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Verfasst: 22.08.2007, 04:04
von Sonnenschein
Mit der Genauigkeit des Deutschen läßt doch viel zu wünschen übrig.

anhalten
[1] etwas, jemanden anhalten (etwas zu tun): jemanden zu etwas ermahnen
[2] etwas, jemanden anhalten: etwas, jemanden zum Stillstand bringen, stoppen

Also das eine ist das Gegenteil vom anderen. Which one is which? Dabei lasse ich noch andere Bedeutungen von anhalten außer Acht der Einfachheit zuliebe. Verrückt verrückt! Man kann auch die Schweinekram der d. Sprache bei Sabastian Sick im Spiegel lesen. Also ich würde nicht weinen, wenn man D. abschaffte (Konjunktiv) was ja passieren kann. Heute benutzt man schon so viel Englisch in Deutschland. Englisch ist leicht und zugleich reichhaltig. Deutsch ist so kompliziert und plump -clumsy, braucht aber so viele Lehnwörter, um etwas präzis auszudrücken. Ich weiß dass Englisch sich aus vielen Sprachen zusammensetzt. Aber es hat die alten Sprachen nicht blind übernommen, sondern verbessert, so ist es besser geworden als Deutsch und Französisch, die zwei Hauptquellen der englischen Sprache.

Noch ein Beispiel, "antun" kann jm "schaden" bedeuten, aber auch "gefallen"! I give up. Oh nein, ich hänge meinen Kopf an den Nagel! Oder vielleicht soll ich den Kopf schützen und nur mein Handtuch werfen.

Verfasst: 22.08.2007, 05:45
von Dennis (CDS)
Ich glaube niemand hat dich gezwungen Deutsch zu lernen oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Ich habe dazu auch eine sehr bekannte englische Redewendung für dich: Love it or leave it! :roll:

Verfasst: 22.08.2007, 10:10
von chinavelo
Sonnenschein hat geschrieben:Mit der Genauigkeit des Deutschen läßt doch viel zu wünschen übrig.

anhalten
[1] etwas, jemanden anhalten (etwas zu tun): jemanden zu etwas ermahnen
[2] etwas, jemanden anhalten: etwas, jemanden zum Stillstand bringen, stoppen
Wenn Du nur die Bedeutung einzelner Wörter gegenüberstellst (wie in dem obigen Beispiel), dann ist es für einen deutsch Lernenden die Sprache wirklich schwierig. Im Satzzusammenhang allerdings wird die Bedeutung sofort klar.

- ich halte meinen Freund an (weitere grammatikalische Besonderheit: Vorsilbe und Stamm werden getrennt), chinesisch zu lernen - im Sinne von auffordern chinesisch zu lernen
- ich halte mein Auto an der nächsten Kreuzung an - es zum Stehen zu bringen (weil ich auf die Vorfahrtsregel achten muß)


Dann gibt es im Deutschen Substantive, die eine verschiedene Bedeutung haben, auch wenn es sich um denselben Artikel handelt.

- das Gericht ( der Ort, an dem Recht gesprochen wird)
- das Gericht ( das Essen auf dem Teller)


Es gibt auch noch identische Substantive, die unterschiedliche Artikel und dementsprechend verschiedene Bedeutungen haben.

- die See ( das Meer, der Ozean)
- der See ( Gewässer, das vollständig von einer Landfläche umgeben ist)


Eine weitere Schwierigkeit ( nicht nur für Ausländer sondern auch für Deutsche) ist die richtige Zeichensetzung. Obwohl es durch die Rechtschreibreform zur Vereinfachung gekommen ist, gibt es auch hier Problemfälle. Ich denke allerdings, daß wir dieses Thema momentan nicht allzusehr vertiefen sollten, weil diese Materie sehr kompliziert sein kann.

Bernd

Verfasst: 22.08.2007, 10:38
von no1gizmo
Sonnenschein hat geschrieben:Mit der Genauigkeit des Deutschen läßt doch viel zu wünschen übrig.

anhalten
[1] etwas, jemanden anhalten (etwas zu tun): jemanden zu etwas ermahnen
[2] etwas, jemanden anhalten: etwas, jemanden zum Stillstand bringen, stoppen
Die Aussage st falsch, die Genauigkeit leidet keineswegs durch [1] oder [2].

