Studieren in China - eine gute idee?

Alle Themen rund um Politik in der Volksrepublik China
TaugeNix

Beitrag von TaugeNix »

@ Dennis (was soll eigentlich CDS heissen?):

Ich habe mir deine und meine Postings noch einmal genau durchgelesen.
Ich denke, wir reden aneinander vorbei..
Im Endeffekt haben wir dieselbe Meinung, wobei bei mir ein Pro-China-Denken und bei dir ein Contra-Mainland-China-Denken durchscheint.
Woran das liegt? Nun, ich schätze mal an unseren Wohnorten :roll:

Wir sind einer Meinung, dass hier (und woanders, und darauf beharre ich!) in der VRC einiges nicht so läuft, wie es sollte. Menschenrechtsverletzungen, Zensur, Einschüchterungen, Niederschlagung von Aufständen. All das ist sicherlich nicht hinnehmbar. Aber wie gesagt (ich beharre wirklich darauf! :wink: ): es ist KEIN chinesisches Problem, oder um mich genauer und unmissverständlicher auszudrücken: kein Problem, dass China alleine hat.

Ich möchte damit vorangegangens eindeutig nicht relativieren, wie gesagt, ich sehe diese Probleme ebenso wie du. Und auch ich bin traurig darüber, vor diesen Fakten kapitulieren zu müssen, egal ob in Deutschland oder China (*beharr*).
Wie schonmal erwähnt: wenn es einen Weg gäbe, ich würde ihn gehen.
Im Moment sehe ich keinen, vielleicht bin ich noch zu jung, vielleicht suche ich nicht genug. Aber ich habe gerade genug zu tun, mein Leben zu leben, ich kann (und will) mir nicht die Schuld an diesen Dingen aufladen (lassen).
Das heisst aber nochmals AUSDRÜCKLICH nicht, dass ich einfach darüber hinwegsehe.

Und trotzdem liebe ich dieses Land, wie die Leute..

Gruß,
TaugeNix^der gestern einfach ne schlechte Nacht hatte
TaugeNix

Beitrag von TaugeNix »

Dennis (CDS) hat geschrieben:
Jetzt beantwortet mir eins. Wäre sowas auch in China möglich? Ich meine Oppositionsarbeit in dieser Form gegen die Regierung....
Nein, mit größter Sicherheit nicht..
Doch: in diesem Artikel stehen auch Dinge, die Taiwan in nicht dem hellsten Lichte erscheinen lassen.

Es geht mir doch einfach nur darum, dass ich dir in vollem Umfang zustimme, nur genauso von dir verlange, die taiwanesische Brille abzusetzen.
Wie gesagt, ich denke, wir haben die gleiche Meinung..

Du liebst Taiwan, ich liebe China (ob nun mit oder Taiwan)..
Und wir sehen in beiden Ländern (und auch überall auf der Welt) große Probleme. Nur wissen wir beide nicht, wie wir sie ändern sollen, was uns beide deprimiert. Igendwelche Widersprüche?

Gruß,
TaugeNix^dessen Tag schon wieder zur Katastrohe werden scheint
Dennis (CDS)
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Beitrag von Dennis (CDS) »

@ Dennis (was soll eigentlich CDS heissen?):

ChinesischerDiskussionsSucher :lol:

Nein, nicht wirklich. Die Chinesen im Forum dürfen mich jetzt auslachen, CDS sind die Initialen meines chin. Namens 陳德生, den Namen hab ich von meinem zukünftigen Schwiegervater bekommen. Erst kürzlich hab ich mich damit aber richtig cool gefühlt, als ich gelesen habe, dass Jackie Chan mit bürgerlichen Namen 陳港生 heisst :wink:
TaugeNix hat geschrieben:
Es geht mir doch einfach nur darum, dass ich dir in vollem Umfang zustimme, nur genauso von dir verlange, die taiwanesische Brille abzusetzen.
Wie gesagt, ich denke, wir haben die gleiche Meinung..

