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Verfasst: 23.10.2006, 18:05
von glizza
serenita hat geschrieben:Von Hoffnung würde ich nicht mehr sprechen, die seicht doch seit 100 Tagen so langsam dahin, es ist eher der Ausdruck der Verzweifelung.
Ich muss mir den Brief noch übersetzen aber ich glaube nicht, dass die Hoffnung versiegt. Der Vater bzw. die Eltern tun etwas - ob aus Verzweiflung oder nicht - aber sie ergeben sich nicht ihrer Machtlosigkeit und Trauer sondern kämpfen und geben nicht auf... Wer weiß wie lange sie das noch durchhalten und ob es wirklich was ändert - aber niemand bewegt etwas indem er sich sagt "es bleibt doch eh alles beim Alten, also lass ich lieber gleich alles sein..." Vielleicht ist es auch Verdrängung aber sie haben noch Hoffnung und das gibt ihnen die Kraft weiterzumachen... würde ich so sehen!

Was mich interessieren würde, ob die Briefe (oder E-Mails?) nicht von "Sortierstellen" ausgesondert und vernichtet werden, bevor sie den eigentlichen Empfänger überhaupt erreichen? Das müsste doch aus Sicherheitsgründen schon so sein oder? Sind in China sind seine Blogs noch zu erreichen? Muss ja eigentlich...

Verfasst: 23.10.2006, 18:43
von fankeqian
ich bin mir sicher, dass briefe überall in den chinesischen behörden vorher sortiert werden und zwar zuerst von sicherheitspolizei bevor sie in die hände der jeweiligen sekretäre gelangen. ich habe ein paar jahre in Deutschland im politischen bereich gearbeitet und schon dort hat die sekretärin des politischen amtsträgers jeden morgen sämtliche post geöffnet, sortiert und dem politiker vorgelegt. um so wahrscheinlicher ist eine derartige vorgehensweise in China.

und hier noch eine nachricht zum thema missliebige journalisten in China:
http://www.baz.ch/news/index.cfm?keyID= ... 922477D200&
(warum sind die links nur sooooo lang!)

FKQ

Verfasst: 23.10.2006, 18:51
von belrain
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man das Problem "aussitzt". So nach dem Motto "Irgendwann hat die Öffentlichkeit kein Interesse mehr und die Eltern geben schon irgendwann auf".
Eine Art, wie leider auch sehr häufig in China mit Problemen umgegangen wird.

Verfasst: 23.10.2006, 18:58
von glizza
belrain hat geschrieben:Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man das Problem "aussitzt". So nach dem Motto "Irgendwann hat die Öffentlichkeit kein Interesse mehr und die Eltern geben schon irgendwann auf".
Eine Art, wie leider auch sehr häufig in China mit Problemen umgegangen wird.
Stimmt, das könnte auch sehr gut sein ... es wird einfach nicht als "Bedrohung" gesehen ...


[edit] Kann mir jemand sagen ob ich 廖梦君 (Liao Meng Jun) richtig als den kompl. Namen des Jungen interpretiert habe?

Verfasst: 23.10.2006, 19:04
von fankeqian
ja genau, so heisst der junge.

Verfasst: 23.10.2006, 20:44
von siedenderschnee
serenita hat geschrieben:
siedenderschnee hat geschrieben:[
Normalerweise wird das nichts bringen, aber die Möglichkeit, dass die dafür zuständigen hochrangigen Mietglieder der KPCh diesen Brief sehen, besteht auch. Auf jeden Fall ist der Brief für die Eltern auch wenigstens eine Hoffnung.
Wer ist eigentlich dafür zuständig? Ne, kein Scherz, ich wüßte gern, wer denn dafür zuständig ist und in Bejing sitzt?

Von Hoffnung würde ich nicht mehr sprechen, die seicht doch seit 100 Tagen so langsam dahin, es ist eher der Ausdruck der Verzweifelung.
Dafür zuständig z.B. 公安部部长, oder 中央政法委书记

Verfasst: 23.10.2006, 21:02
von serenita
siedenderschnee hat geschrieben:[
Dafür zuständig z.B. 公安部部长, oder 中央政法委书记
Danke Dir.

Verfasst: 12.11.2006, 14:04
von fankeqian
wollte nur mal wieder kurz berichten von meinen bemühungen, deutsche medien und menschenrechts-organisationen für diesen fall und die personen zu interessieren. ich nehme das ergebnis vorweg: das ist gleich null.

ich habe vor einigen wochen mehrere überregionale zeitungen (von der faz bis zur taz), tv-sender und amnesty international sowie reporter ohne grenzen darüber per email informiert. nachdem absolut keine reaktion erfolgt war, noch nicht einmal eine persönliche empfangsbestätigung, habe ich die medien und die beiden organisationen an den fall und an meine erste email erinnert und gebeten, mir irgendeine reaktion zukommen zu lassen. nachdem auch dieser versuch verpufft war, habe ich die ai und die reporter angerufen. das äußerste, was ich an reaktion bekam, war "na sowas!" von einer dame von den reportern. die dame bei ai wollte meinen anruf weiter leiten, was gescheitert ist, weil die andere person an diesem tag nicht am platz war. eine rückmeldung der beiden menschenrechtsgruppen steht immer noch aus.

stattdessen lese ich auf der ai-webseite die folgende schlagzeile:
Todesurteil gegen Saddam Hussein vergibt Chance, ein Zeichen für Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit im Irak zu setzen. ich erspare mir jeden kommentar.

