Zeichen vs. Buchstaben

Übersetzungen, Computerprobleme, Chinesische Zeichen, Studium in China, Sinologie usw.
dmeik
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von dmeik »

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1 hat geschrieben:Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.
世界人权宣言, 第一条 hat geschrieben:人人生而自由,在尊严和权利上一律平等。他们赋有理性和良心,并应以兄弟关系的精神相对待。

Wenn ich vom Computerbildschirm soweit weggehe, dass ich gerade noch die deutsche Variante lesen kann, dann kann ich die Schriftzeichen nicht mehr erkennen ...

... ich kann aber keine Schriftzeichen, sonst würde mein Gehirn vielleicht mehr erkennen ...

robbe hat geschrieben: Das Erlernen von Schriftzeichen erscheint mir schwieriger bzw. umfangreicher zu sein als die paar Buchstaben.
Dass das Erlernen von Schriftzeichen schwieriger und langwieriger ist stellt wohl den Hauptgrund für den relativ hohen Analphabeten-Anteil in China dar (ich habe da Werte von 25 % und so gehört).

Ich habe auch irgendwo gehört (und ich kann es mir gut vorstellen), dass die jahrelange Schriftzeichenpaukerei die Denk- und Lernweise verändert. Chinesischer Unterrichtsstil soll viel strenger sein also bein uns ... sonst würden die Kiddies nie mehrere tausend Schriftzeichen lernen.
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Laogai
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von Laogai »

dmeik hat geschrieben:Wenn ich vom Computerbildschirm soweit weggehe, dass ich gerade noch die deutsche Variante lesen kann, dann kann ich die Schriftzeichen nicht mehr erkennen ...
... ich kann aber keine Schriftzeichen, sonst würde mein Gehirn vielleicht mehr erkennen ...
Seufz :(
dmeik hat geschrieben:Dass das Erlernen von Schriftzeichen schwieriger und langwieriger ist stellt wohl den Hauptgrund für den relativ hohen Analphabeten-Anteil in China dar (ich habe da Werte von 25 % und so gehört).
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dmeik hat geschrieben:Chinesischer Unterrichtsstil soll viel strenger sein also bein uns ... sonst würden die Kiddies nie mehrere tausend Schriftzeichen lernen.
Was genau verstehst du unter "strenger"?
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von dmeik »

laogai hat geschrieben:
dmeik hat geschrieben:Dass das Erlernen von Schriftzeichen schwieriger und langwieriger ist stellt wohl den Hauptgrund für den relativ hohen Analphabeten-Anteil in China dar (ich habe da Werte von 25 % und so gehört).
百闻不如一见
Dieser Link zeigt auf das "CIA World Factbook", wo ein Wert von knapp 91 % für die Alphabetisierungsrate angegeben wird. Der Wert zwischen Männern und Frauen (95 vs 86,5 %) unterscheidet sich aber doch. Diese Werte wurden anscheinend vor 10 Jahren erhoben.

laogai hat geschrieben:
dmeik hat geschrieben:Chinesischer Unterrichtsstil soll viel strenger sein also bein uns ... sonst würden die Kiddies nie mehrere tausend Schriftzeichen lernen.
Was genau verstehst du unter "strenger"?
Viele Hausaufgaben, wenig Freizeit, ständige Leistungsüberprüfungen, etc.

Ich habe mal einen Vortrag über betriebliche Weiterbildung gehört. Da hieß es, man müsste auch die nationalen Lerngewohnheiten berücksichtigen. Und als Beispiel nannte sie Frankreich und China, wo Unterricht nur ernst genommen würde, wenn er streng und mit "viel Druck" wäre, weil die Leute das eben aus ihrer Schulzeit so gewohnt sind.
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Taiyang
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von Taiyang »

dmeik hat geschrieben:
laogai hat geschrieben:
dmeik hat geschrieben:Chinesischer Unterrichtsstil soll viel strenger sein also bein uns ... sonst würden die Kiddies nie mehrere tausend Schriftzeichen lernen.
Was genau verstehst du unter "strenger"?
Viele Hausaufgaben, wenig Freizeit, ständige Leistungsüberprüfungen, etc.

Ich habe mal einen Vortrag über betriebliche Weiterbildung gehört. Da hieß es, man müsste auch die nationalen Lerngewohnheiten berücksichtigen. Und als Beispiel nannte sie Frankreich und China, wo Unterricht nur ernst genommen würde, wenn er streng und mit "viel Druck" wäre, weil die Leute das eben aus ihrer Schulzeit so gewohnt sind.
Der Druck kommt aber nicht vom Unterricht, sondern von der Umgebung.
Der Unterricht ist nicht wesentlich strenger, sondern einfach anders konzipiert. Wo in Deutschland mehr Wert auf Verstehen und Anwenden gelegt wird, ist es in China und Japan eben stures Auswendiglernen. Anders lernen sich 2000+ Zeichen auch nicht.
Obwohl natürlich der Faktor "365 Tage pro Jahr mit Schriftzeichen umgeben sein" schon einiges erleichtert.
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von dmeik »

Zur Analphabeten-Quote: Ich könnte mir vorstellen, dass das bei Schriftzeichen wesentlich schwerer zu messen ist ... wieviel Schriftzeichen muss man aktiv/passiv beherrschen, um als "alphabetisiert" eingestuft zu werden?


