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Liao Yiwu: Fräulein Hallo und der Bauernkaiser

Verfasst: 12.04.2010, 22:30
von domasla
Liao Yiwu: Fräulein Hallo und der Bauernkaiser - Chinas Gesellschaft von unten
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2009

Da mag einer die KP nicht. Was Gutes bleibt eigentlich nicht übrig. 29 Gespräche mit Menschen, die von den Kampagnen der 50er Jahre bis in die jüngste Vergangenheit Einiges erlebt haben. Sie erzählen von Höhen und Tiefen. Meistens von Tiefen. Schockierende Details, nicht nur aus den wilden Jahren der Kulturrevolution.

Die Interviewpartner kommen sowohl aus Berufen mit schlechtem Image, von aussterbenden Ästen traditioneller Betätigungsfelder als auch aus größeren Gruppen, die zu bestimmten Zeiten unerwünscht waren:
Der Straßenmusiker
Der "Leprakranke"
Fräulein Hallo
Der Totenrufer
Opfer der Bodenreform
Der alte Rotgardist
... und 23 andere.

Beim Autor handelt es sich übrigens um http://forum.chinaseite.de/viewtopic.ph ... 91#p136391

Kein... schönes Buch. Das will es wahrscheinlich auch nicht sein. Unterhaltung ist es nicht. Man muss sich für das Thema interessieren, sonst wird es zu viel.

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François Cheng: Die allzu kurze Ewigkeit

Verfasst: 18.04.2010, 21:00
von domasla
François Cheng: Die allzu kurze Ewigkeit
Piper Verlag, München, 2005
(L'éternité n'est pas de trop)

Dao-sheng verlässt sein daoistisches Kloster, um sich auf die Suche nach einer Frau zu begeben, die er vor 30 Jahren kurz einmal gesehen hat. Wird er sie finden? Wird sie sich an ihn erinnern? Kann er Kontakt mit ihr aufnehmen?

Es ist Ming-Dynastie, kurz nach sieben Uhr abends. Er richtet sich in der kleinen Stadt südlich des Yangzi ein und bietet seine Dienste als Wahrsager und Heiler an. Nun erfährt er, was aus ihr geworden ist. Natürlich... wurde sie damals verheiratet.

Es gibt daoistische und buddhistische Bezüge. Feiertage werden erklärt. Aber... Es wird eigentlich nur mit Vornamen gearbeitet. Die Dame des Hauses darf alleine ausgehen. Wo gibt's denn so was? Normal ist das nicht für das China-Setting.

Eine schöne Geschichte. Doch monatelang kommt die Handlung nicht vorwärts. Trotzdem gibt es ein Ergebnis. Welches, wird nicht verraten.

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Tran-Nhut: Das schwarze Pulver von Meister Hou

Verfasst: 20.04.2010, 22:05
von domasla
Tran-Nhut (Kim Tran-Nhut und Thanh-Van Tran-Nhut): Das schwarze Pulver von Meister Hou
(La poudre noire de Maître Hou)
Unionsverlag, Zürich, 2008
Kriminalroman

(Richter Di lebt!) Der Beamte Tân muss mehrere rätselhafte Verbrechen in seinem Amtsbezirk aufklären. Eine Dschunke wird von Toten angegriffen und ausgeraubt. Grabsteine werden gestohlen. Ein Adliger verliert sein Leben und wertvolle Schmuckstücke. Ohne eine Spur vom Täter.

Zusammen mit seinem Assistenten und einem Arzt macht er sich an die Arbeit. Möglicherweise spielt die reizvolle Gefängnisaufseherin eine Rolle. Und die... Ehefrau des Eunuchen Clemens, der bei der Verwaltung des Hafens kräftig mitverdient.

Moment mal! Was hat dieser Roman aus Vietnam mit China zu tun? Sehr viel. Der Beamte spricht und denkt Chinesisch. Er verwaltet ein Grenzgebiet im Norden. Der große Nachbar hat seine kolonialen Ansprüche erst vor kurzer Zeit zurückstellen müssen. Die Ermittlungen machen es nötig, kurz nach China zu reisen.

