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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 09:15
von Mathias
Pinyin hat geschrieben:An eine Manipulation der Medien glaube ich nicht bzw. weiß ich nicht wer die Medien manipullieren sollte oder warum die Medien ein Interesse an der weitergabe falscher Informationen haben.
Eine bewußte Manipulation durch die Medien würde ich auch nicht unterstellen. Es ist oft ein Mix aus handwerklich schlechtem Journalismus (Agenturmeldungen werden z.B. einfach durchgereicht) und Quotenorientierung. Man muß sich einfach angewöhnen, die Infos der Medien zu werten.
Pinyin hat geschrieben:Hingegen möchte ich mich hier nicht einseitig auf die Seite der chinesischen Regierung stellen. Ich denke die Frage warum so viele Menschen sterben mussten (im Moment werden von 156 gesprochen), muss aufgeklärt werden. Normalerweise hat die Staatsmacht eine Vielzahl von Möglichkeiten, um Demonstrantionen aufzulösen.
Unterschwellig kann man immer die Vermutung herauslesen, daß die meisten Opfer durch den Polizeieinsatz zu Schaden kamen. Ich kenne solche Krawalle zum Glück nicht aus China, habe diese "Spielchen" aber schon in Afghanistan erlebt. Bevor Armee und Polizei am Ort des Geschehens sind, liegen die meisten Opfer schon gelyncht auf der Straße. Das Ganze hat dann auch seine Eigendynamik, wenn der Mob erst einmal in Stimmung ist, geht es nicht mehr um Politik oder Religion.
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 10:04
von Mathias
Hier mal eine aktuelle Meldung zum Thema:
Neue Unruhen nach Verhaftungswelle. Der Schreiberling des Focus kommt zu der Erkenntnis, "Die Uiguren hatten sich am Sonntag in der Provinzhauptstadt Urumqi Straßenschlachten mit der Polizei geliefert ...". Okay, nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig. Zum Ende des Artikels werden dann noch Amnesty International, Günter Nooke und weitere Bedenkenträger zitiert. Ergebnis der "Medienarbeit", gleich unter dem Artikel prangt ein Leserkommentar mit der Überschrift: "Verabscheuungswürdige Diktatur". Jaja! Das kommt von das!
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 10:59
von Hendrik
Coolchen hat geschrieben:
Keine Ahnung wie das so in China ist, aber wenn in Deutschland eine Demo nicht genehmigt oder angemeldet ist, wird diese auch aufgelöst und auch mit massivster Gewalt wenn es sein muss.
Dafür wird man in D-Land nicht gleich ins Gefängnis gesteckt, wenn man einen Antrag auf Genehmigung einer Demonstration bei der örtlichen Behörde abgibt. Und es passiert iun D-Land sogar manchmal, dass die Demonstration genehmigt wird, auch das ein Unterschied zu China.
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 12:57
von TaugeNix
Nur mal so zum Verständnis, ich enthalte mich sonst jeglicher Wertung:
Viele Chinesen vertreten die Ansicht, dass ein Land schon VOR dem Aufruhr befriedet werden muss.
Ein Land in Aufruhr kann man viel schwieriger befrieden.
Diese Meinung findet sich bei.. schätzungsweise.. allen Chinesen, mit denen ich darüber gesprochen habe (abgesehen davon haben Minderheiten hier eh keinen so guten Ruf, die Uiguren und Hui sowieso nicht, vergleichbar mit den Vorbehalten vieler Deutscher gegenüber Türken).
Gruß,
TaugeNix^sieht mit Schrecken ein zweites Schwarz-Weiß-Bilder Wettrennen auf sich zukommen..
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 13:23
von Mathias
TaugeNix hat geschrieben: ... abgesehen davon haben Minderheiten hier eh keinen so guten Ruf, die Uiguren und Hui sowieso nicht, vergleichbar mit den Vorbehalten vieler Deutscher gegenüber Türken ...