[1]: "Er wurde von seiner Mutter angehalten nicht mehr darüber zu reden"
[2]: "Er wurde von seiner Mutter beim Fahrradfahren angehalten, da er zu schnell gefahren ist"

Niemand wird hier irgendwas missverstehen oder verwechseln. Man kann [1] auch nicht so ohne weiteres verwenden, es muss in einer bestimmten Satzstellung geschehen.

Es mag auch sein, dass es im Deutschen irgendwo was gibt, was eine Aussage ungenau machen kann, dennoch ist erwiesen, dass Deutsch eine der geeignesten Wissenschaftssprachen ist.

Verfasst: 22.08.2007, 11:02
von chinavelo
no1gizmo hat geschrieben: Es mag auch sein, dass es im Deutschen irgendwo was gibt, was eine Aussage ungenau machen kann, dennoch ist erwiesen, dass Deutsch eine der geeignesten Wissenschaftssprachen ist.
Was im Deutschen allerdings sehr interpretationsfähig ist ( in allen anderen Sprachen aber bestimmt auch), sind Gesetzestexte. Aus diesem Grunde gibt es zu jedem Gesetz mindestens einen aber meist mehrere Kommentare, die von Rechtsgelehrten verfasst werden. Ein Jura-Student befasst sich während seines Studiums mehr mit diesen Kommentaren als mit den Gesetzestexten. Die Kommentare können mitunter in einzelnen Paragraphen unterschiedlich sein, je nach dem welche Rechtsposition der Verfasser vertritt.

Im Übrigen denke ich, daß Deutsch eine sehr präzise Sprache ist und man mit ihr alles nur erdenkliche detailliert beschreiben kann, was gerade im Wissenschaftsbereich von großem Vorteil ist. Aber um die Sprache korrekt anwenden zu können, benötigt man ein sehr gutes Sprachgefühl - und wer hat das schon?

Bernd

Re: Könnte Chinese chineisisch ohne Problem schreiben?

Verfasst: 22.08.2007, 12:00
von devurandom
no1gizmo hat geschrieben:
devurandom hat geschrieben: Einige Zeit nachdem ich hier in D. ankam, habe ich angefangen, mehr oder weniger absichtlich Kontakte mit anderen Chinesen zu meiden, weil mich persoenlich einfach ankotzt, wie viele andere Chinesen permanent nur mit Landsleuten zusammenhocken und sich weigern, sich die Kultur u. Sprachen von dem Land, in dem sie leben, zu naehern. Daher habe ich die Chinesische Sprache in den Jahren nur sehr selten gebraucht. Nun muss ich doch zugeben, dass ich Probleme mit der Sprache habe. "Free hand" Schreiben schaffe ich oft nicht mehr ohne Hilfe eines Eingabeprogramms. Sprechen tue ich manchmal auch stotternd. Lesen (auch Altchinesisch) jedoch nach wie vor ohne jegliche Probleme.
Bist du eigentlich wirklich ein Chinese? Du bist die größte Ungereihmtheit, die mir unter Chinesen je begegnet ist.

Wenn ich dich hier nicht kennen würde, könnte ich mit gutem Gewissen weiterhin Chinesen pauschalisieren....
tja, Menschen sind halt verschieden. Ich waerre an deiner Stelle jedenfalls vorsichtig, ueber 1.Milliarde Menschen ohne schlechtes Gewissen in einen Topf zu werfen. (gibt es so grosse Toepfe ueberhaupt? ;-))

Du allerdings bestaetigt in meinen Augen einige hartnaeckigen Klischees ueber jugendlichen Autonarren und (zukuenftige) Wirtschaftsstudenten..... ;-)

Mach Dir mal keine Sorgen, bin waschecht 100% made in China und auch dort gross geworden. :-D

Gruss
/dev/urandom

Verfasst: 22.08.2007, 12:47
von Linnea
no1gizmo hat geschrieben: Die Grammatik? Meiner Meinung nach ja, ein Indiz der Schwierigkeit einer Sprache. Eine ausgefeilte Grammatik kann eine Sprache auch sehr genau machen, mit präziser Aussage. Aber wenn ich z.B. Russisch lerne, habe ich erstmal viel heftigere Probleme als bei Chinesisch, wo ich nur Wörter an einanderreihen muss.
Erstmal vielleicht schon, aber dann wird die russische Grammatik eigentlich relativ einfach. Was die Ausnahmen angeht, lohnt es sich parallel Altkirchenslawisch zu lernen, dann sind viele der Ausnahmen einfach nur Abwandlungen, die man bereits erlernt (und im AKS auch verstanden) hat. Aber von "toten" Sprachen wird hier im Forum wie auch anderswo ja nicht so viel gehalten...
no1gizmo hat geschrieben: Das, was eine Sprache aber am schwierigsten macht, sind Ausnahmen in der Grammatik (Konjugation->unregelmäßige verben, Fallanwendung usw.), ich glaub da ist Polnisch die heftigste Sprache.... Dass Ausnahmen aber auffällig schwierig sind, setzt aber auch eine umfangreiche Grammatik voraus...
Nenn mal ein paar Beispiele, gerne auch im Vergleich zum Russischen.

