otternase hat geschrieben:Philipp hat geschrieben:
1) Richtung mehr Liberalismus: Würde vermutlich das Ende des KP-Monopols bedeuten, daran haben diese Leute kein Interesse, deswegen ist diese Option unwahrscheinlich.
interessante Frage ist, ob die Mittelschicht dies überhaupt will?
Nehmen wir mal die Gruppe der Studenten, das ist die künftige akademische Mittelschicht, das sind die, die wichtig für die Entwicklung des Landes sein werden und potentiell die Macht hätten, Änderungen herbeizuführen. In kaum einem Land der Erde stehen die Studenten so geschlossen hinter der Regierung. Ist es nicht gerade Aufgabe der Studenten, Dinge zu hinterfragen, sich für Alternativen einzusetzen, unbequem zu sein? Sogar die Studenten, die im Ausland studieren, drücken sich häufig vor dieser Aufgabe. Was soll aus einem Staat werden, deren akademischer Nachwuchs so angepasst ist? Wird die Gestaltung der Gesellschaft an eine kleine Führerelite gehen, die einen Duckmäuserstaat installiert oder wird der "Mob" die Gesellschaft formen und China im Chaos von sozial bedingten Aufständen untergehen?
Philipp hat geschrieben:
2) Zurück zum Kommunismus: Würde vermutlich die Bevölkerung nicht mitmachen, die sich an ein Konsumleben gewöhnt hat. Außerdem können sich die Machthaber und Bürokraten im Staatskapitalsmus, wie ihn China heute hat auch besser selber bereichern, deswegen ist auch diese Option unwahrscheinlich.
für so unrealistisch halte ich diese Option nicht einmal. Neben der Option eines aggressiv faschistischen Weltmachtstaates ist dies immerhin ein Weg, drohenden sozialen Konflikten beizukommen. Der Kommunismus hat in China bis heute keinen schlechten Namen, es gibt durchaus starke Gruppen in der Partei, die einen solchen Weg fordern, isolationistische Kräfte gibt es ebenso mit hohem Gewicht. Für einen grossen Teil der Bevölkerung würde das Konsumleben sich auch nicht unbedingt so sehr verändern, ein grosser Teil der chinesischen Wirtschaft arbeitet sowieso für die Binnennachfrage und Importgüter sind auch bislang eher Sache einer wachsenden, aber verhältnismässig kleinen Schicht.
Philipp hat geschrieben:
3) Weiter machen wie bisher: Ist eine Möglichkeit vielleicht käme dann irgendwann so etwas wie Singapur - also ein wohlhabender Polizeistaat - dabei heraus. Birgt allerdings die Gefahr für die Führung, dass es früher oder später wenn die Mittelschicht weiter anwächst eine Entwicklung in Richtung ->1) gibt.
wäre vermutlich eine nicht mal so schlechte Option, leider eher unrealistisch, weil viele innere Probleme und die äusseren Randbedingungen ein "Weiter so" einfach nicht ermöglichen
Philipp hat geschrieben:
4) Wandlung zum Faschismus: Könnte man prima absolute Macht in den Händen der Führung behalten oder sogar weiter konzentrieren, die Bevölkerung durch Nationalismus, Militarismus, Brot und Spiele unterhalten und durch Propaganda über vermeintliche Bedrohungen von außen um sich scharen und gleichzeitig den jetzigen Luxus den die Macht beschert genießen.
ja, über diese Frage diskutieren wir hier ja
zu 1. Mehr Liberalismus:
Liberalismus in unserem Sinn ist für mich auf unabsehbare Zeit sehr unwahrscheinlich. Dazu ist der chinesische (unabhängig von der KP) Begriff des Staatswesens zu unterschiedlich, Und diese über Jahrtausende gültige und TIEF VERWURZELTE UND VERINNERLICHTE Denkweise wird sich so schnell auch nicht ändern.
zu 2. Zurück zum Kommunismus:
Wenn nicht etwas VÖLLIG UNVORHERSEHBARES passiert, was die Bevölkerung eine "Kehrtwende" lassen machen würde - dann halte ich diese Möglichkeit auch für sehr unwahrscheinlich.
Die Wirtschaftsentwicklung die China gemacht hat - und immer noch macht - wäre unter kommunistischen Vorzeichen a´la Mao UNDENKBAR gewesen. Und da immer mehr Leute an dieser Entwicklung teilhaben wollen, dürfte dieses Szenario keine Aussichten auf Erfolg haben.
zu 3. weiter machen wie bisher:
Das ist für mich das wahrscheinlichste Szenario.
Einfach deshalb, weil dieses Rezept im Grossen und Ganzen wirklich erfolgreich ist.
Die Mittelschicht wächst langsam aber stetig.
Problematisch sind neben den ökologischen auch die sozialen Probleme.
Sollte die chinesische Regierung einen (gewaltfreien) Weg finden um die sich abzeichnenden sozialen Spannungen abzubauen, um die soziale Kluft nicht grösser werden zu lassen - oder sie gar zu verringern - sehe ich keinen Grund, weshalb sie dieses "Erfolgsrezept" nicht beibehalten sollte.
Politik ist für die meisten Chinesen (nach meinen Erfahrungen) eher unwichtig, solange sie in Ihrem persönlichen Streben nach mehr Wohlstand unbehelligt bleiben. Internet, Reisemöglichkeuten. wachsender Wohlstand - das sind die dinge, die "den Durchschnitts-Chinesen" zu aller erst interessieren.
zu 4. Wandlung zum Faschismus:
Kann ich mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen. Es sei denn meine unter 1. genannte These würde zutreffen.
Dann würde unter Umständen sowohl der Kommunismus als auch der Faschismus evtl. möglich sein.
Aber bevor DAS passieren könnte, müssten derart gravierende Umstände eintreten, die ich mir im <moment einfach nicht realistischer Weise vorstellen kann.
Wie auch immer: Veränderungen WERDEN kommen, aber:
1. Nur von den Chinesen selbst herbeigeführt - alles andere ist durch das "Kolonial-Trauma" ausgeschlossen - und sollte auch nicht versucht werden.
2. Sehr viel länger dauern, als wir es uns hier vorstellen können.
In der Beziehung denken Chinesen einfach in ganz anderen Zeiträumen.
Ich versuche das mal anhand eines alten chinesischen Spruches zu verdeutlichen -sinngemäss etwa: "Im Sturm sei nicht stark wie ein Baum. ER wird vom Sturm gebrochen werden. Sei wie das Gras, dass sich im Sturm biegt, aber nicht bricht. Und Du wirst sehen, das gras wird noch immer da sein, wenn der Sturm längst vorbei ist".
5000 jAHRE CHINESISCHE kULTUR vs. 90 JAHRE KOMMUNISMUS.
Über kurz oder lang wird China auch den Kommunismus - egal in welcher Ausprägung - überwinden.