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Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 12:52
von DaLongRen
Also zunächst einmal herzlichen Dank an alle, die hier Ihr Fachwissen weitergeben!

Von allen Fragen/Diskussionen an denen ich bisher in diesem Forum teilgenommen habe, ist dieser Thread für mich mit Abstand der ergiebigste.

Was mir zunächst einmal auffällt ist, dass es auch im "Niedriglohnbereich" (unter 6000€/Monat :evil:) für Ausländer mit lokalen Verträgen keine wirkliche "Best Practice" zu geben scheint.

Die Systeme sind sehr unterschiedlich:
Es gibt keine Gehaltsraster fuer Chinesen und Auslaender bei lokalen Vertraegen, sondern ein Gehaltsraster fuer alle. Wenn man dich wirklich haben will, dann wird man versuchen deine Gehaltswuensche in dem Sinne zu entsprechen, dass man dich in die Gehaltsstufe "schiebt
Hast du bereits für diese Firma in D gearbeitet? Dann wird sie dir einen Hochrechnung machen - in der ein Vergleichbares Nettogehalt ausgerechnet wird das üblicherweise dann mit einem Zuschlag versehen, aber nicht die drastischen 50-100% der Expat Verträge, sondern eher 10%.
Nein, als Ausläner verdient man meist deutlich mehr als chinesische Kollegen in vergleichberer Position. Brutto zumindest.
Mein Gehalt ist auf "deutscher Basis" verhandelt worden, also angepasst an die Gehaltsstruktur der Mutterfirma, als "Goodies" gab es dann so Dinge wie Heimflüge und Krankenversicherung.
Innerhalb dieser (nicht repräsentativen) Stichprobe scheint aber die Orientierung am Lohnniveau einer vergleichbaren *deutschen* Stelle - und nicht etwa des chinesischen Einkommens - zu überwiegen.

Vorausgesetzt, dass es der Firma wirklich um einen Mitarbeiter mit langfristiger China-Perspektive geht (und nicht nur darum, die Lohnkosten zu drücken), sollte also auch eine Orientierung am deutschen Einkommen akzeptiert werden. Immerhin ist ein entsandter, deutscher Mitarbeiter 10-100% teurer...

Daneben sind aber (je nach Firma) auch eine ganze Menge "Gimmicks" möglich:
Grundsaätzlich kenne ich es so, dass fast alle Expat-Benefits auch in einen lokalen Vertrag eingebunden werden können. Ist halt eine Frage des Wollens vom Arbeitgeber.
Wobei der Wille des Arbeitgebers in diesem Fall (lokale Neueinstellung) nicht ganz so groß ausgeprägt sein dürfte (immerhin gibt es im "Niedriglohnsektor" ja deutlich mehr Alternativen).

Sorry, Boracay - der "Niedriglohn" geht mir im Moment nicht mehr aus dem Kopf :lol: . Ist (analog zu den Abgasnormen "Euro IV" und "China IV") mein Gehalt dann quasi Hartz IV bzw. "China IV für Expats"? :lol:

Weitere wichtige Informationen waren für mich bis jetzt:
  • Das Thema Sozialversicherungsabkommen. Nachdem ich mich kurz eingelesen habe wäre das (als *nicht* Entsandter) ein klasse Möglichkeit, aus der Rentenversicherung rauszukommen. Bei der GKV bin ich mir nicht ganz sicher ob ich das will, aber prinzipiell sehe ich langfristig die gleichen Probleme wie bei der RV.
  • Interessant ist auch das Thema "Sideletters". Das sind quasi "Nebenvereinbarungen", außerhalb eines chinesischen Arbeitsvertrages. Kann dazu jemand noch ein paar Erklärungen beisteuern?
Z.B. ist für mich das Thema Kündigungsfristen und "Unbefristeter Vertrag" noch Thema.
  • Kündigungsfrist von 4 Wochen ist mir ehrlich gesagt zu kurz, weil ich für eine passende Jobsuche i.d.R. mit mindestens mit 3 Monaten rechne und Arbeitslosengeld I gibt es ja hier in China nicht. :wink:
  • Welchen Unterschied gibt es in China zwischen einem befristeten und einem unbefristeten Vertrag? Ich dachte hier gibt es sowas wie "Abfindungen" und "Sozialplan" eher nicht...
Spannend sind übrigens auch die generellen Meinungen zum Thema "Lokaler Arbeitsvertrag"
Willst du unbedingt nach China? Dann werden sie dich sowieso bekommen, egal ob sie dir 15.000 oder 50.000 im Monat anbieten. ;-) Ich wuerde mir wie gesagt einfach klarmachen was ich will und erwarte und das auch klar aussprechen.
Ueber einen lokalen Vertrag wuerde ich nicht mal annaeherungsweise nachdenken [...] jemand lokal einzustellen ist recht kurzsichtig, zeugt von wenig Kenntnis der oertlichen Situation und dient nur einem: Geld zu sparen.
Lass die Finger davon!
Also ich habe aus persönlichen Gründen auf jeden Fall eine deutliche Präferenz für China und die Stelle ist auch ein vernünftiger Schritt in meinem CV.

