Die Lücke, die der Verzicht auf diesen Begriff reißt, ersetzt ihn völlig. Es gab Heuchler und Moralapostel, lange bevor es "Gutmensch" gab, und die sind trennschärfer, es gibt eine Plethora intelligenter und lesenswerter Literatur, von Heine über Nietzsche, Kraus und Tucholsky, die sich daran abarbeitet. Der Begriff Gutmensch ist eine polemische Figur, die Klaus Bittermann geprägt hat, lange bevor er sich als "antideutscher Islamkritiker" mit Rechtsradikalen gemein machte. Er war ein indirektes Zitat einer sprachkritischen Arbeit über NS-Sprache (Aus dem Wörterbuch des Unmenschen), einer Art westdeutschem Pendant zu LTI. Bittermanns "Aus dem Wörterbuch des Gutmenschen" kritisierte "Schaumsprech", naives Moralisieren zum Zwecke des Wohlfühlens statt zu dem der Kritik und Aufklärung und spiesste das Spießertum Wollsocken häkelnder Ökos auf. Die Polemik war gut und treffend, sie wurde rezipiert und verbreitet akzeptiert - point taken.beowulf hat geschrieben: @Gutmensch - mir ist leider klar, dass dieser Begriff von Rechten gehijacked wurde. Und ja, das nervt.
Heutige "Gutmensch"-Polemik ist Selbstimmunisierung gegen Kritik: wer weiß, dass seine Auffassungen, ob Dauerwelle, Sarrazin oder "Islamkritiker", inhuman und tendenziell mörderisch und kriminell sind, immunisiert sich im voraus, indem er Einrede als "gutmenschlich" denunziert. Damit ist die Diskussion beendet, der Feind ausgemacht und abgestempelt. Das ist das exakte Gegenteil einer Diskurskultur. "Gutmensch" in dieser Verwendung, ähnlich "politisch korrekt", ist Diskursverweigerung und Feinderklärung im Sinne von Carl Schmitt. Letztlich läuft das auf Faschismus heraus. Daher ist der Begriff aus meiner Sicht nicht nur überflüssig, sondern inakzeptabel. Ich will Diskurs und keinen Bürgerkrieg, und Begriffe dieser Art sind geistige Bürgerkriegserklärungen.
Er heißt Goldner. Und religionskritisch zu sein ist jedermanns Recht. Goldner hat mit der Affengeschichte nur eins exemplifiziert: wie er nämlich von der verbreitet christentumsfeindlichen (nicht nur kritischen) Position der Hippies und ihrer begeistert-romantisierenden Verklärung des Buddhismus abkam. Goldner ist Humanist und Atheist, war aber bis Anfang der neunziger Jahre dem westlichen Mythos des "atheistischen und toleranten Buddhismus" stark aufgesessen - und auch dem westlichen Tibet-Narrativ. Für ihn war das Affenerlebnis ein Anlass, seine Vorurteile zu überdenken, und seine Erfahrungen mit der westlichen Free-Tibet-Szene haben ihn als Therapeuten mit Erfahrungen mit Psychosektenopfern nicht gnädiger gestimmt.@Coldner - Da habe ich wie gesagt eine andere Meinung. Mir ist die Doppelmoral bzw. Scheinheiligkeit die in exiltibetischen Kreisen bewusst praktiziert wird durchaus klar. Bei Coldner sehe ich aber keinen merklichen Unterschied zu z.B. Clemens Ludwig. Das ist nur ein Spiegelbild der anderen Seite. Woran ich das erkenne? Die unglaubliche Polemik und Undifferenziertheit seiner Argumentation. Coldner selber ist an sich nicht "Tibeter feindlich", er hat aber ein zutiefst sitzende Abneigung gegen jegliche Art von Religion und Esoterik. Das schlägt bei seiner Argumentation immer wieder durch und sie ist in vielen Bereichen einfach nicht fair. Seine Darstellung des tibetischen Buddhismus deutet in die Richtung einer satanistischen Bewegung.
Sein erstes Dalai-Lama-Buch ist übermäßig polemisch und wurde darob zu recht getadelt. In der umfang- und materialreicheren Zweitauflage hat sich das erfreulich abgeschliffen. Immer noch ist Goldners Werk im deutschsprachigen Raum die wichtigste Ressource der Information gegen die Tibetpropaganda sowohl der Free-Tibet-Szene als auch der rechten und geopolitisch antichinesischen Unterstützer der Clique in Dharamsala. Alle Feinde und Kritiker haben Goldner bislang keine grundsätzlichen Fehler in seiner unbestritten polemischen Darstellung nachweisen können, während die übliche Propaganda der "Exilregierung" wie der Unterstützerszene von Lügen, Fälschungen, bewußten Auslassungen und anderen Unwahrheiten nur so strotzt, von einfachen Widersprüchen noch gar nicht geredet. Insofern finde ich Polemik gegen Goldner ziemlich daneben. Berechtigte Kritik, wenn man sie belegen kann, ok.
Ist zugegebenermaßen alles reichlich OT.
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