Re: Reizthema: Strassenverkehr in China
Verfasst: 15.05.2012, 09:28
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Kommt auf den Einzelfall an. Ich meinte ganz spezifische Teile von Zhongshan wo wirklich nicht viel Verkehr ist. Da sind diese Ampeln mehr als überflüssig. Wo viel Verkehr ist geht es nicht ohne Ampeln, das ist klar. Nur warum mußten die Zähler entfernt werden?Der neue Waiguoren hat geschrieben:Ja, nur kommen mehr und mehr Ampeln hinzu, da es sonst zu verkehrsreichen Zeiten kein Durchkommen mehr gibt.
Ich persönlich finde Kreisverkehr eine super Lösung. Hier in Spanien funktionieren sie wunderbar. Klar, wenn absolut kein Verkehr weit und breit ist kommt es schon mal vor dass man abkürzt, sowie man auch mal Kurven nicht ausfährt sondern kurz auf die Gegenspur kommt. Aber ich bin hier schon tausende von Kilometern durch die Gegend gefahren und habe nicht einmal in einem Kreisverkehr einen Zusammenstoß gesehen. 1000mal besser als Ampeln finde ich. Da könnte sich Deutschland ein Beispiel nehmen. Ist natürlich auch eine Frage der Verkehrsdichte. In der Innenstadt sind Ampeln wohl besser, aber in kleineren Orten oder am Stadtrand ist das die beste Lösung. Wie gesagt, es kommt eben immer auf die Situation und den Ort an.Das ist jedenfalls besser als Kreisverkehre, da die gerne mal in die falsche Richtung genommen werden, um sich 3 Meter zu sparen.
Alles sehr gut erfasst, aber eines hast Du vergessen.laogai hat geschrieben:Das hast du prima zusammen gefasst! Jetzt musst du nur noch das "Verständnis elementarer Zusammenhänge" verstehen
Die haben nämlich sehr viel mit Erfahrung zu tun! Und diese Erfahrung gibt es in China (noch) nicht. Denn wie du selbst sehr treffend schreibst:da hai hat geschrieben:Diese Zeit haben die Chinesen aber gar nicht erlebt
Ich denke, hier hast Du recht.Stephan1975 hat geschrieben:Ich finde, dass ein weiteres Problem in China der Egoismus ist. Hier gilt immer das ICH. somit will man immer schneller und eher an etwas vorbeikommen.
Dieter Nuhr, sag ich da bloss. Indien hat mehr Verkehrsunfälle und mehr Verkehrstote als China, trotz viel weniger Autos. Wobei das "trotz" auch nicht ganz zutrifft. Wo fast alle gepanzert fahren, die Fahrräder, Dreiräder, Pferde- und Eselgespanne, Ochsenkarren, Handwagen etc. aus dem Verkehr verschwunden sind, gibt es weniger weiche Ziele und damit weniger Opfer. Insofern ist es auch kein Wunder. Mit steigender Motorisierung ist nicht mit monoton steigender Verkehrsopferzahl zu rechnen. Andererseits finde ich die hier schon hysterisch gescholtene chinesische Fahrweise so schrecklich nicht. Die in Indien ist unberechenbarer. Mein Eindruck ist, dass die, die hier über Chinas Verkehr geifern, nie in Indien, Indonesien oder in afrikanischen Ländern waren. Klar, in Niederbayern oder im Sauerland geht's ordentlicher zu.asiaxxxpat hat geschrieben:Ich moechte mir auch nicht vorstellen wollen, dass Indien ploetzlich 100 Mio Autos hat, die wuerden China wahrscheinlich in den Unfallstatistiken ueberholen...incues hat geschrieben:Na, ob man da noch von Straßen sprechen kann!? Manche haben ja maximal die Beschaffenheit eines Feldweges (weshalb jedoch nicht langsamer gefahren wird)asiaxxxpat hat geschrieben:Da sind indische Strassen noch fast besser.
Die Anzahl der Einwohner ist aber gar kein vernünftiger Maßstab, im Gegensatz zur Anzahl der Fahrzeuge. In den ländlichen Regionen, wo immer noch 50 Prozent der Bevölkerung leben, gibt es bspw. vergleichsweise wenig oder fast keine PKWs und damit eine wesentlich geringere Verkehrsdichte. Des Weiteren ist auch ein Vergleich mit den Zahlen von 1970 völlig ungeeignet, weil sich die Fahrzeugsicherheit deutlich verbessert hat.aquadraht hat geschrieben: Dass hier niemand rechnen kann oder will, fällt auch auf. 5000 Verkehrstote bei 80 Millionen Einwohnern sind nicht so viel weniger als 90.000 bei 1,35 Milliarden. Das entspricht 84.375 Verkehrstoten, wenn China die deutschen Zahlen hätte. Hätte China die Verkehrsopfer der BRD von 1970, wären das 513.600 Tote im Jahr.