Du liebst Taiwan, ich liebe China (ob nun mit oder Taiwan)..
Und wir sehen in beiden Ländern (und auch überall auf der Welt) große Probleme. Nur wissen wir beide nicht, wie wir sie ändern sollen, was uns beide deprimiert. Igendwelche Widersprüche?

Gruß,
TaugeNix^dessen Tag schon wieder zur Katastrohe werden scheint
Diskriminierung der Brillenträger? :shock: Also meine Brille ist immer noch Made in Germany ;) Aber klar, ich verstehe voll und ganz, was du meinst und sehe nicht einen einzigen Widerspruch zwischen deiner und meiner Meinung. Wie schön könnte die Welt ohne Politik sein....

Ok, ich muss mich jetzt für den Rest des Tages mal wirklich tief in meine Bücher graben. Gruß aus dem einen China ins andere China und nicht so viel Staub einatmen, hörst du :?:
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Beitrag von Crocop »

die KMT ist keinen deut besser als die KP
Aber sie ist es doch! Die KMT hat ihre Diktatur aufgegeben, und Demokratieentwicklung zugelassen!

http://derstandard.at/?url=/?id=2416222
Es ist wahnsinn, wie hu jintao immer wieder schafft, die wirklichkeit zu verdrehen. Friedliche Entwicklung? Dieser Ober***** ist es doch, der dieser friedlichen Entwicklung im Wege steht!
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Dennis (CDS)
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Beitrag von Dennis (CDS) »

Crocop hat geschrieben:
die KMT ist keinen deut besser als die KP
Aber sie ist es doch! Die KMT hat ihre Diktatur aufgegeben, und Demokratieentwicklung zugelassen!

http://derstandard.at/?url=/?id=2416222
Es ist wahnsinn, wie hu jintao immer wieder schafft, die wirklichkeit zu verdrehen. Friedliche Entwicklung? Dieser Ober***** ist es doch, der dieser friedlichen Entwicklung im Wege steht!
Über die KP und die KMT vermag ich nicht zu urteilen. Politiker sind im Allgemeinen ja wohl alle Machtmenschen, die sich aber in der Wahl ihrer Mittel unterscheiden zu scheinen. Von einem demokratischen Prozess wie in Taiwan ist die Volksrepublik aber wohl noch Jahrzehnte entfernt.

@crocop

Da verlinkt er meinen eigenen Link, wie link :lol:

Es gibt immer noch zwei Seiten der Taiwanstraße, die sich beide nichts schenken. Sowohl Herrn Hu als auch Herrn Chen sind doch in diesem Politikdschungel die Hände gebunden. Auch ich habe mich früher fürchterlich über die chinesische Propaganda aufgeregt, jetzt seh ich es lockerer...seine Sätze sind doch absoluter Standard durch Parteilinie vorgegebener Rethorik.

Würde noch mehr schreiben, muss jetzt aber weiterarbeiten....
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Beitrag von kusti »

In Tibet wird jetzt langsam eine Lösung gefunden. Es nennt sich anerkannte Teilautonomie.

Tibet wird dann zwar faktisch dem chinesischen Reich angehören, aber offiziel mit seinen Sonderregelungen eben eine Sonderstellung einnehmen. Und wenn es dann soweit ist, dann redet kein Mensch mehr davon.

Genau so könnte es in Taiwan auch passieren. Taiwan kann seine Demokratie in bezug auf die Wahl der Regierungsmitglieder weiterführen, als den Repräsentanten von Taiwan gegenüber China. Wenn es aber um grundsätzliche Fragestellungen geht, dann ist Beijing alleinig ausschlaggebend und die gewählten Regierungsmitglieder müssen dann nurnoch 'verfügen'.

In Amerika ist das keinesfalls besser. Wenn der Repräsentant eines Bundesstaates nicht Washington-treu ist, dann wird er von Washington entmachtet, obschon er über das Parteiensystem in seinem Bundesstaat vom Volk gewählt wurde.

