder Macao - aber nur mit dem eigenen Geld.
Nichts gibt man leichter aus, als das Geld, das einem nicht gehört.
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 21.07.2010, 19:17
von bossel
ingo_001 hat geschrieben:Nö, nur der Meinung, dass mal endlich klare Grenzen gesetzt werden, was geht - und was nicht.
Grenzen gibt es schon, aber da jede (Groß-)Bank weiß, daß der Staat sie nicht pleitegehen läßt (da "systemrelevant"), ist die Wirkung gering.
Und das nenne ich Vorsatz, der in dem Fall schon grob fahrlässig, wenn nicht gar kriminell ist.
Mit Aktien spekulieren ist eine Sache - aber auf Aktien, die man nicht hat zu wetten (Leerverkäufe bzw. Leerkäufe) hat nun aber gar nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun ...
Wohl doch auf die Propaganda reingefallen. Natürlich ist es Spekulation, aber auch nicht schlimmer (Ist Spekulation überhaupt schlimm?) als auf Aktienkurse zu spekulieren.
Übrigens ist es auch eine Art Leerverkauf, wenn Du im Laden eine Waschmaschine kaufst, die der Verkäufer selber erst noch bestellen muß. Hochspekulativ!

Muß das auch verboten werden?
Nichts gibt man leichter aus, als das Geld, das einem nicht gehört.
Na, ich weiß nicht. Mein eigenes Geld ist auch immer verdammt leicht ausgegeben. Ein paar Monate Urlaub & schon hat man nix mehr ...
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 22.07.2010, 18:42
von Mathias
bossel hat geschrieben:http://www.jamestown.org/single/?no_cac ... 9e785abeb1]
Afghanistan in China’s Emerging Eurasian Transport Corridor
Jamestown Foundation.
"China is making progress in improving Eurasian rail networks, but the existing and proposed near-term rail links between the PRC and its western neighbors will still service only a small share of China’s foreign commerce, which will likely remain dominated by containerized cargo shipping by sea."
Hochinteressantes Thema, Chinas Engagement westlich Indiens und südlich Russlands

wird im Westen kaum wahrgenommen. Leider hat die "Jamestown Foundation" hier einen Haufen veralteter und falscher "Fakten" zusammengetragen, um ihre Analyse auszustaffieren (sogar die "Chinese workers" auf dem Foto sind Usbeken

).
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 26.07.2010, 20:14
von bossel
Mathias hat geschrieben:Hochinteressantes Thema, Chinas Engagement westlich Indiens und südlich Russlands

wird im Westen kaum wahrgenommen. Leider hat die "Jamestown Foundation" hier einen Haufen veralteter und falscher "Fakten" zusammengetragen, um ihre Analyse auszustaffieren
Na, dann mal Butter bei die Fische. Her mit den aktuellen Links mit akuraten Informationen!
(sogar die "Chinese workers" auf dem Foto sind Usbeken

).
Hmm, was Du so alles weißt ...
Aber woher?
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 26.07.2010, 21:24
von ingo_001
bossel hat geschrieben:In China, an oil spill and a low-tech cleanup
NYT.
""I used small wood planks to scoop up the oil and put it into big plastic garbage bags," said Liu Jia, a worker at the Dalian beach resort. "Some of my colleagues used chopsticks. . . ."
Na wenn das die Verantwortlichen von BP hören, werden sie containerweise Chopsticks verteilen ...
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 27.07.2010, 08:00
von Mathias
bossel hat geschrieben: (sogar die "Chinese workers" auf dem Foto sind Usbeken

).
Hmm, was Du so alles weißt ... Aber woher?
Na ... das sieht man doch! Oder?

Okay, mal im ernst. Das Foto stammt von der offiziellen Feier zu Beginn der Bauarbeiten am "Hairatan to Mazar-e-Sharif Railway Project". Chinesen waren nicht zugegen, allerdings etliche
usbekische Vertreter des Auftragnehmers (Uzbekistan Temir Yollari / staatliche usbekische Eisenbahngesellschaft). Zudem wären die Jungs für chinesische Ingenieure reichlich underdressed. Kariertes T-Shirt
bossel hat geschrieben:Na, dann mal Butter bei die Fische. Her mit den aktuellen Links mit akuraten Informationen!
Die als geplant beschriebenen Bahnprojekte in Afghanistan sind entweder unrealistisch (Mazar-i-Sharif to Pul-i-Khumri to Kabul to Jalalabad to Torkham würde z.B. über teilweise 3.400 m hohe Gebirgspässe führen) oder bereits fast fertg gestellt (
Hairatan to Mazar-e-Sharif). Zudem werden die, im Bau befindlichen Strecken in "russischer Breitspur", 1520 mm, also vorbei an den Ambitionen des "Eurasian rail network" und somit auch unberücksichtigt chinesischer Interessen ausgeführt.
Um aber auf den Chinabezug zurückzukommen. Die Einschätzung des Berichtes, daß rein chinesische Bahnprojekte in Afghanistan wohl keine Zukunft haben (eine Direktverbindung über Pakistan zur
Kupfermine in Aynak ist wohl am ehesten vorstellbar), kann man teilen. Allerdings fehlt mir in dem Bericht die Erwähnung des massiv wachsenden ökonomischen (und hinter den Kulissen auch politischen) Einflusses Chinas in Afghanistan. Vielleicht liegt die Lösung des "Afghanistanproblems" ja in China

Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 29.07.2010, 23:38
von ingo_001
Na is ja "wunderbar" ...
Was kommt als Nächstes?
Jede dt. Firma, die ihre technischen Innovationen schützen will fügt folgenden Passus in die Arbeitsverträge ein:
Kontakt oder gar Heirat mit Chinesen kann die sofortige Kündigung zur Folge haben?

Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 10:08
von OlafSt
Ich wohne in Rellingen, kenne die Firma ziemlich gut. Als der Artikel vor einer oder zwei Wochen in der Lokalpresse auftauchte, raste eine Welle der Empörung durch die Gemeinde. Keiner hätte gedacht, das es eine derartig üble Form von Rassismus und Präjudizierung hier geben könnte.
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 11:27
von Mathias
ingo_001 hat geschrieben:Was kommt als Nächstes?
Jede dt. Firma, die ihre technischen Innovationen schützen will fügt folgenden Passus in die Arbeitsverträge ein:
Kontakt oder gar Heirat mit Chinesen kann die sofortige Kündigung zur Folge haben?

Ich gehe mal davon aus, daß der gekündigte Mitarbeiter der Firma Autoflug bereits einen sinngemäßen Passus in seinem Arbeitsvertrag hatte. Arbeitsrechtlich vielleicht "etwas unschön", aber aus der Sicht der Firma absolut verständlich. Der Grund für die Kündigung wird wahrscheinlich auch nicht direkt in der Heirat liegen. Vielmehr ist der Kollege offensichtlich bei der turnusmäßigen "Durchleuchtung" durchgefallen.
Interessant wird wohl die Verhandlung der Klage werden, ich tippe aber auf eine außergerichtliche Einigung

Das erspart Autoflug dumme Fragen und die vereinigte Linke muß nicht bis vor die UN-Menschenrechtskommision ziehen.
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 12:11
von aquadraht
Mathias hat geschrieben:ingo_001 hat geschrieben:Was kommt als Nächstes?
Jede dt. Firma, die ihre technischen Innovationen schützen will fügt folgenden Passus in die Arbeitsverträge ein:
Kontakt oder gar Heirat mit Chinesen kann die sofortige Kündigung zur Folge haben?

Ich gehe mal davon aus, daß der gekündigte Mitarbeiter der Firma Autoflug bereits einen sinngemäßen Passus in seinem Arbeitsvertrag hatte. Arbeitsrechtlich vielleicht "etwas unschön", aber aus der Sicht der Firma absolut verständlich. ..
Also ich finde das schockierend. Gibt es denn nur noch Feinde, Verächter und Ignoranten unserer Verfassung und der Menschenrechtskonventionen? Ein Passus, wie Du ihn "absolut verständlich" findest, hätte vielleicht im "Recht" von Nordkorea Bestand.
Bei Geheimnisträgern oberer Stufen könnte eine ausländische Gattin aus einem nicht eng "befreundeten Land" vielleicht Konsequenzen verstärkter Durchleuchtung haben. Viel mehr aber nicht.
Es ist typisch, dass sich heute Unternehmer alles leisten zu können glauben, und dabei noch Verteidiger finden. Pfui.
a^2
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 13:09
von Mathias
aquadraht hat geschrieben:... Ein Passus, wie Du ihn "absolut verständlich" findest, hätte vielleicht im "Recht" von Nordkorea Bestand ...
Gut, da habe ich mich evtl. etwas ungenau ausgedrückt. Ich denke kaum, daß jemend per Arbeitsvertrag untersagt, z.B. eine chinesische Frau zu haben. Vielmehr wird bei solchen Unternehmen deutlich mehr Wert auf die Verschwiegenheit der Mitarbeiter gelegt.
aquadraht hat geschrieben:Bei Geheimnisträgern oberer Stufen könnte eine ausländische Gattin aus einem nicht eng "befreundeten Land" vielleicht Konsequenzen verstärkter Durchleuchtung haben. Viel mehr aber nicht.
Ich gehe davon aus, daß Herr B. bei eben dieser Sicherheitsüberprüfung durchgefallen ist. Die Firma Autoflug hat sich bei der Begründung der Kündigung wohl nur etwas ungeschickt angestellt. Oder hätten sie schreiben sollen: "Wie uns mitgeteilt wurde, hat die Überprüfung Ihrer e-mails und Auslandsgespräche Verstöße gegen die Verschwiegenheitspflicht ...". Das wäre dann ein Ding für den Datenschutzbeauftragten

Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 14:58
von ingo_001
Mathias hat geschrieben:Vielmehr wird bei solchen Unternehmen deutlich mehr Wert auf die Verschwiegenheit der Mitarbeiter gelegt.
Konsequenterweise sollten dann aber sämtliche Angestellten, die nen ausländischen Ehepartner haben "vorsorglich" gekündigt ... ahem ... "frei gesetzt" werden.
Im Bereich der Industriespionage gibts keine befreundeten Länder, sondern nur Konkurrenten.
Das hat auch schon der BND festgestellt u. in der Aufzählung der spionierenden Länder auch die USA genannt.
Ergo: Man ist da also sehr paranoid und/oder naiv, wenn man annimmt, dass die Amis dies bezügl. ne weisse Weste hätten.
Und, um dem Ganzen noch die Krone auf zu setzen: Ja, auch Deutschland mischt in dem Spiel fleissig mit.
Wer da was anderes sagt/denkt ist naiv oder lügt vorsätzlich.
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 16:02
von aquadraht
Mathias hat geschrieben:..
Ich weiss nicht, ob ich dieses vorauseilende "der Unternehmer hat immer recht, egal warum" überhaupt noch kommentieren soll. Da werden noch launig mit Smilies unterlegt Straftaten gegen den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte durch das Unternehmen vermutet und für gut befunden. Die markttotalitäre Gehirnwäsche seit dem Kohlregime scheint ja wirklich gut funktioniert zu haben. Menschenrechte sind kein Knüppel, den man anderen Ländern um die Ohren haut, ihre Achtung fängt im eigenen Land an.
a^2
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 17:18
von Mathias
aquadraht hat geschrieben:... Menschenrechte sind kein Knüppel, den man anderen Ländern um die Ohren haut, ihre Achtung fängt im eigenen Land an ...
Naja, ich würde die Latte hier etwas tiefer legen

(sorry für den Smiley, bin mit der Maus verrutscht)
Was wissen wir über die Geschichte?
- Herr B arbeitet in der Firma A, die im Bereich Geheimschutz besonders sensibel ist.
- Firma A wollte sich von Herrn B trennen und hat ihm deshalb gekündigt. Das ist unerfreulich, aber nicht unnormal.
- Herr B sagt, man hätte seine Ehe mit einer Chinesin als Kündigungsgrund genannt.
- Sein Anwalt behauptet das Gleiche.
- Die Gewerkschaft springt auf den Zug auf.
Was wir nicht wissen:
- Den wahren Kündigungsgrund.
- Was wirklich in der Kündigung steht.
Warten wir ab, bis wir mehr wissen ... wie schon gesagt, auf die Verhandlung darf man gespannt sein.
Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread
Verfasst: 30.07.2010, 17:34
von Bernhard
Mathias hat geschrieben:
Was wir nicht wissen:
- Den wahren Kündigungsgrund.
- Was wirklich in der Kündigung steht.
Richtig. Aber wir können lesen, was in der Zeitung steht:
Junge Welt hat geschrieben:
Nach Angaben der taz Nord habe man ihm mitgeteilt, er sei durch seine familiären Kontakte anfällig für »Anbahnungs- und Werbungsversuche chinesischer Nachrichtendienste«. Außerdem sei er erpreßbar, etwa indem die Geheimpolizei der Volksrepublik China seine Frau oder deren Tochter entführe. Die Chinesen könnten ihn so zwingen, militärisch relevante Informationen zu verraten.
(Hervorhebung von mir)
Nun weiß man natürlich nicht, ob die "Junge Welt" die Wahrheit sagt, noch, ob die taz Nord. Aber wenn, dann ist das eine bodenlose Frechheit.
Ich will hier nicht diskutieren, ob die Sorge des Unternehmens um seine Firmengeheimnisse berechtigt ist oder nicht. Aber jemand mit solch einer Begründung hinauswerfen bzw. ihm solche Dinge an den Kopf knallen, das ist ja wohl unter aller Kanone.
Erstens steht in unserem Kulturkreis die Loyalität zur eigenen Familie doch noch höher als zur Firma (auch wenn manche Firmen das gern anders sähen). Zweitens zeigt und propagiert die Firma hier in China-Bild, das in keinster Weise akzeptabel ist. Wenn die das wirklich glauben, sind sie dumm; wenn nicht, dann haben sie böse Absichten.
Und wie vorher schon angeklungen ist: Es sind bei weitem nicht nur nicht-westliche Länder, die eifrig Industriespionage betreiben. OK, hier geht es auch um militärische Geheimnisse. Dennoch kann ein Unternehmen nicht entscheiden, wen ihre Mitarbeiter heiraten dürfen und wen nicht. Dieser Wert steht doch noch höher als Firmen- oder Staatsinteressen.