Die Zeit ist ungefähr das Ende der Ming-Dynastie. Ein französischer Jesuit ist ebenfalls involviert. Er hat in China gelebt und entdeckt, dass die Vermittlung von Gedanken auch in der umgekehrten Richtung funktioniert. Diese Erkenntnisse möchte er mit dem nächsten Handelsschiff zurück nach Europa nehmen. Eine gute Gelegenheit, um Philosophie-Schulen zu erörtern. Daraus ergeben sich Anhaltspunkte für die Auflösung der Fälle.

Die Namen sind normalerweise entweder vietnamesisch oder chinesisch. "Doktor Porc" und "Clemens" (Clément) stehen wohl für die Leibesfülle und den Hunger des schwabbeligen Arztes beziehungsweise für die vorgeblichen Charaktereigenschaften des Eunuchen. Das kommt aber in der deutschen Übersetzung nicht so gut raus.

Trotzdem. Die Handlung ist spannend. Komplex. Bis kurz vor dem Ende sind die Verstrickungen nicht offensichtlich. Für den Krimi muss man die volle Punktzahl geben. (Könnte Robert van Gulik geschrieben haben.)

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D., der sich ernsthaft überlegt, die anderen acht Mandarin-Tân-Romane im französischen Original zu bestellen.

Michaela Link: Der Spiegel der Kaiserin

Verfasst: 27.04.2010, 21:17
von domasla
Michaela Link: Der Spiegel der Kaiserin

Knaur Verlag, München, 2007

Roman

England, 1959. Das Buch beginnt mit einem Blick in den Spiegel. Dieser Bronzespiegel ist 2000 Jahre alt. Das Geschenk einer Kaiserin.

Vor über 50 Jahren kommt die mandschurische Prinzessin Anli als unbedeutende Hofdame in die Verbotene Stadt. In dieser Zeit wehrt sich das Kaiserreich gegen große Veränderungen. Eindringlinge von außen und Machtansprüche im Inneren können nicht mehr lange wirksam von den traditionellen Strukturen ferngehalten werden. Als sie nach einem vorlauten Ausrutscher wider Erwarten nachsichtig behandelt wird entdeckt sie, dass eine besondere Beziehung zur Kaiserin - nein, zur Mutter des Kaisers - eigentlich ist es seine Tante - bestehen muss.

Es kommt zu einer verbotenen Liebe. Undenkbar in dieser Umgebung und dieser Ära. Eine alte Geschichte scheint sich zu wiederholen.

Der Stil wird dabei nicht kitschig. Der Inhalt vermittelt eine Vorstellung vom Alltag im Palast. Vom Umgang mit Eunuchen und die Verbindungen mit der Außenwelt.

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Hong Li Yuan: Der Meister aus Shanghai

Verfasst: 30.04.2010, 22:50
von domasla
Hong Li Yuan: Der Meister aus Shanghai

Langen Müller, München, 2008

Roman.

Der Qigong- und Taijiquan-Meister Yuan Hong Li schreibt über den Qi-Gong- und Tai-Chi-Meister Chen, Da Lee. Der verlässt Ende der 80er Jahre seine Heimat Shanghai. Seine Schule, seine Freunde und seine Familie. Weil er mit der Situation dort unzufrieden ist. Seine Qigong-Schule ist ihm wichtiger als der langweilige Bürojob, bei dem er sich nicht richtig entfalten kann. Er möchte in Deutschland - Warum ausgerechnet Deutschland? - seine Kenntnisse weitergeben. Studieren, und vielleicht ein Buch schreiben.

Was und wie intensiv er studiert (Stichwort: Studentenvisum) ist nebensächlich. Um so mehr erfährt man von seinen amourösen Abenteuern. Und von den Problemen, eine passende Einrichtung zum Unterrichten zu finden. Darum soll es in diesem Buch gehen. Richtig interessant wird es, wenn er seine Eindrücke von Deutschland schildert. Komische Leute. Neonazis. China-Restaurants. Stuttgart und die Loreley. Und dann noch eine Luxus-Kreuzfahrt zwischen Singapur und Shanghai. Ob das jetzt eigentlich eine Autobiografie ist?

Die Sätze klingen ziemlich gestelzt. Hölzern, irgendwie passt der Stil nicht. Das Lektorat hat sich wohl nur um die Rechtschreibung gekümmert. Doch die Lesbarkeit leidet. Langweilig. Wenn nicht einige - auch sprachliche - Lichtblicke für die Erwartung sorgen würden, dass weiter hinten mit weiteren Erkenntnissen zu rechnen ist.

