Grufti hat geschrieben:kusti hat geschrieben:In dieser Sendung war die Frage eigentlich ziemlich objektiv beantwortet worden... (das ist ein
subjectives Statement von mir!

)
Es ist nur sehr schade, daß man diese Sendung nicht einem Publikum von Chinesen von beiden Seiten der Formosa-Straße zur Diskussion stellen kann....
In dieser Sendung wurde gesagt, daß die Bevölkerung in Taiwan inzwischen so selbstbewußt geworden ist, daß sie sich keinenfalls einem totalitären System unterordnen will.
WIE stellt stellst Du Dir denn das vor... eine inzwischen echte Demokratie ..unte einem totalitären Einheitsparteien-Staat ???
Das Beispiel "Hongkong" kann ja nicht zählen, denn die "Demokratie" wurde, meinem bescheidenen Wissens nach, erst kurz vor dem Abzug der Briten eingerichtet...
------> Arte kann ich leider seit ein paar Wochen in der Schweiz nicht mehr empfangen. Irgendwie kommt immer ein KIKA(Kinderkanal). Arte ist der beste Kultursender Europas. Zum verzweifeln.
Ich vergesse bei meinen Posts immer die Smileys. Was ich gesagt habe war mehr zynisch gemeint.
Der Dalai Lama hat aber wirklich seine Gesandtschaft ausgeschickt, um über die Angliederung und die Teilautonomie zu diskutieren. Das ist eben kein Witz. Die Politik der Einschüchterung und der Produktion einer Minderheit war also recht erfolgreich. Der Dalai Lama weiss, dass sein Volk und damit die Tradition einfach untergehen werden. Deshalb ist er jetzt bereit, einen Kompromiss zu machen. Man kann also nicht sagen es sei ein weiser Entschluss, es ist schlichtweg Erpressung ohne Alternative.
Auf was ich aber hinweisen wollte ist doch das: Sogar wenn in China selbst eine bestimmte Region, wie die von Shanghai zum Beispiel, über die wirtschaftliche Entwicklung mehr Rechte bekommt, so bekommt es damit noch nicht das Recht, sich von der chinesischen Gesetzgebung zu lösen. Was will ich damit sagen? Nun, Tibet ist selbst ohne Entwicklung ein selbständiger Staat, welcher immer von China abhängig sein wird. Ich denke da an Telekommunikation, Nahrung, Banken, Dienstleistungen. Je entwickelter, desto verstrickter werden die Abhängigkeiten sein. Und was bleibt dann noch von der politischen Unabhängigkeit, wenn man nicht mal mehr die einfachsten Lebensgrundlagen ohne die chinesische Unterstützung verrichten könnte? Es kann also nicht davon ausgegangen werden, dass Tibet immer vollkommene Autonomie hat, selbst wenn es politisch bis auf alle Zeiten eigen sein würde. Deshalb relativiert sich das ein wenig. Und bei der Entscheidung durch Dalai Lama, über die Teilautonomie und die Angliederung zu diskutieren, mögen wohl auch solche Gedanken mitgespielt haben.
Das gleich übrigens in Taiwan. Die Handelsbeziehungen sind bereits derart verflochten, dass es früher oder später zu einem, zumindest wirtschaftlichen, Zusammenschluss kommen wird. Der politische Zusammenschluss ist dann nurnoch eine Sache des Profites, d.h., die Frage nach: Wer kann das Geld einsahnen, Gebühren erheben, Befehle verordnen, militärisch intervenieren. Aber sind wir mal ehrlich. Welcher einfach Bürger in Taiwan würde davon etwas merken? Wer würde schon merken, wer ob ihm die Politik bestimmt, solange die Demokratie erhalten werden könnte.(Auch wenn diese Gewählten dann schlichtweg nurnoch Marionetten sein würden.)
Ich denke also es wird alles überbewertet. Es gibt Kräfte, welche weitaus mächtiger sind als die Gesetzmässigkeiten der KPC. Die Wirtschaft zum Beispiel, genauer das Geld. Es wird ja jetzt schon gepredigt, dass Geld geil ist, und Konsum das beste, was auf der Welt jemals geschaffen wurde. Die Leute werden darauf getrimmt. Und genau das ist der Untergang jedes Sozialismus. Wir müssen nun einfach Geduld haben zu warten. Alles andere geschieht von selbst. Man kann kein 1.3 Milliarden-Volk mit einem hohen Lebensstandard beglücken über das System des Sozialismus und der Gleichheit. Das wird nicht funktionieren. Jede moderne, entwickelte Gesellschaft ist hierarchisch gegliedert. Arbeitsteilung, und damit zusammenhängend, Rechtsverteilung und Rechtsumverlagerung, sind Grundgesetze, sonst würde nichts mehr funktionieren. Dies einfach so entgegenzunehmen, ohne auch wieder bestimmte Freiheiten zu erhalten, das hält kein Volk längerfristig aus, nicht mal die Chinesen. Üben wir uns also einfach in chinesischer Zurückhaltung und warten der Dinge, welche da kommen. Die Zeit arbeitet für einmal auf eine Verbesserung hin.
Ich hoffe dieser Übergang ist sehr sanft, damit nicht wieder Leute darunter leiden müssen.
Demokratie in Taiwan zu erhalten, auch nach 'Einverleibung', ist nach meiner Meinung durchaus möglich, aber vermutlich von China tatsächlich nicht gewünscht.
Die andere Frage ist, was Demokratie bei uns nützt. Bei uns in der Schweiz nämlich blockieren sich alle Parteien gegenseitig. Es passiert schlichtweg nichts. Wir sind wie ein Museum, welches langsam verstaubt. Was nützt es einem, wenn man abstimmen kann, wenn man nicht mehr fähig ist seine Rechnung zu zahlen. Demokratie bringt nicht allen einen Segen, das darfst du auch nicht vergessen, genausowenig wie Kapitalismus.
Aber natürlich, deswegen zu sagen Demokratie sei schlecht, und man solle dieses Ziel nicht versuchen zu erreichen, ist auch wieder falsch. Aber Demokratie ist zumindest nicht das Erfolgsmodell, für was man es immer hält. Im nahen Osten zum Beispiel ist die Palästinenser-Regierung demokratisch gewählt worden. Das heisst nach einer Wahl nun sowas wie KRIEG. Ich will damit nur sagen, dass es vielleicht weltweit ganz anders kommen wird, als wir uns vorstellen. Wenn denn nun alle schon für Wachstum, Gewinn und Erfolg sich einsetzen, weshalb sollte es denn nicht auch um den Anspruch des Abbaus von Demokratie gehen. China zeigt das sehr schön. Demokratie ist dort dem Wachstum hinderlich. So nach dem Motto, 'entweder oder'. Aber jetzt werde ich schon wieder zynisch.
Du kannst z.B. die Vertreter, welche im Sinne Beijings agieren, demokratisch wählen lassen durch die Taiwanesen. Hihihi... Verstehst du den Unterton dabei?
Nein, unter uns, es ist un bleibt ein riesiges Problem. Es gibt einfach keine saubere Lösung, vorallem heutzutage nicht. In 20-30 Jahren sieht es dann schon wieder ganz anders aus, abhängig von der Entwicklung auf Mainland China. Je schneller sich China entwickelt, desto schneller werden die Taiwanesen auch einer Angliederung zustimmen, weil es dann eh keinen Unterschied mehr macht. Heute ist es aber offensichtlich noch zu früh dafür. Beide Parteien sollten sich in Geduld üben.