Abendländer hat geschrieben:Als Grundlage für die Bestimmung der Rechtmäßigkeit von Ansprüchen betrachte ich nur die Ansässigkeit von Volksgruppen, die auch heute noch im Gebiet vorhanden sind, entweder sprachlich oder vom Selbstverständnis her.
Warum denn nur heute? Ist doch völlig willkürlich...warum nicht 2000 Jahre zurück oder vielleicht 200 Jahre in die Zukunft. JETZT einfach hergehen und sagen: Wir machen jetzt die Sprach- und Kulturgrenzen einfach fix, wie sie aktuell sind, ist völlig bar jeglicher Realität und unglaublich willkürlich.
Ich habe noch einmal in Wikipedia nachgesehen. In Xinjiang sind die Uiguren im Kerngebiet vor den Han-Chinesen gekommen. In Ost-Xinjiang ist es einleuchtend, daß schon sehr lange auch Han-Chinesen ansässig sind. Ich nehme mal an, als Minderheit, oder? Das sollte selbstverständlich in einer gerechten Sprach- und Volksgruppenpolitik seine Berücksichtigung finden!
a) Was ist das Kerngebiet von Xinjiang?
b) Wer oder was war vor den Uiguren, die aus der Mongolei dort eingewandert sind?
In durchmischten Gebieten wäre eine kreis- gemeinde- oder stadtbezogene Regelung aus meiner Sicht das sinnvollste, wie es in der Schweiz mancherorts gehandhabt wird. Zur Klärung der Amts- und Schulsprachenregelung müßten sich Vertreter der alteingesessenen Volksgruppen an einen Tisch setzen.
Super, dass dieser Ministaat Schweiz als Beispiel aus dem Hut gezaubert wird, wo sich die kulturellen, bevölkerungstechnischen und wirtschaftlichen Prämissen von Staaten wie China diametral unterscheiden. Es ist ein kleines Land mit einer wirklich kleinen Bevölkerung. Dass klappt da ganz gut mit dieser strikten Trennung! Aber wie will man so was bei 1,3 Mrd. Menschen umsetzen, mit 56 offiziellen Minderheiten (von inoffiziell über 300!)
Ich glaube nicht, daß die Verwendung einer Regionalsprache als Erstsprache für die Schüler ein Nachteil bedeutet. Eigentlich muß es Ziel der Politik sein, den Menschen in ihrer Heimat eine gute berufliche Zukunft zu bieten. Bei ausreichend Unterrichtsstunden und ggf. gutem, zweisprachigem Schulunterricht sind gute Putonghua-Kenntnisse gewiß gewährleistet.
Kaum ein Schweizer aus dem Raum Zürich ist in der Lage richtiges Standarddeutsch zu sprechen, da die dialektale Vorprägung einfach zu extrem ist. Und das obwohl das Schweizer-Deutsch und das Hochdeutsch sich wesentlich ähnlich sind. Würde sich jetzt das Schweizerdeutsch genauso von Hochdeutsch unterscheiden wie Turkisch von Mandarin-Chinesisch, dann wären fortan Deutsch-Schweizer fortan nur noch auf die Nordschweiz beschränkt, weil sie nicht im Geringsten in der Lage wären, sich in Deutschland vernünftig zu verständigen.
Es bedeutet ganz klar einen großen Nachteil, wenn als Erstsprache die Standardvarietät einer Regionalsprache gelehrt wird, die sich von der Hochsprache in sehr sehr vielen Dingen so arg unterscheidet, wie es aber in China nunmal der Fall ist.
P.S.: In ihrer Heimat eine gute berufliche Zukunft? Als was denn? Als Ziegenhirten? Denn die Wüste da im Norden Xinjiangs gibt nicht wirklich viel her. Daher bietet die chinesische Regierung diesen Menschen eine Chance, gute Arbeitsplätze auch außerhalb ihrer "Heimat" aufnehmen zu können. Voraussetzung dafür ist, dass diese Menschen das Putonghua beherrschen, da sie sonst außerhalb ihrer Heimat null Chancen auf eine Arbeit haben und daher ist Putonghua in Xinjiang als Erstsprache verpflichtend und absolut begrüßenswert, alleine aus Verantwortung für die Menschen dort heraus. Nichts spricht gegen den regionalen Dialekt als Zweitsprache, aber auf keinen Fall als Erstsprache! Man stelle sich das auf Deutschland angewandt vor...würde man überall den regionalen Dialekt als Erstsprache in den Schulen unterrichten, würde man Deutschland mittenrein und wieder zurück ins 17. Jhr. katapultieren.
Ich beherrsche nach 6 Jahren Englischunterricht und 3 - 5 Wochenstunden das Englische ziemlich gut.
So gut, wie deine Muttersprache? Und das muss man sich mal reinziehen...Englisch und Deutsch sind sich noch irgendwo hinsichtlich Grammatik, Schreiben, sogar der Aussprache in Teilen ähnlich...und trotzdem wirst du das Englisch wohl kaum auf Muttersprachenniveau beherrschen. Wie soll das ein Uigure, dessen eigentliche Sprache sich so extrem vom Standardchinesisch unterscheidet...in Schrift, Grammatik, Syntax, Morphologie und und und...wie soll so jemand in der Lage sein, jemals an eine chinesische Universität gehen zu können, um eine besser Ausbildung zu erhalten, um später einen besseren Job ergreifen zu können, wenn er dann nicht in der Lage ist, den chinesischesprachigen Unibetrieb genausogut und erfolgreich zu verfolgen, wie die Chinesen an sich, weil er sprachlich einfach nicht mitkommt?
Es muß Ziel der Politik sein, daß z. B. Tibeter im tibetischsprachigen Umfeld gute Arbeitsstellen bekommen.
Als was? Als Yak-Hirten? Super und ein zukunftsträchtiger Job. Nein, ich wiederhole es nochmal: Es ist gut, dass Tibeter in der Schule als Erstsprache Putonghua lernen und sich ihnen damit alle Möglichkeiten bieten, in ganz China studieren und arbeiten zu können und das sie irgendwelche besonderen Schwierigkeiten dabei zu überwinden hätte. Es hat an diesen Schwierigkeiten schon genug, da muss nicht auch noch eine sprachliche Barriere aus übertriebenen Konservismus künstlich aufgebaut werden.
Ich befürworte eher, die Volksgruppen eher zum Bleiben in der Heimat zu bewegen. Aber wer sich unbedingt im Han-Gebiet bewerben will, dem soll man es nicht verbieten. Damit meine ich nicht, daß man in der gleichen Stadt oder im gleichen Kreis bleiben soll. Jedes Volk und jede Sprachgemeinschaft hat ein Recht auf ein lebenswertes Leben auf dem Gebiet der Heimat mit einem Umfeld, wo die eigene Sprache vorherrschend ist.
Um Gottes Willen! "Jede Volksgruppe zum Bleiben..." Was ist an tausende Quadratkilometer Wüste oder Hochödland so lebenswert, dass du den Menschen Steine in den Weg legen willst, außerhalb ihrer Heimat ein besseres Leben führen zu können. Du machst solche Menschen zu den "Deutschtürken" Chinas. Ist das deine erstrebenswerte Welt? Glaubst du, die Tibeter und Uiguren wären damit glücklich? Ich kann es mir nicht vorstellen...