Grüß Dich Someone,
keine Panik wegen Deiner TS.
Bin bzw. war selbst TS - allerdings anders herum - MzF und habe etwas mehr als 4 Jahre ohne Probleme erst in Shanghais Süden und dann bis August 2011 auf´m Land nahe Hangzhou gelebt.
Da Du max. nur 12 Monate in China bleiben wirst, empfehle ich Dir für diesen Zeitraum genügend Medis aus Deutschland mit zu nehmen, denn in China bekommst Du Homone legal nur im Volkskrankenhaus. Nur wenn Du Deine Medis selbst mitbringst, kommst Du um ein Outing herum. Warum?
Auch wenn Du eine englischsprachige Indikation vor legst, würdest Du, so sie denn anerkannt wird, schon sprachlich bedingt eine Begleitung brauchen und spätestens dann muss Dein Arbeitgeber über Deinen wahren Chromosensatz Bescheid wissen.
Wenn er kein Problem mit Dir hat, kann er Dich bei der Medi-Beschaffung begleiten. Mich hat meine Chefin (Chinesin) begleitet, weil ich mich bei der Belegschaft nicht outen wollte. Das wäre auch für Dich der Idealfall, denn für die körperliche Untersuchung, um die Du meiner Erfahrung nach nicht herum kommst, kann Dir Dein Chef auch einen nicht involvierten Mitarbeiter zur Seite stellen. Wenn Du jemanden kennst, der keine Verbindung zum Arbeitgeber hat, erübrigt sich das natürlich alles.
Wenn es zu einer körperlichen Untersuchung kommt, kann Dir gar nichts passieren.
Das Du die GaOp noch nicht hast, bekommt niemand mit, denn den Schlüpper darfst du anbehalten.
Nun doch etwas Horror.
Die Mastektomie solltest Du aber hinter Dir haben. Wenn nicht, solltest Du Dein Vorhaben besser noch mal gründlichst überdenken. Das Geschlecht wird aus dem Pass in den Fragebogen eingetragen und wenn dann das Passing im "nackerten Outfit" oben herum nicht "male" ist, bekommst Du sicher trotzdem Dein Gesundheitszeugnis, aber dann weiß auch Deine noch unwissende Begleitung Bescheid, womit für Dein Outing ""gesorgt"" ist. Was eben auch passieren kann, wenn Du Dich bei Deinem Chef nicht outest. Insofern würde ich mich lieber gleich outen und mich schlimmsten Falls gleich wieder nach Hause schicken lassen, wenn der Chef so gar nicht mit Dir umgehen kann. Das ist besser, als bei der Untersuchung auf zu fliegen. Aber Du hattest ja die Mastektomie? Gerne per PN, wenn Du das hier nicht öffentlich machen willst.
Someone hat geschrieben:
Wie sehr muss ich in China wegen meines "speziellen" Körpers mit Diskriminierung auf der Arbeit und im Alltag rechnen?
Ich weiß jetzt nicht, wo Deine Grenze zur gefühlten Diskrimierung liegt. Wenn ein transidenter Mensch von Diskrimierung spricht, läuten bei mir die Alarmglocken, denn viele - besonders TS-Frauen - bieten genug Angriffsfläche, um es im sozialen Umfeld nicht ganz einfach zu haben und fühlen sich schon bei leichtem Gegenwind gleich diskrimiert. Das will ich Dir jetzt keines wegs auch unterstellen, aber Du sagst, dass Du seit 2009 in der Hormontherapie bist. Ihr Männer habt es doch viel einfacher ein authentisches Äußeres zu erreichen. Ich meine ihr habt Bartwuchs, bekommt eine tiefere Stimme. Alles Eigenschaften, die unsereins nur umständlich los werden kann. Wenn Du mit "speziellem Körper" eine kleine, schmale Gestalt meinst, bist Du in China doch genau richtig.
Was müsstest Du denn tun, damit Du auffällst?
Ich meine, solange Du Deine Vergangenheit niemandem auf die Nase bindest, brauchst Du doch an Diskrimierung gar nicht zu denken. Hüben wie drüben kann man anecken, wenn die Leute über einen Bescheid wissen. Wenn Dir sowas in Deutschland widerfahren ist, kann ich Deine Sorge verstehen, würde das aber nicht auf China übertragen wollen. Dort geht es wesentlich entspannter zu. Eine Bekannte lebt und arbeitet seit 15 Jahren komplett geoutet und integriert in China. Ihre Hormone bezieht sie von einem Psychologen, der sich in der Thematik auskennt.
Klar, man wird hinter Dir her tuscheln und vielleicht auch kichern und Du wirst es erst sehr persönlich nehmen, aber Du wirst schnell erkennen, dass sie nicht nur Dich so "aufdringlich" betrachten, sondern jeden anderen Ausländer genau so. In Pudongs Süden und später auf dem Land habe ich in Ecken gewohnt, wo es weit und breit keine anderen Ausländer gab. Als ich neu im Viertel war, sind manche wie angewurzelt stehen geblieben, als hätten sie ein Gespenst gesehen, Kleinkinder haben angefangen zu heulen - ich war tief verletzt, fühlte mich entlarvt, denn so Sch...e sehe ich nun auch wieder nicht aus. Als ich sie dann besser verstehen konnte, entpuppte sich ihr tuscheln als Erstaunen. Solch eine Papp- äh Langnase sehen sie nicht oft. Ich bin gewiss kein Kleiderschrank, aber recht groß. Einige hat das fasziniert, andere waren von meinen grau mellierten Haaren angetan. So what!
Someone hat geschrieben:
Auf einer internationalen LGBT-Seite las ich, dass Transsexuellen seitens der chinesischen Polizei zu gern Prostitution unterstellt wird und man teilweise mit fragwürdigen Indizien (z.B. durch den Besitz eines Kondoms) in Haft gehalten wird. Könnte mir das auch passieren?
Du bist ein Mann und wenn das deutlich erkennbar ist, wird man Dir kaum Prostitution unterstellen.
Das Horrorszenario von dieser "LGBT-Panik-und-gottchen-wir werden-diskriminiert-Seite" kann jeden überall treffen, egal ob Männlein oder Weiblein, wenn Sie entsprechend auffällig werden. Das ist kein ""Privileg"" transidentischer Menschen. In Anbetracht der Tatsache, dass Prostitution zwar verboten ist, aber jeder weiß, was in den "Friseurläden" mit der roten Beleuchtung abgeht, würde ich mir keinen Kopp darüber machen, dass man Dir Prostitution unterstellen könnte.
Someone hat geschrieben:
Und wenn ja: Käme ich dann in einen Männer- oder Frauengefängnis - sofern es diese Unterteilung in China gibt?
Ulkig, genau die gleichen ""Sorgen"" hat so manche Transfrau auch.
Bitte, Someone, mach Dich nicht selbst verrückt.
LG
Anne