beowulf hat geschrieben:Naja - wie soll ich es ausdrücken. Hifi - zu einem gewissen Grad bist du da schon naiv, wenn du das auch wirklich so glaubst was du da schreibst. Aber ich schätze einmal du wolltest in Richtung eines "differenziertern" Weltbildes hin argumentieren.
Meiner Meinung nach ist die breite westliche Kritik nicht aufrichtig und allein um das Wohl der Chinesen besorgt. Menschenrechte, Demokratie und Freiheit sind meiner Meinung nach bei "Dragon Slayers" eher Propaganda Phrasen, hinter der sich Sinophobie gut verstecken lässt. Da kann ich Servus schon sehr gut verstehen.
Wo Servus aber eindeutig falsch liegt, ist das er einfach alle über einen Kamm scherrt. Es gibt sehr wohl auch Westler die es ernsthaft mit ihrer Menschenrechtskritik meinen und diese nicht als "Waffe" instrumentalisieren - und das sind gar nicht so wenige. Für mich ist z.B. Bernhard ein Beispiel dafür im Forum. Als Beispiel für einen ernsthaften und ehrlichen Kritiker in der westlichen Presse kann Georg Blume herangezogen werden. Und der hat dürfte bei Chinesen nicht unbeliebt sein, trotz kritischer Artikel.
Leider ist die breite westliche Presse und auch einige Poster hier im Forum hochgradig hysterisch, ideologieversessen, missionarisch und/oder sinophob. Und diese sind halt oft die Lautesten. Das Kehrbeispiel für den oft beschriebenen chinesischen Nationalisten.
ps. beim Namen "Huntington" hätte es mich fast geschmissen - Übrigens finde ich, dass dem sein Einfluss masslos überschätzt wird.
ps2. Was ich im moment irrsinnig lustig finde, ist die Diskussion ob es eine oder keine westliche "Anti-China Strategie" gibt. Wir haben doch in Europa exakt die gleiche Diskussion, da wird doch auch immer über einen "Masterplan" der Chinesen spekuliert bzw. ihnen einer Unterstellt.
Sorry beowulf, als ich die Diskussion mit Flieder und Servus angefangen habe, habe ich die ganzen auf Deusch geschriebenen Beiträge vorerst ausgelassen, damit ich nur auf diese beide Diskussionen konzentrieren kann.
Aber auf Deinem Beitrag möchte ich sehr gern einmal eingehen.
Ich gebe ja zu, dass ich sehr naiv bin, weil ich an bestimmte Ideale festhalte. Und ich weiß, die Welt ist aber viel viel komplizierter. Wie ich in meinem Eingangspost schon geschrieben habe, glaube auch ich, dass der Mensch primär böse und skrupellos ist. Niemand hilft die anderen, weil es für ihn eine Freude ist, sondern nur weil er erwartet, dass die anderen auch das selbe für ihn tun würde.
Natürlich sind die meisten Ideale der Philosophen und Humanisten nur Utopien und in der raue Realität nicht ganz durchsetzbar. Jeder, der nur mit Luft und Liebe lebt, wird in der grausamen Welt untergehen. Aber dennoch bin ich die Meinung, dass wir in der menschlichen Gesellschaft Ideale und Moral brauchen, damit wir nicht völlig in der igoistischen Barbarei versinken würden. Gleichheit ist zum Beispiel ein solches Ideal, das ich für sehr notwendig halte, damit wir nicht versuchen würden, andere Menschen zu diskriminieren. Oder auch einfach, damit die schwächeren Menschen in der Gesellschaft vor den Stärkeren geschützt sind. Und auch wichtig für mich ist die Erkenntnis, dass Hass und Gewalt nicht zur dauerhaften Lösung von Konflikten führen kann, aber jedoch genau die Instinkt in uns entspricht, die bei Problem immer als ersts ausbrechen will.