Es könnte sein, dass dies genau so kommt, für Tibet und für Taiwan. Denn wer könnte sich dem mit Recht entgegenstellen?
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Beitrag von Crocop »

In Tibet wird jetzt langsam eine Lösung gefunden.
Naja... Der Dalai Lama und alle, die sich für Tibet einsetzen, werden immer noch sofort als Separatisten abgestempelt... Die Sprache, Kultur u.Ä. Tibets überlebt nur noch durch Exiltibeter (in Indien, Bhutan usw.) und am schlimmsten ist die Zerstörung der Umwelt... In den Medien ist Tibet DAS tabu-thema überhaupt... Das sieht alles nicht nach einer Lösung aus
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Beitrag von Grufti »

kusti hat geschrieben:In Tibet wird jetzt langsam eine Lösung gefunden. Es nennt sich anerkannte Teilautonomie.

Tibet wird dann zwar faktisch dem chinesischen Reich angehören, aber offiziel mit seinen Sonderregelungen eben eine Sonderstellung einnehmen. Und wenn es dann soweit ist, dann redet kein Mensch mehr davon.

Genau so könnte es in Taiwan auch passieren. Taiwan kann seine Demokratie in bezug auf die Wahl der Regierungsmitglieder weiterführen, als den Repräsentanten von Taiwan gegenüber China. Wenn es aber um grundsätzliche Fragestellungen geht, dann ist Beijing alleinig ausschlaggebend und die gewählten Regierungsmitglieder müssen dann nurnoch 'verfügen'.

In Amerika ist das keinesfalls besser. Wenn der Repräsentant eines Bundesstaates nicht Washington-treu ist, dann wird er von Washington entmachtet, obschon er über das Parteiensystem in seinem Bundesstaat vom Volk gewählt wurde.

Es könnte sein, dass dies genau so kommt, für Tibet und für Taiwan. Denn wer könnte sich dem mit Recht entgegenstellen?
ich weiß nicht, ob Du in Arte vor einigen Wochen die 2 teilige Sendung "Gehört Taiwan zu China" in der Reihe "Offene Karten" gesehen hattest ( war auf alle Fälle von mir empfohlen)..?

In dieser Sendung war die Frage eigentlich ziemlich objektiv beantwortet worden... (das ist ein subjectives Statement von mir! :oops: :wink: )

Es ist nur sehr schade, daß man diese Sendung nicht einem Publikum von Chinesen von beiden Seiten der Formosa-Straße zur Diskussion stellen kann....

In dieser Sendung wurde gesagt, daß die Bevölkerung in Taiwan inzwischen so selbstbewußt geworden ist, daß sie sich keinenfalls einem totalitären System unterordnen will.

WIE stellt stellst Du Dir denn das vor... eine inzwischen echte Demokratie ..unte einem totalitären Einheitsparteien-Staat ???

Das Beispiel "Hongkong" kann ja nicht zählen, denn die "Demokratie" wurde, meinem bescheidenen Wissens nach, erst kurz vor dem Abzug der Briten eingerichtet...
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
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Beitrag von Grufti »

@ Dennis (was soll eigentlich CDS heissen?):

Ich habe mir deine und meine Postings noch einmal genau durchgelesen.
Ich denke, wir reden aneinander vorbei..
Im Endeffekt haben wir dieselbe Meinung, wobei bei mir ein Pro-China-Denken und bei dir ein Contra-Mainland-China-Denken durchscheint.
Woran das liegt? Nun, ich schätze mal an unseren Wohnorten
TaugeNix:


Es liegt wahrscheinlich daran, daß Ihr am jeweiligen Wohnort jede Menge lieber Leute und deren Meinung kennt..


Außerdem sind Dir die Leute in Taiwan --weil Du dort niemand kennst-- relativ "wurscht", und es kann Dir auch genauso egal sein, ob und wieviele Leute in Taiwan im Falle einer VR Aggression in Taiwan getötet werden

Dein "Pro-China" Denken basiert doch auf der Bewunderung der chinesischen Kultur und Bevölkerung oder nur ausschließlich auf der Bewunderung des totalitären Systems der VR ???

