Die Vorteile der chinesischen Sprache

Übersetzungen, Computerprobleme, Chinesische Zeichen, Studium in China, Sinologie usw.
Benutzeravatar
kusti
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 580
Registriert: 11.12.2005, 08:53

Beitrag von kusti »

Genau das sage ich ja die ganze Zeit.

Chinesische Schriftzeichen sind mehrheitlich Symbolzeichen, und sind meistens sogar noch irreführend. Es ist ein wilder Wust aus Tradition, aus Lautsprache, aus Scheinbbegriffen und Ableitungen. Alles, ja wirklich alles, musst du mühselig auswendig lernen. Es gibt keine prinzipielle, innere Logik der Begriffe und ihrer Darstellung. Deshalb ist diese Schrift nicht so weit entwickelt, wie diejenige mit den reinen Lautbegriffen, mit den lateinischen Lettern.

Aber ich glaube auch nicht, dass sich irgend jemals etwas ändern wird. Die chinesische Schrift bleibt genau so, wie sie heute schon ist. Weil:

- entweder man macht gleich eine neue Schrift
- oder man lässt alles so, wie es ist

Pinyin, was ideal ist, hat man ja schon, und das will man nicht. Die Reformen, welche nötig wären die Schrift zu verbesseren, würden nur zu Chaos und Verwirrung führen. (Siehe Deutschland, mit ob man Schifffahrt mit 2, 3, oder sogar 1 f schreibt. Idiotisch. Statt dass man endlich 'der/die/das' abschaffen würde). Also bleibt gar nichts übrig und es bleibt alles wie gehabt.

Aber das ist auch Garant dafür, dass meine Wörterbücher auch in 1000 Jahren noch Gültigkeit haben werden, und ich auch als alter Mann noch etwas darin werde nachschlagen können. Juhuiiiiii !

Ich glaube übrigens, dass man Pinyin nicht akzeptiert, weil es vom Westen kommt, und weil man Angst davor hat, den inneren Zusammenhalt der Chinesen gegenüber dem Ausland aufzubrechen, wenn man dieses benutzen würde. Wenn selbst die Schrift vom Westen kommt, was bleibt einem dann noch als Kultur??????
Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24875
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 53 Mal

Beitrag von Grufti »

kusti hat geschrieben:Genau das sage ich ja die ganze Zeit.

Chinesische Schriftzeichen sind mehrheitlich Symbolzeichen, und sind meistens sogar noch irreführend. Es ist ein wilder Wust aus Tradition, aus Lautsprache, aus Scheinbbegriffen und Ableitungen. Alles, ja wirklich alles, musst du mühselig auswendig lernen. Es gibt keine prinzipielle, innere Logik der Begriffe und ihrer Darstellung. Deshalb ist diese Schrift nicht so weit entwickelt, wie diejenige mit den reinen Lautbegriffen, mit den lateinischen Lettern.
Die chinesische Schrift.. ist NICHT "nicht so weit entwickelt" wie die Lautschrift....sie hat nur einen anderen Entwicklungsweg zurückgelegt..als die westlichen Schriftformen..
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
Benutzeravatar
Bellerophon
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 166
Registriert: 09.04.2006, 23:33

Beitrag von Bellerophon »

Unter Philologen ist längst bekannt, dass das indogermanische (die Urmutter der meisten europ. Sprachen und einiger asiatischer Sprachen (Sanskrit, Altiranisch, usw..) schon eine hoch komplexe und flektierende Sprache gewesen ist.

Der Trend zur Isolierung ist leider Realität.

Dass sich das Chinesische von einer flektierenden zu einer isolierenden Sprache entwickelt hat, halte ich allerdings für sehr fragwürdig. Ich habe gehört, dass das klassische Chinesisch noch stärker isoliert als das Gegenwärtige.