Obwohl wie in vielen anderen Büchern auch zu Beginn erklärt wird, dass die Familiennamen vor den Vornamen genannt werden, erscheinen Namen in diesem Buch grundsätzlich mit Komma. Das treibt mich in den Wahnsinn! Mal wird Pinyin verwendet, mal nicht. Lautmalereien sind nicht immer nachvollziehbar: "Ka za za, ka za za, rollten die beiden riesigen Stahlkugeln in seinen Händen." oder "Fu, fu, fu!, strich mir der Wind um die Ohren." In einem "normalen" Buch hätte mir diese Handlung besser gefallen.

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Vom selben Autor: Die Tempelglocken von Shanghai, Nymphenburger, München, 2002. Chen, Da Lees (wieder mit Komma im Namen) Entwicklung während der Kulturrevolution und seine ersten Erfahrungen mit Qi Gong. Aber dieses Buch fand ich nicht so anstrengend zu lesen.

Re: Buchtipps

Verfasst: 13.05.2010, 00:52
von Grufti
Bücher mit Chinabezug bei "zweitausendeins":

http://www.zweitausendeins.de/display/?d=11115&pfx=RW" target="_blank

:wink:

Re: Buchtipps

Verfasst: 08.07.2010, 14:08
von Kerrigan
Eigentlich wollte ich fragen, wer hier gute (!) historische Romane - also nicht von der Qualität dessen, was man im Regal "historischer Roman" in Bahnhofsbuchhandlungen, sondern vielleicht von Büchern wie Name der Rose oder das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco - kennt; aber ich seh, Domasla hat hier schon eifrig seine Erfahrungen gepostet! Dementsprechend werd ich das mal durchgehen. "Das schwarze Pulver von Meister Hou" klingt doch extrem gut..
Trotzdem, wer noch unbedingte Must-reads für mich hat, immer her damit. Meine Lieblingsromane mit Chinabezug sind "Wilde Schwäne" von Jung Chang und "Jin ping mei" - das ähnelt als historische Sozialdarstellung dem Traum der roten Kammer, ist aber gewitzter.

Re: Buchtipps

Verfasst: 08.07.2010, 14:20
von domasla
Die Richter-Di-Krimis von Robert van Gulik. Sind halt schon in den 50ern und 60ern geschrieben und übersetzt worden. Zeigen aber eine schöne Entwicklung über 16 Romane/Erzählungen.

D., der darin schon lange nicht mehr gelesen hat.

Re: Buchtipps

Verfasst: 08.07.2010, 16:14
von Kerrigan
Davon hab ich "Mord im Mönchskloster" gelesen, was ich gut fand - ich war aber auf der Suche anch dickeren Schmökern ;)

Re: Buchtipps

Verfasst: 08.07.2010, 16:37
von domasla
Also... bei mir sind das zusammen 25 cm Regal. Dick genug?

D., der sie natürlich mindestens schon 5 Mal gelesen hat. Früher. Als er weniger Bücher hatte.

Re: Buchtipps

Verfasst: 08.07.2010, 17:03
von Kerrigan
:D

Re: Buchtipps

Verfasst: 08.07.2010, 22:37
von Laogai
Kerrigan hat geschrieben:[...]gute (!) historische Romane - also nicht von der Qualität dessen, was man im Regal "historischer Roman" in Bahnhofsbuchhandlungen, sondern vielleicht von Büchern wie Name der Rose oder das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco[...]
Sowohl Der Name der Rose als auch Das Foucaultsche Pendel wirst du in gut sortierten Bahnhofsbuchhandlungen finden.

Wohingegen ich...
Kerrigan hat geschrieben:Meine Lieblingsromane mit Chinabezug sind "Wilde Schwäne" von Jung Chang und "Jin ping mei".
... weder Wilde Schwäne noch Jin Ping Mei dem Genre "Historischer Roman" zuordnen würde. Wilde Schwäne ist eine Autobiographie. Jin Ping Mei wurde zwar in der späten Ming verfasst und handelt zu Zeiten der Song, aber der historische Aspekt ist unbedeutend.

