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Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 09.01.2010, 22:42
von ingo_001
Kraken hat geschrieben:In China wird sich aber einiges ändern (müssen). Die realisieren langsam, dass es nicht so toll ist, der Konjunkturlage im Westen auf Gedeih und Verderben ausgeliefert zu sein...
Und wenn China (die chinesische Regierung) die richtigen Konsequenzen aus der jetzigen Situation zieht, dann werden die nötigen Veränderungen (verglichen mit unseren westlichen Demokratien) sehr schnell erfolgen.
Das ist eben - neben aller z.T. auch berechtigten Kritik am chinesischen Systen - (obs uns nun gefällt oder nicht) ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Endscheidungen werden schneller getroffen und auch umgesetzt - "dank" fehlender durch unserere westlichen Demokratien bedingten "Bremsklötze".
Der Westen täte m.E. gut daran, sich schon jetzt auf diese Zeit einzustellen, wenn man denn nicht wieder vom chinesischen Tempo überrascht werden will.
Chinesen handeln in erster Linie pragmatisch und versuchen gar nicht erst die Eigeninteressen hinter irgendwelchen politischen Floskeln zu verstecken (wie es unsere westlichen Regierungen versuchen).

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 09.01.2010, 22:42
von ingo_001
gelöscht

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 10.01.2010, 05:01
von RoyalTramp
Das stimmt: Die chinesische Regierung packt die Dinge wirklich sofort an und findet immer irgendeine kurzfristige Lösung...es wirkt wie blinder Aktionismus, aber immerhin. Die Regierung in China legt sich nicht selbst lahm, durch diese ständige Blockade von Regierung und Opposition oder auch Flügelkämpfen innerhalb der Parteien. Das fehlensolcher Antagonismen in der chinesischen Politik hat in gewisser Hinsicht und in diesem Punkt tatsächlich was Gutes und erst die Grundlage für diese wahnsinnige Entwicklung gelegt, die China in den letzten fast 25 Jahren jetzt hinter sich hat. Mit Opposition und derlei, wäre eine solche Entwicklung nicht möglich gewesen. Auf der anderen Seite fehlt aber natürlich auch irgendwo ein Korrektiv, dadurch, dass es eben keine Opposition gibt.

Kann man also so oder so sehen, aber was man anerkennen muss ist, dass die chinesische Regierung keine ist, die die Hände einfach nur in den Schoß legt. Überhaupt die Chinesen an sich...pragmatisch durch und durch...hier wird nach dem Prinzip gewerkelt: "Try and Error", während in Deutschland und anderswo gilt: "First find error, and then try..." Deswegen schreitet China lustig weiter voran, während Deutschland immer noch mit der Fehlersuche im Vorfeld beschäftigt ist.

Nicht falsch verstehen, auch das kann man wieder positiv und negativ sehen... :mrgreen:

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 10.01.2010, 07:41
von bossel
RoyalTramp hat geschrieben:Mit Opposition und derlei, wäre eine solche Entwicklung nicht möglich gewesen.
Ganz so ist es auch wieder nicht. In Indien gibt es Opposition & dort ist die Entwicklung in letzter Zeit ähnlich verlaufen, wenn auch nicht ganz so rasant wie in China.
hier wird nach dem Prinzip gewerkelt: "Try and Error", während in Deutschland und anderswo gilt: "First find error, and then try..." Deswegen schreitet China lustig weiter voran, während Deutschland immer noch mit der Fehlersuche im Vorfeld beschäftigt ist.
Auch nicht immer. Kann mich da an ICEs erinnern...