Als ich in Taiwan studiert hatte (1977-79), herrschte in Taiwan ebenfalls ein totalitäres System.....mit Presse- und Briefzensur und (uns bekannten :lol: ) Spitzeln in unserer Schule und bei unseren Partys..

Dies war damals auch einer der Gründe, weshalb ich nicht sofort "Feuer und Flamme" für dieses China gewesen war, das ich mir eigentlich ganz anders vorgestellt hatte.


Wenn Du aber ---so wie ich-- den Abbruch der diplomatischen Beziehungen der USA zu Taiwan anno 78 erlebt hättest, bei denen mir einige meiner einheimischen Freunde versucht hatte, ihre Kinder aufzudrängen ( ich sollte die Kinder adoptieren und außer Landes bringen, da sie befürchteten, von den bald einmarschierenden Kommunisten ausgerottet zu werden..), dann hättest auch DU sicher eine "Contra-Mainland"- Meinung.....


P.S ich verkneife es mir, ein "SDL" hinter meinen "Grufti" zu setzen..... :lol: :lol: :lol:
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Beitrag von Dennis (CDS) »

Grufti hat geschrieben:P.S ich verkneife es mir, ein "SDL" hinter meinen "Grufti" zu setzen..... :lol: :lol: :lol:
Och, warum denn nicht? Raus mit dem chinesischen Namen! :twisted:
Grufti hat geschrieben:Wenn Du aber ---so wie ich-- den Abbruch der diplomatischen Beziehungen der USA zu Taiwan anno 78 erlebt hättest, bei denen mir einige meiner einheimischen Freunde versucht hatte, ihre Kinder aufzudrängen ( ich sollte die Kinder adoptieren und außer Landes bringen, da sie befürchteten, von den bald einmarschierenden Kommunisten ausgerottet zu werden..), dann hättest auch DU sicher eine "Contra-Mainland"- Meinung.....
So siehts aus. Ich erlebe Taiwaner mir gegenüber selten sehr emotional oder aufgebracht (du weißt ja, das Gesicht behalten), außer bei zwei Themen. Einmal die Vereiningung mit China und zum zweiten das schwere Erdbeben vom September 1999. Es gibt bestimmt noch Anderes, aber diese beiden Themen stechen mir besonders hervor.

Und ich kann sie verstehen. Taiwan ist wirtschaftlich und politisch in den letzten Jahrzehnten trotz widrigster Umstände ein Meisterstück gelungen, welches eigentlich die vollste Anerkennung durch die Völkergemeinschaft bedeuten müsste. Ein Vorschlag, wie hier aufgetaucht, Taiwan in die VRC zu integrieren ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der auch in Taiwan nicht bestimmt wenig zu Leiden hatte.

Ich liebe die chinesische Kultur, die Sprache, die Lebensweise. Ich bin jetzt seit knapp zwei Jahren in Taiwan, hab hier fast alles was ich zum glücklich sein brauch und für meinen weiteren Lebensweg steht es so 70:30 für Taiwan gegen Deutschland.

Ob es in China auch so wäre ist die große Frage, wahrscheinlich ja. Politisch gesehen bin ich aber froh, dass ich auf Formosa gelandet bin. :)
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Beitrag von kusti »

Grufti hat geschrieben:
kusti hat geschrieben:In dieser Sendung war die Frage eigentlich ziemlich objektiv beantwortet worden... (das ist ein subjectives Statement von mir! :oops: :wink: )

Es ist nur sehr schade, daß man diese Sendung nicht einem Publikum von Chinesen von beiden Seiten der Formosa-Straße zur Diskussion stellen kann....

In dieser Sendung wurde gesagt, daß die Bevölkerung in Taiwan inzwischen so selbstbewußt geworden ist, daß sie sich keinenfalls einem totalitären System unterordnen will.

