Liberator hat geschrieben:
Ausbeuter, naja.
Ich glaube immer noch an Marktgleichgeweichte, und wenn deutsche Produkte im hohen Maße nachgefragt werden, dann ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland "wie bekloppt exportiert".
Um bei einer Währung, die sich zum (kleineren) Teil aus Überschuss- und zum anderen Teil aus Defizitländern zusammensetzt, an "Marktgleichgeweichte" (schöne Fehlleistung) zu glauben, braucht es in der Tat einen festen Glauben, sozusagen credo quia absurdum.
Die deutschen Exportvorteile sind zum grössten Teil Folge der manipulierten Währung Euro. Müsste nicht die gesamte Eurozone, sondern Deutschland allein die Folgen tragen, hätte der Aufwertungsdruck die Exportvorteile längst beseitigt.
Das "kaum importiert" wird, halte ich für ein Gerücht. Die Mehrwertsteuererhöhung hat den deutschen Konsum nicht gerade gefördert, aber an welchen Überseegütern fehlt es uns den?
"Uns" fehlt es vor allem an Binnennachfrage. Die Netto-Lohnquote ist in den letzten Jahrzehnten von über 50 auf 40% gesunken.
Ich denke nicht, dass "die Party gelaufen ist", klar, die Krise trifft auch Deutschland hart. Und Exportweltmeister ist seit letztem Jahr China.
Chinas BIP ist fast ein Drittel grösser als das deutsche (4,9:3,5Bill.$), Chinas Wirtschaft ist also deutlich weniger exportabhängig.
Nur was hat das mit dem Export zu tun, bzw. was für eine Alternative gibt es zum Export? Sollen wir unsere Industrieanlagen etwa solange demontieren, bis unsere Leistungsbilanz ausgeglichen ist?
Quatsch. Wir sollten unsere Binnenwirtschaft nicht weiter vernachlässigen und den Irrsinn der immer weiter drehenden Lohnabbauspirale stoppen. Die grossen wirtschaftlichen Expansionsphasen, sowohl vor dem Ersten als auch nach dem Zweiten Weltkrieg (in den USA schon früher), sind mit einer starken Steigerung der Lohnquote einhergegangen. Den schweren Kontraktionen, sowohl 1875 als auch 1929 und ebenso jetzt, ging eine langdauernde Phase der Kontraktion der Lohneinkommen und der Anhäufung des gesellschaftlichen Reichtums bei einer Minderheit der Höchstverdienenden voraus. Es ist nicht schlecht, auch zu exportieren, aber es ist Irrsinn, auf dem Binnenmarkt eine Austeritypolitik zugunsten der Exportwirtschaft zu betreiben.
Zudem ist die deutsche Wirtschaft in den Jahren vor der Krise ausserordentlich gut gewachsen.
Unsere Produkte sind nachwievor wettbewerbsfähig.
"Ausserordentlich gut": 2008 1,29% gegenüber Vorjahr, 2007 2,5%, prust. Im Durchschnitt 1998-2008 ist die BRD das Schlusslicht der EU und selbst der Eurozone, von UK oder USA noch gar nicht geredet. Von den "wettbewerbsfähigen Produkten" können die nicht runterbeissen, die wegen der mangelnden Kaufkraft keine Arbeit kriegen, als Eineurozwangsarbeiter rumkrebsen oder ihre Hungerlöhne aufstocken lassen müssen.
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