FKQ

Verfasst: 28.11.2006, 23:31
von fankeqian
http://www.henryk-broder.de/html/schm_amnesty.html

nachdem ich diesen beitrag gelesen habe, ist mir schlagartig klar geworden, warum ich von ai keine reaktion bekam auf meine bitte, sich um das schicksal von Liao Zusheng zu kümmern. es ist mir dabei auch klar geworden, wie ein derartiger kommentar zum todesurteil von Saddam Hussein - siehe die meldung zuvor - zustande kam.
FKQ

Verfasst: 15.12.2006, 01:56
von Kaori
Ich werde niemals verstehen was die Menschen zu solchen Taten treiben kann. Wie gefühlslos die Menschen mit anderem Leben umgehen können.

Für mich führt dieses Geschehen wieder zu inneren Konflikten. Ich möchte am liebsten nicht weiter darüber nachdenken. So etwas macht mich psychisch fertig. Dennoch kann ich nicht wahrhaben, dass es Menschen gibt die solche äußerste Brutalität ausüben können ohne dass ihr Gewissen sie von innen zerfrisst.

Ich kann für die Eltern dieses Jungen nur hoffen, dass die Wahrheit bald ans Licht kommt und die Verantwortlichen ihre gerechte Bestrafung erhalten. So dass die Eltern nach endlosen Tagen psychischen Horrors endlich wieder ihre Ruhe finden können....

Verfasst: 04.02.2007, 00:34
von serenita
Ich habe diesen Thread nochmal rausgebuddelt. Seit Monaten schaue ich regelmässig auf der Seite vorbei, in der Hoffnung, dass da doch irgendwann endlich was passieren würde.

Aber nein.

Auch heute am 204. Tag nach dem Todesfall/Mord warten die Eltern vergeblich auf eine Klärung.

Sie haben oder viel mehr der Vater alles mögliche wichtige Persönlichekeiten in Beijing angeschrieben, bisher erfolgslos.....

Und ich, ich bin sprachlos.... :x

Verfasst: 04.02.2007, 00:42
von Grufti
Glaubst Du wirklich, daß irgendjemand in China --außer den Eltern-- ein Interesse an einer Aufklärung hat ? Ich kann mir eher vorstellen, daß die Eltern gefährlich leben, wenn sie sich weiter um eine Aufklärung kümmern.....

Verfasst: 04.02.2007, 00:57
von serenita
Grufti hat geschrieben:Glaubst Du wirklich, daß irgendjemand in China --außer den Eltern-- ein Interesse an einer Aufklärung hat ? Ich kann mir eher vorstellen, daß die Eltern gefährlich leben, wenn sie sich weiter um eine Aufklärung kümmern.....
Reicht das denn nicht, wenn die Eltern interessiert sind? Ich meine...braucht man dazu überhaupt Argumente? Diese Fragen sind natürlich nicht an Dich gerichtet....das Komische, ich weiß gar nicht, an wen die eigentlich zu stellen sind. Wieso fühlt sich denn keiner dafür verantwortlich? Wer muss denn dahinter stecken, so dass die Besucherzahl auf der Webseite beinahe täglich gelöscht wird und schließlich die Webseite bei Sohu komplett geschlossen wurde, so dass man die Seite nur noch glaube über seinen Blog und noch eine Website (Katzenauge oder so heißt die) besuchen kann.
Mir ist übel.

Verfasst: 04.02.2007, 01:08
von Grufti
Reicht das denn nicht, wenn die Eltern interessiert sind?
NEIN, das reicht ganz offensichtlich nicht, denn der Staat müßte an der Aufklärung und Verfolgung von Verbrechen interessiert sein...und nicht alles tun, um kritische Leute im allerbesten Fall zu ignorieren...wenn nicht gar mundtot zu machen, krankenhausreif schlagen zu lassen ( wie den Staudammkritiker) oder noch viel Schlimmeres..

Verfasst: 05.02.2007, 08:24
von belrain
Ich bin immer wieder erstaunt, wie naiv manche Leute im Forum noch sind. Sorry, ich will niemanden beleidigen, aber wenn ihr so viel mit China zu tun habt, müsste euch doch klar sein das es dort "etwas anders" zugeht als hier.
Menschenleben zählen dort nicht - das war schon unter Mao so und das hat sich nicht geändert. Alles was zählt ist der Fortschritt und das Geld. Und wer der Regierung im Weg ist oder zu unbequem wird, der verschwindet bzw. wird nur noch tod aufgefunden. Die KP regiert das Land durch Angst. Niemand traut sich etwas zu tun, ausser denen die betroffen sind - und im Zweifelsfall werden auch die bald verschwinden.

Glaubt hier irgendjemand wirklich, dass die Regierung einen solchen Fall aufklären und öffentlich bekannt machen möchte? Dann würde sie sich selbst ins Knie schiessen. Wenn es mal zu irgendwelchen Veröffentlichungen von illegalen Handlungen irgendwelcher Regierungsmitgliedern kommt, dann ist sicher das es sich um ein Bauernopfer handelt. "Gelegentlich muss man den Tieren Futter geben damit sie ruhig sind."