JensB hat geschrieben:Boracay hat geschrieben:wo der Smog her kommt?
Viele alte Autos, besonders alte Diesel
Allgemein hohe Verkehrsdichte
Schwefeldiesel
Betonstrassen (hoher Abrieb = Feinstaub)
Weniger Grünflächen wo sich der Staub sammeln könnte
Kohlekraftwerke ungefiltert
Mangelnder Wind
Weil mir dieses Thema so gefällt:
Smog ist ein Aerosol aus Luft und flüssigen/festen Schwebteilchen. Neben anthropogenen Partikelemissionen (Kraftwerke, Verbrennungsmotoren, ...) werden natürliche Partikelquellen meist völlig außer Acht gelassen. Hierzu gehören vor allem Mineralstäube (besonders wenn das Land karg ist werden gröbere Mengen an grobkörnigen Partikeln >2,5 µm durch den Wind aufgenommen und können auch über weite Strecken transportiert werden), Seesalz (die Gischt verdunstet und das Salz bleibt quasi in der Luft als feste Partikel zurück) und Vulkanausbrüche. Ein Vergleich: die jährliche Partikelquellstärke von Seesalz beträgt 2300 Tg, was etwa 55% der in die Atmosphäre emittierten Partikel entspricht, Mineralstaub liegt mit 1500 Tg und 35% auf Platz zwei. Die anthropogenen Emissionen liegen bei gerade mal 110 Tg und damit etwa 2,5%.
Diese Zahlen beziehen sich natürlich auf einen globalen Maßstab und lassen sich nicht direkt auf eine Metropolregion wie z.B. Shanghai übertragen. Trotzdem verdeutlichen sie, das man die natürlichen Quellen nicht einfach vergessen sollte. Viele Extremwerte von >1000 µg PM10 in verschiedenen chinesischen Städten die weiter im Landesinneren liegen sind auf simple "Sandstürme" zurück zu führen.
Die bisher genannten Partikelquellen fallen alle unter die Kategorie der primären Partikelquellen, d.h. dass diese Partikel direkt als selbige in die Atmosphäre emittiert werden. Daneben gibt es aber auch noch sekundäre Partikelquellen, bei denen sich die Partikel aus bestimmten Vorläufergasen bilden. Hierbei spielt besonders die Partikelneubildung durch Schwefelsäure eine entscheidende Rolle: Verbrennungsmotoren, Fabrikanlagen, etc. emittieren Schwefeldioxid. Aus diesem bildet sich auf unterschiedlichen Wegen H2SO4, welches in die Partikelphase übergeht --> Partikelneubildung.
Diese Partikel können durch "Kollision" und/oder weitere Kondensation von umgebendem H2SO4 (zum Ausgleich des thermodynamischen Gleichgewichts bei Übersättigung) weiter anwachsen. Die globale Partikelquellstärke durch Sulfate beträgt immerhin 5% und liegt damit sogar noch über den anthropogenen 2,5% der primären Partikelquellen.
Partikelsenken, die von der "Regierung" immer wieder angepriesen werden, sind Grünflächen und Bäume. Inwiefern diese aber wirklich eine effektive Senke darstellen ist eher fraglich, auch (insgesamt betrachtet) bei noch so großen Blattflächen. Hauptsächlich soll dabei wohl auf die Prozesse der Impaktion (die Partikel treffen auf ein Hindernis und werden daran abgeschieden) und Sedimentation gesetzt werden. Sedimentation macht dabei, besonders bei Ultrafeinpartikeln <2,5 µm (also der PM2.5) meiner Meinung nach keinen allzu großen Sinn, da diese Partikel eine viel zu geringe Masse haben um richtig zu sedimentieren (ein Partikel mit 10µm Durchmesser hat dieselbe Masse wie 1 Mrd. Partikel mit 1 µm Durchmesser). Impaktion kann ich nicht richtig beurteilen.
Da Feinstaubpartikel sich aber nicht nur auf Bäumen und Gras absetzen, sondern so ziemlich überall, halte ich das Argument dass Grünflächen/Wald (zumindest wenn sie nicht in Größenordnungen von mehreren 1000 km^2 angelegt werden) für eine effektive Reduzierung der Feinstaubbelastung sorgen, zumindest in den Metropolregionen Asiens, für unsinnig.