Ich studiere klassische Philologie und schlage mir nun schon seit Jahren sowohl lateinische als auch griechische Formen um die Ohren. ( Vor Allem die griechischen Verben sind brutal)
Man muss hierbei bedenken, dass es sich um Kunstsprache handelt. Die real gesprochene Sprache, aus der sich auch die romanischen Sprachen bzw. das Neugriechische entwickelt haben, unterschied sich sehr stark von der literarischen Ebene.

Ich kann nicht verstehen was hier manche Leute gegen Flexionen haben, sie erlauben der betreffenden Sprache eine sehr differenzierte Darstellung von Beziehungen und Zeitverhältnissen.
Andere Sprachen haben andere Lösungen für solche Anforderungen!

Im Übrigen ist es, wie schon gesagt, großer Quatsch, die Eigenheiten einer Sprache positiv oder negativ bewerten zu wollen.
Gleichsam könnte man einer Banane zum Vorwurf machen, dass sie krumm ist.
Benutzeravatar
kusti
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 580
Registriert: 11.12.2005, 08:53

Beitrag von kusti »

Nein, nein, und nochmals nein. Ich bin anderer Meinung.
Mit Flexion kannst du zum Beispiel auch ausdrücken wie Begriffe zueinander in Verbindung stehen.

Wie kannst du zum Beispiel folgendes in Chinesisch ausdrücken?:

Schiffsschraubenmotorventilanbindung

Im Chinesischen könntest du im Idealfall schreiben:

Anbindung von Ventil von Motor von Schraube von Schiff

Was aber, wenn du nun meinst?:

Schraubenmotorventilanbindungsschiff

dann kannst du das nicht mehr so einfach machen. Da müsstest du im Chinesischen schon mit Umschreibungen beginnen, und dann hast du gleich mehrere Sätze.

Verstehst du die weiteren Vorteile von Flexion? Flexion ist eine Weiterentwicklung der Schrift und der Sprache durch einfachste Anfügungen.

Am Anfang einer Schrift steht die Modularisierung, und nicht an ihrem Ende. Eine Schrift ist modular entstanden. Jede Schrift ist modular entstanden.

Du wirst jetzt lachen, aber ich habe im Umgang mit japanischen Freunden gelernt, dass selbst das Denken weitestgehend in dieser modularen Strukturen vor sich geht. Sie haben zwar schon eine sehr differenzierte Wahrnehmung. Aber bei der Beurteilung von vielen Situationen meint man oftmals eine gewisse autistische Ader festzustellen. Das ist es aber nicht, es ist vielmehr die Art zu denken. Wenn die Zuordnung zu einem Begriff stattgefunden hat, dann ist dieser vollständig. Dann läuft auch das gesamte Programm der Assoziationen nicht mehr in der gleichen Art und Weise, als wenn du Begriffe mit Lauten verknüpfst.

Natürlich ist es anders, die chinesische Schrift ist anders. Aber genau so sicher ist, dass Flexion eine Weiterentwicklung der Schrift ist, und die Chinesische Schrift noch weiter zu den Ursprüngen der Schrift und Sprache gereicht.
Mit der deutschen Sprache zum Beispiel kann man spielen. Man kann die Satzstellungen verändern, man kann die Begriffe ändern durch Betonungsänderungen in der Satzstellung, man kann die Tempora verändern und etwas komplett anderes ausdrücken, man kann durch die Flexion die Anordnung angeben, man kann Neukreationen von Wortverbindungen machen ohne dabei alles auf den Kopf zu stellen, und, und, und, und...
Diese Möglichkeiten hast du mit der chinesischen Schrift nicht, weil sie 'modular' ist. Die westliche Verwendung von Schrift und Sprache ist vielmehr 'analog', wenn man dies überhaupt so vergleichen kann.