WIE stellt stellst Du Dir denn das vor... eine inzwischen echte Demokratie ..unte einem totalitären Einheitsparteien-Staat ???

Das Beispiel "Hongkong" kann ja nicht zählen, denn die "Demokratie" wurde, meinem bescheidenen Wissens nach, erst kurz vor dem Abzug der Briten eingerichtet...

------> Arte kann ich leider seit ein paar Wochen in der Schweiz nicht mehr empfangen. Irgendwie kommt immer ein KIKA(Kinderkanal). Arte ist der beste Kultursender Europas. Zum verzweifeln.

Ich vergesse bei meinen Posts immer die Smileys. Was ich gesagt habe war mehr zynisch gemeint.
Der Dalai Lama hat aber wirklich seine Gesandtschaft ausgeschickt, um über die Angliederung und die Teilautonomie zu diskutieren. Das ist eben kein Witz. Die Politik der Einschüchterung und der Produktion einer Minderheit war also recht erfolgreich. Der Dalai Lama weiss, dass sein Volk und damit die Tradition einfach untergehen werden. Deshalb ist er jetzt bereit, einen Kompromiss zu machen. Man kann also nicht sagen es sei ein weiser Entschluss, es ist schlichtweg Erpressung ohne Alternative.

Auf was ich aber hinweisen wollte ist doch das: Sogar wenn in China selbst eine bestimmte Region, wie die von Shanghai zum Beispiel, über die wirtschaftliche Entwicklung mehr Rechte bekommt, so bekommt es damit noch nicht das Recht, sich von der chinesischen Gesetzgebung zu lösen. Was will ich damit sagen? Nun, Tibet ist selbst ohne Entwicklung ein selbständiger Staat, welcher immer von China abhängig sein wird. Ich denke da an Telekommunikation, Nahrung, Banken, Dienstleistungen. Je entwickelter, desto verstrickter werden die Abhängigkeiten sein. Und was bleibt dann noch von der politischen Unabhängigkeit, wenn man nicht mal mehr die einfachsten Lebensgrundlagen ohne die chinesische Unterstützung verrichten könnte? Es kann also nicht davon ausgegangen werden, dass Tibet immer vollkommene Autonomie hat, selbst wenn es politisch bis auf alle Zeiten eigen sein würde. Deshalb relativiert sich das ein wenig. Und bei der Entscheidung durch Dalai Lama, über die Teilautonomie und die Angliederung zu diskutieren, mögen wohl auch solche Gedanken mitgespielt haben.

Das gleich übrigens in Taiwan. Die Handelsbeziehungen sind bereits derart verflochten, dass es früher oder später zu einem, zumindest wirtschaftlichen, Zusammenschluss kommen wird. Der politische Zusammenschluss ist dann nurnoch eine Sache des Profites, d.h., die Frage nach: Wer kann das Geld einsahnen, Gebühren erheben, Befehle verordnen, militärisch intervenieren. Aber sind wir mal ehrlich. Welcher einfach Bürger in Taiwan würde davon etwas merken? Wer würde schon merken, wer ob ihm die Politik bestimmt, solange die Demokratie erhalten werden könnte.(Auch wenn diese Gewählten dann schlichtweg nurnoch Marionetten sein würden.)

Ich denke also es wird alles überbewertet. Es gibt Kräfte, welche weitaus mächtiger sind als die Gesetzmässigkeiten der KPC. Die Wirtschaft zum Beispiel, genauer das Geld. Es wird ja jetzt schon gepredigt, dass Geld geil ist, und Konsum das beste, was auf der Welt jemals geschaffen wurde. Die Leute werden darauf getrimmt. Und genau das ist der Untergang jedes Sozialismus. Wir müssen nun einfach Geduld haben zu warten. Alles andere geschieht von selbst. Man kann kein 1.3 Milliarden-Volk mit einem hohen Lebensstandard beglücken über das System des Sozialismus und der Gleichheit. Das wird nicht funktionieren. Jede moderne, entwickelte Gesellschaft ist hierarchisch gegliedert. Arbeitsteilung, und damit zusammenhängend, Rechtsverteilung und Rechtsumverlagerung, sind Grundgesetze, sonst würde nichts mehr funktionieren. Dies einfach so entgegenzunehmen, ohne auch wieder bestimmte Freiheiten zu erhalten, das hält kein Volk längerfristig aus, nicht mal die Chinesen. Üben wir uns also einfach in chinesischer Zurückhaltung und warten der Dinge, welche da kommen. Die Zeit arbeitet für einmal auf eine Verbesserung hin.
Ich hoffe dieser Übergang ist sehr sanft, damit nicht wieder Leute darunter leiden müssen.

