Da melden sich die richtigen.
Zuerst Ai Weiwei: Dieser "Dissident" (ein chinesischer Dissident ist jemand, der der westlichen Presse befielt "Spring!" und diese nicht fragt "Warum?", sondern "Wie hoch?") wagt folgendes:
FTD hat geschrieben:Moderne Intellektuelle hätten eine tiefgehende Beziehung zur aktuellen Realität ihres Landes. "Einen Nobelpreis an jemanden zu geben, der von der Realität abgehoben lebt, ist eine rückständige und unsensible Verfahrensweise", kritisierte Ai die Entscheidung der Schwedischen Akademie.
Wenn es jemanden gibt, der völlig abgehoben und ohne jeglichen "Bezug zur aktuellen Realität" in China lebt, so dürfte dies Ai Wewei sein. Hieß es nicht mal in den deutschen Medien, dass er unter Hausarrest steht? Ich weiß (dank Taiyang), er steht nicht unter Hausarrest. Egal ob Hausarrest oder nicht, Ai lebt jenseits von Böse und diesseits von Gut. Aber sicherlich nicht in der chinesischen Realität.
Was schreibt denn die FTD noch so? Ach ja:
FTD hat geschrieben:Der Konzeptkünstler und Bildhauer Ai Weiwei war im vergangenen Jahr nach regierungskritischen Äußerungen für mehrere Wochen inhaftiert und im Juni 2011 gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden.
Für jeden, der sich mit der Materie nicht so gut auskennt, ist die "Botschaft" eindeutig: Ai Weiwei wurde inhaftiert, weil "regierungskritische" Äußerungen abgesondert hat. Das weiß man ja von China, wer da Kritik an der Regierung übt wandert sofort in den Bau und kann froh sein nicht sofort erschossen zu werden
Dass Ai wegen Steuerhinterziehung eingebuchtet wurde wird natürlich nicht erwähnt. Wäre auch lächerlich, das passt nicht ins Feindbild und außerdem passiert das auch bei uns fast jeden Tag. Also weg damit, besser nicht erwähnen.
Jetzt Liao Yiwu:
Die Presse hat geschrieben:Mo habe eine hohe Ebene der Literatur erreicht, aber dies habe mit Wahrheit oder Menschlichkeit nichts zu tun. "Ich bin anders", betonte der 54-Jährige. Für ihn stehe an erster Stelle die Wahrheit und erst an zweiter die Literatur.
Liao Yiwu, du bist ein wahrer Gutmensch! Erst die Wahrheit, dann die Literatur, das lesen wir gerne. Allerdings wurde hier der Literaturnobelpreis verliehen, nicht der Wahrheitsnobelpreis. Hast du auch gejault, als 2000 Gao Xingjian der Literaturnobelpreis verliehen wurde? Gao hat mit der "Wahrheit" (in deinem Sinne) ja auch nicht viel am Hut.
Immerhin wundert sich Liao über die westliche Moral:
Die Presse hat geschrieben:Er erzählte, wie er 2010 in Deutschland, auf dem Weg zur Buchmesse, von der Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo erfahren habe. Die Entscheidung habe Intellektuelle und Aktivisten im chinesischen Untergrund ermutigt. "Wir haben uns so gefreut." Am Donnerstag habe er ebenfalls auf dem Weg zur Buchmesse von der Wahl für Mo Yan erfahren. Sein Eindruck sei, dass es ein sehr diffuses Moralsystem im Westen gebe.
Das Moralsystem "des Westens" ist in der Tat sehr diffus, gerade wenn es um China geht. Es ist nämlich stark abhängig davon, was "dem Westen" gerade gelegen kommt. Und jetzt kommt "dem Westen" ein chinesischer Literaturnobelpreisträger zufällig mal gelegen. Ach Mist, was schreibe ich denn da, die Vergabe des Preises ist doch unabhängig von "Ost", "West" und "Moral", hier entscheidet ein unabhängiges Gremium
Deutschland hat Ai Weiwei und Liao Yiwu, China hat Richard Clayderman und Kenny G. Alle vier haben in etwa das gleiche künstlerische Niveau. Und den gleichen Bekanntheitsgrad - in jeweils den anderen Ländern.
Zum Schluss (und eine kleine Wiederholung):
Ai Weiwei via DiePresse hat geschrieben:Moderne Intellektuelle haben eine tiefgehende Beziehung zur aktuellen Realität ihres Landes.
Liao Yiwu via bild.de hat geschrieben:Die Menschen in China dürste es nicht nach Reichtum, sondern danach, frei zu sein.
Wer lacht zusammen mit mir darüber?