Naja, ich bin einfach anderer Meinung. Muss wohl daran liegen. Ich will dich gar nicht in Frage stellen.
Benutzeravatar
Sky Darmos
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 559
Registriert: 28.01.2006, 19:56
Wohnort: Birkenfeld

Re: Die Vorteile der chinesischen Sprache

Beitrag von Sky Darmos »

bossel hat geschrieben:1: Kommt auf die Sätze an.
Im Durchschnitt passen mehrere chinesische Sätze in einen deutschen Satz.
bossel hat geschrieben:2: Naja, kommt drauf an, wie man zählt. Viele deutsche Wörter kann man theoretisch mit nur einem Strich schreiben.
Ich zähle so dass man auf einer Linie nicht zurückfahren kann. Man muss dann absetzen. Denke das ist eine recht eindeutige Zählweise.
bossel hat geschrieben:3: Die Bedeutung(-sherkunft) ist auch bei chinesischen Schriftzeichen nur zu erkennen, wenn man die einzelnen Elemente bereits kennt; ganz ähnlich wie im Deutschen. Übrigens bilden Griechisch & Latein nicht die Grundlage für die Mehrzahl deutscher Wörter.
Ein deutsches Wort verrät mir doch vor sich aus nichts über seine Bedeutung. Ich meine hier nicht zusammengesetzte Wörter. Einzelne Schriftzeichen an sich sagen schon etwas über ihre Bedeutung aus wenn man sie daraufhin untersucht aus was sie zusammengesetzt sind. Gut man kann nicht ohne Nachschlagen wissen was sie bedeuten aber man kann sich gute Eselsbrücken machen.
Ich geb mal ein paar Beispiele (sind natürlich nur Interpretationen von mir):

In Denken 想 ist Bild 相 und 心 Herz enthalten. Sagt aus: "Gedanken sind Bilder des Herzens." (oder symbolisierungen/verbalisierungen von Gefühlen (wofür auch wieder das Herz steht))
Manner 男 (男人) enthaellt Feld 田 und Kraft 力. Sagt aus: "Männer sind Kräftig auf dem Feld."
"Den Jade 玉 besitzt das Land/der Staat 国."
"Er 他 ist auch 也 ein Mensch 人."
"Es ist gut 好 Frau 女 und Kind 子 zu haben."
Wolkenmuster 雯 sind die Sprache 文 des Himmels. 雨 zeigt dass es um Wetter geht (Übrigens geht es bei nahezu allen Zeichen die 雨 enthalten um Wetter).
Alles unter der Sonne 日 Existiert/ist (sein 是) (Naja, jetzt ist es wohl etwas mehr, was wir als existent betrachten).
Liebe 爱 ist eine sehr intensive Freundschaft 友.
Morgen 明天 ist wenn der Mond 月 gegangen ist und die Sonne 日 kommt.
Sommer 昊 (Altchinesisch) ist wenn die Tage 天 viel Sonne 日 haben.