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 10.01.2010, 08:26
von RoyalTramp
bossel hat geschrieben:Ganz so ist es auch wieder nicht. In Indien gibt es Opposition & dort ist die Entwicklung in letzter Zeit ähnlich verlaufen, wenn auch nicht ganz so rasant wie in China.
Ich kenne mich mit Indien nicht aus, aber nachdem, was man hier so alleine im Forum mitbekommt, scheint Indien keine Demokratie nach unserem Verständnis zu sein. Ob da eine Opposition ähnlichen Einfluss auf das tägliche politische Geschäft nehmen kann, wie in Deutschland?
Auch nicht immer. Kann mich da an ICEs erinnern...
Seien wir froh, dass man die Dinger irgendwann einfach auf die Schiene geworfen hat, denn sonst würde es heute in D immer noch nur Bummelzüge auf den Schienen geben und die Hochgeschwindigkeitstechnologie würde sich woanders weiterentwickeln. Klar: Schön sind dann solche Sachen wie bei den ICEs nicht, aber im Endeffekt "Risiken", mit denen man leider leben muss, wenn man sich weiterentwickeln will.

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 11.01.2010, 20:08
von bossel
RoyalTramp hat geschrieben:Ich kenne mich mit Indien nicht aus, aber nachdem, was man hier so alleine im Forum mitbekommt, scheint Indien keine Demokratie nach unserem Verständnis zu sein.
Was ist denn eine "Demokratie nach unserem Verständnis"?

Ob da eine Opposition ähnlichen Einfluss auf das tägliche politische Geschäft nehmen kann, wie in Deutschland?
:?: Kommt vermutlich drauf an, wie Du diesen Einfluß in D siehst.
Wenn Du meinst, ob die Opposition auch Wahlen gewinnen kann, um sich dann an der Regierung wiederzufinden, dann: ja.

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 12.01.2010, 04:41
von RoyalTramp
Wie bereits gesagt, kenne ich mich mit Indien nicht aus, aber ist es dort auch so, dass die Opposition die Regierung lahm legen kann, wenn ihr die Maßnahmen der regierenden Parteien nicht gefällt, wie mitunter in D? Können z.B. unterschiedliche Provinzparlamente (mitunter Länderregierungen, die in Opposition zur Nationalregierung stünden, wie z.B. bei uns Schwarz-Gelb auf Bundesebene, aber Rot-Rot auf Landesebene) so vehementen Einfluss auf die Tagespolitik der Regierung nehmen etc.? Wenn ja, dann unterscheidet sich das Prinzip in Indien nicht sehr von unserem.

Wenn es sich aber in Indien um eine "Opposition" handelt, die alles abnickt und zu allem Ja und Amen sagt, was die Regierung in Indien unternimmt, dann ist es doch ein wenig so, wie mit der Opposition in China. ;)

Aber wie gesagt: Ich kenne mich mit Indien wirklich nicht aus, daher sind meine Fragen ehrlich gemeint und nicht rhetorischer Natur.

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 12.01.2010, 20:19
von Chen8
ijontichy hat geschrieben:* Komplexere Wirtschaftsbeziehungen beruhen auf Vertrauen - aber Vertrauen als Grundlage von (Geschaefts)beziehungen ist immer noch kaum moeglich; die Zerstoerung vieler Grundwerte durch die Kulturrevolution wirft weiterhin ihre langen Schatten;
Das sehe ich falsch. Gerade die Beziehungen und Wirtschaftsbeziehungen basieren stark auf den Netzwerkeln (beschreibt man networking so auf deutsch?) zueinander. Die Grundlage sind jedoch hier Personen und Kontakte und es höhrt nicht nach nach der Arbeit auf. Gerade im KMU Bereich sind sie sehr wichtig und etwas was von Ausländer häuig unterschätzt oder falsch (z.B. als Korruption) verstanden wird.
* Staatliche und halbstaatliche Unternehmen, oder Konglomerate von Sproesslingen aus politischen Dynastien, kontrollieren zunehmend alle Schluesselsektoren (ob Immobillien, Telekom, oder High-Tech); die Zeit der echten Unternehmer scheint vorrueber;
Früher war alles staatlich, der Trend geht davon weg. Da jedoch Familien aus solchen Kreis über viel Geld, Wissen und Kontakte verfügen haben sie hohen Einfluss. Hier ist auch nicht zuvergessen das gewisse Bereiche (Schlüsselsektor) per Gesetz immer in staatlicher Hand bleiben.
* Die im "Westen" trainierten Chinesen sind "Fremde im eigenen Land", und (noch?) sehr weit entfernt von den Stellhebeln der Macht; die Faeden werden gezogen von KP-Kindern der zweiten und dritten Generation, meist noch mit Narben der Kulturrevolution im Lebenslauf;
Gerade die reicheren lassen ihr Kind im Ausland studieren als "investition". Wenn sie zurückkommen haben sie sich zwar geänder sind aber nicht fremd. Auf wirtschaftlicher Ebene ist es für sie meist leichter einen guten Beruf zu finden ABER nur im Westen studiert zu haben ist kein Freischein für den späteren Erfolg.
Die Welt-Finanz-und-Wirtschaftskrise wurde mit einem massiven Stimulus-Paket der Zentralregierung "ueberwunden". Viele der Gelder sind aber, durch ausschliessliche Kreditvergabe an grosse staatliche Unternehmen, fehlgeleitet worden -- entweder oekonomisch fehlgeleitet (unnoetige Kapazitaeten, Autobahnen ins Nichts) oder auch kriminell fehlgeleitet (private Immobilienspekulationen); die oft beschworene "bessere" Art des Stimulus - durch hoehere "Investitionen" in Bildung, Gesundheit und eine soziale Grundabsicherung - wird nicht kommen, da so die derzeitigen Nutzniesser liebgewonnene Kontrolle und Macht verlieren koennten;
-->nach Angaben der People's Bank of China (Zentralbank) beliefen sich die neuen Kredite an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den ersten neun Monaten des 2009 auf 3,08 Billionen Yuan (451 Milliarden US-Dollar). Dies ist ein Anteil von 45% der 6,83 Billionen Yuan an vergebenen Krediten in den ersten 9 Monaten! Die KMUs trugen zu 60% des BIP in 2008 bei, zu 50% der Steuereinnahmen und zu 80% der Arbeitsplätze in städtischen Gebieten
Da es in China immer noch viele staatliche Unternehmen gibt fließt natürlich auch dahin Geld, es wäre seltsam sie auszunehmen. Im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern wurde jedoch viel Geld in die KMU investiert.
Die Mittelschicht hat auch schon Federn lassen müssen, etwa bei den diversen Börsenkrächen. Die chinesischen Börsen sind ein unglaublicher Zockerzirkus. Die Verlierer ziehen schonmal vor die Hütten betrügerischer Broker und machen Rabbatz, das ist es aber.
China ist auch Weltmeister des Glücksspiels. Das zum Teil bewusst solch hohe Risiken in Kauf genommen werden ist aber glaub ich nicht vielen Bewußt.

Re: Chinas Wirtschaft: Forum-Prognosen fuer die naechste Dekade

Verfasst: 13.01.2010, 08:59
von bossel
RoyalTramp hat geschrieben:Wie bereits gesagt, kenne ich mich mit Indien nicht aus, aber ist es dort auch so, dass die Opposition die Regierung lahm legen kann, wenn ihr die Maßnahmen der regierenden Parteien nicht gefällt, wie mitunter in D? Können z.B. unterschiedliche Provinzparlamente (mitunter Länderregierungen, die in Opposition zur Nationalregierung stünden, wie z.B. bei uns Schwarz-Gelb auf Bundesebene, aber Rot-Rot auf Landesebene) so vehementen Einfluss auf die Tagespolitik der Regierung nehmen etc.?
Können die das zB in Frankreich? Hat Frankreich eine "Demokratie nach unserem Verständnis"? :mrgreen:

Das System der Bundesstaaten ist IIRC (wie alles folgende) eher nach dem US-Modell aufgebaut. Das System ist dann aber auch nicht so unähnlich dem deutschen mit "Bundestag" & "Bundesrat". Bei Unstimmigkeiten bzgl. Gesetzesvorhaben gibt es aber eine gemeinsame Sitzung, keinen Vermittlungsausschuß.
Wenn es sich aber in Indien um eine "Opposition" handelt, die alles abnickt und zu allem Ja und Amen sagt, was die Regierung in Indien unternimmt,
Eher nicht.