Demokratie in Taiwan zu erhalten, auch nach 'Einverleibung', ist nach meiner Meinung durchaus möglich, aber vermutlich von China tatsächlich nicht gewünscht.
Die andere Frage ist, was Demokratie bei uns nützt. Bei uns in der Schweiz nämlich blockieren sich alle Parteien gegenseitig. Es passiert schlichtweg nichts. Wir sind wie ein Museum, welches langsam verstaubt. Was nützt es einem, wenn man abstimmen kann, wenn man nicht mehr fähig ist seine Rechnung zu zahlen. Demokratie bringt nicht allen einen Segen, das darfst du auch nicht vergessen, genausowenig wie Kapitalismus.

Aber natürlich, deswegen zu sagen Demokratie sei schlecht, und man solle dieses Ziel nicht versuchen zu erreichen, ist auch wieder falsch. Aber Demokratie ist zumindest nicht das Erfolgsmodell, für was man es immer hält. Im nahen Osten zum Beispiel ist die Palästinenser-Regierung demokratisch gewählt worden. Das heisst nach einer Wahl nun sowas wie KRIEG. Ich will damit nur sagen, dass es vielleicht weltweit ganz anders kommen wird, als wir uns vorstellen. Wenn denn nun alle schon für Wachstum, Gewinn und Erfolg sich einsetzen, weshalb sollte es denn nicht auch um den Anspruch des Abbaus von Demokratie gehen. China zeigt das sehr schön. Demokratie ist dort dem Wachstum hinderlich. So nach dem Motto, 'entweder oder'. Aber jetzt werde ich schon wieder zynisch. :lol: :lol: :lol:

Du kannst z.B. die Vertreter, welche im Sinne Beijings agieren, demokratisch wählen lassen durch die Taiwanesen. Hihihi... Verstehst du den Unterton dabei?
Nein, unter uns, es ist un bleibt ein riesiges Problem. Es gibt einfach keine saubere Lösung, vorallem heutzutage nicht. In 20-30 Jahren sieht es dann schon wieder ganz anders aus, abhängig von der Entwicklung auf Mainland China. Je schneller sich China entwickelt, desto schneller werden die Taiwanesen auch einer Angliederung zustimmen, weil es dann eh keinen Unterschied mehr macht. Heute ist es aber offensichtlich noch zu früh dafür. Beide Parteien sollten sich in Geduld üben.
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Beitrag von Grufti »

Sogar wenn in China selbst eine bestimmte Region, wie die von Shanghai zum Beispiel, über die wirtschaftliche Entwicklung mehr Rechte bekommt, so bekommt es damit noch nicht das Recht, sich von der chinesischen Gesetzgebung zu lösen. Was will ich damit sagen? Nun, Tibet ist selbst ohne Entwicklung ein selbständiger Staat, welcher immer von China abhängig sein wird
Wie kannst Du Shanghai mit Taiwan vergleichen ??? War Shanghai 50 Jahre unter fremder Herrschaft wie Taiwan ??
Die Entwicklungen in Taiwan -- schon unter der Qing-Herrschaft und viel früher.. war z.T wesentlich verschieden von der Geschichte ..und Kultur des "Mainlandes"..
Wo ist denn die allererste chinesische Eisenbahnlinie und auch die allererste chinesische Telegrafenlinie gebaut worden, die NICHT aus alleinigem Interesse der Kolonialmächte entstanden ist ???

