Shaolin hat geschrieben:
Sorry das ich meinen Kernpunkt nicht deutlich genug hervorgestellt habe.
Es geht mir in meiner Aussage um die nationale Medienlandschaft, sei es bei schwebenden oder beschlossenen Maasnahmen der Bundesregierung. Nicht nur die Opposition sondern auch unabhaengige Verbaende bzw Interessengruppen werden in den unabhaengigen (nicht durch Partien oder Verbaende finanzierten) Medien mit Pro- und Kontrabeitraegen bedacht um dem Leser einen moeglichst neutralen Ueberblick zu verschaffen
Ja. Die Pressefreiheit im Ansatz garantiert eine moegliche Vielfaelitigkeit der Informationsquellen. Ohne freirecherchierende Journalisten waere z.B. Watergate oder Barschel-Affaere vermutlich nie aufgedeckt worden. Damit kann die Presselandschaft durchaus als ein Gegenpol zu politischen Macht agieren, was auch oft passiert und der demokratischen Struktur und Bewusstsein sehr zugute kommt. Wobei Gerade in Sache Barschel Springer afaik eine weniger ruehmliche Rolle gespielt hat, damit sind wir schon von Pro zum Kontra bei der manipulierenden Wirkung der freien Medien gelandet. Eherlich gesagt bezwfeile ich stark, ob eine Mehrheit der Bevoelkerung dazu bereit ist, sich wirklich die Muehe zu machen, um eine neutralen Ueberblick zu verschaffen. Hier scheitern wir an der gesellschaftlichen Realitaet oder mehr noch der menschlichen Natur. Nichts desto troz ist eine freie Medienwelt natuerlich mit mehr Vorteilen fuer die Menschen verbunden, keine Frage.
- hingegen in der chin. Medienlandschaft ueberwiegend die Entscheidungen der chin. Regierung bestaerkt/ungenuegend hinterfragt werden. Aufgezeigte Alternativen die bei gewissen Themen die Entscheidung der Regierung in Frage stellen wuerden mag es zwar vereinzelt in der chin. Presselandschaft geben, sind aber unerwuenscht und bleiben unveroeffentlicht.
Ich kann mich noch an frueher erinnern. Die Schlagzeilen in den Zeitungen handelten so ziemlich jeden Tag von dem Parteivorsitzenden Jiang. Wo Jiang gestern war, was er gesagt hat, wie er ausgesehen hat, wonach sein Pups gerochen hat usw., immer ganiert mit einem grossformatigen Foto. Irgendwo unten ganz klein steht dann in einer dreizeilen, worin dann Belanglosikeiten zu lesen sind wie z.B. dass auf dem Bahnhof einer Stadt in der Provinz Hunan Panik war und ca. 80 zu Tode getrampelt wurden. Wenn man nicht genau hinschaut, ueberliest man's leicht, wie die gewoehnlichen Gegendarstellungen in den hiesigen Zeitungen.
Mangels meiner Kenntnisse die chin. Schrift zu lesen muss ich leider auf Aussagen meiner Kollegen zurueckgreifen und kann keine eigene Buerteilung abgeben. Die Kollegen reisen grundsaetzlich pro Woche fuer 2 oder 3 Tage in verschiedene Regionen, der Kommentar geht aber eindeutig in die Richtung das zwar das Medienangebot (ueberwiegend Zeitungen und TV Kanaele) im Vergleich zu vor 10 Jahren wesentlich vielfaeltiger geworden ist, wobei die gestiegene Quantitaet nur eine Vervielfaeltig der Einheitsmeldungen darstellt. Qualitativ im Sinne von objektiv oder kritisch gibt es weiterhin ungenuegend bzw keinerlei Auswahl. Das von Dir beschriebene Beispiel kann aber das richtige Zeichen setzen.
Es kommt in der Tat hin und wieder vor, dass ein quertreibende Journalist Beitraege verfasst, die den Parteioberen nicht genehm sind. Manche Zeitungen sind dafuer gar beruechtigt. Je nach Lage und/oder Beziehungen passiert den Journalisten afaik haeufig nicht mal was. Das "Phaenomen" besteht schon seit dem Neunzigen, kann aber auch als kontroliierte "Frustventil" der Zensurbehoerde intepretiert werden. Dennoch ist eine Wille zu Vielfaeltigkeit durchaus da.
Sicherlich richtig, obwohl man zwischen Satire und realer Berichterstattung abwaegen muss.
Die Faehigkeit der Differenzierung liegt natuerlich nicht an der Rasse, koennte mir aber gut vorstellen das ein sog. "Zwischen-den-Zeilen-lesen" den Westlern etwas einfacherer faellt.
Der Meinung bin ich nicht gerade. Gerade viele Chinesen haben gelernt, dass man "zwischen den Zeilen" lesen _muss_, wenn man etwas nuetzlicheres als das Wohlergehen des Parteivorsitzenden erfahren will. Ich persoenlich achte auf jeden Fall sehr auf den Kontext der Meldungen beim Konsumieren von Nachrichten und suche oft fast unterbewusst Zusammenhaenge in unscheinbaren Meldungen und aktuellen politischen Situationen. In den Diskussionen mit meinen Freunden merke ich aber oft, dass gerade die Ueberzeugung an natur gegebene Objektivitaet der Meldungen durch Pressefreiheit vielen die gesunde Potion Paronoia nimmt..
Schwieriger Vergleich, weder die kulturelle bzw geschichtliche Entwicklung Italiens noch die derzeitige Ausgangssituation (Wahllandschaft, Infrastruktur, Wirtschaft usw) kann man auf China anwenden.
Ist ein wenig weit hergeholt. Da gebe ich Dir recht. Das Thema fiel mir deshalb ein, weil ich neulich eine Dokumentationsreihe "wohin fuehrt uns die Demokratie" auf Arte oder Phoenix gesehen habe. Da ging's unter anderem um einige demonkratisch verlaufene Wahlen, deren Ergebnis, nunja, "merkwuerdig" sind. Weiss allerdings nicht mehr genau, ob Italien drin vorkam.
Gruss
/dev/urandom