Zum vermeindlich strengeren Schulunterricht in China: in einem der schlauen Bücher über China, die ich gelesen habe, wurde behauptet, in Deutschland lebende Chinesen würden ihre Kinder lieber in China auf die Schule schicken, weil die Schulen in Deutschland so "lasch" sind, dass man dort nicht viel lernt.
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yaoshu
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von yaoshu »

dmeik hat geschrieben:Zur Analphabeten-Quote: Ich könnte mir vorstellen, dass das bei Schriftzeichen wesentlich schwerer zu messen ist ... wieviel Schriftzeichen muss man aktiv/passiv beherrschen, um als "alphabetisiert" eingestuft zu werden?
Artikel 7 der Vorschriften über die Bekämpfung des Analphabetismus der VRCh von 1993 definiert Lese- und Schreibfähigkeit im Chinesischen als die Beherrschung von 1 500 bis 2 000 Schriftzeichen.

Wuhu! Hundertster Beitrag xD
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Haima
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von Haima »

Taiyang hat geschrieben:Zum vermeindlich strengeren Schulunterricht in China: in einem der schlauen Bücher über China, die ich gelesen habe, wurde behauptet, in Deutschland lebende Chinesen würden ihre Kinder lieber in China auf die Schule schicken, weil die Schulen in Deutschland so "lasch" sind, dass man dort nicht viel lernt.
Also ich stelle eher den gegenteiligen Trend fest. Wer es sich leisten kann, schickt seine Tochter oder seinen Sohn im Ausland in die Schule.

Wohl gerade sehr im Trend: Frau und Kind leben in Kanada (nur damit das Kind dort in die Schule kann), der Mann bleibt in China und hortet das Geld. Naja, meist ja wohl inkl. Geliebte... :oops:

Habe gerade bei meinem Aufenthalt in China verschiedene solche Beispiele gehört. Kanada hat im Moment für Chinesen nicht soooo strenge Einwanderungsauflagen.

Gruss

Haima
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von dmeik »

Haima hat geschrieben:
Taiyang hat geschrieben:... in Deutschland lebende Chinesen würden ihre Kinder lieber in China auf die Schule schicken, weil die Schulen in Deutschland so "lasch" sind, dass man dort nicht viel lernt.
Also ich stelle eher den gegenteiligen Trend fest. Wer es sich leisten kann, schickt seine Tochter oder seinen Sohn im Ausland in die Schule.

Es ging um die Schulen in Deutschland, die zu lasch sind. In Kanada sind die Schulen vielleicht super-streng.
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von Taiyang »

Haima hat geschrieben:
Taiyang hat geschrieben:Zum vermeindlich strengeren Schulunterricht in China: in einem der schlauen Bücher über China, die ich gelesen habe, wurde behauptet, in Deutschland lebende Chinesen würden ihre Kinder lieber in China auf die Schule schicken, weil die Schulen in Deutschland so "lasch" sind, dass man dort nicht viel lernt.
psst. ich habe das gar nicht geschrieben! dmeik wars!

Ich meine aber auch, dass die, die es sich leisten können, ihre Kinder auch lieber auf internationale Schulen bzw. Schulen im Ausland schicken. Chinesische Schulen sind zwar anstrengend was das Lernpensum angeht, aber ich glaube, nicht wirklich streng(er). Und was man an deutschen Schulen bis zum Abi lernt, lernt man in manchen anderen Ländern erst in der Uni.
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von aquadraht »

yaoshu hat geschrieben:Artikel 7 der Vorschriften über die Bekämpfung des Analphabetismus der VRCh von 1993 definiert Lese- und Schreibfähigkeit im Chinesischen als die Beherrschung von 1 500 bis 2 000 Schriftzeichen.
Wuhu! Hundertster Beitrag xD
Tröstlich zu lesen, dass man kein Analphabet mehr ist. Auch wenn man sich immer noch wie einer vorkommt.

a^2

P.S. Ok die san qian hab ich auch halbwegs geknackt, aber ist schon ein langer Weg ..
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Beitrag von Laogai »

dmeik hat geschrieben:[...]ich habe da Werte von 25 % und so gehört[...]
dmeik hat geschrieben:[...]Ich habe auch irgendwo gehört (und ich kann es mir gut vorstellen)[...]
dmeik hat geschrieben:[...]Ich habe mal einen Vortrag über betriebliche Weiterbildung gehört[...]
dmeik hat geschrieben:[...]in einem der schlauen Bücher über China, die ich gelesen habe, wurde behauptet[...]
Nachtigall...
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von no1gizmo »

Chinesische Zeichen sind eigentlich voll überhohlt, da viel zu aufwendig zu lernen (Chinesen lernen doch an der Uni sogar noch neue Schriftzeichen). Chinesische Schriftzeichen haben nur zwei Vorteile, die mir so klar wurden:

1.) In Sprachen mit vielen Homophonen halten sich die Schriftzeichen besser, da sie Klarheit in die Schriftsprache bringen, aber wirklich nur in die Schriftsprache.

