In China gibt es bereits heute mindestens so viele hochqualifizierte Fachkräfte wie in Deutschland - absolut gesehen, versteht sich.
Wie kommt es dann, dass kaum hochqualitative Produkte in China entwickelt werden? Warum kann ich nicht einmal ein verlässliches 3.1-Zeugnis für meine Stahlkäufe in China bekommen (was wirklich, wirklich nicht viel Fachwissen erfordert)?
Das Bildungswesen kann hier definitiv nicht als Erklärung herhalten - denn Bildung ist ein Anfang, aber nicht einmal 10% der Strecke auf dem Weg zum Erfolg. Wenn Chinesische Schüler besser Integrale berechnen können als Deutsche (was ich übrigens bezweifle, da ich an meiner chinesischen Uni (einer Key-Uni) zahlreiche Engineeringstudenten kennenlernte, die es überhaupt nicht konnten), bedeutet dies nicht, dass sie bessere Produkte entwickeln können.
Den Chinesen mangelnde Kreativität zu unterstellen, greift aber auch zu kurz - Kreativität ist dem Menschen angeboren und ich habe weder hüben noch drüben Leute ohne Kreativität kennen gelernt. Ausser im Zoo.
Also, weswegen sind die Chinesen denn nicht innovativ?
Neben Bildung und Kreativität benötigt Innovativität auch noch Managementfähigkeiten - und hier happert es in China noch ganz gewaltig. Die chinesische Wirtschaft ist extrem intransparent, durch zogen von Korruption und ein unabhängiger Rechtsstaat existiert auch nicht.
Wozu führt das?
Unternehmen haben zunächst einmal keinen Anreiz, in Entwicklungen zu investieren - sie werden ja ohnehin sofort kopiert und man kann sich nicht in nützlicher Frist dagegen wehren. Hinzu kommt, dass Kapital extrem teuer ist - die ineffizienten monopolistischen Staatsbetriebe erhalten quasi alle Bankenkredite und die KMUs müssen nehmen, was übrig bleibt - zu 20 bis 30 % Zinsen. Zudem braucht man für jeden bürokratischen Prozess guanxi, damit der Beamte überhaupt einmal zu arbeiten beginnt.
Dazu kommt dann, dass dem chinesischen Bildungssystem fast keine Verantwortungsträger entwachsen. Wer 24/7 paukt, kann nicht die für einen Manager notwendigen Softskills entwickeln. Zudem kommt nur an eine gute Uni, wer bereit ist, sich mit Leib und Seele dem Staat zu vermachen und es nicht wagt, Inhalte zu hinterfragen - denn wer dies tut, hat Probleme beim Gaokao (vergleichbar mit der Beamtenprüfung vor 100 Jahren). Aktive Unternehmerpersönlichkeiten kommen nicht an die Unis und scheitern dann oft an fehlenden Beziehungen.
Auch im späteren Verlauf der Karriere finden sich nur wenige Managertypen - die meisten davon entstehen in der Partei und die wechseln nicht in die Privatwirtschaft, da sie dank der Korruption sehr viel Geld verdienen können.
China leidet daher an einem akuten Managermangel.
So kommt es, dass Manager in China bei gleicher Qualifikation heute höhere Löhne als in Europa erhalten, während einfache Sachbearbeiter (auch Uniabsolventen) massiv weniger verdienen. Dominante Strategie für den China-interessierten, gut gebildeten und erfahrenen Europäer: ev. chinesisch lernen, MBA machen und sich in China als Expat ein schönes Leben machen. Wer seinen MBA in China an der CEIBS macht, kann beispielsweise mit einem jährlichen Salär von USD 140.000 (gemäss der financial times und deckungsgleich meiner persönlichen Erfahrung) rechnen.
Und nein, autos vergleichbar zu japanern bauen die auch in 100 jahren nicht.
Wir haben denen ja sogar die kunst des porzelan abgenommen und uebertroffen.
Wenn China eine Demokratie mit Gewaltentrennung und Medienfreiheit entwickelt, die Staatsbetriebe privatisiert und seinen Finanzmarkt liberalisiert, überholt es die Japaner binnen weniger Jahre. Und China ändert sich rasch - es braucht nur einen zweiten Deng Xiaoping und China zieht gleich mit (zumindest Ost- oder Süd-)Europa.