In der Diskussion mit Flieder kam schon zur Sprache, dass niemand auf der Welt heilig ist, aber das verlange ich doch gar nicht. Meine Meinung ist ledigtlich, dass man die anderen Menschen immer so behandeln sollte, wie man es auch gern erwartet, von den anderen behandelt zu werden. Und es gibt Fälle, wo man mit Moral und Vernunft auch die viel stärkere Gewalt besiegen kann. Als Mahatma Gandhi gegen die englischen Besatzer zum gewaltlosen Widerstand aufrief, zielte er eben darauf, dass die feine englische Gesellschaft sich sehr gern als moralisch und zivilisiert ansah. Als die britischen Besatzer das Feuer auf die wehrlosen indischen Demonstranten eröffneten, kippte die Stimmung in England um und die Britten mussten erkennen, wie hässlich ihre koloniale Ansprüche in dem Spiegel ihrer eigenen Moralvorstellung ausgesehen hat.
Das Problem, das ich während der Diskussion sowohl mit Chinesen als auch mit den Deutschen sehe, ist das beideseitige Misstrauen und den fehlenden Willen, sich in die Lage der anderen zu versetzen.
Die Chinesen meinen, dass die Diskussionen über Problem in China aus der Westen nicht ehrlich ist und sehr wahrscheinlich von Meinungsmacher gezielt gesteuert werden, damit China's Ansehen in In- und Ausland geschadet werden kann. Es soll eine strategische Entscheidung der westlichen Allianz sein, China's Regierung zum Umsturz zu bringen und da hofft man sich auch auf die Zersetzung von innen. In diesem Fall muss man tatsächlich erkennen, dass das Problem bei der westlichen Welt selbst gesucht werden muss. Die Tatsache ist, dass die westliche Allianz fast ununterbrochen auf der Welt Krieg geführt hat und keine der "befreiten" Länder heute wirklich besser geht. Und auch die Tatsache, dass die westlichen Nationen immer nur gezielt ihre Morallatte anwenden und bei den Verbündeten sehr wohl die Augen zudrücken, sogar mehr als häufig Diktatoren in verschiedenen Ländern unterstützten und immer noch unterstützen, lässt sich auch vermuten, dass der Westen tatsächlich so eine Art Masterplan verfolgt um ihre Vormachtstellung auf der Welt zu sichern und sogar um ärmere Ländern weiterhin ausbeuten zu können. Die westliche Morallatte ist also sehr scheinheilig und volle Lücken.
Unter anderen führt auch dies zu dem nationalistischen Denken der Chinesen, über dem wir hier ja ebenfalls diskutieren. Man glaubt also nicht daran, dass die Ausländer, auch wenn sie selbst meinen, ehrlich über Demokratie und Menschenrecht prädigen zu wollen, auch wirklich für das Wohl des chinesischen Volks sind. Wenn der Westen nicht alle Diktatoren und Misstände auf der Welt gleichermassen behandelt, sondern nur gezielt manche Länder als Feindbild aussucht, dann ist das Motiv des vermeintlichen guten Willens sehr fragwürdig oder sogar verdächtig. Ob das angetrebte Ziel, die kommunistische Diktatur umzustürzen, nicht doch die Zerschlagung der chinesischen Nation und die erneute Versklavung von Chinesen dient? Viel zu präsent ist noch die Erfahrung, wo China ein Selbstbedienungslanden der Westmächte war und die Chinesen im eigenen Land die Menschen 2. Klasse waren. Im Gegensatz zu dem westlichen Verständnis, würden die meisten Chinesen die Alleinherrschaft der KPC eher als das kleinere Übel im Vergleich zur Kolonialzeit ansehen. Und wenn das Motiv der Ausländer schon zweifelhaft und eher egoistisch vermuten lässt, wieso sollte man nicht selbst national sein und die Interesse der Chinesen auf die erste Stelle stellen? Ehrlich gesagt, kann ich diese Beweggründe sehr gut verstehen.