Verfasst: 22.08.2007, 13:13
von chinavelo
no1gizmo hat geschrieben: Deutsche Analphabeten müssen folgende "Zeichen" lernen:

abcdefghijklmnopqrstuvw äöü ß ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVW
Die Lehrerin in der 1.Klasse würde jetzt zu dem Schüler sagen: sehr schön gemacht, aber wir sind noch nicht fertigt. Die "wichtigsten" Buchstaben hast du aber vergessen.

xyz XYZ

Bernd

Verfasst: 22.08.2007, 13:38
von no1gizmo
devurandom hat geschrieben: Du allerdings bestaetigt in meinen Augen einige hartnaeckigen Klischees ueber jugendlichen Autonarren und (zukuenftige) Wirtschaftsstudenten..... ;-)
Meinst du echt? Geil. Das wertet meinen Tag heute echt auf.
Linnea hat geschrieben:Aber von "toten" Sprachen wird hier im Forum wie auch anderswo ja nicht so viel gehalten...
Ja kein Wunder, was will man mit Altgriechisch und Latein noch anfangen...
Linnea hat geschrieben:
no1gizmo hat geschrieben: Das, was eine Sprache aber am schwierigsten macht, sind Ausnahmen in der Grammatik (Konjugation->unregelmäßige verben, Fallanwendung usw.), ich glaub da ist Polnisch die heftigste Sprache.... Dass Ausnahmen aber auffällig schwierig sind, setzt aber auch eine umfangreiche Grammatik voraus...
Nenn mal ein paar Beispiele, gerne auch im Vergleich zum Russischen.
Das übersteigt meine Kompetenzen....

Im Spanischen gibt es aber z.B. strikte Regeln wie Zeitformen auszusehen haben, wann sie zu verwenden sind und wie Verben zu formen sind, diese Regeln sind immer zu 80-95% einzuhalten, und dann kommen die Ausnahmen... das nervt und macht die Sache schwieriger (im Gesamten ist Spanisch aber nicht sooo schwierig).
chinavelo hat geschrieben: Die Lehrerin in der 1.Klasse würde jetzt zu dem Schüler sagen: sehr schön gemacht, aber wir sind noch nicht fertigt. Die "wichtigsten" Buchstaben hast du aber vergessen.

xyz XYZ
Ja genau sowas macht mir immer Angst, ich höre mittendrin immer auf zu denken...aus solchen Gründen muss ich meine Beiträge auch immer 5 mal editieren und ohne Debugger läuft bei mir nichts... sowas wie Chirurg könnte ich nie werden. Zum Glück werden xyz jedoch eher nur in der Algebra gebraucht und weniger in Texten, rechtfertigt aber sicher nicht mein Blackout.

Verfasst: 22.08.2007, 13:53
von chinavelo
no1gizmo hat geschrieben: Ja kein Wunder, was will man mit Altgriechisch und Latein noch anfangen...
Das hat sich sicherlich auch der kleine Joseph aus Marktl am Inn gefragt, als er Latain pauken mußte. Ja und heute ist er froh darüber, daß er in seiner Jugend so fleißig war.

Bernd

Verfasst: 22.08.2007, 13:59
von Dennis (CDS)
Ich stell mir den kleinen Joseph aus Marktl am Inn gerade in der 3. Klasse vor, als er einen Aufsatz über seine zukünftigen Berufswunsch schreiben muss.

Berufswunsch: Papst?!

Damals war die Jungend noch ordentlich. :lol:

Verfasst: 22.08.2007, 14:01
von OldChina
Ich habe auch 7 Jahre lang in der Schule Latein gelernt - und habe heute, ein ganzes Jahr später, wieder alles vergessen. Schade.... (Ironie).