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Klar, was einem nicht in den Kram passt, ist nie ein passender Massstabda hai hat geschrieben:Die Anzahl der Einwohner ist aber gar kein vernünftiger Maßstab, im Gegensatz zur Anzahl der Fahrzeuge. In den ländlichen Regionen, wo immer noch 50 Prozent der Bevölkerung leben, gibt es bspw. vergleichsweise wenig oder fast keine PKWs und damit eine wesentlich geringere Verkehrsdichte. Des Weiteren ist auch ein Vergleich mit den Zahlen von 1970 völlig ungeeignet, weil sich die Fahrzeugsicherheit deutlich verbessert hat.aquadraht hat geschrieben: Dass hier niemand rechnen kann oder will, fällt auch auf. 5000 Verkehrstote bei 80 Millionen Einwohnern sind nicht so viel weniger als 90.000 bei 1,35 Milliarden. Das entspricht 84.375 Verkehrstoten, wenn China die deutschen Zahlen hätte. Hätte China die Verkehrsopfer der BRD von 1970, wären das 513.600 Tote im Jahr.
Die überwiegende Anzahl an Verkehrstoten in China sind nicht Autofahrer, sondern Fußgänger und Zweiradfahrer (mit und ohne Motor). Und die werden selten von rücksichtslosen Autofahrern übergemäht, sondern rennen/fahren meist selbst in ihr Verderben. Das sieht man auch recht deutlich in den vielen CCTV-Videos, die im Internet kursieren. Wenn chinesische Autofahrer wirklich alle wie die Henker fahren würden müssten die chinesischen Autos eher aussehen wie ihre italienischen/spanischen/französischen Kollegen: nämlich mit Beulen übersät.da hai hat geschrieben:Des Weiteren ist auch ein Vergleich mit den Zahlen von 1970 völlig ungeeignet, weil sich die Fahrzeugsicherheit deutlich verbessert hat.
Zur Verteilung der Einwohner in Stadt und Land (2010) hier der Link zu statista.aquadraht hat geschrieben:Klar, was einem nicht in den Kram passt, ist nie ein passender Massstabda hai hat geschrieben:Die Anzahl der Einwohner ist aber gar kein vernünftiger Maßstab, im Gegensatz zur Anzahl der Fahrzeuge. In den ländlichen Regionen, wo immer noch 50 Prozent der Bevölkerung leben, gibt es bspw. vergleichsweise wenig oder fast keine PKWs und damit eine wesentlich geringere Verkehrsdichte. Des Weiteren ist auch ein Vergleich mit den Zahlen von 1970 völlig ungeeignet, weil sich die Fahrzeugsicherheit deutlich verbessert hat.aquadraht hat geschrieben: Dass hier niemand rechnen kann oder will, fällt auch auf. 5000 Verkehrstote bei 80 Millionen Einwohnern sind nicht so viel weniger als 90.000 bei 1,35 Milliarden. Das entspricht 84.375 Verkehrstoten, wenn China die deutschen Zahlen hätte. Hätte China die Verkehrsopfer der BRD von 1970, wären das 513.600 Tote im Jahr.. Auch 1970 waren über die Hälfte der Unfallopfer keine Insassen von Autos. Insofern ist das mit der Fahrzeugsicherheit eine lahme Ausrede. Und auf dem Land gibt es auch die grössten Risiken, wie unbeleuchtete Fuhrwerke, Fahrräder und Fussgänger bei Nacht, alkoholisierte Fahrer mit langen Wegen nach Hause und vieles mehr. Abgesehen davon, dass da nicht mehr 50% der Bevölkerung leben. Aber tödliche Unfälle sind in etwa in Beijing mit seinen breiten beleuchteten Boulevards mit Über- und Unterführungen für Fussgänger, autobahnähnlichen Zubringerstrassen etc. weniger wahrscheinlich als auf dem Land.
Ich stimme denen zu, die den Strassenverkehr in China für chaotische und einen grossen Teil der Fahrer für zumindest nur sehr bedingt qualifiziert halten. Ich sehe aber nicht, dass es schlimmer ist als in anderen Entwicklungsländern, eher im Gegenteil. Die hier in Pauschalurteilen schwelgen, lassen ständig belastbare Daten vermissen.