Viele --auch chinesische-- Bücher schreiben, daß Taiwan von der Qing-Regierung im Stiche gelassen ... und die EINHEIMISCHE Bevölkerung, die sich leider nur einige Wochen gegen die japanischen Besatzer behaupten konnten...in KEINSTER Weise unterstützt wurde..

Hier noch einige "details" über taiwan(es)ische Geschichte:

http://forum.chinaseite.de/viewtopic.php?p=3589#3589


Nur mal nebenbei erwähnt, war das durchschnittliche Bildungsniveau der Bewohner Taiwans --besonders mindestens ab den 30iger Jahren--wesentlich höher als im Mainland...denn die japanische Kolonialregierung ( stimmt eigentlich auch nicht..Taiwans Rolle war nicht als "Kolonie " geplant, sondern sollte ans japanische Mutterland als "Fortsetzung "der japanischen Inselgruppe angebunden werden) förderte nicht nur das Erlernen der japanischen, sondern auch der chinesischen Sprache, denn es gab ein Bildungssystem bis hoch zur Universität für die Einheimischen.

Im Übrigen wurde Taiwan der KMT-Regierung mit der Bestimmung übergeben, daß die (Wieder-)-Vereinigung mit dem Festland "unter Mitbestimmung der Bewohner Taiwans " zu erfolgen habe...also nicht automatisch stattfinden sollte. Dies wird von der VR immer sehr gerne "Übersehen".... ebenso wie der jahrhundertelange Kampf der "Gaoshanzu" ( früher "Shandi Ren" genannten wirklich "einheimischen" NICHT-Han Bevölkerung GEGEN die Besiedelung Taiwans durch Han-chinesische Einwanderer....


Dein letzte Behauptung, Tibet sei ein selbstständiger Staat, ist falsch.... auch ohne smileys...
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
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Beitrag von kusti »

Ich denke China betreibt sowieso nur Säbelrasseln. Die würden doch niemals wirklich militärisch in Taiwan eingreifen. Die wissen doch ganz genau, dass die Leute dort nicht zwangseingegliedert werden wollen.

Das andere Problem ist der Vielvölkerstaat in China. Eine starke zentrale Gewalt ist der Garant für die Koordination unter den Teilbereichen.

Diese beiden Dinge nun unter einen Hut zu bringen funktioniert eben genau so: Man bauscht sich auf, gibt vor militärisch einzugreifen, und macht Drohgebärden. In Tat und Wahrheit ist aber alles anders.

Übrigens: die Herleitung aus der Geschichte, ob Taiwan unabhängig sein kann oder nicht, die finde ich nicht gut. Deshalb gibt es ja überhaupt diesen Streit. Auch eine geographische Begründung finde ich unter den heutigen Bedinungen nicht mehr treffend. Ich hoffe einfach, dass, was zusammengehört, zusammenwächst, wie mit Ost- und Westdeutschland, und was nicht zusammengehört trotzdem sehr gute wirtschaftliche und politische Beziehungen unterhält. Der Unterschied ist ja schlussendlich nicht sehr gross. Ich denke, dass diese Probleme sich von selbst auswachsen, wenn sich China wirtschaftlich und politisch weiterentwickelt.

Also auch hier denke ich, man sollte es nicht so heiss essen, wie es aufgetischt wird. Eine militärische Intervention wird es niemals geben. Soviel ist vermutlich schon sicher.
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Beitrag von kusti »

Ich habe mich übrigens lange Zeit mit Nord- und Südkoreaner unterhalten über diese Problematik der Wiedervereinigung. Zum heutigen Zeitpunkt ist eine Wiedervereinigung absolut ausgeschlossen. Dennoch gehören diese beiden Teile zusammen. Als ich nach der Wiedervereinigung gefragt habe, haben die immer nur unverständlich den Kopf geschüttelt.
Vorausgesetzt der wirtschaftliche und politische Zustand von Nordkorea würde dem von Südkorea entsprechen, dann, du wirst es kaum glauben, gestehen sogar die Südkoreaner ein, dass eine Wiedervereinigung Sinn machen würde. Die armen Kerle verstehen sich als Ganzes, das ist tief verwurzelt.