Allerdings ist die Präferenz explizit *nicht* "manisch", d.h. der "Walk-away-point" wird durch den Gegenwert definiert, den ich in alternativen Angeboten in Deutschland realisieren könnte.

Dazu eine weitere Frage: Wie lange kann man sich in China eigentlich mit der Annahme / Ablehnung eines Angebots Zeit lassen? U.u. habe ich noch Angebote aus Deutschland, aber dafür muss ich erst einmal zum Interview fliegen... ;-)

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 13:58
von blackrice
DaLongRen hat geschrieben: Dazu eine weitere Frage: Wie lange kann man sich in China eigentlich mit der Annahme / Ablehnung eines Angebots Zeit lassen?
:roll: :shock: :roll:

nimm´s mir nicht übel wenn ich nun meinen Kommentar hierzu abgebe: oben schrieb jemand "lass die Finger davon"..ich sehe es nicht gar so krass aber vermute das DU, ja, DU, in China nicht glücklich wirst. (Und ich habe mir ALLE Beiträge in diesem deinem Thread durchgelesen.)

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 15:38
von DaLongRen
blackrice hat geschrieben:nimm´s mir nicht übel wenn ich nun meinen Kommentar hierzu abgebe: oben schrieb jemand "lass die Finger davon"..ich sehe es nicht gar so krass aber vermute das DU, ja, DU, in China nicht glücklich wirst. (Und ich habe mir ALLE Beiträge in diesem deinem Thread durchgelesen.)
Also - auch wenn es mich in den Fingern juckt ein entsprechendes Replik zu verfassen :wink: - meine ich es ehrlich mit der Aussage, dass wirklich *alle* Kommentare erwünscht sind.

Neben Deiner väterlich weisen (aber leider auch nichts-sagenden) Stimme aus dem Off, wäre eine konkrete Aussage allerdings schön gewesen.

So ist Deine (ja genau Deine) Antwort einfach nur (wie sagt man heute doch gleich?): "nicht hilfreich".
Und sie steht Ihrem Gehalt nach damit in etwa auf der Stufe mit Aussagen wie "Die Renten sind sicher". :lol:

Wenn Du aber einen Beitrag zu der Frage leisten möchtest, ob sich die Geduldsspanne eines Deutschen OEMs in China signifikant von der Geduldsspanne des deutschen Mutterhauses unterscheidet, dann hänge ich (metaphorisch gesehen) an Deinen Lippen. :wink:

Und da ich in England studiert habe, stört mich auch ein wenig "gefotzel" zwischen drin nicht besonders. :evil: Ehrlich gesagt geht es in diesem China-Forum (im Vergleich zu angelsächsischen Foren) noch ziemlich gesittet zu, da wird der Rat-suchende "Neu-Expat" zu diesem Zeitpunkt von den "alten Hasen" schon gegrillt.

Aber vielleicht liegt das auch einfach daran, dass Dongguan geschlossen wurde und der "Druck" jetzt halt irgendwie anders raus muss. :twisted:

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 16:31
von Boracay
DaLongRen hat geschrieben: Was mir zunächst einmal auffällt ist, dass es auch im "Niedriglohnbereich" (unter 6000€/Monat :evil:) für Ausländer mit lokalen Verträgen keine wirkliche "Best Practice" zu geben scheint.
Wir reden hier von Bruttogehalt. Das sind in D gerade mal 3.000€ Netto und das ohne Housing. Bei gutem Arbeitgeber aber mit 13 Gehältern, ner Erfolgsprämie und bezahlten oder abfeierbaren Überstunden.
Wenn es ein Nettogehalt wäre (und da bist du in China bei dem Brutto nicht weit weg) dann auf jeden Fall nicht schlecht.
Innerhalb dieser (nicht repräsentativen) Stichprobe scheint aber die Orientierung am Lohnniveau einer vergleichbaren *deutschen* Stelle - und nicht etwa des chinesischen Einkommens - zu überwiegen.
Bei einem deutschen Arbeitgeber, der die deutschen Tarifverträge kennt sicherlich.
Sorry, Boracay - der "Niedriglohn" geht mir im Moment nicht mehr aus dem Kopf :lol: . Ist (analog zu den Abgasnormen "Euro IV" und "China IV") mein Gehalt dann quasi Hartz IV bzw. "China IV für Expats"? :lol:
Ich habe das nicht Niedriglohn gennannt, sondern dass ein TV bei ungefähr der Höhe (bei uns in der Firma 6.300€) aufhört. Oberstes Ende. Sicherlich kein sonderlich beeindruckendes Gehalt, vor allem nicht im Süden Deutschlands. Brutto erst mal nicht schlecht, aber da bekommt man in D pervers viel abgezogen.
Dafür hat man zivilisierten Umgang, ein sauberes Land, hochwertige Produkte,.....
Das Thema Sozialversicherungsabkommen. Nachdem ich mich kurz eingelesen habe wäre das (als *nicht* Entsandter) ein klasse Möglichkeit, aus der Rentenversicherung rauszukommen.
Ab einem gewissen Alter nicht mehr attraktiv, denn an das Geld willst du irgendwann mal ran. Jahre ohne Beiträge können da sehr weh tun.
Bei der GKV bin ich mir nicht ganz sicher ob ich das will, aber prinzipiell sehe ich langfristig die gleichen Probleme wie bei der RV.
Aus der GKV bist du auf jeden Fall raus im Ausland. Anwartschaft ist heute nicht mehr notwendig, da du bei Arbeitsaufnahme in D automatisch wieder in der GKV versichert wirst.
In der PVK müsstest du einen recht hohen Betrag an Anwartschaft bezahlen.
Z.B. ist für mich das Thema Kündigungsfristen und "Unbefristeter Vertrag" noch Thema.
  • Kündigungsfrist von 4 Wochen ist mir ehrlich gesagt zu kurz, weil ich für eine passende Jobsuche i.d.R. mit mindestens mit 3 Monaten rechne und Arbeitslosengeld I gibt es ja hier in China nicht. :wink:
Es besteht über das Sozialversicherungsabkommen auch die Möglichkeit in der AL Versicherung zu bleiben.
[*] Welchen Unterschied gibt es in China zwischen einem befristeten und einem unbefristeten Vertrag? Ich dachte hier gibt es sowas wie "Abfindungen" und "Sozialplan" eher nicht...[/list]
Bei Mitarbeitern die vorher in D beschäftigt waren, lassen sich über Abordnungsvereinbarungen die deutschen Regeln übernehme. Das heißt meist dass Kündigungen eigentlich nicht möglich sind.
Also ich habe aus persönlichen Gründen auf jeden Fall eine deutliche Präferenz für China und die Stelle ist auch ein vernünftiger Schritt in meinem CV.
Ohne Familie und sonstigen Verpflichtungen würde ich das einfach machen und fertig. Finde zwar die Chinesen benehmen sich wie Affen im Zoo, aber für dich ist das bestimmt eine riesige Chance. Was hast du denn zu verlieren? Einen 2.000€ Netto Job? sorry, aber so viel verdient man bei Aldi an der Kasse.

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 16:54
von canni
Einen 2.000€ Netto Job? sorry, aber so viel verdient man bei Aldi an der Kasse.

Echt jetzt???? Das wären laut Bora's Rechnung dann ja ca. 4000 brutto???
Ich seh es ja ein, ist auf jeden Fall risikoreicher als ein Besserwisser Job in China. Wars nix fährst heim und fertig. Wenn Du bei Aldi rausfliegst was das auch... aber wohl für länger.

Ich bin echt erstaunt. Wenn das stimmt, wozu den ganzen krempel studieren, von dem man zwei Drittel doch im Normalfall weder braucht noch sinnvoll anwenden kann. So mancher Assistenzarzt oder junger Lehrer müsste doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er nicht sofort zu Aldi wechselt.

Oder meintest Du RMB Bora?