Ich denke mal dass die Altchinesischen Zeichen mehr aussagen als die Neuen. Bei den zusammengesetzten Wörtern sind die Beziehnungen noch viel Interessanter. Ein Zusammengesetztes Wort ist ja im Chinesischen etwas ganz anderes als bei uns.
bossel hat geschrieben:4: Hier gilt auch wieder: Nur wenn man das Element kennt.
Es gibt nur 226 Radikale. Meistens ist es ein solches Radikal das die Aussprache festlegt. Es wird ja nicht zu viel sein, diese zu lernen. Umso mehr Zeichen man kann umso leichter fällt es einem weitere zu lernen.
bossel hat geschrieben:5: Wie war das noch mit dem Dativ & dem Genitiv sein Tod? :P
Verstehe aber ehrlich gesagt nicht, was Du meinst.
Genauso wie du die Bedeutung einer mathematischen Formel begreifen kannst ohne sie innerlich in Worte zu fassen, kannst du auch einen chinesischen Satz in Schriftform verstehen ohne ihn auszusprechen - nichteinmal gedanklich.
bossel hat geschrieben:6: Wie man im Deutschunterricht lernt (zumindest in der gymnasialen Oberstufe), kann das auch für deutsche Gedichte gelten.
Eine abfolge immer gleicher Buchstaben ist nicht so Kunstvoll wie die vielfältigen Zeichen der chinesischen Schrift.
Meine Schrift sieht auch nicht schlecht aus. Aber wenn es immer gleiche Buchstaben sind, ist das als Kunstwerk nicht wirklich interessant.
bossel hat geschrieben:8: Wie im Deutschen.
Die Buchstaben haben Querbeziehungen untereinander?
In Pinyin fällt mir nur die Relation j = tzsh ein. Aber sonst kann man Buchstaben nicht durch andere ausdrücken. Welche Beziehungen meist du? Ein einzelnes Wort hat in seiner Lautzusammensetzung auch keine Beziehungen zu anderen Wörtern.
Vielleicht meinst du ja Zusammengesetzte Wörter. Aber das ist nun wirklich nicht das was ich unter Punkt 8 gemeint hab.
bossel hat geschrieben:9: Sorry, der Vergleich funktioniert nicht.
Warum nicht?
bossel hat geschrieben:10: Stimmt. Ob das ein Vorteil oder Nachteil ist, sei mal dahingestellt; ist wahrscheinlich Geschmackssache.
Naja, mehr Sinn erhällt ein Satz nicht durch viel Grammatik sondern durch viele Wörter die in vielfältiger Beziehung untereinander stehen.
Umso enger die Beziehungen zwischen Wörtern gewoben sind, umso kurzer ist die Bandbreite der "Sinne" sie es simbolisieren kann.
Den Sinn selbst kann man aber niemals 100% in Form einer Definition fassen (das Gilt auch in der Mathematik --> Gödels Satz).
bossel hat geschrieben:11: Falsch. Kann man auch im Deutschen, macht nur kaum einer.
Deutsche zusammengesetze Wörter sind nicht mit den chinesischen Vergleichbar. Das Zusammensetzen modifiziert die Bedeutungen im Chinesischen Sehr stark. Was vorher vielleicht nur ein Adjektiv sein kann, kann in einem zusammengesetztes Wort plötzlich ein Substantiv sein.
Zum Beispiel kann 学 nur lernen bedeuten und kann nicht als Substantiv verwendet werden, also so dass es etwa das Lernen, oder die Lehre, bedeuten koennte. Aber in Woertern wie

物理学 = Substanz-Logik-Lehre = Physik
天文学 = Lehre der Himmels-Sprache = Astronomie
生物学 = Lehre der belebten Substanz = Biologie

