Vorab muss ich sagen, dass ich hifi 100% zustimmen kann.
hifi hat geschrieben:Also, ich für meinen Teil kann sagen, dass ich ein ziemliches Beispiel in Topas' Beschreibung sein kann.
Ganz so krass wie Topas geschrieben hat waere ich allerdings vermutlich nicht geworden. Da ich zur Studienzeit von eigenen Haenden leben musste, gehoerte Ziellosigkeit fuer mich zu einem Luxus, den ich mir nicht leisten konnte. Meine Aufenthaltsstatus bzw. Arbeitserlaubnis hing ja davon ab, ob ich mein Studium noch erfolgreich fortsetzen konnte. Also blieb mir nix anderes, als alles zu versuchen, um das Studium zu schaffen. Daher musste ich mich auch sehr zusammenreissen. Waere es allerdings nicht so gewesen, wuesste ich auch nicht, ob ich zu recht gekommen waere....
Das kommt von der Erziehung. Ich hatte eine sehr anstrengende Kindheit im Vergleich zu den Altersgenossen hier in Deutschland.
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, aber meine Kindheit war nicht mein eigenes Leben gewesen. Ich habe sozusagen nur für meine Eltern, für die ganzen Erwartungen und für die nächste Prüfung gelebt.
Mir ging es fast genau so. Bei mir in der Schule ging die Sitzordnung zeitweise gar nach Noten. Die, die im allgemein bessere Noten hatten, sassen hinten, die schlechten Schueler sassen vorne, quasi am "Pranger". An Elternabenden wurden dann auch die Eltern, die vorne auf dem Platz ihrer Kinder sitzen mussten, besonder mitleidig angeblickt. Dem einen Vater war es einmal so peinlich, dass er sich partout nicht hinsetzen wollte. Sein Sohn hatte die naechsten Tage blaue Flecken ueberall, wurde aber spaeter tatsaechlich besser in der Schule......
Daher kann ich ganz gut nachvollziehen, dass viele Chinesen außer Lernen und Arbeiten gar keine richitge Hobby oder private Lebensgestaltung kennt. Für viele ist eine Richtung eingeschlagen wurde, die nicht von Ihnen selbst bestimmt war. Es ist eher eine Laufbahn als ein eigenständiges Erwachsen-werden.
Kennt Ihr alle den Film "Der Klub der toten Dichter"? Als ich den Film gesehen habe, war es wie eine Spiegelung meines Lebens.
Ist wahrscheinlich auch der Grund, warum hier chin. Studenten in der Regel nur mit Landsleuten zusammenhocken. Weil man eben nicht genuegend selbststaendig ist.
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beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile.
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Die chinesische Schüler und Studenten zeichnen sich besonders für ihren Fleiß und ein sehr grundiertes Wissen im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich aus. Aber sie sind nicht selbstständig und überhaupt nicht kreativ. Sie müssen häufig herangeführt werden und wissen zum Teil gar nicht, wofür sie eigentlich lernen. Der deutsche Schüler ist im Allgemein (nicht alle) selbstbewusst und sehr kreativ. Sie stellen gern Fragen nach dem Warum und wenn sie motiviert sind, ergreifen sie auch Eigeniniziative um eine Aufgabe zu lösen.
Genau so habe ich's auch erlebt.
Bei den deutschen Jugendlichen mangelt es jedoch häufig an Motivation und Disziplin. Es gibt zwar sog. "Streber", die ebenso eifrig und fleissig für sich lernen, aber die große Masse ist mit ihrer Leistung meist ganz zufrieden und widmet sein Interesse mehr für Freizeit und Hobbies.Dieses System funktioniert jedoch nur, wenn das Kind weiß, wofür es lernt. Die Leute bleiben auf der Strecke, wenn man sich aufgibt oder einfach keine Lust hat, zu lernen. Daher sind hier so wenig Frauen im technischen Bereich und es gibt so viele Schul- und Studiumabbrecher. Ich kannte einige Studenten, die bereits seit mehreren Jahren Studierten und ihr endgültiges Studiumfach immer noch nicht gefunden hatten. Sie haben zwar viele Hobbies und sind auch sehr frohe und lebenslustige Menschen, aber das richtige Ziel im Leben hatten sie auch noch nicht gefunden.
"Streber" werden in China auch kritisch beaeugt. Allerdings steckt da mehr Bewunderung als boesartiges Neid dahinter. Man wird ja von klein her eingetrichtert, dass ein Mensch ohne entspr. Bildung praktisch nichts Wert ist. Oft opfern die Eltern Haus und Hof, um eine ansprechende Ausbildung fuer ihre Kinder zu ermoeglichen. Da ist es selbstverstaendlich, mehr zu den "Strebern" hinauf zu blicken, und deren Leistung als Ansporn zu sehen. Hierzulande wird die Bildung nicht so gross geschrieben, aus den alten Zeiten hat man noch die Vorstellung, dass man auch ohne Meister oder Studium muehelos in die Mittelschicht oder noch hoeher schaffen kann. Ob dieses Modell noch fuer die Zukunft gilt, ist allerdings imho mehr als fraglich. Zu der schlechten Durchschnsleistung der deutschen Schueler tragen zusaetzlich auch ein enorm niedrige Qualitaetsstandard der Leherschaft und ein ausgesprochen merkwuerdiges Bildungssystem bei. Nicht desto trotz ueberragen die deutschen Schueler in Sache Selbststaendigkeit und Kreativitaet oft um weiten den chin. Altersgenossen.
Bei mir ist es nach der "Integration" total in die Gegenrichtung umgeschlagen. Ich bin jetzt ein großes Spielkind geworden und habe inzwischen so viele Hobbies, dass ich zeitmässig gar nicht mehr schaffen kann.
Ich habe keine Hobbies, sitz den ganzen Tag vor Rechnern.
Es scheint so, als ob ich all die verlohrene Kindheit nachholen möchte. Aber ein richtiges Lebensziel sind die Freizeitgestaltung ja auch nicht.
Na sicher, noch nie von "Freizeitrevoluzer" gehoert?
Wenn man mich nach dem großen Ziel des Lebens fragen würde, kann ich ihn auch nicht antworten. Ich glaube, dass niemand wirklich darauf antworten kann, es sei denn man ist sehr gläubig in einer Religion. Als Atheist kann ich nicht mal sagen, ob ich ein großes Ziel im Leben überhaupt haben will....
Als ein gluehender Anhaenger des fliegenden Spaghetti Monsters finde ich Atheismus empoerend. Ihr, Ihr selbstherrliche moechtegern Wissende, na warte, eure nudelige Heiligkeit wird euch noch den Weg weisen!
Gruss
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