"Ethnische Diskriminierung" wurde ja schon als Auslöser genannt, ich nenne es ganz gewöhnlichen Rassismus. Für die meisten Deutschen mittlerweile unvorstellbar, aber Rassismus ist nunmal eine weit verbreitete, leider allzu menschliche Regung.
Übrigens rauscht es momentan im Blätterwald verständlicherweise gewaltig. Während "Die Zeit" sich mit Schlagzeilen wie
Pekings Büttel greifen sich vor allem Frauen blamiert, kann ich einen Artikel der NZZ (in gewohnt guter Qualität) empfehlen. Unter der Überschrift
Exzess ethnisch motivierter Gewalt im Nordwesten Chinas wird auch folgende These aufgestellt: "So gesehen mögen die blutigen Ausschreitungen vom Wochenende zu den ersten Kollateralschäden der chinesischen Wirtschaftskrise gehören."
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 14:25
von OlafSt
"Die Zeit" hat das Problem erkannt und den Titel inzwischen auf "Die Staatsmacht verhaftet vor allem Frauen" geändert.
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 14:42
von Mathias
OlafSt hat geschrieben:"Die Zeit" hat das Problem erkannt und den Titel inzwischen auf "Die Staatsmacht verhaftet vor allem Frauen" geändert.
Dann hätten sie auch gleich die Bildunterschrift zu dem Foto ändern können: "Aufgebrachte Demonstranten, darunter viele Frauen, in Ürümqi: Chinas Polizei geht mit aller Härte gegen sie vor". Ich sehe nur einen hysterischen Mob, der einen Uniformierten bedrängt.

Sorry, ich hab heute meinen Medienkritischen.
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 14:59
von devurandom
TaugeNix hat geschrieben:
.....
abgesehen davon haben Minderheiten hier eh keinen so guten Ruf, die Uiguren und Hui sowieso nicht, vergleichbar mit den Vorbehalten vieler Deutscher gegenüber Türken).
.....
Dieser Vergleich ist mir auch schon im Sinne gekommen. Im Allgemein gelten Uiguren als ungebildet, gewalttaetig und leben in archiaischen Familienstrukturen. Die Kinder sind schlecht in der Schule und sprechen mit seltsamer Akzent. Viele davon sind kriminell. Ich als Kind kannte Uiguren nur als die jenigen, die an Strassenrand Fleischspiesser verkauften oder sonst irgendwelchen koerperlichen Arbeiten nachgehen. Die Huis sind 'bisschen besser dran, aber allgemein gelten sie auch als gewalttaetig. Es gibt hier und da auch 'paar "Aushaengerschilder" als "Quoten-ahmed" in der Politik, Medien oder Sport. Insgesamt ist das Image und deren tatsaechliche Lage in der Tat aehnlich wie die Tuerken hierzulande, nur noch schlechter.
mathias hat geschrieben:"Ethnische Diskriminierung" wurde ja schon als Auslöser genannt, ich nenne es ganz gewöhnlichen Rassismus. Für die meisten Deutschen mittlerweile unvorstellbar
Das halte ich fuer eine sehr gewagte Behauptung:
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artike ... der-mittel" target="_blank
http://www.zeit.de/online/2008/26/rassismus-studie" target="_blank
Gruss
/dev/urandom
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 15:08
von trendylee
Wer sind eigentlich die 156 Tote... Sind das Han-Chinesen oder Uiguren?
Gibt es dazu schon Berichte?
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 15:31
von aquadraht
trendylee hat geschrieben:Wer sind eigentlich die 156 Tote... Sind das Han-Chinesen oder Uiguren?
Gibt es dazu schon Berichte?
Nach hiesigen Angaben über 100 Han, dazu Hui und Angehörige anderer Gruppen, und auch loyale Uighuren. Die Gewalttäter sind danach unter den Opfern extrem unterrepräsentiert, was gegen exzessive Polizeigewalt spricht.