Vergleiche mal die Aussagenlosen Deutschen wörter mit chinesischen Wörtern. Mir sind die chinesischen Symphatischer und ich konnte sie mir sofort merken weil ich alle Zeichen schon vorher kannte. Im Deutschen hätte mir das nichts genützt.
bossel hat geschrieben:12: Kein großer Unterschied zum Deutschen, würde ich meinen.
Im Deutschen sagen einem die einzelnen Silben, aus denen Wörter bestehen, aber meistens gar nichts.
bossel hat geschrieben:13: Wieder Geschmackssache, etwas Redundanz kann auch nützlich sein.
Inwiefern? Dass es anders klingt? Das erreicht man besser in dem man seine Gedanken durch einen reichen Wortschatz präziser ausdrückt.
bossel hat geschrieben:1: Bedingt. Schrift als Symbol für Sprache muß immer separat gelernt werden. Wenn Schriftzeichen einzelne Laute symbolisieren, muß man nur nicht soviele lernen.
Aber wie gut kann man systemfreie Lautkombinationen lernen?
bossel hat geschrieben:2: Etwas schwieriger? Naja, wohl wieder Geschmackssache.
Naja, ein großer Kritikpunkt ist das auch nicht. Aber ich will ja keine Schwarz-Weiss-Sicht vermitteln und brauche daher auch genug Contra-Argumente.
bossel hat geschrieben:3: Mit den deutschen Zeichen kann man genauso hunderttausende von Wörtern bilden. Außerdem braucht man im Chinesischen ein klein wenig mehr als 3000 Zeichen, um sich vernünftig ausdrücken zu können.
Ich spreche von Wörtern nicht von einzelnen Lauten. Im deutschen ist es eben nicht so dass man 3000 (oder von mir aus 5000 bis 7000) Wörter lernt und damit alle anderen Bilden kann.
bossel hat geschrieben:
Die deutsche Schriftsprache enthält viel willkürr und ist oft gar nicht in der Aussprache begründet.
Würde mal behaupten, daß das auch für Hanzi gilt (wie für die meisten Schriftarten).
Da gebe ich dir recht.
bossel hat geschrieben:
Etwa muss man bei jedem Wort auswendig lernen ob es mit C oder K geschrieben wird.
Ist mir neu. Ich mußte sowas auf der Schule nie auswendig lernen.
Echt? Kannst du mir begründen warum man Computer schreibt und nicht Komputer? Mal abgesehen davon dass man Computer ganz anders schreibt als man es spricht. Muss man denn hier nicht viel mehr lernen als im Chinesischen? (电脑 = dian-nao = electric brain = computer)
Englische Vokabellisten lernen ist etwas sehr mühsames. Wenn man hingegen chinesische Vokabeln lernt, kann man sich viele Gedanken über die Zusammensetzung der Zeichen und Wörter machen. So merkt man es sich automatisch.
bossel hat geschrieben:j=i ist nicht korrekt. Es gibt zwar Überschneidungen in der Schriftsprache, aber es sind trotzdem distinkte Laute (i=Vokal, j=Halbvokal). Wie kommst Du darauf, daß die eine Aussprache für j richtiger ist, als die andere?
Manchmal wird j auch einfach wie das y im englischen you gesprochen.
Ich sage nicht das irgendwas richtiger ist. Aber ich kann hier zwischen drei verschieden Klingenden Lauten unterscheiden. i, y wie in you, und tzsh (das man als j schreiben kann). Ich finde es nicht gut wenn diese willkürlich durcheinander verwendet werden. Etwa spricht man das J in Jahr wie das Y in you. Das J in Jack spricht man Tzshak.
Sprich es ist alles durcheinander. Man muss bei jedem Wort neben der Aussprache auch die Schrift auswendig lernen obwohl das gar nicht nötig wäre.

Gruß, Sky.
Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24875
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 53 Mal

Beitrag von Grufti »

kusti hat geschrieben:Nein, nein, und nochmals nein. Ich bin anderer Meinung.
Mit Flexion kannst du zum Beispiel auch ausdrücken wie Begriffe zueinander in Verbindung stehen.

Wie kannst du zum Beispiel folgendes in Chinesisch ausdrücken?:

Schiffsschraubenmotorventilanbindung

Im Chinesischen könntest du im Idealfall schreiben:

Anbindung von Ventil von Motor von Schraube von Schiff

Was aber, wenn du nun meinst?:

Schraubenmotorventilanbindungsschiff
.....
ich mache es jetzt ganz einfach, indem ich das Wichtigste zum Thema "Flexion" aus Wiki" hereinkopiere und auf die entsprechende Url verweise:


"Arten

Bei der Flexion wird abhängig von der Wortart unterschieden zwischen
der Deklination bei Nomina (diese Flexion wird auch als Biegung bezeichnet, um sie von der Beugung der Verben abzugrenzen)‚
nach Kasus, Numerus, Genus
der Konjugation bei Verben
beispielsweise nach Person, Numerus, Aspekt, Aktionsart, Zeit, Genus Verbi, Modus
der Komparation (Steigerung) bei Adjektiven und Partizipien
nach der Steigerungsstufe

Man unterscheidet parallel dazu zwei Arten der Flexion
schwache, äußere Flexion unter der Benutzung von Affixen
beispielsweise Präfixe, Suffixe, Infixe, Zirkumfixe
starke, innere Flexion mit der Veränderung des Stammes
beispielsweise durch Umlaut, Ablaut oder Konsonantenverschiebung

Der Begriff flektierende Sprache wird häufig als Oberbegriff für synthetische Sprachen verwendet, also auch für agglutinierende Sprachen und fusionale Sprachen.