Wie ist das denn in Taiwan? Ich bin ja kein Kenner der Materie, aber wie sieht es mit der Meinung der Leute aus, wenn China dereinst im grossen ganzen den gleichen Entwicklungsstand erreicht hat und eine Art von Annäherung stattfindet? Da müsste man jetzt den Kenner zu Wort kommen lassen.
Ich will damit nur sagen: Was heute noch ein Problem scheint, ja eine Gefahr für Leib und Leben der Leute, kann morgen schon Vergangenheit sein und zu einer 'gewollten' Wiedervereinigung führen.
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Beitrag von Grufti »

Bei Korea sehe ich das genauso, wie die Koreaner selbst. Dieses Land, das wie China mehrmals im Laufe seiner langen Geschichte ( ab 2333 vor Christus..... :roll: ) in mehrere Staaten aufgespalten war, hatte aber seit dem Ende des 14.Jahrhunderts (im Gegensatz zu China) bis zur japanischen Besatzung 1910 ein einheimisches Herrscherhaus, also keine "Fremdherrschaft" wie die der Mandschus über die Han-Chinesen.

Die Trennung in Nord- u.Südkorea ergab sich erst nach dem 2. Weltlkrieg..
http://de.wikipedia.org/wiki/Korea#Gory ... 18-1392.29




In Taiwan ist es etwas anders.... denn wenn man einer URL der 台独分子 glauben will, hatten sich die Mandschu-Herrscher anfangs ...und wie schon von mir dargestellt ...auch zu Ende der Qing Herrschaft nicht um diese Insel gekümmert...


http://www.taiwandc.org/hst-1624.htm#1952

besonders interessant wäre es, die chinesische Quelle zum folgenden Abschnitt zu finden:




That China hardly had any influence at all in the coastal waters around Taiwan is apparent from the two following examples: when in the 1870's Taiwanese pirates captured American, Japanese and French ships passing the island, these governments protested to Peking, but the Manchu emperor said: "Taiwan is beyond our territory."

In fact, the French go so upset by the recurring attacks on their ships and the Chinese inaction, that they sent a navy fleet to the island, and for nine months in 1884-85, the northern part of Taiwan was French territory.

It wasn't until 1887, that the Manchu Imperial authorities decided to declare Taiwan to be a "province" of their Empire: they wanted to outmaneuver the Japanese, who were expanding their influence to the South.



Im Übrigen hatte ich in einem "Bericht der preußischen Marine" aus dem Jahre 1861/2 gelesen, daß sich damals einige hohe Offiziere Gedanken darüber gemacht hatten, Formosa als preußische Kolonie zu besetzen und schon Forschungsfahrten dorthin unternommen hatten, diese Absicht aber zurückstellten, da diese Insel zu stark fieber verseucht sei... Als sich die Befürworter schließlcih durchgesetzt hatten, war Taiwan schon japanisch...und Deutschland, das damals unbedingt "ein Platz an der Kolonial-Sonne" haben wollte, bleib nichts anderes übrig, als sich woanders in China festzusetzen .

Leider habe ich im Net noch keine Spur davon entdeckt... :roll:

Edit 22:48 uhr:


Nu hab ich doch wirklioch etwas darüber gefunden.

http://www.dhm.de/ausstellungen/tsingta ... auf1_5.htm


Daß es der preußischen Politik 1859/60 nicht allein um günstige Handelsverträge ging, machte der Auftrag deutlich, nach Möglichkeit auch maritime Stützpunkte zu erwerben - sei es auf Formosa, auf Hawaii oder in Patagonien.20 ........
ist das jetzt schon zuviel zitiert ???? :shock: :shock:
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