Über deine Rezension zu den beiden Werken würde ich mich natürlich trotzdem freuen :wink: :D

Die 70 schönsten Wunder Chinas

Verfasst: 20.07.2010, 21:13
von domasla
Jonathan Fenby (Herausgeber): Die 70 schönsten Wunder Chinas
Frederking & Thaler, München, 2007

Jonathan Fenby (Editor): The 70 Wonders of China
Thames & Hudson, London, 2007

70. Was sind Wunder? In dieses Buch wurden einige hinein gepackt. Manche hinein gequetscht, bei anderen wird man sich über den "Wunder"-Status einig sein. Neben greifbaren, wie Naturwundern oder architektonischen Meisterwerken sind das auch Ideen und ganz banale Dinge. Essen, die Seidenstraße, Literatur, das Dezimalsystem... Wo ist die Grenze zwischen dem 62. und dem 63. Wunder? Warum genau 70?

Wunder der Natur: Berge, Flüsse, Landschaften, Tiere und Pflanzen.
Volk & Leben: Geschichte, Philosophie, Religion, Kampfsport, Minderheiten, Artisten, Landwirtschaft, Essen und Trinken.
Metropolen: Beijing, Shanghai, Hangzhou, Suzhou, Nanjing, Xi'an, Shenyang.
Denkmäler & Großbauten: Architektur, das Grab des ersten Kaisers, Mauer, Ming-Gräber, Tibet, Kaiserkanal...
Die Künste: Bronze, Jade, Kalligraphie, Malerei, Literatur, Porzellan...
Erfindungen & Errungenschaften: Wissenschaften, Astronomie, Papier, Medizin...
Großchina: Hongkong und Macao, Taiwan, Auslandschinesen.

Die Beiträge stammen von 32 Autoren. Die Bilder kommen aus vielen verschiedenen Quellen. Das Literatur- und Quellenverzeichnis ist entsprechend umfangreich.

Trotzdem: Just another Bildband. Mit ziemlich kleinen Bildern.

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Re: Buchtipps

Verfasst: 25.08.2010, 07:16
von Andy_yi
Domasla was ist los ? Garkeine Buchtipps mehr? :?

Roger Leloup: Yoko Tsuno - Unter der Sonne Chinas

Verfasst: 25.08.2010, 22:43
von domasla
Roger Leloup: Yoko Tsuno Gesamtausgabe - Unter der Sonne Chinas
Carlsen Verlag, Hamburg, 2009

Roger Leloup: Yoko Tsuno - L'intégrale 5 - Sous le ciel de Chine
Dupuis, 2008

(Comic)

Yoko Tsuno ist eine japanische Superheldin. Eine Elektronik-Spezialistin. Sie ist sehr hilfsbereit. Dabei wird sie von ihren internationalen Freunden unterstützt, die schon mal eine Zeitmaschine mitbringen. Die Serie gibt es schon seit 1970.

In diesem Sammelband befinden sich alle Abenteuer, die in China handeln. Und zwar in Hong Kong, Guilin und "Dayong" (Zhangjiajie?). Das sind:
Band 16 - Der Drache von Hongkong
Band 22 - Die Himmelsdschunke
Band 23 - Die Pagode der Nebel

Yoko möchte ihre chinesische Cousine besuchen und erlebt im Hafen von Hong Kong eine seltsame Erscheinung. Ein Seemonster bedroht und versenkt Schiffe. Man erfährt, dass es mit einer Fischfarm und einem Skandal um ein Filmstudio zu tun hat.

Auf dem Flug nach Guilin wird sie in die Suche nach dem Grabmal einer kaiserlichen Gemahlin verwickelt.

Die nächste Episode baut darauf auf. In einem Kloster in der Vergangenheit ist etwas in Ordnung zu bringen.

Als Bonus gibt es in diesem Sammelband Hintergrundinformationen zur Entstehung der Geschichten. Und über die Recherchen des Autors in China.

Der Zeichenstil ist übrigens kein großäugiger Manga, sondern folgt der Ligne Claire. Besonders Kleidungsstücke, Gebäude und Fahrzeuge sind sehr detailliert dargestellt. Alte Männer sind alt. Entspannte Stimmungen sind entspannt. Bewegungen bewegen sich. Es gibt im dritten Teil auch Elemente, die eindeutig von meiner Lieblings-Bildrolle "qing ming shang he tu" aus der Song-Dynastie kopiert sind. Weil die Zeitmaschine diese Zeit zum Ziel hat. Respekt!

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http://www.yokotsuno.com/" target="_blank