Eine flektierte Form kann durchaus mehrere verschiedene Bedeutungen haben, wie auch eine grammatische Funktion durch mehrere flektierte Formen ausgedrückt werden kann.



http://de.wikipedia.org/wiki/Flexion

Selbst unter dem Artikel "agglutinierendem Sprachbau" finde ich nicht im entferntesten, was Du meinst:

http://de.wikipedia.org/wiki/Agglutinierender_Sprachbau
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
Benutzeravatar
Sky Darmos
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 559
Registriert: 28.01.2006, 19:56
Wohnort: Birkenfeld

Beitrag von Sky Darmos »

kusti hat geschrieben:Nein, nein, und nochmals nein. Ich bin anderer Meinung.
Mit Flexion kannst du zum Beispiel auch ausdrücken wie Begriffe zueinander in Verbindung stehen.
Das geschieht im Chinesischen eben durch die Reihenfolge. Manchmal kommen auch Zeichen dazu die Partikel sind ohne eigene Bedeutung.
kusti hat geschrieben:Wie kannst du zum Beispiel folgendes in Chinesisch ausdrücken?:

Schiffsschraubenmotorventilanbindung

Im Chinesischen könntest du im Idealfall schreiben:

Anbindung von Ventil von Motor von Schraube von Schiff

Was aber, wenn du nun meinst?:

Schraubenmotorventilanbindungsschiff
Ich würde ersteres im Chinesischen

Schiff-Schraube-Motor-Ventil-Anbindung

schreiben. Die Reihenfolge zeigt perfekt an was gemeint ist.
Zweiteres würde ich:

Schraube-Motor-Ventil-Anbindung-Schiff

Die Reihenfolge der Wörter spielt doch im Deutschen die Gleiche Rolle wie im Chinesischen.
Ich finde die Umgewöhnung ist sehr leicht.
Das ist kein großes Umdenken.
Im Chinesischen gibt es aber neben solchen Wörter auch solche bei denen die einzelnen Wörter ganz andere Bedeutungen bekommen können wenn sie in größeren Wörter verwendet werden.
Das gibt es im Deutschen nicht. Es entstehen im Chinesischen eine große Zahl wörter rein durch kombination, die es im Deutschen niemals geben könnte, die aber sehr präziese Differenzierungen erlauben.

MfG,
Sky.
Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24875
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 53 Mal

Re: Die Vorteile der chinesischen Sprache

Beitrag von Grufti »


Es gibt nur 226 Radikale. Meistens ist es ein solches Radikal das die Aussprache festlegt. Es wird ja nicht zu viel sein, diese zu lernen. Umso mehr Zeichen man kann umso leichter fällt es einem weitere zu lernen.


"Nur" 226 ?????? Kangxi war schon mal auf 214!!! :lol: :lol: :lol:
Meistens ist es ein solches Radikal das die Aussprache festlegt.
:?: :?: :?: :?:

da hast sicher sehr viele Beispiele parat...!! :roll:

Also....wenn ich die chinesischen Zeichen betrachte, kann ich mich aussprachemäßig meistens nur an den Komponenten eines Zeichens "entlanghangeln", die NICHT das Radikal darstellen..... 精靖菁 鼱婧腈睛 镜 境 景
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
Benutzeravatar
Sky Darmos
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 559
Registriert: 28.01.2006, 19:56
Wohnort: Birkenfeld