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Genau richtig.aquadraht hat geschrieben: Klar, was einem nicht in den Kram passt, ist nie ein passender Massstab.
Auch bei der Fußgängersicherheit hat sich (lange nicht genug, aber) im Vergleich zu 1970 sehr viel getan.aquadraht hat geschrieben: Auch 1970 waren über die Hälfte der Unfallopfer keine Insassen von Autos. Insofern ist das mit der Fahrzeugsicherheit eine lahme Ausrede.
Das mag ich aber arg bezweifeln. Auf dem Land (gerade in China, wo Straßen nicht so gepflegt, teilweise unbefestigt sind) fahren die Leute schon vorsichtiger.aquadraht hat geschrieben: Und auf dem Land gibt es auch die grössten Risiken, wie unbeleuchtete Fuhrwerke, Fahrräder und Fussgänger bei Nacht, alkoholisierte Fahrer mit langen Wegen nach Hause und vieles mehr. Abgesehen davon, dass da nicht mehr 50% der Bevölkerung leben.
Aber tödliche Unfälle sind in etwa in Beijing mit seinen breiten beleuchteten Boulevards mit Über- und Unterführungen für Fussgänger, autobahnähnlichen Zubringerstrassen etc. weniger wahrscheinlich als auf dem Land.
Dem stimme ich zu. Indien und Bangladesch sind sicherlich schlimmer, interessieren aber nicht.aquadraht hat geschrieben: Ich stimme denen zu, die den Strassenverkehr in China für chaotische und einen grossen Teil der Fahrer für zumindest nur sehr bedingt qualifiziert halten. Ich sehe aber nicht, dass es schlimmer ist als in anderen Entwicklungsländern, eher im Gegenteil.
Ich finde nicht, dass die Chinesen in der Stadt bzw. im Stadtbereich langsamer fahren als die Deutschen. Mit 50 km/h gegen eine Wand oder ein anderes Auto und der Sicherheitsgurt bestimmt über Leben und Tod.laogai hat geschrieben: Daher nochmal zum Punkt "Erfahrung": Es reicht einfach nicht aus, wenn alle Autofahrer sich anschnallen (bei der recht geringen durchschnittlichen Geschwindigkeit in China würde das allenfalls ein paar Platzwunden weniger bedeuten). Die ganze am Verkehr teilnehmende Bevölkerung muss sich an die neue automobile Situation "gewöhnen"
Ich denke der Hauptgrund der Zunahme von Verkehrstoten in der ehemaligen DDR war, dass es wesentlich mehr Fahrzeuge gab und dadurch die Verkehrsdichte und Motorisierung stark anstiegen. Anstieg Anzahl Pkw --> Anstieg Unfälle --> Anstieg Verletzte und Tote. 1991 wechselten 2 Mio. Autos in Ostdeutschland den Besitzer, wovon 700.000 Neufahrzeuge angemeldet wurden. Davor gab es insgesamt mal gerade 3,7 Mio. Pkw. Wie ich schon zu a^2 geschrieben habe, spielen eine Menge Faktoren eine Rolle. Das Anschnallen (in China) ist auch nur ein kleiner Aspekt von vielen. Das der Gurt den Autofahrer bzw. die Insassen schützt willst du doch wohl nicht bestreiten - auch bei "nur" 30 km/h. Und genau darum gings doch. Insgesamt wären aber aussagefähige Statistiken wichtig und nicht nur Annahmen und Ableitungen auf Basis von Videos. Natürlich hast du auch recht, dass sich eine Bevölkerung an die Situation gewöhnen muss. Klar hat der Verkehr in China stetig zugenommen. Es ist aber nicht so, dass dieser Zustand ganz plötzlich über die Chinesen gekommen ist. Das ist ja, im Gegensatz zu Ostdeutschland, auch ein stetiger Prozess gewesen. Und dieser hat nicht erst vor zwei Jahren eingesetzt. Als ich Ende der 90er zum, ersten Mal in China war, fand ich es, als Berliner, auch nicht gerade leer. Klar, überhaupt kein Verleich zu heute aber weit weg von Zuständen Ende der 80er in der DDR.laogai hat geschrieben:Die überwiegende Anzahl an Verkehrstoten in China sind nicht Autofahrer, sondern Fußgänger und Zweiradfahrer (mit und ohne Motor). Und die werden selten von rücksichtslosen Autofahrern übergemäht, sondern rennen/fahren meist selbst in ihr Verderben. Das sieht man auch recht deutlich in den vielen CCTV-Videos, die im Internet kursieren. Wenn chinesische Autofahrer wirklich alle wie die Henker fahren würden müssten die chinesischen Autos eher aussehen wie ihre italienischen/spanischen/französischen Kollegen: nämlich mit Beulen übersät.da hai hat geschrieben:Des Weiteren ist auch ein Vergleich mit den Zahlen von 1970 völlig ungeeignet, weil sich die Fahrzeugsicherheit deutlich verbessert hat.