Na gut, liegt vielleicht auch daran, dass mir Latein nicht sonderlich Spaß gemacht hat und dass ich so der so nicht der Beste war.

Verfasst: 22.08.2007, 14:05
von Linnea
no1gizmo hat geschrieben:Eben, nahezu das gleiche, also das kann nicht dein ernst sein die Einzelsilben mit einer Anzahl von X (x =?; x > 500) mit Buchstaben zu vergleichen, welche auch noch wesentlich komplexer als Buchstaben sind.
Dass dieser Vergleich für Buchstaben nicht ganz stimmt, das mag richtig sein, deswegen habe ich meine Aussage ja auch auf Phoneme (oder wegen mir nenn es Silbe) verschoben. Unter anderem ist das auch deshalb sinnvoll, weil man als Sprachlerner für gewöhnlich nicht l-a-u-f-e-n sondern lauf-[en] oder lau-fen lernt.
Denn zwischen laufen, raufen, saufen und 精 睛 菁 sind die Unterschiede auf gleicher Ebene, also in einem Radikal/Buchstaben anzutreffen.
no1gizmo hat geschrieben: Ja kein Wunder, was will man mit Altgriechisch und Latein noch anfangen...
Eine ganze Menge. Latein erleichtert das Fremdsprachen erlernen was europäische Sprachen anbelangt schon gewaltig. Darüber hinaus sind sind viele philosophische Werke, die Grundlagen zu unsrer Kultur legen, in Latein oder Altgriechisch verfasst - ich würde das Erlernen dieser Sprachen deshalb unter Bildung verbuchen.
no1gizmo hat geschrieben:
Linnea hat geschrieben:
no1gizmo hat geschrieben: Das, was eine Sprache aber am schwierigsten macht, sind Ausnahmen in der Grammatik (Konjugation->unregelmäßige verben, Fallanwendung usw.), ich glaub da ist Polnisch die heftigste Sprache.... Dass Ausnahmen aber auffällig schwierig sind, setzt aber auch eine umfangreiche Grammatik voraus...
Nenn mal ein paar Beispiele, gerne auch im Vergleich zum Russischen.
Das übersteigt meine Kompetenzen.....
Dann warten wir darauf, dass hier noch jemand auftaucht, der Polnisch gelernt hat und nehmen es mal solange ebenfalls von der Liste...

Verfasst: 22.08.2007, 14:16
von no1gizmo
Jo, wer Theologie studieren will, muss sich noch Latein und Altgriechisch reinziehen.

Latein ist sonst ja nur in der Medizin gebräuchlich und in Geschichtskunde.

Manche Leute behaupten auch mit Latein kann man romanische Sprachen besser lernen... das kann man aber genauso gut mit einer lebendigen romanischen Sprache.

Verfasst: 22.08.2007, 14:20
von no1gizmo
Latein hilft dir nur bei romanischen Sprachen weiter, vielleicht auch ein bissel bei germanischen und slavischen Sprachen, aber dafür eine ganze tote Sprache lernen? Lerne Spanisch, dann kannst du genauso gut andere romanische Sprachen lernen..
Linnea hat geschrieben:
no1gizmo hat geschrieben:Eben, nahezu das gleiche, also das kann nicht dein ernst sein die Einzelsilben mit einer Anzahl von X (x =?; x > 500) mit Buchstaben zu vergleichen, welche auch noch wesentlich komplexer als Buchstaben sind.
Dass dieser Vergleich für Buchstaben nicht ganz stimmt, das mag richtig sein, deswegen habe ich meine Aussage ja auch auf Phoneme (oder wegen mir nenn es Silbe) verschoben. Unter anderem ist das auch deshalb sinnvoll, weil man als Sprachlerner für gewöhnlich nicht l-a-u-f-e-n sondern lauf-[en] oder lau-fen lernt.
Denn zwischen laufen, raufen, saufen und 精 睛 菁 sind die Unterschiede auf gleicher Ebene, also in einem Radikal/Buchstaben anzutreffen.
Tja, blos während man beim Chinesischen auf das Erlernen der Silben angewiesen ist, können wir unsere Silben wie lauf-en wiederum in Buchstaben zerlegen.

Wie schreit man 精 ? Wenn man es vergessen hat, keine Chance. Aber da ich weiß, wie man "lauf" spricht, kann ich es mir den vier buchstaben l a u f wieder rekonstruieren. Klingelts?