Übel ist, dass sich das jetzt aufzuschaukeln scheint, mit Ausschreitungen von Han und anderen gegen Uighuren. Das läuft auf Kriegsrecht und Ausgangssperren hinaus.
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 15:31
von trendylee
Hast du einen Link? *selbernachlesenwill*

Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 15:40
von da hai
devurandom hat geschrieben:TaugeNix hat geschrieben:
.....
abgesehen davon haben Minderheiten hier eh keinen so guten Ruf, die Uiguren und Hui sowieso nicht, vergleichbar mit den Vorbehalten vieler Deutscher gegenüber Türken).
.....
Dieser Vergleich ist mir auch schon im Sinne gekommen. Im Allgemein gelten Uiguren als ungebildet, gewalttaetig und leben in archiaischen Familienstrukturen. Die Kinder sind schlecht in der Schule und sprechen mit seltsamer Akzent. Viele davon sind kriminell. Ich als Kind kannte Uiguren nur als die jenigen, die an Strassenrand Fleischspiesser verkauften oder sonst irgendwelchen koerperlichen Arbeiten nachgehen. Die Huis sind 'bisschen besser dran, aber allgemein gelten sie auch als gewalttaetig. Es gibt hier und da auch 'paar "Aushaengerschilder" als "Quoten-ahmed" in der Politik, Medien oder Sport. Insgesamt ist das Image und deren tatsaechliche Lage in der Tat aehnlich wie die Tuerken hierzulande, nur noch schlechter.
Allerdings muss man auch sagen, dass solche Vorbehalte nicht immer so ganz unbegründet sind. Folgende Statistiken, auf Deutschland bezogen, hatte ich schon mal in einem anderen Thread gepostet.
http://de.statista.com/statistik/daten/ ... gsgruppen/" target="_blank
http://de.statista.com/statistik/daten/ ... gsgruppen/" target="_blank
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 15:53
von Mathias
devurandom hat geschrieben: ... Das ( ... Rassismus. Für die meisten Deutschen mittlerweile unvorstellbar ... ) halte ich fuer eine sehr gewagte Behauptung ...
Du hast natürlich Recht, daß der Rassismus auch noch in einigen deutschen Köpfen herumgeistert. Ich wollte eigentlich darauf hinaus, daß mehr oder weniger stark ausgeprägter Rassismus in vielen Ländern, so auch in China, noch fast als "normale Einstellung" durchgeht.
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 16:36
von Laogai
TaugeNix hat geschrieben:Viele Chinesen vertreten die Ansicht, dass ein Land schon VOR dem Aufruhr befriedet werden muss.
Ein Land in Aufruhr kann man viel schwieriger befrieden.
Die Logik hinter dieser Aussage will sich mir so gar nicht erschließen. Entweder ist ein Land (eine Region) in Aufruhr, dann muss es/sie befriedet werden. Oder das Land/die Region ist nicht in Aufruhr, dann bedarf es auch keiner Befriedung.
Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang
Verfasst: 07.07.2009, 16:43
von TaugeNix
laogai hat geschrieben:TaugeNix hat geschrieben:Viele Chinesen vertreten die Ansicht, dass ein Land schon VOR dem Aufruhr befriedet werden muss.
Ein Land in Aufruhr kann man viel schwieriger befrieden.
Die Logik hinter dieser Aussage will sich mir so gar nicht erschließen. Entweder ist ein Land (eine Region) in Aufruhr, dann muss es/sie befriedet werden. Oder das Land/die Region ist nicht in Aufruhr, dann bedarf es auch keiner Befriedung.
Vielleicht schlecht übersetzt. Gemeint ist wohl, dass ein Land - wenn es sich erst einmal in Aufruhr befindet - schwer wieder zu befrieden ist. Jedenfalls schwerer als ein Land, dass durch eine vorsorgliche "Befriedung" (sprich "
Frieden stiftende bzw. erhaltende Behandlung") gar nicht erst in Aufruhr gelangt.
Capiche?