Stimmt

Beitrag von Sky Darmos »

Grufti hat geschrieben: "Nur" 226 ?????? Kangxi war schon mal auf 214!!! :lol: :lol: :lol:
Ja, dass man es weiter Zusammenfassen kann war mir klar. Manche "Kapitel" sind ja wirklich fast leer und man könnte die zeichen (oft gerade mal zwei) auch in ein anderes "Kapitel" packen.
Grufti hat geschrieben: da hast sicher sehr viele Beispiele parat...!! :roll:
Nein, sorry! Du hast recht. Das Radikal gibt meist nur die Bedeutungsgruppe an. Sehr gut kann man das an den Zeichen mit dem Radikal 雨 sehen.

MfG, Sky
Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24875
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 53 Mal

Beitrag von Grufti »

Unter Kangxi wurden die bis dahin verwendeten 540 KLZ des 说文 auf 214 reduziert....nur die VR Schriftreform hatte aus die KLZ anders gruppiert z.T. aufgespalten..und anders wieder zusammengeworfen.. bis eben die 226 KLZ herausgekommen sind..
Das würde die These der ""Entwicklung durch Verkomplizierung" von kusti bestätigen :lol: :lol: :lol:


Nachtrag: Hier eine Gegenüberstellung der beiden KLZ-Systemen/Listen:

http://de.wikipedia.org/wiki/227_Radikale
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24875
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 53 Mal

Beitrag von Grufti »

Mit der deutschen Sprache zum Beispiel kann man spielen. Man kann die Satzstellungen verändern, man kann die Begriffe ändern durch Betonungsänderungen in der Satzstellung, man kann die Tempora verändern und etwas komplett anderes ausdrücken, man kann durch die Flexion die Anordnung angeben, man kann Neukreationen von Wortverbindungen machen ohne dabei alles auf den Kopf zu stellen, und, und, und, und...
Diese Möglichkeiten hast du mit der chinesischen Schrift nicht, weil sie 'modular' ist. Die westliche Verwendung von Schrift und Sprache ist vielmehr 'analog', wenn man dies überhaupt so vergleichen kann.

Das, was Du über Betonungsänderung, Änderung der Wortstellung etc geschrieben hattest , ist o.k. ...nur...was die Wortbildung betrifft, ist das Chinesische dem Deutschen mindestens ebenbürtig, da die chinesische Sprache auch moderne Begriffe sogar so bilden kann, daß man nicht unbedingt merkt, daß die Technik, die dahinter steckt, eigentlich aus dem Ausland kommt..

so ist das "Telefon" als Wort im Deutschen ein Fremdwort...aber sieht 电话 wie ein Fremdwort im Chinesischen aus ?????
oder ""hacker" ist der "Schwarze Gast" ( 黑客)..sag doch mal ein deutsches Wort dafür !! :roll: :lol:

die deutsche Sprache (gibt es die überhaupt noch... oder ist das, was wir schreiben und sprechen .... schon mehr "Denglish"?????) ist doch den Anforderungen, aus ihrem eigenen Sprachfundus neue Wörter zu schaffen, in keinster Weise gewachsen, während das Chinesische diese Kraft (noch)besitzt...oder wem fällt etwa ein "deutsches" Wort für "Handy" ein ???? :roll: :lol: :lol: :lol: :lol:
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
Benutzeravatar
Sky Darmos
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 559
Registriert: 28.01.2006, 19:56
Wohnort: Birkenfeld

Beitrag von Sky Darmos »