Mein Problem ist jedoch, dass diese Denkweise nur zum Hass und Unverständnis zwischen den Völkern und zwischen Ost und West führen kann, weil es immer auf die Feindseligkeit und die Bosheit der anderen Völker basiert ist. Ich bin jedoch die Meinung, dass der Mensch trotz seines niederen Motivs durchaus in der Lage ist, Mitgefühl für andere Menschen zu empfinden und diese auch mit Respekt zu behandeln. Selbst wenn die Westmächte weiterhin eine neokolonialistische Strategie fährt und die westlichen Meinungen durch gelenkte Medien instrumentalisiert werden, wenn man in Westen gern über Moral und Etik reden möchte, dann sollte man genau auf dem gleichen Ebenen mit Ihnen über die Moral und Etik vernünftig diskutieren. Nur so kann man Verständigung verschaffen und auch die Fehlverhalten der westlichen Zivilisation einen Spiegel vors Gesicht halten. Eine 2. Versklavung der Chinesen halte ich deswegen für kaum möglich, weil die moralische Erwartung der westlichen Bevölkerung gegenüber ihre eigene Regierung anders ist als vor 100 Jahren. Sonst haben wir eine Situation wie die Menschen vor dem 1. Weltkrieg. Man nimmt die Menschen aus anderen Nationen als verschieden und boshaft wahr. (Ein Beispiel hierfür ist diese gegenseitige Verdächtigung eines stetegischen Plans zur Weltherrschaft.) So konnten die Führsten und die Kaisern damals ihren Krieg führen und darauf stützen, dass die Soldaten an der Front absolut treu blieben. Während die Landesführsten (häufig untereinander verwandt) ihre große Politik und Machtspielchen gegeneinander spielen, mussten die Menschen unten, obwohl niemand vorher den anderen etwas angetan hatte, gegenseitig abschlachten. Und dann wird der Hass unstillbar und die Gewalt unaufhaltsam. Und wie man aus der Geschichte weisst, kann Hass und Gewalt sich zwischen Generationen erben und fortpflanzen. Wo soll die Welt dann landen? Auf die Selbstauslöschung unserer Species hoffen?
Wenn man von Naivität Spricht, das ist für mich OK. Aber was ist die Alternative dazu? Immer misstrauig sein, immer feindselig bleiben, immer einen Plan B für den gegenseitigen Masterplan bereithalten? Einer muss doch irgendwann mal anfangen ehrlich zu werden, auch wenn noch keine Regierung sowas macht. Und wenn man das Lied "IMAGINE" von John Lennon gehört hat, dann weiß man, dass es auch andere dumme auf der Welt gibt.
Ich habe jetzt den Titel "der falsche Chinese" erhalten, (auf Chinesisch heißt es "unter dem Hut stecken") weil mir vorgeworfen wurde, dass ich die Werte und Ansichten des Westens angenommen habe und die Gefühle und Gedanken der Chinesen in China nicht mehr verstehen kann. Ich empfinde es natürlich etwas anders. Ich bejahe nicht alles, was die westliche Mainsteam-Meinung entspricht und ich habe auch niemals meine chinesische Wurzel vergessen. Nur deswegen interessiere ich mich darüber, wie die Menschen in China geht und nur deswegen schreibe ich hier diese Zeilen. Ich kenne beide Welten und ihre Denkweise. Nur wenn ich etwas für richtig halte, dann behalte ich es erst, genau so wie man bei Erlernen von neuer Technologie auch tut. Aber wie ich schonmal selbst geschrieben habe, gibt es wohl nicht viele solche wie ich, weil die Akzeptanz von fremder Philosophie weitaus geringer ist als die Akzeptanz von fremder Technik. Das ist der Fluch für die Grenzgänger, sie gehören eben nirgendwo wirklich richtig hin.
hifi, der hofft, ein bisschen zur Verständigung zwischen den Welten beigetragen zu haben.