2.) Wenn die Schriftzeichen international bekannt sind und (weitgehend) die selbe Bedeutung tragen, sind sie sehr nützlich. Fragt mal no2gizmo, wie sie sich hier in Japan ohne nur ein Wort Japanisch zurecht findet... das klappt richtig gut.
So können sich gebildete Chinesen (egal welcher Dialekt) und Japaner sowie zum Teil noch Südkoreaner und Vietnamesen miteinander verständigen. Das ist ein echter Vorteil.

Mir fällt noch ein dritter Grund ein, welcher aber nicht besonders wichtig sein dürfte:

3.) Chinesische Schriftzeichen sind wegen ihrer Ästhetik im Vergleich zu Buchstaben im Marketing von Bedeutung.
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Ting Budong
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von Ting Budong »

laogai hat geschrieben:
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1 hat geschrieben:Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.
Universal Declaration of Human Rights, Article 1 hat geschrieben:All human beings are born free and equal in dignity and rights. They are endowed with reason and conscience and should act towards one another in a spirit of brotherhood.
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Die Menschenrechte kommen in China einfach zu kurz, da sieht mans mal wieder.
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von dmeik »

no1gizmo hat geschrieben: Chinesische Schriftzeichen haben nur zwei Vorteile, die mir so klar wurden:
Ich habe noch von einem weiterem Vorteil gelesen:

Schriftzeichen sind nicht wie Buchstaben-Schriften an die Aussprache gekoppelt. Dadurch muss sich die Schriftsprache nicht ändern, wenn sich die gesprochene Sprache verändert (irgendwelche Lautverschiebungen oder so). Deshalb können anscheinend auch "Durchschnitts-Chinesen" tausend Jahre alte Inschriften im Original lesen.

Zwar änderten sich die Schriftzeichen im Laufe der Zeit auch, aber nicht so stark, unkontrolliert und häufig wie die gesprochene Sprache.
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Laogai
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Re: Zeichen vs. Buchstaben

Beitrag von Laogai »

Ich fange mal vorne an:
no1gizmo hat geschrieben:Chinesische Schriftzeichen haben nur zwei Vorteile, die mir so klar wurden:
1.) In Sprachen mit vielen Homophonen halten sich die Schriftzeichen besser, da sie Klarheit in die Schriftsprache bringen, aber wirklich nur in die Schriftsprache.
Gut erkannt, aber es geht doch gerade um die Schrift, nicht um die Sprache! :roll:
no1gizmo hat geschrieben:2.) Wenn die Schriftzeichen international bekannt sind und (weitgehend) die selbe Bedeutung tragen, sind sie sehr nützlich. Fragt mal no2gizmo, wie sie sich hier in Japan ohne nur ein Wort Japanisch zurecht findet... das klappt richtig gut.
So können sich gebildete Chinesen (egal welcher Dialekt) und Japaner sowie zum Teil noch Südkoreaner und Vietnamesen miteinander verständigen. Das ist ein echter Vorteil.
Wiederum gut erkannt. Die chinesische Schrift ist eine Bilderschrift (Piktogramme, heute würde man auch Icons dazu sagen). Also unabhängig von der Aussprache. Nur deswegen haben sich die chinesischen Schriftzeichen anfangs auch in den Nachbarregionen, die selbst noch keine eigene Schrift entwickelt hatten und sprachlich extrem unterschiedlich sind (also das heutige Japan, Korea und einige südostasiatische Länder), durchsetzen können.

Ist doch egal, wie 木 ausgesprochen wird, jeder liest es als Baum. Oder halt Tree. Oder Ağac. Oder Arbre. Oder Йывăç. Oder Dare. Oder Дърво. So, reicht jetzt....
Seien wir doch nicht so hochnäsig! Die lateinischen Buchstaben sind zwar ganz nett zu lernen, aber auch nur auf die indogermanischen Sprachen anwendbar. Sollte es jemals eine Weltschrift geben, dann wird diese eher auf der Basis von Schriftzeichen bestehen, nicht auf einem Alphabet!
dmeik hat geschrieben:Deshalb können anscheinend auch "Durchschnitts-Chinesen" tausend Jahre alte Inschriften im Original lesen.
dmeik, ich liebe deine "ich habe gelesen", "ich habe gehört" und "in schlauen Büchern stand..." :wink:
"Durchschnitts-Chinesen" können die Bedeutung von alten Inschriften vielleicht erahnen, aber um alte Schriften lesen zu können benötigen auch Chinesen eine Bildung, die über den Durchschnitt hinaus geht. Erst seit ca. 150 Jahren wird in China so geschrieben, wie den Leuten der Schnabel gewachsen ist. Davor gab es eine knallharte Trennung von Schrift und Sprache.
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