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 17:01
von TaugeNix
Boracay hat geschrieben:Was hast du denn zu verlieren? Einen 2.000€ Netto Job? sorry, aber so viel verdient man bei Aldi an der Kasse.
Genau! Unter 3k/netto (EUR) in der (Dreitage-)Woche bewege ich mich keinen Meter. Meine Frau sagt auch schon immer, dass sie ihre 7k/netto (EUR) zu wenig für ihren Halbtagsjob findet. Und mein Hund fühlt sich mit seinen 1.5k (EUR) im Monat ohnehin unterbezahlt - ist schon ein Hundeleben..

Gruß
TaugeNix

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 06295.html
Martin Winterkorn verdient auch nur 40k am Tag, sparen ist angesagt!

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 17:29
von Boracay
canni hat geschrieben: Echt jetzt???? Das wären laut Bora's Rechnung dann ja ca. 4000 brutto???
Um auf 2.000 € Netto zu kommen braucht man ein Bruttoeinkommen von Euro 3350€ bei STK1. Macht bei 175 Stunden pro Monat ca. 19€ pro Stunde. Bei Aldi Süd bekommst du im dritten Jahr bereits 17,50e, ne Prämie und ein 13tentes.
Ich bin echt erstaunt. Wenn das stimmt, wozu den ganzen krempel studieren, von dem man zwei Drittel doch im Normalfall weder braucht noch sinnvoll anwenden kann. So mancher Assistenzarzt oder junger Lehrer müsste doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er nicht sofort zu Aldi wechselt.
Meine Exfreundin war Assistnzärztin. Die hat 2600€ Netto bekommen, wohlwissend dass die schlecht verdienende Zeit irgendwann vorbei sein wird. Die Lehrer die ich kenne liegen meist auch bei über 3.000€ Netto, aber da gibt es nicht viel Prämien. Mit 20 Jahren Dienstzeit, verheiratet und 2 Kindern verdient man in der Sekundärstufe 2 auch gerne mal über 4.000€ Netto.
Stimmt aber - als Akademiker bei Aldi verdient man meist deutlich mehr. Allerdings muss man dafür auch brutal ran.

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 17:33
von Boracay
TaugeNix hat geschrieben:
Genau! Unter 3k/netto (EUR) in der (Dreitage-)Woche bewege ich mich keinen Meter. Meine Frau sagt auch schon immer, dass sie ihre 7k/netto (EUR) zu wenig für ihren Halbtagsjob findet. Und mein Hund fühlt sich mit seinen 1.5k (EUR) im Monat ohnehin unterbezahlt - ist schon ein Hundeleben..
Sorry, aber für euch Ossis mögen 2.000€ Nettogehalt ja dramatisch viel Geld sein in Süddeutschland ist das aber nichts. Ich kenne niemanden der so wenig verdient, selbst mein kleiner Bruder bekommt als Feriejobber im Schichtdienst schon über 20€ die Stunde.

Re: Struktur von "Local Expat" - Verträgen?

Verfasst: 17.02.2014, 17:38
von TaugeNix
Boracay hat geschrieben:
TaugeNix hat geschrieben:
Genau! Unter 3k/netto (EUR) in der (Dreitage-)Woche bewege ich mich keinen Meter. Meine Frau sagt auch schon immer, dass sie ihre 7k/netto (EUR) zu wenig für ihren Halbtagsjob findet. Und mein Hund fühlt sich mit seinen 1.5k (EUR) im Monat ohnehin unterbezahlt - ist schon ein Hundeleben..
Sorry, aber für euch Ossis mögen 2.000€ Nettogehalt ja dramatisch viel Geld sein in Süddeutschland ist das aber nichts. Ich kenne niemanden der so wenig verdient, selbst mein kleiner Bruder bekommt als Feriejobber im Schichtdienst schon über 20€ die Stunde.
Hmm, letztes Mal, als ich nach einer Dienstreise aus dem Zug ausstieg, lag Frankfurt noch immer im Herzen Deutschlands und zählte nicht unbedingt zu Ostdeutschland. Kann aber sein, dass die Namensvetter von der Oder gemeint sind - ich bin jedenfalls einer vom Main ;)

Wie gesagt, unter 3k/Netto (EUR) in meiner Kurzwoche mache ich keinen Finger krum, aber da ist ja offensichtlich auch noch deutlich Luft nach oben im Süden Deutschlands!