Trotz dieser Probleme ist China aber hinter den (wirtschaftlich rund dreimal grösseren) USA der zweitgrösste Luxusgütermarkt - die Chinesen kaufen sich also lieber Schweizer Uhren, statt zu investieren oder den Armen des Landes zu helfen.
Da ich mir gerade beruflich ein paar Zahlen zum Luxusgüterkonsum in China angesehen haben, hier noch ein ein bisschen Datenmaterial zu dem Thema (um vielleicht zur Sachlichkeit der Diskussion beizutragen) (die Daten kann man sich aus Wikipedia, Bain Luxury Goods Worldwide Market Study, und den Merrill Lynch/ Capgemini Wealth Reports zusammenstückeln / selber fälschen):
Die Luxusgüterindustrie erreichte 2011 einen weltweiten Umsatz von ca. USD 267 Mrd., oder ca. 0.4% des weltweiten Bruttosozialprodukts.
An Personen aus „Greater China“ (PRC, Hong Kong, Macao, Taiwan), eingerechnet der geschätzten Einkäufe von Chinesen im Ausland (das macht für „Greater China“ fast 40% der gesamten Einkäufe aus), wurden Luxusgüter im Wert von ca. USD 52 Mrd. verkauft. Das vergleicht sich mit USD 67 Mrd. in den USA, USD 25 Mrd. in Japan, USD 12 Mrd. in Deutschland, und USD 9 Mrd. in Südkorea (ich denke, der Betrag für Gesamtkorea ist in etwa der gleiche…).
In Relation zur Gesamtbevölkerung ist somit der chinesische Pro-Kopf Konsum von Luxusgütern natürlich viel geringer als in den anderen genannten Ländern.
In Relation zum BSP auf PPP-Basis (nach IMF Methodik) liegt „Greater China“ immerhin schon auf gleichem Niveau wie die USA (beide 0.46%), etwas über Deutschland (0.39%) und unter Japan und Südkoreaner (beide 0.60%).
In Relation zum nominalen BSP (man könnte argumentieren, dass Luxusgüter in Schwellenländern zu eher teureren denn billigeren Preisen verkauft werden als in entwickelten Ländern, und daher PPP kein sinnvoller Ansatz ist) liegt Greater China mit 0.78% deutlich über Deutschland (0.35%), den USA (0.46%) und Japan (0.46%). Nur Südkorea liegt noch darüber mit 0.87%.
Auf Grund der sehr unterschiedlichen Vermögensverteilungen in den Ländern, und der sehr unterschiedlichen Verteilung von frei verfügbarem Einkommen ist aber vielleicht der beste Vergleich, die Relation zu der Anzahl von „Reichen“, den primäre Zielkunden von Luxusgütern.
Einigermassen verlässliche Schätzungen finden sich für die Anzahl von sogenannten High-Net-Worth-Individuals (HNWIs), d.h. Menschen mit einem Vermögen (ohne Einrechnung des Werts des ersten Eigenheims), von mehr als USD 1 Million.
Hiervon gibt es ca. 732k in „Greater China“ (0.05% der Gesamtbevölkerung). In Süd-Korea sind es 0.3% der Gesamtbevölkerung, in den USA 1%, in Deutschland 1.1% und in Japan ganze 1.4% (wir reden hiermit also in den entwickelten Ländern um die berühmten 1% die Occupy als Feindbild erwählt hat).
In Deutschland betragen die jährlichen Luxusgüterausgaben relativ zur Anzahl der HNWI USD 12,6k; in Japan USD 14,6k; in den USA USD 21,7k; im Südkorea stolze USD 69,5k und in „Geater China“ ganze USD 70,8k – das sind 5.6x so viel wie in Deutschland.
Ein Faktor kann natürlich noch die demografische Struktur der Reichen sein, wenn man annimmt, dass junge Reiche tendenziell mehr für Luxusgüter ausgeben als alte Reiche: In Japan sind 79% der HNWIs über 55 Jahre alt, in China gerade mal nur 21%. Die Ausgaben für Luxusgüter relativ zu HNWIs jünger als 55 Jahre alt liegen somit bei ca. USD 28k in Deutschland, USD 40k in den USA, USD 69k in Japan, und USD 90k in China (für Süd-Korea liegt mir leider kein Altersaufriss der HNWIs vor) – für China immer noch 3.2x so viel als in Deutschland.
Ich denke, die Datenlage gibt somit einige Anhaltspunkte dafür, dass in China (ähnlich wie in Süd-Korea, und, wenn man die andere Altersstruktur berücksichtigt, vielleicht auch in Japan, aber weniger eindeutig) wohlhabende Menschen tatsächlich mehr Luxusgüter kaufen als in den USA und in Deutschland.