Daher nochmal zum Punkt "Erfahrung": Es reicht einfach nicht aus, wenn alle Autofahrer sich anschnallen (bei der recht geringen durchschnittlichen Geschwindigkeit in China würde das allenfalls ein paar Platzwunden weniger bedeuten). Die ganze am Verkehr teilnehmende Bevölkerung muss sich an die neue automobile Situation "gewöhnen"!
Kleines Beispiel: Nach der Wende in Deutschland kam es zu einem Anstieg an Verkehrsopfern in der ehemaligen DDR. Von 1989 bis 1992 hatte sich die Zahl der Verkehrstoten fast verdoppelt! Warum? Weil plötzlich Autos über die Straßen rauschten, die nicht wie ein Trabi oder Wartburg schon aus drei Kilometer Entfernung zu hören waren. Und weil Westkutschen ein paar mehr PS unter der Haube haben als ihre sozialistischen Brüder und Schwestern, ergo pfeilschnell. Was sollen wir den Bürgern in den Neufünfländern dafür unterstellen? Dummheit?
Was wäre denn ein "korrekter Maßstab"? x Autos per y Einwohner? Das berücksichtigt aber nicht die durchschnittlich geleisteten Fahrkilometer pro Auto. Und wie viele Insassen es durchschnittlich befördert hat. Und..no1gizmo hat geschrieben:Genau richtig.aquadraht hat geschrieben:Klar, was einem nicht in den Kram passt, ist nie ein passender Massstab.
Und die Bevölkerungszahl ist dennoch kein korrekter Maßstab.
Doch, durchschnittlich wird in China langsamer gefahren als in Deutschland! Denn für schnellere Geschwindigkeiten sind die meisten Straßen gar nicht ausgelegt.no1gizmo hat geschrieben:Ich finde nicht, dass die Chinesen in der Stadt bzw. im Stadtbereich langsamer fahren als die Deutschen. Mit 50 km/h gegen eine Wand oder ein anderes Auto und der Sicherheitsgurt bestimmt über Leben und Tod.
Guter Punkt! Also her damitda hai hat geschrieben:Insgesamt wären aber aussagefähige Statistiken wichtig und nicht nur Annahmen und Ableitungen auf Basis von Videos.
Eine Kombination der Maßstäbe wäre wohl richtig. Ich kann da aber auch keinen guten Maßstab nennen, aber Einwohnerzahl ist falsch. Sonst sollte der Kongo eine vorbildliche Autofahrernation sein, gibt nämlich bestimmt kaum Autounfälle pro Einwohner dort!laogai hat geschrieben:Was wäre denn ein "korrekter Maßstab"? x Autos per y Einwohner? Das berücksichtigt aber nicht die durchschnittlich geleisteten Fahrkilometer pro Auto. Und wie viele Insassen es durchschnittlich befördert hat. Und..no1gizmo hat geschrieben:Genau richtig.aquadraht hat geschrieben:Klar, was einem nicht in den Kram passt, ist nie ein passender Massstab.
Und die Bevölkerungszahl ist dennoch kein korrekter Maßstab.
Du siehst, jeder Maßstab hinkt. Entweder vorne oder hinten.
Natürlich wird in D durchschinttlich (!) langsamer gefahren, dafür sorge ich schon, wenn ich über 200 km/h auf der German Autobahn unterwegs bin und die Chinesen, wenn sie im Stau stehen.laogai hat geschrieben:Doch, durchschnittlich wird in China langsamer gefahren als in Deutschland! Denn für schnellere Geschwindigkeiten sind die meisten Straßen gar nicht ausgelegt.no1gizmo hat geschrieben:Ich finde nicht, dass die Chinesen in der Stadt bzw. im Stadtbereich langsamer fahren als die Deutschen. Mit 50 km/h gegen eine Wand oder ein anderes Auto und der Sicherheitsgurt bestimmt über Leben und Tod.