Grufti hat geschrieben:"Kritik an einer Schrift / Sprache" ...
Hmm Das Wort "Kritik" ist unpassend..denn das ist ja in Jahrhunderten ohne Absicht gewachsen.
Man kan "Kritik" an einem "-ismus" üben, aber nicht an einer Sprache.
Vielleicht ersetzen wir das Wort "Kritik" durch "positive" bzw. "negative Eigenschaften... :roll:
Die Kritik am Chinesisch kam ja nicht von mir, also war auch nicht ich es der es so bezeichnete. Ich hab nur gesagt was mich zur Erstellung dieser Liste veranlasste. Natürlich ist das Deutsche und Englische genauso wertvoll und es wäre unsinn alle eine Sprache sprechen lassen zu wollen.
Meine Pro- Contra-Punkte sind einfach positive und negative Eigenschaften, aus meiner Sicht.
Benutzeravatar
Sky Darmos
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 559
Registriert: 28.01.2006, 19:56
Wohnort: Birkenfeld

Re: Die Vorteile der chinesischen Sprache

Beitrag von Sky Darmos »

Babs hat geschrieben: Ich habe mir zum Beispiel mit einem anfangs sehr kleinen englischen Wortschatz, allein durch Lesen, im Laufe der Jahre ein ganz passables Englisch angeeignet und habe dabei so gut wie nichts im Wörterbuch nachgeschlagen. Die Bedeutung eines bestimmten Wortes erschließt sich automatisch, wenn man es immer wieder in einem bestimmten Zusammenhang liest.
Im Chinesischen klappt das leider nicht. Wenn ich keinen Anhaltspunkt für die Aussprache eines einzelnen Zeichens habe, kann ich noch so viel lesen, ich werde mir das Zeichen weder richtig merken, noch seine Bedeutung herausfinden können.
Im Chinesischen ergeben sich Wörter/Zeichen genauso gut aus dem Zusammenhang wie im Deutschen. Aus welchem Grund sollte es denn nicht so sein?
Benutzeravatar
Sky Darmos
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 559
Registriert: 28.01.2006, 19:56
Wohnort: Birkenfeld

Beitrag von Sky Darmos »

siedenderschnee hat geschrieben:Daher ist Chinesisch eine Sprache fuer Gedichte, ein Satz mit wenigen Zeichen und ist schon ein Bild vor Augen dargestellt. Deutsch ist dagegen eine Sprache fuer logisches Denken und wissenschaftliche Forschungen wegen der Genauigkeit.
Ich verstehe nicht ganz warum chinesisch ungeeignet sein sollte für Logisches Denken?
Benutzeravatar
Bellerophon
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 166
Registriert: 09.04.2006, 23:33

Beitrag von Bellerophon »

Grufti schrieb:
"oder wem fällt etwa ein "deutsches" Wort für "Handy" ein ????"

"Handy" ist eine deutsche Wortschöpfung, lediglich die Aussprache ist sozusagen importiert.
Die gängige englische Bezeichnung ist NOCH "mobilphone". Das Wort Handy hat sich als Germanizismus auf den Weg gemacht, auch den englischen Sprachraum zu erobern. Es gibt im Übrigen eine Vielzahl weiterer Germanizismen in vielen Sprachen. Die Bekanntesten sind Kindergarden, Rucksack, Schnitzel, Besserwisser, usw.
Dass tatsächlich so viele Anglizismen in die deutsche Sprache gelangen, hat sicherlich viel mit der "peppigen" Aussprache und der Kurzzilbigkeit des Englischen zu tun.
Das würde ich nicht als einen Substanzverlust der deutschen Sprache ansehen. In hundert Jahren sieht es vielleicht anders aus.

@Sky Darmos

Du hast hier im selben Atemzug die Wörter Jack und Jahr genannt und die unterschiedliche Ausprache bemängelt. Du vergleichst Äpfel mit Birnen.
Das Englische hat das Y mit der ursprüglichen halbvokalischen i Funktion belegt und das J sozusagen mit einem neuen Laut ausgestattet. Im Deutschen ist das nicht der Fall. Das Wort Computer ist ebenfalls englisch und kann daher nicht repräsentativ sein für das Deutsche, genauso wenig wie z.B. coocie, cake, catch, usw... Alles Anglizismen.
Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast